Springe zum Inhalt

„Es ist ein wahrhaft schaudererregendes Mysterium, das man niemals genug betrachten kann, dass nämlich das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem Zweck auf sich nehmen.“   (Papst Pius XII., Enzyklika Mystici Corporis)

Welche Macht ist dem Gebet verheißen?

Wenn man mit einem Ave Maria schönes Wetter machen, mit einem Rosenkranz eine Hypothek abstoßen, mit einer Wallfahrt unfehlbar sich eine Krankheit vom Leibe halten könnte, o, sie würden in Haufen zur Muttergottes laufen, und wir wären vor lauter „Religion“ religionslos geworden. Der Glaube ist kein Geschäftsträger irdischer Vorteile. (Kardinal Michael Faulhaber)

Warum beten?

Man kann fragen, warum es das Gebet brauche, wenn doch Gott schon weiß, was wir bedürfen. Es kann nur darum sein, weil sich durch die Sammlung des Betenden sein Gemüt reinigt und läutert, weil es fähiger wird zur Aufnahme der göttlichen Gaben, die uns ja nur geistig eingegossen werden. Denn nicht erst auf das Werben des Gebetes hin erhört uns Gott, der doch immer bereit ist, uns sein Licht zu geben, nicht ein sichtbares, sondern ein gedankliches und geistiges; aber wir Menschen sind nicht immer fähig, es aufzunehmen, wenn wir, auf fremdes Vielerlei hingeordnet, in der Finsternis zeitlichen Begehrens uns verfangen haben. (Heiliger Augustinus)

Wie beten?

Es gibt ein verlogenes Gebet, das Gott nicht erhören kann: Das Gebet des Faulen, der um den Erfolg bei einer Prüfung bittet; das Gebet des Faulenzers, der von Gott das tägliche Brot verlangt; das Gebet des Immermüden, der um Befreiung von der Standespflicht fleht; das Gebet des Drückebergers, der seine Arbeit fertig finden will. Sinn des Gebetes ist es, Licht und Kraft zu suchen; Licht, um Gottes Willen über uns zu verstehen, und Kraft, um ihn zu erfüllen. (Kardinal Jules Saliège)

Wann beten?

Die Sehnsucht betet stets, auch wenn die Zunge schweigt. Hast du immer Sehnsucht, so betest du immer. Viele rufen mit ihrer Stimme, sind aber stumm in ihren Herzen. Aber auch: wie viele schweigen mit ihren Lippen, rufen dagegen in heiliger Andacht. Und Gott hört sie. Viel Liebe, nicht viel Worte, wenn du betest. Nie werdet ihr gut beten, wenn ihr nicht von dem, was ihr betet, erfasst seid bis ins Herz! (Hl. Augustinus)

Was gewährt Gott dem Beter?

  Wir wissen aus dem Glauben, wie viel die Macht des schlichten, vertrauensvollen Gebetes vermag. Keinem anderen frommen Werke wurden jemals von dem Allmächtigen so große, so allgemeine, so feierliche Versprechungen gegeben wie dem Gebete: Bittet, und es wird euch gegeben werden, suchet, und ihr werdet finden, klopfet an, und es wird euch aufgetan werden. Wahrlich, wahrlich sage ich euch, was ihr in meinem Namen vom Vater begehren werdet, das wird er euch geben. (Papst Pius XI. In: Caritate Christi compulsi, 3.5.1932)

Worum beten?

Im Namen Jesu beten wir nur dann, wenn wir etwas erbitten, was Gottes würdig und unserem ewigen Heile dienlich ist. Ein Gebet, das nicht die Ehre und das Wohlgefallen Gottes und das Heil der Seelen im Auge hat, ist kein Gebet im Namen unseres Erlösers. (Hl. Vinzenz Palotti)

Wie hat Jesus Christus den Apostel Petrus zu seinem Stellvertreter auf Erden gemacht ?

  Jesus Christus hat den Apostel Petrus unmittelbar und persönlich zu seinem Stellvertreter auf Erden gemacht und ihn zum obersten Hirten und Lehrer der Kirche eingesetzt, und mit ihm dessen Nachfolger: die Päpste. Jesus Christus hat dies getan, noch bevor es neutestamentliche Schriften gab. Entsprechend ist nicht das Zeugnis der Evangelien maßgeblich für die Entstehung des Petrusamtes, sondern das konkrete geschichtliche Handeln Jesu Christi, das zeitlich vor der schriftlichen Abfassung der Evangelien war. Allerdings stimmt das geschichtliche Handeln mit dem Zeugnis des Neuen Testamentes völlig überein.

Was versteht man unter dem Jurisdiktionsprimat des Apostels Petrus ?

Unter dem Jurisdiktionsprimat des Apostels Petrus versteht man den rechtsgültigen Vorrang des Petrus vor den übrigen Aposteln und der ganzen Kirche, und zwar kraft göttlicher Festlegung. Christus hat den Apostel Petrus zum ersten aller Apostel und zum sichtbaren Haupt der ganzen Kirche bestellt, indem er ihm unmittelbar und persönlich den Jurisdiktionsprimat verlieh, d.h. ihn zum obersten Hirten und Lehrer der Kirche machte.

Haben auch die Nachfolger des Petrus den Jurisdiktionsprimat ?

Ja, nach der Anordnung Christi soll Petrus im Primat über die gesamte Kirche für alle Zeiten Nachfolger haben. Der Nachfolger ist von der Natur der Sache her für einen bestimmten Zeitraum einer und ist Bischof von Rom und der ganzen Weltkirche. Er wird auch Papst genannt.

Worin besitzt der Papst die volle und oberste Jurisdiktionsgewalt über die gesamte Kirche ?

Der Papst besitzt die volle und oberste Jurisdiktionsgewalt über die gesamte Kirche nicht bloß in Sachen des Glaubens und der Sitten, sondern auch in der Kirchenzucht und der Regierung der Kirche.

Was bedeutet päpstliche Unfehlbarkeit ?

Päpstliche Unfehlbarkeit bedeutet nicht, dass der Papst in seinem persönlichen Leben keine Fehler machen könnte, sondern, dass er, wenn er eine von Gott geoffenbarte Glaubens- oder Sittenwahrheit endgültig zu glauben vorlegt, kraft göttlichen Beistandes nicht irren kann. Eine solche unfehlbare Lehre verkündet der Papst auf feierliche Weise "ex cathedra" (wörtlich "von seinem Lehrstuhl" als oberster Lehrer der Kirche) und man nennt diese unumstößliche Glaubenswahrheit "Dogma".

Ist auch die Gesamtheit der Bischöfe unfehlbar ?

Auch die Gesamtheit der Bischöfe ist in oben beschriebener Weise unfehlbar, wenn sie entweder auf einem allgemeinen Konzil oder über den Erdkreis zerstreut, zusammen mit dem Papst - niemals aber ohne oder gegen ihn - eine Glaubens- oder Sittenlehre als Dogma verkündet.

Ist auch die Unfehlbarkeit es Papstes ein Dogma ?

Ja, die Unfehlbarkeit des Papstes ist ein Dogma, das heißt eine unumstößliche Glaubenswahrheit, die alle Gläubigen in der Kirche im Glaubensgehorsam anzunehmen haben.

Wie heißt das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes im Wortlaut ?

Das Erste Vatikanische Konzil (1869/70) hat das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in folgendem Wortlaut feierlich verkündet: "Wenn der Römische Bischof 'ex cathedra' spricht, das heißt, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen kraft seiner höchsten Apostolischen Autorität entscheidet, dass eine Glaubens- oder Sittenlehre von der gesamten Kirche festzuhalten ist, dann besitzt er mittels des ihm im seligen Petrus verheißenen göttlichen Beistands jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei der Definition der Glaubens- und Sittenlehre ausgestattet sehen wollte; daher sind solche Definitionen des Römischen Bischofs aus sich, nicht aber aufgrund der Zustimmung der Kirche unabänderlich. Wer sich aber - was Gott verhüte - unterstehen sollte, dieser Unserer Definition zu widersprechen: der sei mit dem Anathema (Kirchenbann) belegt."

Von wem stammt die Verfassung der Kirche ?

Die Verfassung der Kirche stammt von Jesus Christus. Deshalb spricht man von einer heiligen Verfassung, griechisch: Hierarchie.

Kann die Hierarchie der Kirche in eine andere Verfassung übergehen ?

Die hierarchische Verfassung der Kirche kann nicht verändert werden, weil Jesus Christus seine Kirche bis zum Ende der Zeiten in dieser Form erhalten will. Deshalb kann zum Beispiel niemand aus der Hierarchie eine Demokratie machen.

Auf welches Fundament hat Jesus Christus die Kirche erbaut ?

Jesus Christus hat die Kirche auf das Fundament der Apostel gebaut, indem er bestimmte Männer zu seinen Aposteln erwählt (vgl. Mt 10, 1-4) und ihnen besondere Vollmachten übertragen hat. Simon Petrus machte er zum ersten der Apostel und zu seinem Stellvertreter auf Erden (vgl. Mt 16, 18-20).

Wie lautet der Sendungsauftrag Jesu Christi an die Apostel ?

Jesus Christus hat zu den Aposteln gesagt: "Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28, 18-20)

Welche Vollmachten hat Jesus Christus seinen Aposteln übertragen ?

Jesus Christus hat seinen Aposteln drei grundsätzliche Vollmachten übertragen: erstens die Kirche zu leiten, zweitens die Kirche zu lehren und drittens die Kirche zu heiligen.

Wann und wie hat Jesus Christus den Aposteln diese Vollmachten übertragen ?

Jesus Christus hat den Aposteln in der Zeit seines öffentlichen Wirkens bzw. nach seiner Auferstehung die verschiedenen Vollmachten übertragen. Er tat dies unmittelbar und persönlich.

An wen sind die Vollmachten der Apostel nach deren Tod übergegangen ?

Die Vollmachten der Apostel sind nach deren Tod an die Bischöfe, die des Petrus an die Päpste  übergegangen.

Was versteht man unter Apostolischer Sukzession ?

Unter Apostolischer Sukzession versteht man die ununterbrochene Weitergabe der Vollmachten, die von den hl. Aposteln durch das Sakrament der Weihe auf deren Nachfolger, die Bischöfe übergegangen ist. So stehen die gültig geweihten Bischöfe in ununterbrochener Nachfolge der hl. Apostel. Die gültig eingesetzten Päpste stehen in ununterbrochener Nachfolge des hl. Petrus.

Sind die "evangelischen Bischöfe" wirklich Bischöfe ?

Die aus der sogenannten Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften, die sogenannten "Protestanten" haben bis heute keine gültig geweihten Bischöfe in ihren Reihen. Mit der abendländischen Glaubensabspaltung von der katholischen Kirche ist für den Bereich des Protestantismus die Apostolische Sukzession abgebrochen. Weil kein gültig geweihter Bischof die sogenannte "Reformation", die eigentlich eine Deformation war, mitgemacht hat, wurde in der Folge keine gültige Bischofsweihe gespendet. Die heutigen Vertreter des Protestantismus nennen sich zwar "Bischöfe", sind es aber in Wirklichkeit nicht.

Wer gehört zur Hierarchie der Kirche ?

Zur Hierarchie der Kirche gehören die gültig geweihten Bischöfe, Priester und Diakone. Gültig geweiht heißt, dass ein in apostolischer Sukzession stehender Bischof einen Mann durch entsprechende Intention mittels Handauflegung und Gebet entweder zum Bischof, Priester oder Diakon weiht. Damit eine solche Weihehandlung eingebunden ist in die kirchliche Gemeinschaft, muss sie nach den Prinzipien des geltenden Kirchenrechts erlaubterweise stattfinden.

Welche beiden Stände gibt es in der Kirche ?

In der Kirche gibt es den Klerikerstand (dazu gehören Bischöfe, Priester und Diakone) und den Laienstand (dazu gehören nichtgeweihte Ordensleute und alle Getauften). Der Klerikerstand soll sich für jedermann sichtbar insbesondere durch die Klerikerkleidung vom Laienstand unterscheiden.

Welche sind die natürlichen Gaben Gottes?

Die natürlichen Gaben Gottes unterscheiden sich in die äußeren, die auf den Leib ausgerichtet sind (z.B. Gesundheit, Nahrung, Wohnung, Kleidung) und in die inneren, die auf die Seele ausgerichtet sind (z.B. Verstand, Wille, Gedächtnis, Talente).

Was ist die Gnade?

Die Gnade ist eine innere, übernatürliche Gabe Gottes, die wir nicht verdient haben.

Warum wird die Gnade als "innere" Gabe Gottes bezeichnet?

Die Gnade wird als "innere" Gabe Gottes bezeichnet, weil sie für die Seele des Menschen gedacht ist.

Warum wird die Gnade als "übernatürliche" Gabe Gottes bezeichnet?

Die Gnade wird als "übernatürliche" Gabe Gottes bezeichnet, weil sie im Gegensatz zu den natürlichen Gaben Gottes nicht zu unserer Natur gehört. Vielmehr kommt sie ihr zu und geht über sie hinaus. Sie überragt die Natur an Güte und Kraft. Sie kann nur von Gott kommen. Niemand kann sie von sich aus erwerben.

Warum ist die Gnade eine Gabe Gottes, die wir nicht verdient haben?

Nach dem Sündenfall der ersten Menschen hätte der Mensch aufgrund seiner erbsündlichen Veranlagung nichts anderes verdient als die ewige Verdammnis und Gottferne der Hölle. Es ist ausschließlich seiner unendlichen Liebe und Barmherzigkeit zu verdanken, dass uns Jesus Christus von der für alle geltenden Höllenstrafe erlöst hat und uns die Gabe Gottes ermöglichen kann, dennoch in die Herrlichkeit des Himmels einzugehen.

Welche beiden Hauptarten der Gnade gibt es?

Es gibt die heiligmachende und die helfende Gnade.

Was ist die heiligmachende Gnade?

Die heiligmachende Gnade ist heiliges, übernatürliches göttliches Leben in unserer Seele, das uns befähigt, Kinder Gottes zu werden und Erben des Himmels zu sein. Dieses kostbare Geschenk haben wir in der heiligen Taufe erhalten. Sie wird durch die leichten (lässlichen) Sünden geschwächt, sie geht ganz verloren durch die schweren Sünden (Todsünden). Wir erhalten sie wieder durch eine gute heilige Beichte. Vermehrt wird die heiligmachende Gnade, wenn wir die Sakramente empfangen, beten und gute Werke tun.

Was ist die helfende Gnade?

Die helfende Gnade ist eine übernatürliche Hilfe Gottes, die uns hilft, zu erkennen, zu wollen und zu tun, was zum Himmel führt. Wir brauchen sie, weil wir ohne sie nichts für unser ewiges Heil tun können. Sie erleuchtet unseren Verstand (erleuchtende Gnade). Sie bewegt unseren Willen (Bewegende Gnade). Sie treibt uns an zum Guten, begleitet und vollendet es (antreibende und vollendende Gnade). Sie hilft uns also, Gottes Gebote zu halten und die Sünden zu meiden. Sie drängt uns zu einer guten heiligen Beichte, damit wir die heiligmachende Gnade wiedererlangen, falls wir sie durch lässliche Sünden geschwächt oder durch Todsünden verloren haben. Sie gibt uns Beharrlichkeit im Guten bis ans Ende, damit wir auch wirklich einst zur Anschauung Gottes gelangen.

Was muss der Mensch tun, dass ihm die Gnade hilft?

Der Mensch muss die Gnade bereitwillig aufnehmen und mit ihr wirken. Gott hält uns reiche Gnade bereit. Wir sollen sie dankbar annehmen im Gebet, in der häufigen hl. Beichte und hl. Kommunion, in den übrigen Sakramenten und in der treuen Erfüllung unserer Pflichten. (vgl. Ps 94; 2 Kor 6,1)

Wie ist das Verhältnis zwischen dem Stand der Gnade und den guten Werken?

Wenn wir gute Werke im Stande der Gnade tun, verdienen wir mehr Gnade auf Erden und größere Seligkeit im Himmel. Darum heißen solche Werke verdienstliche Werke. Die guten Werke, die man im Stande der Todsünde tut, sind nicht verdienstlich, aber nicht wertlos: Sie können dem Sünder die Bekehrung und zeitlichen Segen bringen. Wenn der Todsünder sich bekehrt, leben die verlorenen guten Werke mit der heiligmachenden Gnade wieder auf.

Welche entscheidenden Entwicklungen bestimmen das Leben der Kirche nach Pius IX.?

Noch unter Pius IX. erließ Bismarck einige Gesetze gegen die katholische Kirche: 1871 Kanzelparagraph, 1872 Schulaufsichts- und Jesuitengesetz, 1873 Maigesetze (Ausbildung und Anstellung der Geistlichen, kirchliche Disziplinargewalt und erleichterter Kirchenaustritt), 1874/75 Einführung der obligatorischen Zivilehe, 1875 Aufhebung aller Klöster und Ordensniederlassungen in Preußen und „Brotkorbgesetz“ (Sperrung aller Pflichtleistungen des preußischen Staates an die Kirche als Ausgleich für die Enteignung in der Säkularisation). Trotz all dieser Maßnahmen wuchs das katholische Volk enger zusammen, so daß Bismarck 1880 mit dem Abbau der Kulturkampfgesetze begann.

Mit dem Verlust der äußeren Macht wuchs das moralische Ansehen der katholischen Kirche. Die Regierung Leo XIII. (1878-1903) brachte einen stetig anwachsenden Prestigegewinn des Papsttums. Sogar der deutsche Kaiser Wilhelm II. besuchte den Papst 1890 persönlich im Vatikan. Eine der wichtigsten Leistungen dieses Papstes bestand darin, daß er die erste Sozialenzyklika herausgab. Das gesamte 19. Jh. ist vor allem bedeutsam wegen der Konversionen bedeutender Persönlichkeiten wie John Henry Newman, dem späteren Kardinal. Aber auch Heilige wie Johannes Bosco (1815-1888) oder Johannes Vianney (Pfarrer von Ars, +1859) sind hier zu nennen.

Welche Schwerpunkte setzte der hl. Papst Pius X. in seiner Regierung?

Pius X. war ganz und gar Seelsorger, nicht Diplomat wie manche seiner Vorgänger. Ihm ging es besonders um die Reinhaltung des Glaubens, wovon seine Enzyklika „Pascendi“ zeugt. Sie richtet sich gegen den Modernismus in der katholischen Kirche als Hauptübel der Verfälschung der Glaubenslehre. Daher führte der Papst den „Antimodernisteneid“ ein. Pius X. starb, als der 1. Weltkrieg ausgebrochen war, den er zu verhindern gesucht hatte. Benedikt XV. warnte davor, Europa in Sieger und Besiegte aufzuspalten, und billigte nicht den Versailler Vertrag. Sein innerkirchlich wichtigstes Werk war die Veröffentlichung des kirchlichen Gesetzbuches, das schon sein Vorgänger in Auftrag gegeben hatte. Es trat 1918 in Kraft.

Wie entwickelte sich die Kirche in Deutschland?

Gesellschaftspolitisch hatten die Deutschen mit dem Verkraften des verlorenen Weltkrieges zu tun, kirchlich zeichnete sich ein großer Aufbruch ab. 1909 begann die „liturgische Bewegung“ in Mecheln, die Teilnahme an der hl. Messe sollte den Menschen erleichtert werden. Bischöfe und Priester sowie das Volk bemühten sich um ein Leben nach ihrer katholischen Spiritualität. Auch die Ökumene gewann an Bedeutung. Zuerst kam das Gespräch mit der Ostkirche in Gang. Aufgrund der Zunahme der sog. Mischehen wurde das ökumenische Gespräch auch in Deutschland zunehmend wichtig. Die Zeit zwischen den Weltkriegen war durch einen Anstieg an Konversionen vom Protestantismus zur katholischen Kirche gekennzeichnet. Pius XI. hat in seiner Regierungszeit (1922-39) viele Enzykliken erlassen, z.B. 1930 über die christliche Ehe, 1931 (40 Jahre nach der ersten Sozialenzyklika Leo XIII.) über die christliche Gesellschaftsordnung. Besonders lag ihm die „Katholische Aktion“ am Herzen, durch die er die Aufgabe der Laien in der Kirche stärken wollte. Mit dem Abschluß des „Lateranvertrages“ 1929 erlangte der Papst seine volle Souveränität über den kleinen Vatikanstaat. Er wurde auch zum Herausgeber der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (1937), die sich ausschließlich mit der Situation der Kirche in Nazi-Deutschland befaßte. Obwohl der Papst durch seinen Staatssekretär Pacelli, den nachmaligen Papst Pius XII., 1933 ein Konkordat mit Deutschland geschlossen hatte, konnte er nicht beeinflussen, daß sich Hitler als Vertragspartner an die konkordatären Abmachungen hielt. Er starb vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Die deutsche Kirche unter Pius XII.

Eugenio Pacelli wurde in einem der kürzesten Konklave der Geschichte im 3. Wahlgang zum Papst gewählt und nannte sich Pius XII. Sein Regierungsmotto war: „Gerechtigkeit schafft Frieden“. Als Papst versuchte er den Ausbruch des 2. Weltkrieges zu verhindern, aber seine diplomatischen Bemühungen schlugen fehl. Von antikatholischer Seite wird ihm heute vorgeworfen, daß er nichts zur Rettung der Juden getan habe. Dabei weist die objektive Geschichtsschreibung das Gegenteil nach. Allein in Rom sind auf sein Bemühen hin ca. 800.000 Juden gerettet worden. Da er jahrelang Nuntius in Deutschland, zunächst in München, später in Berlin, war, sprach er ausgezeichnet deutsch. Schon unter seinem Vorgänger begann der Kirchenkampf der Nazis gegen die katholische Kirche infolge von Verboten, die das kirchliche Leben lähmen, später ganz zum Erliegen bringen sollten. Nachdem Hitler zunächst die „Judenfrage“ lösen wollte, sollte nach dem „Endsieg“ die „Katholikenfrage“ gelöst werden. Hitler hat nur wegen des Krieges am Konkordat festgehalten, „nach Beendigung des Krieges werde es mit dem Konkordate aus sein“ (H. Picker, Hitlers Tischgespräche, 1965, 435/437). In die Regierungszeit Pius XII. fallen die Dogmatisierung der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel sowie zahlreiche Enzykliken und Lehrschreiben, Radio- und sonstige Ansprachen, in denen der Papst unermüdlich für die Reinhaltung der Lehre und der Disziplin in der katholischen Kirche kämpft. Auch Teile der Liturgie und die Vorschriften zum Kommunionempfang hat er geändert bzw. erleichtert. Das waren Vorstufen für spätere Änderungen.

Das Pontifikat Johannes XXIII. und das Konzil (Vaticanum II)

Nach dem Tode Pius XII. überraschte der neue Papst die Welt mit der Einberufung eines Konzils, von dem manche mutmaßten, es solle das Erste Vaticanum fortsetzen. Doch im Gegensatz zu diesem bezeichnete sich das Zweite Vaticanum als Pastoralkonzil, erließ keine Dogmen und versuchte ausschließlich, die katholische Lehre für alle Menschen „verstehbar“ zu machen, was Johannes XXIII. mit seinem „Aggiornamento“ angeregt hatte. Unter dem Einfluß bestimmter Kreise, hauptsächlich aus der modernistischen Ecke, haben sich Entwicklungen in der Kirche eingeschlichen, die die Glaubwürdigkeit der Kirche als ganze in Frage stellen. Das ist erkennbar an dem Wildwuchs in der Feier der Liturgie bis hin zu Uminterpretationen der Glaubenslehre bzw. Leugnung von Glaubenswahrheiten, etwa der Auferstehung Jesu. Johannes XXIII. soll, unbestätigten Berichten zufolge, kurz vor seinem Tod 1963 die Anwesenden dringend angefleht haben, das Konzil abzubrechen.

Papst Paul VI. und seine Bemühungen

Paul VI. hat ein sehr undankbares Amt in einer Zeit angetreten, als sozusagen alle Welt im Aufruhr war. Es war die Zeit der klassenkämpferischen 68er, die allen Gehorsam und alle Verpflichtung aus dem Erbe einer gewachsenen Kultur ablehnte. Sämtliche Bemühungen des Papstes, die Kirche wieder zu ihrem eigentlichen Glaubensgut zurückzuführen, schienen fehlzuschlagen. Er mußte sich aus aller Welt Beschimpfungen gefallen lassen. Am meisten ist ihm von den Sexualaufklärern zur Last gelegt worden, daß er die sog. „Pille“ nicht freigegeben hat. Kard. Döpfner, der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, war vom Papst als Leiter einer Arbeitsgruppe beauftragt worden, die anthropologisch-moralischen Aspekte der Freigabe der Pille zu untersuchen. Als diese Arbeitsgruppe dem Papst empfahl, den Gebrauch der Pille zu gestatten, konnte er sich nicht dazu entschließen und schrieb die Enzyaklika Humanae Vitae. Kurz vor seinem Tod soll Kard. Döpfner einem Moraltheologen gegenüber geäußert haben, der Papst könne mit seiner Enzyklika doch Recht gehabt haben, so in einem Leserbrief in der DT.

Das Pontifikat Johannes Paul II.

Nach dem Tode Paul VI. regierte Johannes-Paul I. 34 Tage. Nach ihm wurde Kard. Woityla zum Papst gewählt. Er hat bis jetzt ein Pontifikat der Rekorde hinter sich: an Reisen, Enzykliken, Ansprachen u.v.m., was nicht aufgezählt werden kann. Seine Art, auf alle Menschen zuzugehen, ihre Religion und Kultur ernstzunehmen, hat ihm schon viel Kritik eingetragen. Von protestantischer Seite wird ihm trotzdem der Vorwurf gemacht, der Papst verfolge ausschließlich eine „Rückkehr-Ökumene“, d.h., eine konfessionelle Einigung könne es nur geben, wenn die Angehörigen anderer christlicher Konfessionen in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückkehren. Nachdem unter Pius XI. das Kardinalskollegium schon für Nicht-Italiener geöffnet wurde, hat der jetzige Papst das Gewicht der Kardinäle so verlagert, daß die Italiener nicht (mehr) in der Überzahl sind. Den nachhaltigsten Eindruck jedoch hinterläßt der Papst sicher aufgrund der Tatsache, daß er sein Leiden mit einer Bereitschaft trägt, die Ihresgleichen sucht. Doch sollte man bedenken, daß der Papst hauptsächlich dadurch wirkt, daß er gegen den Zeitgeist an den Glaubenswahrheiten festhält, was vor allem in seinem Zeugnis an Weihnachten und Ostern jeden Jahres deutlich wird. Wichtigstes Ereignis seines Lebens: der Mordanschlag auf sein Leben, der durch das Eingreifen der Gottesmutter nicht verwirklicht wurde.

Welches sind die wichtigsten Ereignisse der kirchlichen Neuzeit?

Die Ereignisse der kirchlichen Neuzeit sind eng gebunden mit den allgemeingeschichtlichen Vorgängen: Französische Revolution, Säkularisierung, Restauration der deutschen Kirche im 19. Jahrhundert, Ende des Kirchenstaates, Erstes Vatikanisches Konzil.

Ursache und Folgen der Französischen Revolution

Es ist eine nicht zu leugnende Tatsache, daß an der Entstehung und Durchführung der Französischen Revolution maßgebliche Kreise der Kirche beteiligt waren. Letztlich ging es wie bei nahezu allen weltlichen Streitigkeiten um materielle Güter.

„Um die Finanznot des Staates zu decken, griff die französische Nationalversammlung auf den Vorschlag des Bischofs Talleyrand (1754-1838) zurück, das gesamte Kirchengut zu enteignen und zur Bezahlung der öffentlichen Schulden heranzuziehen.“ (A. Franzen, Kleine Kirchengeschichte) 1790 wurden alle nichtkaritativen Orden und Klöster aufgehoben, im gleichen Jahr wurde die französische Kirche von Rom getrennt und dem  französischen Staat eingegliedert, von den Geistlichen wurde ein Eid auf diese Konstitution verlangt. Da zwei Drittel des Klerus den Eid verweigerten, kam es zu blutigen Verfolgungen, in deren Verlauf etwa 40.000 Priester eingekerkert, deportiert oder hingerichtet wurden. Im November 1793 wurde das Christentum in Frankreich abgeschafft und der „Kult der Vernunft“ eingeführt. Erst Napoleon Bonaparte stürzte durch einen Staatsstreich das Direktorium in Paris, und damit endete die Anfeindung gegen das Christentum.

Was geschah unter Napoleon?

Napoleon betrachtete Religion nur als politischen Faktor und schloß mit dem Papst 1801 ein Konkordat, um die Ordnung in Frankreich wiederherzustellen. Doch im geheimen fügte Napoleon dem Konkordat 77 „Organische Artikel“ bei, die das im Konkordat Ausgehandelte z.T. wieder rückgängig machten. 1808 ließ Napoleon Rom und den Kirchenstaat besetzen. Der Papst wurde bei Paris gefangengesetzt, als er mit dem Bann antwortete. Napoleon versuchte vom Papst den Verzicht auf den Kirchenstaat zu erpressen. Als Napoleons Macht durch die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 endgültig zusammengebrochen war, wurde auf dem Wiener Kongreß 1814/15 die Neuordnung Europas vorgenommen.

Wie kam es zur Säkularisierung in Deutschland?

Im Reichsdeputationshauptschluß von Regensburg 1803 wurde die Enteignung und Säkularisierung von 22 (Erz-)Bistümern, 80 reichsunmittelbaren Abteien und über 200 Klöstern angeordnet. Das damit verbundene Vermögen eigneten sich Fürsten und Adlige an, die im weiteren Verlauf der Geschichte manches Kloster o.a. an kirchliche Einrichtungen (Orden oder Kongregationen) übergaben. Das war kein Ausdruck der Selbstlosigkeit, sondern den weltlichen Besitzern wurden die Unterhaltung und Instandhaltung mancher Klöster oder kirchlicher Gebäude zu teuer. Im Gefolge dieser Ereignisse entwickelte sich in Deutschland die „Volkskirche“, d.h., Bischöfe, Priester und Gläubige fühlten sich enger verbunden.

Wozu führte die Restauration der deutschen Kirche im 19. Jh.?

Die Enteignung der Kirchengüter wurde von der deutschen Kirche immer als Kirchenraub angesehen. Durch Konkordate und Vereinbarungen suchte sie in Verhandlungen mit den einzelnen Staaten eine Reorganisation der einzelnen Bistümer herzustellen. Konkordate kamen zustande mit Spanien, Neapel (damals Königreich), Sardinien, Frankreich, Rußland und Bayern. Mit einfacheren Verträgen (Zirkumskriptionsbullen) begnügten sich Österreich und die übrigen deutschen Staaten. Wichtiger war das Erwachen der Religiosität allgemein etwa im Zuge der Romantik. Hier sind heute noch wichtige Namen zu nennen wie Johann Michael Sailer (1751-1832) in Regensburg oder der hl. Klemens Maria Hofbauer (1751-1820) in Wien. Der sel. Adolf Kolping (+1865) wurde zum Typ des neuen Volksseelsorgers. Im „Kölner Ereignis“ wurde 1837 der Erzbischof Clemens August von Droste-Vischering von der preußischen Regierung verhaftet, weil er in der Mischehenfrage nicht von seinem kirchlichen Standpunkt abrücken wollte. Dies bestärkte das katholische Gemeinschaftsbewußtsein. Ab 1848, dem Revolutionsjahr,  gab es den jährlich wiederkehrenden Katholikentag. 1852 schlossen sich erstmals katholische Abgeordnete im Preußischen Landtag zu einer „Katholischen Fraktion“ zusammen, die sich seit 1858 „Zentrumspartei“ nannte. Da es noch keine Sozialgesetzgebung gab, entstanden überall in Deutschland Caritaskreise und Wohltätigkeitsvereine.

Was wurde aus dem Papst und dem Kirchenstaat?

Pius VI. starb als Gefangener der französischen Revolutionsregierung 1799 in Valence an der Rhone. Auf dem Wiener Kongreß konnte 1815 ohne große Schwierigkeiten der von Napoleon geraubte Kirchenstaat wiederhergestellt werden, der sich aber als große Belastung für das Papsttum herausstellte. In Italien drängten außerkirchliche Kräfte nach nationaler Einheit. Seit 1849 war der Kirchenstaat unter dem Einfluß der Carbonari und Freimaurer so verhaßt, daß er sich nur noch mit französischer Hilfe halten konnte. Pius IX. (1846-78) wurde anfangs begrüßt, weil er als liberal und national galt. 1848 wurde der erste päpstliche Ministerpräsident, Graf Pellegrino Rossi, ermordet. Der Papst mußte nach Gaëta fliehen, und in Rom brach die Revolution aus. Mit französischer Hilfe konnte der Papst Rom und den Kirchenstaat zurückerobern, doch nach für den Papst verlorenen Schlachten 1859 und 1860 ließ sich Viktor Emanuel 1861 in Florenz zum König von Italien proklamieren. Rom war nur durch eine französische Besatzung geschützt. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurden die französischen Truppen aber gebraucht, so daß Rom schutzlos war. 1870 war das Ende des Kirchenstaates nach über tausendjährigem Bestand. Viktor Emanuel erklärte Rom zu seinem Regierungssitz. Er bot dem Papst eine Jahresrente als Ersatz, doch der Papst blieb als „Gefangener des Vatikans“ in seiner ablehnenden Haltung. Erst Pius XI. machte den unerfreulichen Zuständen ein Ende, indem er 1929 mit Mussolini den „Lateranvertrag“ schloß.

Welche Bedeutung hatte das Erste Vatikanische Konzil?

Im Vorfeld des Konzils hatte Papst Pius IX. den „Syllabus“ veröffentlicht, eine Zusammenstellung von 80 Zeitirrtümern, die vom katholischen Standpunkt aus zu verwerfen seien. Weil im Syllabus der Liberalismus besonders scharf kritisiert wurde, beschuldigten Katholiken, aber noch mehr Protestanten den Papst und die katholische Kirche der Rückständigkeit und Kulturfeindschaft. Ausgerechnet aus Frankreich kam die Forderung, dem Papst eine mit unfehlbarer Autorität ausgestattete Vollmacht zuzuerkennen, die dann im Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes realisiert wurde, allerdings anders, als manche Befürworter forderten: statt die Unfehlbarkeit auf alle Bereiche des amtlichen und persönlichen Sprechens und Handelns des Papstes auszudehnen, wie manche forderten, definierte das Konzil unter Vorsitz des Papstes, daß er dann unfehlbar sei, wenn er als Amtsperson (=ex cathedra) für die ganze Kirche eine endgültige Entscheidung über eine Sache des Glaubens oder der Sitte treffe. Diese sei dann in sich (=ex sese) unfehlbar und unabänderlich, ohne daß sie dazu erst noch der Zustimmung der Kirche bedürfe.

Welche Folgen hatten das Konzil und das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes?

Heftiger Widerstand gegen die Verkündung des Dogmas kam aus Deutschland. Zahlreiche Professoren der unterschiedlichen Fakultäten wie Bonn, München u.a. verweigerten den von den Bischöfen geforderten Gehorsam und wurden exkommuniziert. 1871 hielten sie den ersten „Altkatholiken-kongreß“ in München ab. Ignaz von Döllinger, der sich gegen das Dogma aussprach, warnte davor, eine Kirchenspaltung herbeizuführen. Es kam aber doch zur Gründung der „Altkatholischen Kirche“, der Döllinger selbst nie beigetreten ist, ihr aber verbunden blieb. Obwohl man bestrebt war, das katholische Glaubensgut beizubehalten, lockerte sich nach der Spaltung die Kirchendisziplin merklich. Die Kirchenspaltung wurde dadurch endgültig, daß sich der Breslauer Theologieprofessor Reinkens von dem Jansenistenbischof Heykamp in Deventer (Holland) zum Bischof konsekrieren ließ. In neuester Zeit hat die altkatholische Kirche sogar die Frauenordination vorgenommen, so daß Einigungsgespräche jetzt umso schwieriger sind. Die Hoffnungen der Altkatholiken, große Teile der katholischen Kirche auf ihre Seite ziehen zu können, erfüllten sich nicht. Ihre Zahl blieb klein und schrumpfte nach einigen Anfangserfolgen im Laufe der Zeit wieder ein.  Da die Altkatholiken die Regierungen in der kirchlichen Auseinandersetzung vielfach um Hilfe riefen, mischten sich diese ein, so daß auf diesem Hintergrund der spätere Kulturkampf unter Bismarck möglich wurde.

Welche Versuche zur Wiederherstellung der Einheit der Kirche gab es?

Die protestantischen Fürsten hatten sich 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossen. Die Konzilsfrage wurde immer weiter hinausgeschoben. Daher einigte man sich im „Frankfurter Anstand“ 1539 erneut, durch Religionsgespräche zwischen Theologen und Laien den Zwiespalt in Deutschland zu beenden. Unter den führenden Persönlichkeiten waren Johannes Eck (kath.) und Melanchthon (prot.). Kard. Contarini, päpstlicher Legat aus Rom, wäre bereit gewesen, den Protestanten Priesterehe und Laienkelch zuzugestehen. Aber an der Lehre von den Sakramenten und von der Kirche zerbrachen die Einigungsbemühungen. Luther und auch Calvin torpedierten die Verhandlungen.

Seit 1543 war Kaiser Karl V. klar, daß er die Einigung mit Waffengewalt erzwingen mußte, wenn sie mit Gesprächen nicht erreicht werden konnte. 1547 konnte der Kaiser die Schmalkaldener bei Mühlberg an der Elbe vernichtend schlagen. Luther war 1546 gestorben, und die Häupter der Protestanten gerieten in kaiserliche Gefangenschaft.

Was bedeutet der „Augsburger Religionsfrieden“?

Auf dem „Augsburger Interim“ von 1548 gestattete der Kaiser den Protestanten bis zu einer endgültigen Regelung durch das Konzil die Priesterehe und den Laienkelch, die Lehre aber blieb streng katholisch. Da beide Seiten mit dieser Regelung unzufrieden waren, überließ der Kaiser die deutsche Religionsfrage seinem Bruder Ferdinand. Dieser führte auf dem noch von seinem Bruder Karl V. einberufenen Reichstag zu Augsburg die Verhandlungen, die mit dem Augsburger Religionsfrieden vom 25.9.1555 endeten: Künftig sollten Katholiken und Lutheraner in Deutschland gleichberechtigt nebeneinander stehen. Zwinglianer, Kalvinisten etc. erhielten die Gleichberechtigung erst durch den Westfälischen Frieden 1648. Die Landesherren durften die Konfession ihres Territoriums frei bestimmen, die Untertanen erhielten aber kein Religions-Bestimmungsrecht. Aus dieser Spaltung ergaben sich schwere Differenzen, aus denen der furchtbare Dreißigjährige Krieg hervorging (1618-1648).

Was lehrte Ulrich Zwingli (1484-1531)?

Neben den drei Sola-Prinzipien (s. Nr. 4/2004 S. 4, 2. Absatz) Luthers lehrte er ein neues Kirchenbild und den Kampf gegen die alte Kirche. Er war geweihter Priester wie Luther, führte aber schon als Pfarrer ein lockeres Leben mit Frauen, bis er 1524 öffentlich eine wohlhabende Witwe heiratete. Er wollte wie Luther nur gelten lassen, was in der Hl. Schrift steht. Zwingli gewann Einfluß auf den Züricher Rat, der auf sein Drängen hin die Messe obrigkeitlich abschaffte. Die Urkantone Schwyz, Uri, Unterwalden, Zug und Luzern schlossen sich zur Verteidigung des alten Glaubens zusammen. Die „Schweizer Tagsatzung“ veranstaltete 1526 ein Religionsgespräch zu Baden in Aargau. Mit überragender Mehrheit stellte sich die „Schweizer Tagsatzung“ auf die katholische Seite. Aber Zürich lehnte den Urteilsspruch unter Zwinglis radikalem Einfluß ab. Im Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Luther und Zwingli kam es zu keiner Einigung, weil Luther im Gegensatz zu Zwingli an der Gegenwart Jesu im Sakrament festhielt, die er allerdings nur aus der Allgegenwart Gottes erklärte.

Welche Ziele verfolgten die Wiedertäufer?

Nachdem Luther, Zwingli u.a. sich auf die Hl. Schrift beriefen, glaubten viele, die Schrift nach ihrem Verständnis auslegen zu können. Luther, Calvin und Zwingli wandten sich erbittert gegen die Sektierer, die sich für ihre Auslegung auf die „innere Stimme“ und den „Geist“ beriefen. Thomas Münzer vertrat die Idee eines bevorstehenden tausendjährigen Reiches, in dem nur die „Getauften“ herrschen würden. In Münster wirkte seit 1531 der Kaplan Bernhard Rothmann im Sinne dieser Reform und predigte seit 1533 die Notwendigkeit einer 2. Taufe, der Erwachsenentaufe. 1534 rissen die Täufer in Münster die Macht an sich. Alle „Gottlosen“ die sich nicht taufen ließen, wurden vertrieben oder getötet. Der Bischof belagerte die Stadt und eroberte sie schließlich 1535. Nach blutigen Straßenkämpfen endete das „Reich Christi zu Münster“. Rothmann fiel, und die Anführer der Täufer, unter ihnen der Bürgermeister Knipperdolling, wurden auf dem Domplatz öffentlich zu Tode gefoltert, ihre Leichname in Käfigen auf dem Lamberti-Turm ausgehängt.

Wer war Johann Calvin (1509-1564) und was lehrte er?

Sein Vater war Geschäftsführer und Vermögensverwalter des Domkapitels von Noyon (Nordfrankreich). Als Zwölfjähriger erhielt er eine kirchliche „Pfründe“ in Noyon, die ihm das Studium und den Weg zum geistlichen Stand ermöglichte. Nach einer „plötzlichen Bekehrung“ verzichtete er auf seine Pfründe, verfaßte 1535 die „Institutio religionis Christianae“ (eine Art Abriß des christlichen Glaubens) und wandte sich der Reformation zu. Calvins Gottesdienstordnung besteht aus Predigt mit Psalmengesang und Gebeten, mehrmals im Jahr Abendmahlsfeier, Abschaffung von Altären, Kerzen, Bildern, Beichte. Größten Wert legte er auf Sittenzucht. Er ging von der Gemeinde als der von Gott gestifteten und die Kirche tragenden Institution aus, die Pastoren, Lehrer, Diakone und Älteste wählt (s. heutige Kirchgemeinde in der Schweiz, die sogar in der kath. Kirche ihre Pfarrer wählt). Sein Hauptwirkungsort war Genf. Er legte eine rigorose Strenge an den Tag und verhängte in fünf Jahren 56 Todesurteile und 78 Verbannungen. Er warf katholischen Fürsten Intoleranz gegen die Reformierten vor und verlangte von den protestantischen Herrschern die Ausrottung des Katholizismus. Er lehrt: Der Glaube hat sich in einem guten christlichen Leben durch Wohlstand zu bewähren; dies ist die Grundlage für die Gewißheit der Erwählung zum ewigen Leben. Das Auserwählungsbewußtsein ist für die Anhänger Calvins die stärkste Antriebskraft im täglichen Leben. Wer nicht danach lebt, hat die Erwählungsgnade nicht und ist von Gott verworfen. Diese Lehre bezeichnet die Theologie als Prädestination. Der hl. Franz von Sales (1567-1621) hat durch seine Predigt die Ausbreitung des Calvinismus in Genf und in seinem Bistum Annecy bekämpft.

Was geschah im Zeitalter der Reformation in England?

Heinrich VIII. (1509-1547), der in seinen jungen Jahren vom Papst den Ehrentitel „Defensor fidei“ (Verteidiger des Glaubens) erhalten hatte, wollte sich von seiner Frau Katharina von Aragon scheiden lassen, weil er von ihr nicht mehr den erhofften Thronfolger erwartete; denn die drei Knaben, die er von Katharina hatte, starben im Kindesalter. 1531 verbot Papst Clemens VII. dem Parlament und allen anderen Instanzen bei Strafe des Bannes, die Ehe des Königs zu lösen oder für nichtig zu erklären. Dagegen wurde in der „Suprematsakte“ von 1534 der König zum alleinigen irdischen Oberhaupt der englischen Kirche erklärt, wodurch der Bruch mit dem Papsttum vollzogen war. Wer den Suprematseid nicht ablegte, wurde hingerichtet. Rund zweihundert Hinrichtungen, darunter die des Lordkanzlers Thomas Morus, fallen in die Verantwortung Heinrichs VIII. Damit wurde die Kirche in England zur von Rom getrennten Anglikanischen Staatskirche.

Welche Persönlichkeiten haben die Kirche nach der Reformation wieder aufgebaut?

Dieses Werk ist bedeutenden  Heiligen zu verdanken: Karl Borromäus (1560-1584), der o.g. Franz von Sales, aber auch Ordensgründer wie Ignatius von Loyola (1491-1556), dessen Mitarbeiter Petrus Canisius  (1521-1597), Johannes vom Kreuz (+ 1591),  Theresia von Avila (+1582), Angela Merici (+1540) und viele andere. Für Deutschland besonders wichtig ist das Wirken des hl. Petrus Canisius, der mit sicherem Blick erkannt hat, daß die Menschen wegen fehlenden Glaubenswissens massenhaft von der Kirche abgefallen waren. Daher leitete er die „Gegenreformation“ ein. Sein wichtigstes Werkzeug war der „Katechismus“.

Wie kam es zu Ketzerverfolgung und Hexenwahn?

Gewissensfreiheit im Sinne der Wahlfreiheit der Religion ist dem damaligen Zeitalter fremd. Dies widersprach dem absoluten Wahrheitsbegriff und der religiös-politischen Einheitskultur. Zu allen Zeiten hat es aber in der Kirche Häretiker gegeben. Nach der Reformation bildeten sich geschlossene religiös-kirchliche Körperschaften heraus, deren Glieder nicht mehr als nur einzelne ungehorsame Angehörige der einen großen Kirche betrachtet werden konnten. Durch das Religions-Bestimmungsrecht der Landesherren wechselten die Bewohner eines Landstriches u.U. mehrmals die Konfession. In Deutschland richteten sich die Verfolgungen seitens der katholischen Kirche zumeist gegen die „Wiedertäufer“, weil man sie als sozialrevolutionäre Störenfriede sah. Es sind aber nachweislich nur wenige hingerichtet worden (in Köln neun). In evangelischen Ländern ist die Verfolgung der Täufer härter und die Zahl der Hinrichtungen größer gewesen. Der Hexenwahn ist als Massenpsychose einzustufen. Auch Luther, Calvin und die anderen Reformatoren glaubten an die Existenz von Hexen und bekämpften sie mit Feuer und Tod. Zwischen 1590 und 1630 erreichte der Wahn seinen Höhepunkt. (Letzte Verbrennung: Posen 1793)

Was geschah nach der Reformation im Zeitalter der Weltmission?

Die Kirche hat von ihrem Herrn den Auftrag der Missionierung erhalten. Kirche ist ohne Mission nicht denkbar. Ohne sie wären wir alle noch Heiden. Die Kirche war oft in Gefahr, sich mit dem Kulturkreis, in dem sie missionierte, zu identifizieren. Das ist zu vergleichen mit der Anpassung an den Zeitgeist heute. Im Zuge der Weltentdeckung und -eroberung (Vasco da Gama, Kolumbus u.a.) und damit der Verkehrserschließung in die „Neue Welt“ fühlten sich Menschen wie Franziskus Xaverius (1506-1552) berufen, das Wort Gottes den Menschen zu verkünden, von denen man in der „Alten Welt“ bislang keine Ahnung hatte. Da die Missionare z.B. den Eroberern (Conquitadores) nach Südamerika folgten, sahen die Indios sie als deren Interessenvertreter an. Eine ungenaue oder bewußt verdrehende Geschichtsschreibung berücksichtigt nicht, daß viele Missionare von ihren eigenen Landsleuten - zumeist Spaniern - umgebracht wurden, weil sie sich gegen die Ausbeutung der Indios durch die Eroberer wandten, z.B. Bartholomé de las Casas als bekannte Persönlichkeit. Dies geschah noch im letzten (20.!) Jahrhundert in Brasilien, wo Großgrundbesitzer katholische Geistliche ermorden, die die Rechte der Ureinwohner zu verteidigen suchten, z.B. den Salesianerpater Lunkenbein.

  Welche Folgen hatte die Reformation außer dem Dreißigjährigen Krieg?

Nach dem Trienter Konzil, auf das später einzugehen sein wird, folgte für die Kirche eine Epoche stärkerer Konzentration. Die Kirche wurde sich mehr und mehr ihres eigentlichen Auftrages bewußt. Das drückte sich sowohl in der Lehre als auch in der innerkirchlichen Verwaltung aus. Im 17. Jh. entstanden neue antikirchliche Gegenkräfte: Gallikanismus, Staatsabsolutismus, Jansenismus und Episkopalismus. Der Gallikanismus nahm für den französischen König das Recht in Anspruch, Nationalkonzilien einzuberufen, die das Recht haben sollten, Erlasse des Papstes von dessen Zustimmung abhängig zu machen. Der Staatsabsolutismus griff rücksichtslos in die kirchlichen Angelegenheiten ein. Der Jansenismus lehrte eine einseitig überspitzte Erbsünden- und Gnadenlehre, eine calvinistische Prädestinationslehre in katholischem Gewand. Die Vertreter des Episkopalismus setzten dem römischen Zentralismus des Papstes die Eigenständigkeit ihres bischöflichen Amtes entgegen. Dem Papst sollte nur noch eine eingeschränkte Leitungsgewalt zustehen. An die Stelle der einen Kirche müsse eine Vielzahl an Nationalkirchen treten. Diese Lehre gefiel manchem weltlichen Herrscher, der für sich die Möglichkeit sah, sich an die Spitze einer solchen Nationalkirche zu stellen, z.B. Kaiser Joseph II. von Österreich (1780-90), der die absolute Staatshoheit (=Josephinismus) dazu benutzte, eigenmächtige Reformen durchzuführen.

  Was bedeutet „Aufklärung“?

Aufklärung ist eine Auffassung, die die menschliche Vernunft als Freiheit des Geistes für absolut erklärt und im Namen dieser Freiheit jede (sittliche) Weisung als Bevormundung zurückweist. Ein bekannter Vertreter ist z.B. der Philosoph Leibniz (1646-1716). Als besondere Leistung behauptet die Aufklärung für sich die Erkämpfung der allgemeinen Menschenrechte, die erstmals in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung 1776 und in der französischen Nationalversammlung 1789 deklariert wurden. Hinsichtlich der Kirche wurde mit der Aufklärung die These vertreten, eine Offenbarungsreligion wie das Christentum  widerspreche der Freiheit des Geistes. Die Religion solle ein rein humanitärer Bildungsfaktor sein, an die Stelle der Religion solle die Bildung treten. In Frankreich gebärdete sich die Aufklärung besonders antikirchlich; als wichtigster Vertreter dieser Richtung ist Voltaire (+1778) zu nennen. Er forderte für die Kirche die Zerstörung („Vernichtet die Unverschämte!“ [Infame]). Im Zuge der Aufklärung bildeten sich in ganz Europa Freimaurerbünde, sog. „Logen“, die Strategien zur Vernichtung der Kirche entwickelten. 1717 gründeten mehrere Logen die Großloge von London. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der organisierten Freimaurerei, die in der Folgezeit durch eine Reihe  Päpste verurteilt wurde. Besonders erschütternd ist, daß Priester und Bischöfe im Ungehorsam gegen Papst und kirchliches Lehramt von Beginn an Mitglied der  Freimaurerei wurden trotz offizieller Exkommunikation durch den Papst schon vor der Französischen Revolution.

  Welche Päpste wandten sich gegen Aufklärung und Freimaurerei?

Klemens XII. mit seiner Bulle „In eminenti“ (1738), ders. In einem „Geheimbrief“, Benedikt XIV. (1751) spricht eine Verurteilung aus, Klemens XIII. (1766) in „Der Feind alles Guten“, Klemens XIV. (1769) in der Bulle „Cum summi apostolatus“, Pius VI. (1775) in „Die Sekten des Verderbens“ und verschiedenen Ansprachen (z.Zt. der Franz. Revolution!), Pius VII. in der Enzyklika „Ecclesiam“ (1821), Leo XII. im Apostolischen Brief „Quo graviora“ (1826), Pius VIII. (1829) in „Geheimgesellschaften der Aufrührer“, Gregor XVI. forderte (1846) den Schriftstellere Crétineau-Joly auf, eine „Geschichte der Geheimgesellschaften“ zu schreiben, Pius IX. spricht mehrfach ernsthafte Warnungen gegen die Geheimgesellschaften aus, Leo XIII in seiner Enzyklika „Humanum Genus“ (1884), Pius X. führt (1910) den „Antimodernisteneid“ ein und nimmt (1907) in der Enzyklika „Pascendi“ eindeutig Stellung gegen „Feinde ... im Innern und im Herzen der Kirche“. Auch Pius XI. und XII. haben sich in Ansprachen und Schriften gegen die Freimaurerei gewandt.

Wie stand es um die katholische Kirche vor der „Reformation“?

Es gab Auswüchse im religiösen Leben, die sich in einer ungesunden Heiligen- und Reliquienverehrung äußerten. Das führte zu Wundersucht und Abergläubigkeit bis hin zu einem krankhaften Hexenwahn. Doch das persönliche Versagen einzelner scheint eine Folge der Gesellschaftsstruktur der Zeit gewesen zu sein. (s. hierzu und zum Folgenden: Kleine Kirchengeschichte, Herder TB 1577) Es gab aber auch positive Werte in der Zeit. Es entstanden zahllose Stiftungen, Hospitäler, Armenhäuser und Siechenheime. Die Religiosität erscheint allerdings sehr oft mit mancherlei anderen Interessen vermischt. Luther kam den politischen und Besitzinteressen der Herrschenden wie gerufen. Die Reformation war keineswegs eine rein religiös-kirchliche Angelegenheit. Der Ruf nach innerkirchlicher Reform war zwar allgemein verbreitet, als aber Luther die Reformation ausrief, nahmen die Fürsten dies zum Anlaß des allgemeinen Aufruhrs gegen die Kirche und das Papsttum.

Was ist der Kern der lutherischen Häresie?

Luther stützte sich auf Theologen vor ihm, z.B. Wilhelm von Ockham (1290-1349), der die geoffenbarte Hl. Schrift als einzige Quelle des Glaubens ansah. Luther machte daraus das Sola-scriptura-Prinzip: nur was in der Hl. Schrift geoffenbart sei, sei auch verbindlich.

Hinzu kam bei ihm die Ansicht des Sola-Fide: nur durch den Glauben sei der Mensch gerechtfertigt. Alles gipfelte im Sola-gratia-Prinzip: der Mensch lebe allein aus der Gnade Gottes. Die Ausschließlichkeit (sola = allein) machte seine Lehre häretisch. Sie veranlasste ihn zu der Auffassung: „Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer.“ Doch dieser Satz  ist nicht biblisch und steht folglich nicht in der Hl. Schrift.

Woran entzündete sich der innerkirchliche Streit?

Anlass, aber nicht Grund des Streites war die Ablasspredigt des Dominikanerpaters Tetzel. Als dieser für seine leichtfertige Verknüpfung von Geld und Ablass gerügt wurde, änderte er seine Predigt im Sinne der kirchlichen Lehre. Gleichwohl meinte Luther, gegen ihn vorgehen zu müssen. Der eigentliche Grund der Reformation war, dass der Mainzer Erzbischof mit der Ablasspredigt Geld verdiente. Als er wegen Luthers Eingreifen kein Geld mehr bekam, klagte er ihn in Rom wegen Häresie an. Da Luther im Kurfürsten Friedrich d. Weisen von Sachsen einen Gönner und Schützer hatte, erreichte er, dass ihm der Prozess nicht in Rom, sondern in Deutschland gemacht wurde. Im Vertrauen auf diese Schutzmacht wurde Luther immer selbstsicherer gegen die Vertreter der Kirche, die ihn in die Kirche zurückholen wollten. Es ging nicht mehr um den Ablassstreit, sondern um den Angriff auf die Kirche.

Wie entwickelte sich die Reformation in Deutschland?

Luther wurde auf dem Reichstag zu Worms im April 1521 mit der kaiserlichen Acht belegt. Unter dem Schutz Friedrich d. Weisen verfasste Luther auf der Wartburg seine Schriften, die weiter die Spaltung der Kirche betrieben. Priester heirateten, Ordensleute verließen ihre Klöster, ganze Gemeinden, Städte und Adelshäuser traten geschlossen auf die Seite Luthers, so daß sich der Slogan entwickelte: Wessen Herrschaft, dessen Religion. Da es trotz des Bemühens Kaiser Karl V. 1530 auf dem Reichstag in Augsburg nicht zur Einigkeit der zerstrittenen Teile der Kirche kam - Luther lehnte jedes Gespräch grundsätzlich ab und berief sich auf ein Konzil -, nannten sich die Abgespaltenen seit dieser Zeit „Protestanten“. 1555 kam es zum Augsburger Religionsfrieden: Katholiken und Lutheraner sollten in Deutschland künftig gleichberechtigt nebeneinander stehen. Luther hatte mit seiner Schrift „Wider das Papsttum, vom Teufel gestiftet“ (1545) den Bruch mit der Kirche endgültig vollzogen. 1546 starb er.

Wie wirkt sich Luthers Ansicht über das Papsttum bis heute aus?

Natürlich kann man nicht alle Protestanten als papstfeindlich deklarieren. Die Grundeinstellung ist den Protestanten von Luther aber vermittelt worden. Da die Spaltung nun schon fast 400 Jahre dauert, sind die Chancen zu einer ehrlichen Wiedervereinigung eher gering einzuschätzen. In seiner Schrift „Ökumene katholischer Vorleistungen“ listet Friedrich-Wilhelm Schilling v. Canstatt auf, worauf die katholische Kirche in ihrer Lehre bereits verzichtet hat, ohne dass diesem Verzicht vergleichbare Schritte der evangelischen Kirche  entsprechen.

C) DIE KIRCHE IM HOCHMITTELALTER

Welche Ereignisse prägen das kirchliche Hochmittelalter?

Die wichtigsten Ereignisse des kirchlichen Hochmittelalters sind der Investiturstreit, damit verbunden die Auseinandersetzungen zwischen Papsttum und Kaisertum, die Kreuzzüge, die Ausbreitung von Irrlehren, die Inquisition, die Entstehung neuer Orden.

Was bedeutet „Investiturstreit“?

Unter Investitur versteht man die Vergabe kirchlicher Ämter, Bistümer, Abteien usw. Da sich Könige, Fürsten und Adlige in die Vergabe solcher Ämter und Pfründe einmischten (Laieninvestitur), wurden diese bald auch für Geld verkauft (Simonie). Sogar die Papstwahl wollte z.B. Heinrich IV. (1056-1106) mitentscheiden. Letztlich ging es um den Kampf zwischen geistlicher und weltlicher Macht. Auf der römischen Fastensynode 1075 verschärfte Papst Gregor VII. das Verbot der Laieninvestitur. Heinrich kümmerte sich nicht um den päpstlichen Erlaß, so daß der Papst ihn mit der Kirchenstrafe des Bannes belegte. Da die Fürsten ihm die Treue aufkündigten, wenn er sich vom Papst nicht die Lösung vom Bann erbitte, trat er im Winter 1076/77 den Gang nach Canossa an.

Wie kam es zu den Kreuzzügen?

1073 hatten die Türken das Heilige Land erobert, belästigten und töteten viele Pilger. Der oströmische Kaiser rief den Papst um Hilfe an und versprach im Gegenzug die Wiedervereinigung mit der Kirche in Rom. Das Heilige Land wurde zwar erobert, dafür überschwemmten die Türken zuletzt das oströmische Reich (Konstantinopel). Weil die Kreuzfahrer u.a. auch Plünderungszüge unternahmen und unschuldige Menschen töteten, bleiben sie ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte. Übrigens gab es Kreuzzüge nicht nur ins Heilige Land, sondern auch zur „Ketzerbekämpfung“, z.B. gegen die Albigenser. Zur Durchführung der Kreuzzüge entstanden in Palästina die sogenannten Ritterorden, z.B. Johanniter, Templer und Deutschherren. Letzterer existiert noch heute, z.B. in Südtirol und anderen deutschen Ländern.

Was bedeutet die Inquisition?

Inquisitio (lat.) bedeutet Nachforschen. Mit der Entstehung der Irrlehren, etwa der Albigenser und Waldenser, kam die Gesellschaft in Unruhe. Daher setzte der spanische König als erster ein Tribunal - ein Ketzergericht - ein, dem wegen ihrer Kenntnis der Religion naturgemäß Geistliche angehörten. Unter Papst Innozenz III. ist das Inquisitionsverfahren im innerkirchlichen Prozeßrecht ausgebildet worden. Nach einer Überführung wurde der Ketzer an den weltlichen Arm zur Bestrafung ausgeliefert. Die Bitte, das Leben des Verurteilten zu schonen, war dann häufig nur ein formaler Akt, dessen Umsetzung nicht mehr in der Vollmacht der Inquisitionsrichter stand.

Die Entstehung neuer Orden

Das kirchliche Hochmittelalter war neben den heute häufig gegeißelten Ereignissen der Kreuzzüge und Inquisition ein an kirchlichem Leben reiches Zeitalter. Wie immer in der Kirchengeschichte entstanden  aufgrund bestimmter gesellschaftlicher Erfordernisse neue Orden, die ihre Wirksamkeit bis in unsere Zeit hinein entfalten. Gegen die Irrlehren entstand z.B. der Predigerorden der Dominikaner, da das Volk religiös ungebildet war und den Häresien selbsternannter Propheten folgte. Sie stellten ihre eigenen Ideale denen der katholischen Kirche gegenüber und gewannen damit Anhänger. Auf die Provokation durch die Katharer (die „Reinen“), die unter anderem materiellen Besitz und Reichtum mieden, entstand in der Kirche aufgrund des evangelischen Armutsideals des hl. Franz von Assisi der Bettelorden, wie auch die Dominikaner schon als Bettelorden auftraten. Weitere Orden waren die Zisterzienser, die große Verdienste um die Ausbreitung des Christentums in den ostelbischen Gebieten haben. Die Kartäuser erneuerten unter dem hl. Bruno das Einsiedlermönchtum. Die Prämonstratenser stellten unter dem hl. Norbert Predigt und Seelsorge in den Vordergrund. Die Karmeliten wurden im Heiligen Land als beschaulicher Orden gegründet. Sie leben streng aszetisch und verehren besonders die Gottesmutter. Neben den beschriebenen Fakten des kirchlichen Lebens entfaltete die Kirche im Hochmittelalter eine bis heute bewunderte Tätigkeit im kulturellen Bereich, in Wissenschaft und Bildung.

D) DIE KIRCHE IM SPÄTMITTELALTER

Welche Ereignisse prägen das kirchliche Leben im ausgehenden Mittelalter?

Einen nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung der Kirche haben das „Avignoner Exil“, die große abendländische Kirchenspaltung und das Auftreten der ersten „Reformatoren“.

Wie kam es zum Exil von Avignon?

König Philipp der Schöne von Frankreich besorgte sich für seinen Krieg mit England Geld aus den Kirchengütern. In der Bulle „Unam sanctam“ erklärte Papst Bonifaz VIII. (1294-1303): „In der Kirche sind zwei Schwerter, das geistliche und das weltliche. Beide sind in ihrer Gewalt. Jenes ist von der Kirche und dieses vom Staat im Sinne der Kirche zu gebrauchen. Die geistliche Gewalt hat das Recht, die weltliche zu unterrichten und notfalls zu richten.“ Unter dem Druck der französischen Krone wurden immer mehr Franzosen in das Kardinalskollegium aufgenommen und daher die nächsten Päpste Franzosen. Klemens V. (1305-1314) schlug 1309 seine Residenz in Avignon auf. Der Papst wurde jetzt als Werkzeug der französischen Politik angesehen und war es teilweise auch. Die hl. Birgitta von Schweden und die hl. Katharina von Siena beschworen den Papst, nach Rom zurückzukehren, was Gregor XI. 1377 auch tat. Daher nennt man diesen Zeitraum die „Babylonische Gefangenschaft“.

Was verstehen wir unter der großen abendländischen Kirchenspaltung?

Die Übersiedlung des Papstes zurück nach Rom geschah gegen den Willen der französischen Kardinäle. Die in rom anwesenden Kardinäle wählten nach dem Tode Gregor XI. Papst Urban VI., der nicht nach Avignon zurückkehren wollte. Daher wählten die französischen Kardinäle einen „Gegenpapst“, der sich Klemens VII. nannte und in Avignon seinen Wohnsitz nahm. Beide Päpste, der rechtmäßige in Rom und der unrechtmäßige in Avignon hatten Nachfolger. Dieser Zustand dauerte 40 Jahre und hat der Kirche schwer geschadet. Er führte zu der irrigen Ansicht, daß ein Allgemeines Konzil dem Papst übergeordnet sei. Daher setzte eine Synode zu Pisa beide Päpste ab und wählte einen neuen. Erst das Konzil von Konstanz (1414-1418) brachte eine Regelung. Der rechtmäßige Papst (90 Jahre alt) dankte ab, die Kardinäle erklärten die beiden unrechtmäßigen für abgesetzt und wählten Martin V. als rechtmäßigen Papst. Trotz dieser Kirchenspaltung haben „die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigt“.

Welches waren die Folgen des Exils von Avignon?

Am schlimmsten war, daß man sich der Leitung der Kirche gegenüber nicht mehr zum Gehorsam verpflichtet sah. Irrlehrer traten auf: in England Wiklif, in Böhmen Hus. Die Geistlichkeit verfiel der Verweltlichung. Der Ruf nach „Reform der Kirche an Haupt und Gliedern“ wurde laut. Das Staatskirchentum bereitete sich vor und die „Konziliare Idee“, daß das Konzil über dem Papst stehe, faßte Fuß.

Was verkündeten Wiklif und Hus?

Wiklif hielt die Heilige Schrift für die einzige Glaubensquelle. Er bestritt u.a. die Wesensverwandlung beim Abendmahl und verwarf die Ohrenbeichte als spätere Erfindung, nannte das Papsttum eine Einrichtung des Antichristen und bezeichnete Orden als kirchliche Sekten. Auf dem Konzil von Konstanz wurde - nach seinem Tod - seine Lehre verurteilt. Jan Hus in Böhmen vertrat fast dieselben Ansichten wie Wiklif in England. Er machte aber im Gegensatz zu diesem die Heilswirkung der Sakramente vom Gnadenstand des Spenders abhängig. Dies ist als Reaktion auf den verweltlichten Zustand des Klerus zu verstehen.

Was bedeutet der Humanismus und welche Folgen hatte er für die Kirche des Mittelalters?

Viele Gelehrte wandten sich der Erforschung des Geistes, der Sprache und Kunst der römischen und griechischen Antike zu. Dadurch fand der Geist der Antike Eingang in die Wissenschaft. Diese Forscher nannten sich nun Humanisten. Der Geist des Humanismus stand aber oft im Gegensatz zum Christentum. Die Einheit von Glaube und Wissen wurde geleugnet. Im politischen Leben wurde der Erfolg statt der Moral zum Maßstab. Die Kritik der Humanisten machte vor Kirche und Papsttum nicht Halt. Viele lebten nach heidnischen Vorbildern. Leider war der Einfluss des Humanismus auf das Papsttum und seine Hofhaltung nicht gut.

A) BONIFATIUS, DER APOSTEL DER DEUTSCHE

Wie stand es um das Christentum in Deutschland vor Bonifatius?

Auf der linken Rheinseite hatte das Christentum schon früher Anhänger. Schon um 180 spricht der heilige Irenäus von Kirchen in „Germanien“. Trier und Köln waren sehr früh christliche Zentren. Durch Wundermönche wurde das Christentum vorübergehend zunächst in einzelnen Gegenden Germaniens gepredigt. Viele kamen aus Irland herüber, so der heilige Columban und der heilige Gallus.

Worin besteht die Bedeutung des heiligen Bonifatius?

Der heilige Bonifatius hat den Glauben als Missionar in neue Gegenden Germaniens getragen; er hat die Kirche dort, wo sie bereits bestand, als Reformator von Missbräuchen gereinigt; er hat als Organisator neue Diözesaneinteilungen geschaffen und die deutsche Kirche eng mit Rom verbunden. Er wird mit Recht der Apostel der Deutschen genannt.

Was wissen wir über das Leben und Wirken des heiligen Bonifatius?

Bonifatius wurde um 675 in England geboren. Von den Eltern zum Mönchsleben bestimmt, kam er bereits mit sieben Jahren ins Kloster. Mit dreißig Jahren wurde er zum Priester geweiht. Im Jahre 716 kam er zum erstenmal als Missionar zu den Ostfriesen. Weil aber der heidnische Friesenfürst Radbod mit dem christlichen König der Franken im Krieg lag, konnte er nichts ausrichten. Er kehrte ins Kloster zurück. Im Jahre 718 ging er nach Rom, um sich vom Heiligen Vater den Auftrag geben zu lassen. Papst Gregor II. gab ihm die Vollmacht für die Heidenmission. Bonifatius wirkte zunächst bei den Ostfranken in Thüringen; dann ging er wieder zu den Friesen. Hier arbeitete er drei Jahre lang erfolgreich mit dem heiligen Willibrord zusammen. Dann reiste er nach Hessen, wo er das Kloster Amöneburg gründete. Im Jahre 722 wanderte Bonifatius zum zweiten Male nach Rom; der Papst ernannte ihn jetzt zum Bischof ohne bestimmten Sitz. Mit vielen Reliquien und Empfehlungsschreiben trat er die Heimreise an. Ein Empfehlungsschreiben war an Karl Martell gerichtet, der ihn deshalb unter seinen Schutz nahm, was ihm viel bei der Reformierung des fränkischen Klerus half. Bonifatius wirkte wieder in Hessen, dann in Thüringen. In Hessen fällte er die dem Donar oder Thor geweihte Eiche; aus dem Holz baute er eine Kapelle zu Ehren des heiligen Petrus. Er brauchte Gehilfen und erbat sich Missionare und Schwestern aus seiner Heimat Es kamen als Mönche Lullus und die Brüder Willibald und Wunibald, als Ordensfrauen Lioba (Äbtissin von Tauberbischofsheim), Walburgis (Äbtissin von Heidenheim) und Thekla (Äbtissin von Kitzingen). Im Jahre 732 wurde Bonifatius Erzbischof mit der Vollmacht, nach Belieben Bischöfe zu weihen. Er wirkte dann in Bayern, einer Einladung des dortigen Herzogs Odilo folgend, und richtete hier vier Bistümer ein: Salzburg, Regensburg, Passau und Freising. Im Jahre 738 reiste er zum dritten Male nach Rom und wurde jetzt päpstlicher Legat für Deutschland. In Thüringen und Hessen errichtete er die Bistümer Buraberg bei Fritzlar, Erfurt, Würzburg und Eichstätt; die beiden ersten hatten aber keinen Bestand. Im Jahre 744 wurde das Kloster Fulda gegründet, wohin Bonifatius sich jährlich zurückzog und wo er auch begraben sein wollte. Im Jahre 742 hielt er das erste deutsche Konzil ab. Bonifatius wurde in den folgenden Jahren Erzbischof von Mainz. 753 machte er seinen Schüler Lullus zu seinem Nachfolger in Mainz. Er ging noch einmal auf Mission zu den Nordfriesen. Hier fiel er mit zweiundfünfzig Gefährten unter den Schwertstreichen der Heiden als Martyrer. Er wurde in der Klosterkirche zu Fulda begraben; an seinem Grabe versammeln sich alljährlich die deutschen Bischöfe.

B) DIE KIRCHE IM FRÜHMITTELALTER

Wie ist der Kirchenstaat entstanden?

Die erste Grundlage des Kirchenstaates bildeten private Schenkungen an den Statthalter Christi. Ferner führte die Entwicklung der Geschichte Italiens zur Bildung des Kirchenstaates. Im Jahre 586 waren die Langobarden in Italien eingefallen; sie eroberten den Norden des Landes. Rom, die Seeküste von Ravenna und Teilgebiete im Süden blieben unter  der  Gewalt  von  Konstantinopel.  Der Kaiser von Konstantinopel hatte als Vertreter in Ravenna einen Exarchen und in Rom einen Herzog (Dux). Den Bischöfen stand aber auch in diesen Gebieten das Recht zu, die Beamten zu ernennen und zu beaufsichtigen. Tatsächlich war der Papst auch jetzt schon oberster Gebieter in weltlichen Dingen. Dazu kam, dass das Volk die Vertreter des Kaisers ablehnte, weil sie nur Steuern eintrieben und keinen Schutz boten. Im Jahre 726 protestierte Papst Gregor II. gegen das Edikt des Kaisers von Konstantinopel, mit dem die Verehrung von Bildern verboten wurde. In dieser Zeit zogen die Langobarden von Ravenna nach Rom. Papst Stephan II. schloss einen zehnjährigen Waffenstillstand mit ihnen. Diesen Vertrag hielten sie aber nicht. Im Jahre 753 zogen wie wiederum gegen Rom und drohten, alle Römer niederzumachen. Der griechische Kaiser, erzürnt über den Protest des Papstes gegen das erwähnte kaiserliche Edikt, verweigerte jede Hilfe für Rom. Da entschloss sich der Papst, im Winter über die Alpen in das Frankenreich zu reisen. Pippin empfing ihn freundlich. Der Papst selbst salbte ihn und seine Söhne zu Königen und ernannte ihn zum Schutzherrn über  die Kirche. Pippin kam nach Italien, befreite Rom und Ravenna von der Gewalt der Langobarden und schenkte die eroberten Gebiete dem Papst. So entstand der Kirchenstaat.

Wie kam es zum deutschen Kaisertum?

Karl der Große kam im Jahre 773 dem Papst gegen erneute Angriffe der Langobarden zu Hilfe. Er bestätigte und erweiterte den Kirchenstaat. Im Jahre 799 verschwor sich eine Adelspartei, der vor allem die Verwandten seines Vorgängers angehörten, gegen Papst Leo III. und griff ihn bei der Markusprozession tätlich an. Der Papst entfloh und kam zu Karl dem Großen. Gegen Ende des nächsten Jahres kam Karl selbst nach Rom. Als er am Weihnachtstag in der Peterskirche der heiligen Messe beiwohnte, setzte ihm der Papst eine goldene Krone auf. Die Wiedererweckung des abendländischen Kaisertums hatte sich also ganz aus der Weltlage entwickelt. Nach den Vorstellungen des Mittelalters bildeten Papst und Kaiser eine Einheit; der Papst ist in geistlichen Dingen das Haupt der Christenheit, wie der Kaiser ihr weltliches Haupt ist. Weil der Papst als Haupt des Kirchenstaates aber auch ein weltlicher Fürst war, ergaben sich im Laufe der Zeit zwischen Kaiser und Papst Streitigkeiten.

Worin besteht die Bedeutung Karls des Großen für die Kirche in Deutschland?

Karl der Große hat nicht wenig dazu beigetragen, dass die Kirche in Deutschland gefestigt und organisiert wurde. Es ist zu bedauern, dass er bestrebt war, das Christentum bei den heidnischen Sachsen mit Gewalt einzuführen. Er hatte sich durch ihre Raubzüge in das Fränkische Reich veranlasst gesehen, sie in langwierigen Kriegen zu unterwerfen.

Wie wurde das Christentum im eroberten Sachsen gefestigt?

Folgende Bistümer wurden in Sachsen errichtet: Münster und Osnabrück, Halberstadt und Hildesheim, Minden, Paderborn, Bremen und Verden. Auch das Kloster Corvey (Weser) wurde in dieser Zeit gegründet.

Wie hat Karl der Große auf das kulturelle und kirchliche Leben eingewirkt

Karl der Große übte fast unumschränkte Gewalt auch über die Besetzung der Bistümer aus, freilich nicht zum Schaden der Kirche. Die Bischöfe mussten in ihren Diözesen bleiben und häufig visitieren und predigen. Für jeden Bezirk wurden zwei Sendboten ernannt, ein Laie und ein Geistlicher; diesen musste auch der Bischof Rechenschaft ablegen. Von jedem Priester verlangte Karl der Große, dass er die Glaubenswahrheiten und das Evangelium erklären und die Predigten der Kirchenväter dem Volk in der Muttersprache vortragen konnte. Er ließ den römischen Kirchengesang und ein einheitliches römisches Messbuch einführen. Seine besondere Sorge galt den Kirchenbauten (Aachener Münster). Die Wissenschaft förderte er sehr, errichtete eine Hofschule und eine Akademie und ließ Gelehrte und Künstler aus fremden Ländern ins Frankenreich kommen. Er gab Anweisung, dass die Priester auf den Dörfern dem Volke Unterricht erteilen sollten. Auch ließ er aus dem Ausland Handschriften kommen, um sie in den Klöstern abschreiben und teilweise auch übersetzen zu lassen. Karl der Große ist im Jahre 1165 von dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel unter Zustimmung des Gegenpapstes Paschalis III. heiliggesprochen worden. In das eigentliche Heiligenverzeichnis wurde er nicht aufgenommen.

Welche Missstände bestanden im 10. Jahrhundert bei Klerus und Volk?

Die Bischöfe waren unter Karl dem Großen Reichsbeamte geworden; Otto I. hatte sie, und überhaupt den höheren Klerus, in den Reichsgrafenstand erhoben; sie erhielten großen Grundbesitz und auch größere Rechte (Steuerfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit, das Recht auf den Zehnten), mussten aber auch Heeresfolge leisten. Der Kaiser gewährte diese Vergünstigungen aus staatspolitischen Gründen, nämlich in der Erwartung, dass die Kirche die kaiserliche Zentralgewalt stützen würde. Die Fürsten hatten auf die Besetzung der Bischofssitze großen Einfluss. Eigenmächtig verliehen sie Bistümer an Verwandte und Günstlinge, ohne auf deren Tauglichkeit zu sehen. Sie führten die Bischöfe in ihr Amt ein, indem sie ihnen selbst Ring und Stab, die Abzeichen ihrer geistlichen Würde, übertrugen. Man nannte diese Übertragung der geistlichen Gewalt durch weltliche Fürsten „Investitur“. Es kam nicht selten vor, dass man hohe Geldsummen bot, um zu einer geistlichen Würde und dem ihr entsprechenden Amt zu kommen („Simonie“, Apg 8, 9-24). Auch die germanischen Eigenkirchen, die von den Grundherren erbaut und von diesen daraufhin auch mit Geistlichen versehen wurden, brachten ähnliche Missstände mit sich. – Außerdem wurde der Zölibat von den Bischöfen und Priestern vielfach missachtet (Konkubinat der Geistlichen).

Welche große Reformbewegung entstand zum Beginn des 10. Jahrhunderts?

Mittelpunkt der Reformbewegung wurde das Kloster Cluny (gegründet 910), dem sich ungefähr 2000 Klöster in allen Ländern anschlossen. Das Kloster Hirsau im Schwarzwald hatte eine ähnliche Bedeutung für die Reform in Deutschland. In diesen Klöstern herrschte strenge Zucht; sie waren dem Papst treu ergeben.

Wie kam es zum Investiturstreit?

Gregor VII. (1073 – 1085) war selbst durch die Schule von Cluny gegangen. Unter fünf Päpsten hatte er an der kirchlichen Reform mitgearbeitet. Zum Papst gewählt, setzte er sich ganz für die Erneuerung der Sitten beim Klerus und für die Freiheit der Kirche ein. Auf der ersten Fastensynode in Rom (1074) schritt er energisch gegen Simonie und Konkubinat ein. Er bestimmte: „Wer sein Amt durch Simonie erhalten hat, soll abgesetzt sein; wer im Konkubinat lebt, darf keine kirchlichen Funktionen mehr ausüben.“ Er wollte dadurch nicht den Fürsten jede Mitwirkung bei der Ernennung der Bischöfe und Äbte nehmen, sondern die Missbräuche beseitigen. Dieses Dekret richtete sich vor allem gegen Heinrich IV. (1055 – 1106) und führte zu schweren Kämpfen zwischen Kaiser und Papst. Als Gregor von ihm die Entfernung einiger Räte, die sich simonistisch betätigt hatten, forderte und ihn selbst zur Buße mahnte, ja sogar mit dem Bann bedrohte, zwang Heinrich auf einer Synode zu Worms sechsundzwanzig versammelte Bischöfe, Gregor für abgesetzt zu erklären. Auf der Fastensynode 1076 erschien ein Abgesandter des Kaisers, verlas einen anmaßenden Brief Heinrichs und lud die anwesenden Bischöfe zur Wahl eines neuen Papstes ein. Der Papst sprach daraufhin den Bann über Heinrich aus und suspendierte ihn von der Königsgewalt in Deutschland und Italien. Daraufhin waren die deutschen Fürsten auf dem Reichstag zu Tribur entschlossen, Heinrich abzusetzen. Heinrich musste versprechen, bis zum Reichstag von Augsburg als Privatmann zu leben und sich auf dem Reichstag einem Fürstengericht unter Beteiligung des Papstes zu unterwerfen. Der Kaiser wollte jedoch diesem Reichstag zuvorkommen. Er machte sich darum im Winter auf den Weg über die Alpen und erschien mit Frau und Kind in Italien. Der Papst, der auf der Reise zum Reichstag in Augsburg war, zog sich, Gewalt fürchtend, auf das feste Schloss Canossa zurück. Heinrich verharrte drei Tage im Bußkleid vor dem Burgtor und bat um Lösung vom Bann. Am vierten Tag erfüllte der Papst seine Bitte. Dass es Heinrich mit seiner Buße nicht Ernst war, zeigte sich bald, da er weiter die Laieninvestitur betrieb. Er wurde ein zweitesmal gebannt. Diesmal antwortete Heinrich, indem er einen Gegenpapst aufstellte; er zog gegen Rom und eroberte die Stadt. Gregor musste fliehen und starb in Salerno mit den Worten: „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst; darum sterbe ich in der Verbannung.“