Springe zum Inhalt

Name Downloads Version Besitzer zuletzt geändert Bewertung
Name Downloads Version Besitzer zuletzt geändert Bewertung
Documents
26 downloads 1.0 Reinhard Dörner 11-05-2019 10:52
58 downloads 1.0 Reinhard Dörner 13-02-2019 11:02
63 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:22
52 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:21
62 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:20
62 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:19
56 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:19
62 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:18
56 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:16
58 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:15
62 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:14
56 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:12
63 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:12
56 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:11
66 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:07
63 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:06
58 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:05
61 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 8:04
54 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:59
75 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:58
66 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:57
74 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:56
62 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:56
54 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:55
58 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:54
57 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:53
59 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:53
57 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:51
60 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:50
56 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:40
65 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:39
60 downloads 1.0 M_A_L 14-01-2019 7:36
63 downloads 1.0 M_A_L 11-01-2019 8:30

I. Ideologie: Der Begriff und sein Inhalt

"Ideo-", das Bestimmungswort des Begriffs Ideologie, bedeutet "Begriff, Idee, Vorstellung". Das Wort selbst war ursprünglich seinem Inhalt nach neutral, bedeutete eine "Wissenschaftsrichtung", die "praktische Regeln für Erziehung, Ethik und Politik zu gewinnen suchte". Seit dem Beginn des 19. Jh.s bezeichnete der Begriff eine "weltfremde Theorie, eine unechte Weltanschauung"1. Philosophisch betrachtet, handelt es sich jeweils um "eine institutionell verfaßte, gruppenbezogene Wahrheitsüberzeugung, die ihre Kraft nicht Wahrheitsgründen verdankt, sondern praktischen Interessen ... eine scheinwissenschaftliche Interpretation der Wirklichkeit im Dienste einer praktisch-gesellschaftlichen Zielsetzung, die sie rückläufig legitimieren soll."2 Erwähnt werden soll auch noch die marxistische Auffassung, die "jede Weltanschauung Ideologie nennt, da sie nur Spiegelung der wirtschaftlichen Verhältnisse je einer Klasse sei"3, ausgenommen natürlich die marxistische Ideologie selbst. Vor diesem Hintergrund ist die Frage an den Feminismus zu richten, ob es ihm lediglich um die Erkämpfung von Menschenrechten für die Frauen geht, oder ob es sich hier bei dieser geistigen Strömung um eine "Weltanschauung" handelt, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu erfassen sucht mit klaren politischen und sogar religiösen Zielen, mit totalitärem Wahrheitsanspruch, unabhängig und unkorrigierbar von der Realität.

II. Feminismus als Bewegung

a) Abgrenzung zur Frauenrechtsbewegung

Die meisten, die heute von Feminismus reden, sehen ihn in Verbindung mit der Frauenrechtsbewegung, die sich in Deutschland im Gefolge von Reformation und Aufklärung in Auflehnung gegen die Vorstellungen des Bürgertums von Rechten und Pflichten der Frau vor allem seit 1848 bildete. Im Vordergrund dieser Bewegung standen die Forderungen nach Bildungs- und Berufschancen wie für Männer auch für Mädchen und Frauen, einschließlich des Universitätsstudiums, dazu nach politischen Rechten und frauengerechterer Gestaltung des Arbeitslebens in der industriellen Gesellschaft. Diese Forderungen waren im Prinzip mit der Zulassung der Frauen zum Universitätsstudium zu Beginn dieses Jahrhunderts und mit der Erlangung des Wahlrechts nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland erfüllt. "Wenn man die marxistischen Verbände einmal ausklammert, hatte die Frauenbewegung in aller Regel nicht die Absicht, den gesellschaftlichen Unterschied der Geschlechter überhaupt abzuschaffen." So äußerte Helene Lange, eine besonders einflußreiche Persönlichkeit der liberalen bzw. konfessionell neutralen Frauenbewegung: "Hat die Frau nur die Eigenschaften des Mannes ... in die Kulturentwicklung einzusetzen, so wird diese weit besser von den Männern versorgt. Die ganze Stärke der Frauenbewegung liegt einzig und allein in der Auffassung, daß die Frau ... anatomisch bis in die Zehenspitzen anders geartet ist als der Mann, es auch psychisch ist, daß sie also andere, bisher gering oder gar nicht vertretene Eigenschaften für die Entwicklung der Kulturmenschheit dienstbar machen kann."4

Während im französischen und englischen Sprachraum "Feminismus" in allgemeiner Bedeutung für das "Eintreten für Gleichberechtigung der Frau" verwandt wurde, wenn auch nicht frei von abwertender Bedeutung, galt es im deutschen Sprachraum bis in die Gegenwart hinein als Schimpfwort und diente keineswegs zur Selbstbezeichnung der Frauenbewegung.5

b) Abriß der Geschichte des Feminismus

- allgemein

Wenn es auch einige Vorläufer der femistischen Bewegung gibt, etwa die Anhänger Saint-Simons in der frühsozialistischen Bewegung5, ist seine eigentliche Entstehung doch klar faßbar. Sein wichtigster Ursprung liegt in den USA, in der Bewegung "Women's Liberation Movement", abgekürzt "Women's Lib". Im Beginn dieser Bewegung steht Betty Friedan, die einem i.a. durchaus berechtigten allgemeinen Unbehagen amerikanischer Frauen Ausdruck verlieh, daß nämlich "der höchste Wert und die einzige Verpflichtung der Frauen die Erfüllung ihrer Weiblichkeit sei" mit dem "Beruf: Hausfrau"6. Die eigentliche Frauenbewegung datiert man auf 1968. "Women's Lib" steht im Zusammenhang mit den Anti-Vietnam-Demonstrationen und Studentenunruhen dieser Zeit. "Neomarxistische Tendenzen verbanden sich mit einer allgemeinen Unzufriedenheit in der 'Gesellschaft'. Als "tiefgreifendste Unterdrückungsstruktur" wurde von den Feministinnen" aber nicht die kapitalistische Klassenherrschaft, sondern die soziale Vorrangstellung des Mannes" ausgemacht, die ihren klarsten Niederschlag in der Familie und ihren Strukturen fand. Dies führte bei den radikalen Vertreterinnen dieser Richtung sehr schnell zur Ablehnung von Familie und Schwangerschaft; diese "versklave" die Frau und sei "Deformation des Körpers zur Arterhaltung". Bei einer Reihe führte dies sogar zum Männerhaß bis zu Ausrottungsphantasien.7

- in Deutschland

In Deutschland kann das organisierte Vorgehen gegen den §218 als "Geburtsstunde" des hiesigen Feminismus bezeichnet werden. Initialzündung war ein Artikel der Illustrierten "Stern", in dem sich 375 z.T. prominente Frauen selbst der illegalen Abtreibung bezichtigten. In dieser Phase, die von 1971-1975 etwa dauerte, kam es zum ersten Zusammengehen unterschiedlicher Frauen und Frauengruppen. Die zweite Phase bis etwa 1977 ist gekennzeichnet durch großen Zulauf zu diesen Frauengruppen, die nun den "Gang nach innen" auf ihre Fahnen geschrieben hatten: "Bewußtwerdungsprozesse" zwecks "Selbsterkenntnis"; dies aber nicht mit dem Ziel der Besserung des eigenen Lebens, sondern mit dem der "Reflexion von Veränderungsmöglichkeiten und -strategien" zur "Besserung" der Lage der Frau in der Gesellschaft. Als Ergebnis dieser "Innenschau" erklärte man die weibliche Emotionalität zum Maßstab aller Normen und Werte. Daraufhin führte die dritte Phase, in deren Verwirklichung wir uns derzeit noch befinden, zur Entwicklung einer regelrechten "Gegenkultur" der Frauen, konkret faßbar in sog. "Frauenprojekten" aller Art, die in Form eines "Feministischen Netzwerkes" systematisch vorangetrieben werden mit dem Ziel, "die patriarchalischen Strukturen der Gesellschaft in Frage zu stellen und sie zu überwinden". Die Aktivitäten dieser Gruppen beziehen sich speziell auf "alternative Unternehmungen vor allem im gesundheits- und sozialpolitischen, im wissenschaftlichen und im Kulturbereich". Inzwischen existiert in Deutschland auch ein "gut organisiertes Kommunikationsnetz, das über autonome Frauenverlage und -buchhandlungen verfügt", und es gibt kaum einen gesellschaftlichen Bereich ohne eigenständige Fraueninitiativen. Ferner ist eine immer stärker werdende Aufspaltung des öffentlichen Lebens in einen männlichen und einen weiblichen Teil zu beobachten, ablesbar etwa auch in den Forderungen nach Quotierung bei der Ämtervergabe z.B. in den Parteien und in anderen öffentlichen Lebensbereichen.8

III. Ideologie des Feminismus

- Wurzeln, Richtungen

Die Ideologie des Feminismus ist nicht einheitlich. In ihrer Anfangsphase ist sie entscheidend beeinflußt von Simone de Beauvoir, der bedeutendsten der "Lebensabschnittsgefährtinnen" des existentialistischen Philosophen Jean Paul Sartre. In ihrem grundlegenden Werk "Le deuxième sexe" , das Alice Schwarzer die "Bibel des Feminismus" und Rita Süssmuth ihr "großes Vorbild" nennt, geht sie aus vom Freiheitsbegriff Sartres, nach dem der Mensch sich selbst "entwirft" in völliger Unabhängigkeit von einer wie auch immer vorgegebenen "menschlichen Natur" und damit auch von Gott. Demnach kommt man auch "nicht als Frau zur Welt, man wird es. Kein biologisches, psychisches, wirtschaftliches Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen im Schoß der Gesellschaft annimmt."9 Da es aber nicht zu leugnen ist, daß die Frau in ihrem Leben durch biologische Abläufe erheblich stärker determiniert ist als der Mann, verwirft de Beauvoir alles Biologische an der Frau als "Entwürdigung", sieht den Mann deshalb als unendlich bevorzugt an und damit im Grunde das "Mannsein" als eigentlich erstrebenswertes Ziel.10 Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu können, sei jedoch dazu bemerkt, daß Beauvoirs Verhältnis zu Sartre, der sie dominierte, sie betrog und für den sie nach eigener Aussage zweimal abgetrieben hat, wohl für diese Einstellung ursächlich ist.11

Einen weiteren wichtigen Einflußfaktor für den Feminismus bildet der Marxismus. Es wurde schon erwähnt, daß an die Stelle des marxistischen Klassenkampfes im Feminismus der Antagonismus der Geschlechter tritt. Aber die Übereinstimmungen gehen noch weit darüber hinaus.

Wie der Marxismus geht auch der Feminismus von einem paradiesischen Urzustand aus, hier dem Matriarchat. Diese Zeit sei eine "egalitäre, herrschaftsfreie Zeit des Mutterrechts" gewesen, die sich auszeichnete "durch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit (!), sexuelle Promiskuität und zutiefst demokratische Verhaltensweisen".12 Obwohl diese Vorstellung a-historisch ist und die Mehrheit der Feministinnen allmählich von ihr abrückt, wird dies speziell bei manchen Theologen noch als Ergebnis historischer Wissenschaft vorausgesetzt.13 Innerkirchliche Feministen wie Hans Schilling und der ehemalige Kurat der kfd, Weihbischof Gutting, bleiben bei dieser Vorstellung.14 "Die Übertragung des marxistischen Unterdrückungsschemas auf die Geschlechterbeziehung gehört zum feministischen Allgemeingut".15

Im Feminismus lassen sich in diesem marxistischen Rahmen zwei große Strömungen unterscheiden. Die erste zielt ab auf den "Abbau der Geschlechtsrollendifferenzierung". Man kann sie als "Gleichheitsfeminismus" bezeichnen mit deutlich androgyner, d.h. nivellierender mann-weiblicher Ausrichtung. Die andere und extremere Richtung stellt die weiblichen Eigenschaften an sich schon über die männlichen, so als sei die Frau aus sich heraus schon der bessere und eigentliche Mensch. Diese Richtung wird in der Literatur "Radikalfeminismus" oder auch „gynozentrischer Feminismus" genannt.16

- Ziele des Feminismus

Was nun die Ziele des Feminismus angeht, so lassen sich bei allen Unterschieden der einzelnen Richtungen doch fünf verschiedene Grundtendenzen erkennen, in denen sich alle einig sind.

Die erste Tendenz ist der Kampf gegen den sog. "Sexismus". Darunter versteht man die Benachteiligung und Unterdrückung der Frau aufgrund ihres Geschlechtes in allen Bereichen einschließlich der Sprache. Als Grund wird die "patriarchalische Struktur der Gesellschaft" genannt, die es demnach zu überwinden gilt, indem die Herrschaft des Mannes auf allen Gebieten überwunden werden muß. Angeblich kann die Menschheit nur so überleben, denn "der Mann" gilt als Synonym für "Ausbeutung, Verstümmelung, Vernichtung, Beherrschung, Verfolgung von Frauen" und damit für Krieg und jede andere Form von Gewalt- und Machtausübung.17

Aus diesem Grund ist die Überwindung des Patriarchats die allgemein anerkannte zweite Tendenz, an der man auch besonders deutlich den marxistischen Einfluß erkennt. Ziel ist die Rückkehr zu den paradiesischen Zeiten des Matriarchats ohne Privateigentum mit freier Sexualität einschließlich des Inzests. Da Ehe, Familie, Vaterschaft und Eigentum als Kennzeichen des Patriarchats gelten, werden sie abgelehnt und bekämpft. Der Vater ist Symbol von Herrschaft und Unterdrückung, was dann auf den "Vatergott der Christen" übertragen wird, der damit "Symbol einer repressiven, das heißt auf Unterdrückung beruhenden Gesellschaft" ist. Wie das Matriarchat für "Liebe, Geduld, Ausdauer, Hegen und Nähren" steht, so das Patriarchat für "Angst, Neid, Schuld und Scham". Die Überwindung des Patriarchats und die Veränderung der gesamtgesellschaftlichen Situation sind nur möglich durch "Netzwerke", die die Gesellschaft gleichsam unterwandern. "Durch Zersetzung der Familie, als dem Herd aller patriarchalischen Unterdrückung vor allem der Frau, durch freies orgiastisches Erleben der Sexualität, löst sich die Vätergesellschaft auf, und der Weg wird frei für den Neuen Menschen, der im Paradies des Matriarchats seine neue und endgültige Herrschaft findet."18 Dieser "neue Mensch" wird auch "homo noeticus" genannt.

In diesem konstruierten Gegensatz von Matriarchat und Patriarchat liegt nun auch die Klinkstelle zur Ökologiebewegung, denn da man behauptet, Umwelt- und Weltfriedensbedrohung seien Ergebnis der Dominanz patriarchaler Werte, kommt Rettung allein aus der Feminisierung der Gesellschaft. Daher müsse die Vorstellung von der Autonomie des Individuums aufgehoben und durch eine ganzheitliche - also "holistische" - Sicht des mit dem Kosmos verbundenen Menschen eines Neuen Zeitalters ersetzt werden. Die Überwindung des Patriarchats erscheint so als eine lebensnotwendige Umkehr von kosmischem Ausmaß. Die feministische, ehemals protestantische Theologin Elga Sorge sieht in der 'weltweiten Unterdrückung der Frau und einer von ihr inspirierten Kultur eine der entscheidenden Ursachen dafür ..., daß wir kurz vor der Zerstörung unseres Planeten stehen.' Sie fordert 'Befreiung der Frau aus patriarchalischen Unterdrückungszusammenhängen', diese Befreiung sei ein 'kulturrevolutionäres Ereignis, weil es phallokratische Männer auf die Idee bringen würde, die Erde in allen Dimensionen zu lieben, anstatt sie zu be-herr-schen, zu zerstören und zu vernichten.'"19 Das angestrebte Neue Zeitalter - New Age - wird also erst durch die Überwindung des so verstandenen "Patriarchats" möglich, was im Umkehrschluß bedeutet, daß der Feminismus wesensmäßiger Bestandteil eben dieser New Age-Bewegung ist.

Die dritte allgemeine Tendenz leugnet in konsequenter Folgerichtigkeit die Verschiedenartigkeit von Mann und Frau. "Frausein" ist lediglich Produkt eines aufoktroyierten Rollenverhaltens, dessen Kern und Zweck die Mutterschaft sei, die man für "barbarisch" und "ungesund" erklärt. Daraus folgt die Ablehnung der herkömmlichen Pädagogik, da sie auf diesen Unterschieden aufbaut, sowie eine kritische bis ablehnende Sicht der Familie. Auch hier stimmt der Kampf der Feministinnen gegen die "die patriarchalische Herrschaft stabilisierende Familie" mit dem der New Age-Bewegung überein, die ebenfalls "neue Formen des Zusammenlebens" entwickeln will.20

Entsprechend wird notwendigerweise als vierte Tendenz die "Sexualethik des Patriarchats" abgelehnt, weil sie familienstabilisierend und damit "repressiv" sei. Statt dessen fordert man die "vollkommen frei auslebbare Sexualität bis hin zum Lesbianismus und zum Inzest". Dies allein könne die Selbstverwirklichung der Frau garantieren. Und man sagt selbstbewußt voraus, daß in der zukünftigen Gesellschaft alle Formen des Zusammenlebens möglich sein werden, nur nicht das Zusammenleben eines Mannes mit einer Frau und ihren gemeinsamen Kindern in einem Einzelhaushalt.21

Die fünfte Tendenz zeigt die politische Dimension des Feminismus. Er strebt ein "neues Realitätsprinzip an, lehnt die gegenwärtige Gesellschaft ab und zielt auf die Schaffung eines neuen Werte- und Normensystems". Für diese "neue Gesellschaft" grundlegend ist das sozialistische Gesellschaftsmodell, da dort die als patriarchalisches System verstandene Klassengesellschaft überwunden ist. Nach Herbert Marcuse, einem der entschiedensten Vertreter des Neo-Marxismus, ist nach seinem Konzept des "feministischen Sozialismus" die Befreiung der Frau gleichsam der erste Schritt auf dem Weg zu dieser neuen Gesellschaft. Der revolutionäre Kampf sei daher feministische Pflicht, denn die "femininen Qualitäten: Rezeptivität, Sensitivität, Gewaltlosigkeit, Zärtlichkeit usw." seien den "herrschenden maskulinen: Herrschaft und Ausbeutung entgegengesetzt." Sie seien dem Bereich der Erotik zuzurechnen und stünden für die "Kraft der Lebenstriebe, gegen den Todestrieb und gegen die Destruktion." Marcuse: "Der feministische Sozialismus wird seine eigene Moral begründen und entwickeln müssen, die mehr und etwas anderes zu sein hätte als die bloße Absage an die bürgerliche Moral."22

Zusammenfassend kann man feststellen, daß es dem Feminismus um erheblich mehr geht als um Gleichberechtigung. "Die Feministinnen woll(t)en nicht mit den Männern zusammen für eine gerechtere Gesellschaft kämpfen, sie streb(t)en vielmehr eine Umverteilung der Macht zu ihren Gunsten an."23

- "Religion" des Feminismus

Bei aller Unterschiedlichkeit in Radikalität und Anspruch kann man doch von einer dem gesamten Feminismus im Rahmen seiner Ideologie gemeinsamen "Grundreligion" sprechen.

Das schon erwähnte a-historische Matriarchat, den vorgeblich "paradiesischen Urzustand", will man als "Friedensreich" wiederherstellen. "Wenn also die Frauen an die Macht kommen, wird es eine Welt ohne Krieg und Kampf und voller Friede und Wohlstand geben."24 - "Entsprechend der Matriarchatsvorstellung wollen Feministinnen sich das Wesen der Göttinnen aller erreichbaren Religionen und Kulte neu erschließen, um deren Weisheit in der Gegenwart nutzbar zu machen (zum Beispiel Artemis und Athene, Demeter und Hera, Isis und Astarte). Heide Göttner-Abendroth etwa sieht hinter jeder männlichen Göttergestalt eine ursprüngliche Muttergöttin, die vom Patriarchat verdrängt worden sei. Damit seien auch Lebenstüchtigkeit und Erkenntnisfähigkeit verlorengegangen, die nun durch die Belebung alter Kulte reaktiviert werden sollen. (...) Das feministische Denken und Handeln sieht in dem rational gesteuerten Denken der Männer die Ursache der Fortschrittskrise. Deshalb wendet es sich dem Irrationalismus zu. Die tiefere Weisheit sei in den alten Mythen und Geheimlehren zu finden. Magische, schamanistische und okkulte Praktiken werden angewandt, um die besonderen Geistbegabungen der Frau zu aktivieren. In den Hexen werden die eigentlich weisen Frauen erblickt, deren Heilwissen man erwerben möchte. All dies, so wird behauptet, sei nur Frauen möglich, weil sie in ganzheitlicher Weise mit der Natur und den Geisteskräften verbunden seien."25 Von hier aus wird dann auch verständlich, warum es einen "Ökofeminismus" sowie intensive Beziehungen zur Friedens-und Ökologiebewegung gibt mit "Müttergruppen" und "Frauenkreisen", deren Engagement von "alternativer Energiegewinnung" über "sanfte Technologie" bis zu "biologischem Gemüseanbau" reicht.26

IV. New Age und Feminismus

Da bisher häufiger vom "Neuen Zeitalter" oder "New Age" die Rede war, möchte ich einen kurzen, in diesem Rahmen leider nur plakativ möglichen Überblick über Geschichte, ideologischem Inhalt, Ziele und Methoden dieser Bewegung geben, denn obwohl der Name selbst inzwischen nur noch selten auftaucht, ist doch das Gedankengut mittlerweile in allen Teilen unserer Gesellschaft anzufinden und wird dort immer virulenter.

- Geschichte des NewAge

Gründerin der heute so genannten "New Age-Bewegung" ist Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891), deren einziger Lebensinhalt es war, Okkultismus zu üben und zu verbreiten. Die von ihr 1875 gegründete "Theosophische Gesellschaft" kann als der Anfang des New Age (NA) bezeichnet werden. Die Ideologie der Theosophischen Gesellschaft ist gekennzeichnet durch Synkretismus mit dem Schwerpunkt östliche Religionen unter Ausschluß der monotheistischen Religionen Christentum, Judentum, Islam; durch extremen Evolutionismus, durch den Glauben an die Reinkarnation und an die Existenz von "Geistwesen" bzw. besonders weit "entwickelten" Menschen, die dann als angebliche "Meister" fungieren und die Menschen lenken. Sie selbst arbeitete mit diesen "Meistern", in ihrem Fall den Geistwesen", von 1867 bis zu ihrem Tod 1891 zusammen und verfaßte unter deren Einfluß und Diktat diverse grundlegende okkultistische Werke. Erwähnenswert scheint mir in diesem Zusammenhang, daß Rudolf Steiner, der "Vater" der Waldorfschulen, Mitglied dieser Gesellschaft war, ehe er die Anthroposophie begründete, die aber weiterhin große Affinitäten zur Theosophie hat.27

Kennzeichnend für die Theosophische Bewegung mit allen ihren "Ablegern" war von Anfang an ihr ausgeprägter Haß gegen das Christentum, besonders gegen den Katholizismus. Selbst in kabbalistisch-gnostischer Verdrehung konnte man Christliches nicht ertragen.28 Ziel dieser Gesellschaft ist es: "...sich dem Materialismus der Wissenschaft und jeder Form dogmatischer Theologie zu widersetzen, besonders der christlichen, die die Leiter der Gesellschaft (also die "Meister" oder "Geistwesen"; d.V.) für besonders schädlich halten; in westlichen Nationen die lange unterdrückten Tatsachen über religiöse Lehren des Orients und deren Ethik, Entstehung, Esoterik und Symbole bekanntzumachen; so weit wie möglich den Anstrengungen der Missionare entgegenzuwirken, die die sogenannten 'Heiden' hinsichtlich des wahren Ursprungs und der wahren Lehre des Christentums irreführen, sowie dessen praktische Auswirkungen auf die Öffentlichkeit und auf Einzelne in den sogenannten christlichen Ländern zu bekämpfen."29 Endziel dieser Gesellschaft ist die Heraufführung des "Antichrist" mit weltweiter totalitärer Herrschaft in allen Bereichen und einer natürlich heidnischen Welteinheitsreligion.30 Die "Meister", die eigentlichen Leiter der Gesellschaft, die sich mit ihrer Publikation "Lucifer" offen zu ihren dämonischen Ursprüngen bekannt hat, verboten den Gang in die Öffentlichkeit bis 1975. Aus dieser Geheimhaltungszeit stammt die Praxis der Geheimzeichen und Signalwörter, die von den New Agern bis heute beibehalten wird.31

Die Nachfolgerin Blavatskys war Annie Besant (1847-1933), die allerdings bei dem Versuch scheiterte, einen jungen Mann namens Krishnamurti (1895-1986) als Antichristen aufzubauen, denn durch den Einfluß seines Vaters scheiterte dieses Vorhaben 1929. Daraufhin bestimmten die "Meister" Ann Bailey (1880-1949) zur Führerin der Gesellschaft, eine ehemals christliche Lehrerin und geschiedene Frau eines Pfarrers der Episkopal-Kirche, ein Mensch mit brennendem Ehrgeiz und Geltungsbedürfnis, die sie durch ihre Stellung in der Theosophischen Gesellschaft und ihren Kontakt mit den "Meistern" befriedigen konnte. Hauptleistungen dieser Frau waren eine große Anzahl von Institutionsgründungen und ca. zwei Dutzend nach Art spiritistischer Medien "automatisch" geschriebene Bücher, die den sog. "Plan" zum Hauptinhalt haben, d.h. "präzise Anweisungen für die Jünger der 'Meister' in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts".32 "Diese Lehren lassen wenig bis gar nichts aus. Sie reichen von der Meinung der Hierarchie (das sind die "Meister"; d.V.) über Juden (negativ) bis zu Ernährungsregeln. Schritt für Schritt zur Errichtung des 'neuen Zeitalters' ist geplant. Die Anweisungen erstrecken sich von der Notwendigkeit der Errichtung einer neuen Weltordnung bis zum Gebrauch des Regenbogens als Erkennungssignal, Pläne für Religionskriege, zwangsweise, weltweite Verteilung der Güter, luziferische Einweihungen (sogenannte 'Initiationen'), planetarische Massenweihen, die Theologie der neuen Weltreligion, Abrüstungskampagnen, die Vernichtung oder Lahmlegung überlieferter Religionen, die nicht zur Zusammenarbeit bereit sind (...) Selbst die angebliche 'Heiligkeit' der 'Zahl des Tieres' - 666 - wird an wenigstens zwei Stellen erwähnt." Dieser "Plan" wird von der NA-Bewegung bis ins kleinste Detail befolgt.33

Es würde zu weit führen, hier die gesamte weitere Geschichte der Bewegung auszubreiten. Erwähnenswert scheint noch die "Findhorn-Community" in Schottland, sozusagen der "Vatikan" der Bewegung und eines ihrer geistigen Hauptzentren, ferner die Namen einiger wichtiger Mitglieder wie David Spangler, der Luzifer als "wahres Licht Findhorns"34 bezeichnete, Benjamin Creme und Fritjof Capra. Besonderen Einfluß auf die NA-Ideologie hatten außerdem George Gurdjieff, Pierre Teilhard de Chardin, H.G.Wells35 und C.G.Jung36.

Auch von den NA-Institutionen, die sich zu einem großen Teil engster Verbindungen zur UNO erfreuen, seien nur einige wichtige bzw. besonders bekannte genannt: Amnesty International, Greenpeace, Kinder Gottes (Jugendsekte), Zero Population Growth, Stanford Research Institute (SRI) in Palo Alto, Kalifornien; Pacific Institute, New Group of World Servers, Planetary Citizens, Planetary Institute for the World we choose, Unity-in-Diversity-Council usw.37 Besonders aufschlußreich sind die Beziehungen des NA zur Freimaurerei. Der Genfer Leiter der von Alice Bailey gegründeten "Arkanschule" zur Einführung in Magie und Okkultismus, die ihre Schüler zur Geheimhaltung verpflichtet, ist "gleichzeitig Generalsekretär der Universellen Freimaurerliga: 'Die Arkanschule betrachtet sich daher als <magnetisches Zentrum> der gesamten Freimaurerei.'"38,so seine eigene Aussage. Auch von den zum NA gehörigen mehr religiös-esoterischen Gruppen seien einige bekannte genannt: die Sufi-Gemeinschaften, das "Heimholungswerk Jesu Christi", "Weltumfassender guter Wille", Benjamin-Creme-Transmission-Groups, Lifeway, die "Christengemeinschaft" des Rudolf Steiner, Zen-Zentren und Meditationskreise, verschiedene spirituelle Yoga-Schulen, Sri Aurobindo-Gesellschaft, Hare-Krishna, Divine Light Mission des Guru Maharaj Ji, TM=Transzendentale Meditation des Maharishi Mahesh Yogi, Bhagwan und seine Bewegung usw.; in der Politik: die Esoterische Union und wesentliche Teile der "Grünen"39, wobei aber nicht zu verkennen ist, daß sich NA-Gedankengut auch massiv in den übrigen Parteien findet.

- Ideologie des New Age

Die Rede vom "Neuen Zeitalter" begründet sich aus der Astrologie, wo angeblich das Sternbild der Fische als Bild des Christentums nun abgelöst wird durch das Sternbild des Wassermanns, dessen Zeitalter man auch das "ökologische" nennt. Seinen Beginn setzt man frühestens 1950, spätestens 2143 an.40 Hauptlieferantin der NA-Ideologie ist die schon genannte Alice Ann Bailey. "In ihren Schriften verherrlicht sie den Teufel, proklamiert die Selbsterlösung des Menschen und verkündet die neue Welteinheitsreligion. Der bunte Regenbogen, wichtigstes Wahrzeichen der New-Age-Bewegung, bedeutet für Alice Bailey die Brücke zwischen der Geistigen Hierarchie und den Menschen, biblisch gesprochen: das Sich-Ausliefern an die Dämonen. Sie beruft sich auf 'Chistus', fordert aber gleichzeitig die Vernichtung der katholischen Kirche. Gegen deren Einfluß hält sie selbst den Einsatz von Atombomben für geboten. Die weitverbreitete 'Große Invokation', die 'Große Anrufung', die den Humanismus der 'One World' herbeiführen soll, versteht sich nicht als Gebet, sondern ist eher eine Beschwörung magischer Kräfte."41"Gemeinsam ist dem New-Age-Gedankengut eine Tendenz zum Monismus und Pantheismus, d.h. es gibt keinen seinsmäßigen Unterschied zwischen Gott und Mensch. Die Welt...ist mit Gott identisch. (...) Die innere Gemeinschaft mit Gott ist ... kein Geschenk, das der persönlichen Liebe Gottes entstammt und nach dem Sündenfall durch Christus neu erworben wurde, sondern eine immer schon bestehende Selbstverständlichkeit. Eine Versenkung in das eigene Ich ist der entscheidende Weg, sich selbst zu erlösen."42 Zu diesem Zweck müsse jeder das "Christusbewußtsein" in sich entwickeln, denn "jeder Mensch sei ein möglicher Christus", und Jesus habe genau dies besonders perfekt getan. Auf diese Weise finde der Mensch "Gott in sich"43, d.h. er vergöttlicht sich selbst.

Der mehr unbekannte bzw. sehr verschleierte Teil der NA-Ideologie hat eine mehr als erstaunliche Ähnlichkeit bis völlige Identität mit der Ideologie des Nationalsozialismus. Constance Cumbey stellt in ihrem Werk "Die sanfte Verführung" beide Ideologien nebeneinander und zeigt, daß sie in allen wesentlichen Stücken bis zur Symbolik identisch sind, einschließlich eines dumpfen Antisemitismus und speziellem Katholiken- bzw. Christenhaß. Extremen Antsemitismus äußerte Alice Bailey noch 1949, als das Schicksal der europäischen Juden allgemein bekannt war44, und ihr Ehemann Foster Bailey bezeichnete noch 1972 Hitler als "Jünger der Bewegung".45 Gleichzeitig weist Cumbey hin auf die bislang noch wenig bekannten okkulten Wurzeln des sog. "Dritten Reiches"46.

Die für die angebliche Vergöttlichung des Menschen benutzten Methoden gehen aus vom "rebirthing", d.h. von der Überzeugung, daß alle Weisheit bereits in unserem eigenen Inneren verborgen sei und wir sie nur durch bestimmte Techniken ans Licht holen müßten. Zu diesen Techniken gehört in erster Linie die Meditation nach östlicher Lesart als völliges Entleeren des Bewußtseins unter Aufgabe der Willenstätigkeit47, ferner alle Psychotechniken, die der "Bewußtseinserweiterung" dienen wie z.B. Hypnose, Sufismus, Biofeedback, TM, Yoga usw.48 Um diesen Prozeß abzukürzen, empfiehlt man von NA-Seite die Benutzung "bewußtseinserweiternder Drogen" wie LSD, Meskalin und anderer Psychedelika.49 Ziele sind Erfahrungen mit Geistwesen", "Erleuchtung", "telepathische Erlebnisse und mystische Erfahrungen wie das Erblicken eines Lichtes".50 Letztes Ziel all dieser Übungen ist der "homo noeticus", eine "neue Species" mit Quasi-Göttlichkeit.51

Das Vehikel zur Verbreitung der NA-Bwegung und ihres Gedankengutes ist die Bildung von "Netzwerken" oder auch "Segmentierten, Polyzentrischen, Integrierten Netzwerken", abgekürzt SPIN. Der Vorteil dieser Zusammenschlüsse, die alle auf der informellen und personellen Ebene liegen, ist die für geordnetes Funktionieren grundsätzliche Entbehrlichkeit der Teilgruppen. Grundlage dieser SPINs ist die sog. "Synergie", das "Zusammenwirken von Kräften". Marilyn Ferguson, eine der Hauptprotagonisten des NA dazu: "Die Verschwörung im Zeichen des Wassermanns ist eigentlich ein SPIN aus SPINS, ein Netzwerk aus vielen Netzwerken, das auf eine gesellschaftliche Transformation abzielt." - "Ihr Zentrum findet sich überall. Obwohl viele gesellschaftliche Bewegungen und sich gegenseitig unterstützende Gruppen an ihren Bündnissen teilhaben, hängt ihre Existenz von keiner einzelnen Gruppierung ab."52 Um den einzelnen für die NA-Ziele gefügig zu machen, werden bei NA-Veranstaltungen, als "Entspannungsübungen" getarnt, tiefe Hypnosezustände erzeugt, in denen die Teilnehmer dann aber nach entsprechender NA-Programmierung belassen werden53, oder es werden andere Psychotechniken angewandt, deren Ziel es aber jeweils ist, trance-ähnliche Zustände zu erzeugen, die dann Manipulation ermöglichen.54

- Erkennungszeichen des New Age

Um diesen Abriß zu vervollständigen, seien noch einige wichtige NA-Paßwörter und Symbole genannt. Außer dem schon genannten Regenbogen ist dies ein endlos in sich verflochtenes Band in der Form eines dreiblättrigen Kleeblattes, ferner das Yin-Yang-Zeichen, das Einhorn, sowie die Mehrheit esoterischer und buddhistisch-hinduistischer Symbole. Sprachlich auffallend sind die NA-Neologismen wie z.B. Netzwerk; globales Dorf; Vernetzung und vernetztes System; Bewußtseinsveränderung; dezentrale Strukturen; Paradigma, neu und alt; Weltenbürger; transpersonal; Psychosynthese; Raumschiff Erde; Gaia; Hologramm; holistisch; ganzheitlich in allen Bezügen; sanft desgleichen z.B. bei "sanfter Technologie"; Wassermannzeitalter; außerdem die Fülle der esoterischen Begriffe.55

- New Age und Ökologie; Beziehung zum Feminismus

Zwischen "Ökologie und Feminismus des Wassermannzeitalters", also dem NA, bestehen nach Ansicht seiner führenden Vertreter notwendige Beziehungen. So sieht Fritjof Capra den "spirituellen Gehalt der ökologischen Weltanschauung" ideal ausgedrückt "in der von der Frauenbewegung befürworteten feministischen Spiritualität - was angesichts der naturgegebenen Verwandtschaft zwischen Feminismus und Ökologie, die in der uralten Gleichsetzung von Frau und Natur wurzelt, zu erwarten ist. (...) Wie zahlreiche feministische Autoren in jüngster Zeit hervorgehoben haben, scheint das Vorstellungsbild einer weiblichen Gottheit diese Art von Spiritualität mehr zu verkörpern als das eines männlichen Gottes."56 Laut Capra kommt der Frauenbewegung bei der Verbreitung des New Age eine Schlüsselrolle zu.57 "Radikale Vordenkerinnen der Frauenbewegung des New Age fordern einen Ersatz der christlichen Religion durch den Mythos von Gaia, der 'Mutter Erde'. Umdeutungen des christlichen Glaubens in bezug auf das Geschlecht Gottes werden als nicht ausreichend abgelehnt. (...) Dazu schreibt C. Spretnak, eine Vertreterin des New Age: 'Was könnte der Beitrag der Religion sein zur Beseitigung des kulturell bedingten Vorurteils, die Frauen seien das andere, die Männer gottähnlich und damit höherstehend? (...) Wir kennen die Antworten und sie werden schon ausprobiert: Frauen müssen gleichberechtigt an Ritualen beteiligt sein (als Pfarrerinnen, Rabbis und Priesterinnen); die Sprache der Predigten und Übersetzungen muß die Frauen miteinschließen; und die Gottheit muß sowohl männlich als auch weiblich verstanden werden. Diese Lösungen sind nicht neu, und sie sind auch nicht effektiv ...viele Menschen ...stehen ...diesen Bemühungen widerstrebend gegenüber und finden die Vorstellung eines weiblichen Gottes albern und peinlich. Sich zu zwingen, hin und wieder <Gott, die Mutter> zu sagen, ist sinnlos, wenn sich die Menschen dabei einen Jahwe in Röcken vorstellen. Zuerst müssen sie begreifen, wer SIE ist: SIE ist nicht im Himmel; SIE ist die Erde. Hier ist IHRE Manifestation in der ältesten Schöpfungsgeschichte der westlichen Kultur: der Mythos von Gaia.'"58

- Zusammenfassung

Aus dem bisher Dargestellten läßt sich m.E. klar entnehmen, daß die feministische Bewegung nichts Unabhängiges und Eigenständiges ist, sondern Teil und sogar Vorhut der sog. NA-Bewegung. Sie fungiert als Stoßtrupp, um über die Frauen sowohl eine neue Gesellschaftsordnung als auch eine neue Religion durchzusetzen. Um es biblisch auszudrücken: Die Schlange geht nicht zu Adam, sondern sie verführt erst Eva, hier wie dort mit dem Versprechen der Unsterblichkeit, jetzt Reinkarnation genannt, mit dem der absoluten Überlegenheit durch Göttlichkeit - im NA: "entwickelt den Gott/die Göttin in euch bzw. ihr seid es in Person" - und mit dem irrealen Ziel, selbst bestimmen zu können, was gut und böse ist.

Wie steht es nun mit dem Einfluß des Feminismus auf das Christentum und dessen Verhältnis dazu?

V. feministische Theologie

- Entwicklung

Nach dem bisher Dargestellten, dem entsprechend seinem Ursprung aus dem NA der primär religiöse Anspruch des Feminismus zu entnehmen ist, kann es nicht verwundern, daß sich diese Richtung sehr schnell den Weg in die christlichen Kirchen suchte. Es wird in den folgenden Ausführungen nicht ausdrücklich getrennt zwischen dem Einfluß auf die katholische Kirche und dem auf die protestantischen kirchlichen Gemeinschaften, da es in diesem Bereich insgesamt mehr Übereinstimmungen als Unterschiede gibt. Wo es sich um primär katholische Vorgänge handelt, wird dies ausdrücklich vermerkt.

Grundsätzlich ist festzustellen, "Die Feministische Theologie überträgt ...die Grundmuster femistischer Kritik auf den religiösen Bereich."59 Erste Treffen feministischer Theologinnen gab es Anfang der 70er Jahre in den USA. Die eigentliche "Geburtsstunde" dieser Theologie ist aber das Buch von Mary Daly, Beyond God the Father, von 1973. Amerikas feministische Theologinnen knüpften zunächst bei der Frühzeit der amerikanischen Frauenbewegung an, die die Bibel als "Produkt von Männern" betrachtete, sie als Waffe gegen die Frauenemanzipation beargwöhnte und ihren Offenbarungscharakter leugnete.60"Maßgebend für die Entstehung der Feministischen Theologie im katholischen Raum ist nicht zuletzt das Engagement für das Frauenpriestertum. ... Vor allem in den USA ist die Bewegung für das Frauenpriestertum bis heute ein wichtiges Ferment, das die Feministische Theologie geprägt hat. Viele Feministinnen haben freilich gar keinen Wunsch nach einem Amt, das schon als solches unterdrückende Strukturen befestige. Andere wollen in die 'patriarchalische Struktur' einbrechen, um sie von innen her zu verändern. Kennzeichen für die USA sind radikale Ordensfrauen, welche die Vorreiterinnen oft selbst des weltlichen Feminismus gebildet haben."61 Dabei sind sich die Theologie der Befreiung und die Feministische Theologie gemäß ihres übereinstimmenden marxistischen Ansatzes sehr nahe. Auch hier wird - wie im sog. "weltlichen" Feminismus - lediglich die Unterdrückung der "Armen" durch die der Frau ersetzt.62 Die feministischen Theologinnen machen die weibliche Erlebnisweise als sog. "Erfahrung" zum Maß des Theologisierens überhaupt. Entsprechend lehnt man das "konsequent logische Denken" der "extrem verkopften alten Theologie" ab und fordert statt dessen ein "erfinderisches, improvisiertes Handeln, weniger Sachlichkeit, größere Zweideutigkeit", statt einer "Theo-logie" eine "Theo-poesie" bzw. "Theo-phantasie". Publizistisch gefördert wird die Feministische Theologie seit etwa 1976 vom sog. "progressiven" katholischen Lager. "Seit den 80er Jahren gibt es mehrere feministisch-theologische Zeitschriften - im deutschen Sprachraum gleich zwei ('Schlangenbrut' aus Münster, seit 1983, und 'Fama' aus Basel, seit 1985) - und eine ganze Reihe von 'Netzwerken', die Feministische Theologie in die Praxis umsetzen wollen."63

1977 erhielt Catharina Halkes einen Lehrstuhl für "Feminismus und Christentum" an der Katholischen Universität Nijmegen, der bis heute vom zuständigen Bischof nicht genehmigt ist, ohne daß dies in der Universität zu Konsequenzen geführt hätte. Weitere bekannte und einflußreiche Feministinnen sind: die Protestantin Elisabeth Moltmann-Wendel, Ehefrau des Tübinger "politischen Theologen" Jürgen Moltmann, mit besonders großen Einflußmöglichkeiten über die jährlichen Tagungen der Evangelischen Akademie Bad Boll; ferner die Münsteraner Theologin Hedwig Meyer-Wilmes. Feministisch-theologische Lehrstühle sind beabsichtigt bzw. bereits eingerichtet an den Universitäten Bonn und Münster. Im evangelischen Bereich wurden die beiden Leiterstellen des neu gegründeten "Frauenstudien- und Bildungszentrums" in Gelnhausen bei Fulda mit zwei bekannten Feministinnen besetzt, eine davon "ausdrückliche Verfechterin der Gleichstellung, ja Höherstellung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften von zwei und mehr Partnern mit der Ehe."64

- Inhalte und Methoden; innerkirchliche Reaktionen

Auch in der Feministischen Theologie unterscheidet man unterschiedliche Richtungen, man kann aber auch hier zwei Hauptströmungen ausmachen. Die erste versucht "nur", Christentum bzw. Judentum im feministischen Sinn "neu zu interpretieren", die Vertreterinnen dieser Richtung neigen dem "androgynen" Feminismus zu. Die zweite Richtung, der sog. "Göttinnenfeminismus", vertritt den "gynozentrischen" Ansatz.65

Bevorzugtes Betätigungsfeld der Feministischen Theologie ist die Exegese des AT und NT. Beides versucht man aus feministischer Sicht zu "reinigen" und umzuinterpretieren, besonders "unbeliebt" ist dabei das AT. Ebenso ergeht es der Kirchengeschichte, die mehr oder weniger als Geschichte des Patriarchalismus gedeutet wird. Darüber hinaus gibt es noch Versuche, "die Ethik und verschiedene Bereiche der Dogmatik feministisch zu deuten."66 Auch hinsichtlich der angewandten Methode gibt es zwei Hauptrichtungen, die eine mehr befreiungstheologisch-soziologisch, die andere tiefenpsychologisch in Anknüpfung an C.G.Jung. Für die mehr soziologisch orientierte sog. "gemäßigte" Richtung stehen Namen wie Rosemary Ruether, Elisabeth Schüssler Fiorenza, Catharina Halkes, Elisabeth Moltmann-Wendel; für die tiefenpsychologische Christa Mulack, Hildegunde Wöller, Jutta Voss und Elga Sorge.67

Wie ist nun die Reaktion der Kirchen?

In der evangelischen Kirche geht der Widerstand gegen diese Art von "Theologie" in erster Linie von den "evangelikalen" Kreisen aus, die zwar nur einen sehr kleinen, aber geistig um so regeren Teil dieser Gemeinschaften ausmachen.68 In der katholischen Kirche ist diese Art von "Theologie" offiziell noch nicht derart virulent, hat aber seit langem auch hier ihre sehr rührigen Verbreiter. "Besonders in den oberen Führungsetagen der 'Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands' (kfd) findet man für die Feministische Theologie weitgehende Sympathien, die sich in der Bildungsarbeit und in der Verbandszeitschrift 'Frau und mutter' (!) immer deutlicher ausprägen."69 Dies zeigt sich z.B. an Beiträgen der langjährigen Generalsekretärin Anneliese Lissner unter Titeln wie: "Erneuert euch in eurem Denken" (das "New-Thinking" der New Ager!) oder "Seid nicht so geduldig! Warum der Kirche widersprochen werden muß" mit einem Vorwort von Rita Süssmuth. In die gleiche Richtung geht eine Veröffentlichung von Ruth Ahl, die von 1974-1986 leitende Redakteurin von "Frau und mutter" war, wo unter dem Titel "Eure Töchter werden Prophetinnen sein" eine Einführung in die Feministische Theologie gegeben wird. Die gleiche Linie verfolgte auch der ehemalige "geistliche Hauptprotektor der kfd", Weihbischof Gutting, der in einem Vortrag im Juni 1987 in der Universität Münster unter dem Titel "Offensive gegen den Patriarchalismus. Für eine menschlichere Welt" die "vielen wertvollen Ansätze der feministischen Theologie" anerkannte.70 Von den seltenen Äußerungen residierender oder auf andere Weise herausragender Bischöfe zur Feministischen Theologie ist die des niederländischen Kardinals Simonis bedenkenswert: Eine "Förderung weiblichen Wirkens und eine Theologie des Frauseins" sei eine "wichtige Aufgabe der Kirche". Hierfür sei die Feministische Theologie aber nicht geeignet. "Sie leugne die Grundwahrheiten des Glaubens, verwerfe die Offenbarung, entstelle das Gottesbild, mißbrauche den heiligen Geist und zeichne ein falsches Bild von Maria. Besessen vom Spukbild des Sexismus, lockten die Feministinnen die Menschen weg von Gott und der Kirche. Es sei außerordentlich traurig, daß gerade die Frauen in dieser Art über die Kirche herfielen, sie sogar verlassen und Mann und Kinder mitnehmen. Er gestehe zu, daß der Frau nicht immer der ihr angemessene Platz in der Kirche gewährt worden sei, aber die Feministische Theologie errichte eine neue Kirche, die mit der göttlichen Offenbarung, der auch die Männer unterworfen seien, nichts mehr zu tun habe. Aus Empörung über diese vorgeblich 'frauendiskriminierenden' Äußerungen strengten Feministinnen gegen Kardinal Simonis zwei Gerichtsverfahren an, die sie freilich verloren."71 Negativ zum Feminismus äußerten sich auch Kardinal Ratzinger sowie Erzbischof Degenhardt von Paderborn, ebenfalls "eher kritisch" Bischof Lehmann. Eine "indirekte Antwort" auf den Feminismus ist das Apostolische Schreiben des Papstes "Mulieris dignitatem" von 1988, das die biblischen Grundlagen des katholischen Frauenbildes entfaltet. Beim Ad-limina-Besuch der US-amerikanischen Bischöfe 1993 verurteilte Johannes Paul II. den "extremen Feminismus, der den christlichen Glauben untergrabe."72

- Hauptvertreterinnen

Die Feministische Theologie ist geprägt von der Spannung zwischen Transzendenz und Immanenz Gottes, die einseitig zugunsten der Immanenz entschieden wird. Das Christentum geht auf die Selbstoffenbarung Gottes zurück, ist damit also Ausdruck seiner Transzendenz. Aus feministischer Sicht wird dies als "patriarchalische Degeneration verstanden, die die matriarchalische Urreligion frevelhaft verdrängt und an die Stelle der freiheitlich-liebevollen Göttinnen jener paradiesischen Epoche die 'sado-masochistische Sündenideologie' der Bibel gesetzt habe."73 Gleichzeitig werden die Eigenschaften Gottes umgedeutet. "Die Allmacht Gottes etwa ist Ausdruck von Fanatismus und Imperialismus, Tod und Auferstehung Jesu Christi sind Degenerationen des matriarchalischen Mythos der Reinkarnation. Ziel der feministischen Theologie ist es daher, über diese Aufdeckung der patriarchalischen Strukturen zu einer Wiederversöhnung von Christentum und Matriarchatsreligion zu kommen."74 Auf katholischer Seite steht für diese Ansichten Rosemary Radford Ruether, seit 1976 Professorin an einer protestantischen(!) Theologischen Hochschule in den USA, die Niederländerin Catharina Halkes, bis zu ihrer Emeritierung 1986 Lehrstuhlinhaberin an der Katholischen Universität Nijmegen, sowie deren Nachfolgerin Hedwig Meyer-Wilmes, "die bei ihrem Dienstantritt noch nicht promoviert war."75

Herausragende "Ziehmutter" der feministischen Theologie im katholischen Bereich und für den Feminismus im allgemeinen ist die Amerikanerin Mary Daly, eine ehemalige Ordensschwester, die als Prototyp und Kulminationsfigur feministischen Gedankenguts angesehen werden kann, sowohl in der von ihr vertretenen Ideologie als auch in ihrer persönlichen Entwicklung. Der "Sexismus des Christentums", so sagt sie, zeige sich bereits in der Gestalt Christi selbst und speziell in der Marienverehrung, denn dort habe das Christentum "die alte Muttergöttin der Urzeit 'in Ketten gelegt'."76 Daly gibt dem Christentum die Schuld an der Ausbeutung der Erde und der Hochrüstung, es betreibe "Vergewaltigung als Lebensweise". Sie ruft daher alle Feministinnen auf zu einer "'Kastration der Sprache und Bilder', in denen sich die Unterdrückung der Frau widerspiegle und fortsetze. Es gehe darum, 'das kastrierende System zu entmannen, das System, das unser aller Großer Vater-Gott ist'. Daly bezeichnet dieses Vorhaben gleichermaßen als 'Teufelsaustreibung' wie als eine 'Form von Gottesmord'. An einen persönlichen Gott glaubt Daly nicht mehr. (...Sie) bejaht ...eine pantheistische bzw. panentheistische Auffassung von 'Gott', die Gott und Welt gleichsetzt." - "'Gott' ist daher nur mehr 'das Sein, an dem wir teilhaben'", ein "Verb", kein "Substantiv" mehr. Dabei stützt sich Daly auf den protestantischen Theologen Paul Tillich, der von Gott als der "Tiefe des Seins" spricht. "Allein betont wird die Immanenz Gottes, seine Gegenwart in dieser Welt, während seine Weltüberlegenheit, die Transzendenz, nicht zum Zuge kommt. Gott ist ... mit der Innerweltlichkeit identisch. Attribute, die sich sonst nur auf Gott beziehen, werden ... von Mary Daly dem Menschen zugesprochen." Auf diese Weise wird der Mensch schließlich die "letzte Ursache" von allem und setzt sich damit an Gottes Stelle.77

An Dalys bisheriger Entwicklung sind die beabsichtigten Stationen des feministischen Umsturzweges abzulesen: Sie will die "Schwesternschaft der Feministinnen als Antikirche" durch "Aufrichtung des weiblichen Stolzes". Dies bezeichnet sie als "zweites Kommen des Frau" und setzt es mit dem Kommen des Antichristen gleich, das sie auf diese Weise anstrebt. Wiederholt verhöhnt sie das Kreuz als "Folterwerkzeug" und stellt ihm den entsprechend freudevollen weiblichen "Baum des Lebens" gegenüber. Er ist Ausdruck der festen Verbindung der Feministin zur Erde und zur "Mitte ihrer Selbst". Daly sieht sich selbst als "Hexe", die ein "esoterisches Wissen über frühere matriarchalische Kultur neu entdecke."78

Mary Daly, die sich inzwischen eine "Gnostikerin" nennt und nach eigenem Bekunden die "(vorgebliche) 'Todsünde der Lust' zum 'Ausgangspunkt' ihrer Überlegungen nimmt"79, blieb bis zu ihrer vermutlichen Pensionierung im Jahre 1993 Professorin für "katholische Theologie" an der Jesuitenhochschule in Boston.80

V. Auswirkungen des Feminismus auf Glaubensinhalte und Strömungen in der Kirche

Grundlegend für alle Einflüsse des Feminismus in der Kirche ist dessen von der christlich-biblischen Auffassung abweichende Anthropologie. Nach der Schrift sind Mann und Frau als Abbild Gottes zwar gleichwertig, aber nicht gleichartig, sondern auf Komplementarität angelegt. Ihr "Wesen" ist Ausdruck der von Gott in die Schöpfung hineingelegten Ordnung. Hiergegen setzt die innerkirchlich bestimmende und noch als "gemäßigt" geltende androgyne Richtung des Feminismus die völlige Gleichheit der Geschlechter in Unabhängigkeit von jeder wie auch immer gearteten göttlichen Vorgabe einer Ordnung. Dies bedeutet letztlich die Auflehnung gegen die eigene Identität als Frau oder Mann. De facto führt dies zur Eheunfähigkeit, denn Ehe setzt die gegenseitige Ergänzung in der Übernahme unterschiedlicher Verantwortung voraus, und es führt zu unterschiedlichen Formen von Homorerotik und perversen sexuellen Praktiken.81

Aus diesem falschen und unbiblischen Menschenbild folgt somit eine Verkennung des Wesens der Ehe, falls sie überhaupt noch akzeptiert wird, aber auch die Forderung nach bzw. Tolerierung von Abtreibung auch bei innerkirchlich wirkenden Theologinnen82, eine Veränderung des Gottes- und Kirchenbildes und eine völlige Verdrehung der biblischen Selbstoffenbarung Gottes nach feministischen Anschauungen und Kriterien im "Auswahlverfahren".83 Grundlegende Methode ist die Anwendung der sog. "weiblichen Erfahrung", die zwar nirgends exakt definiert wird, aber trotzdem "Quelle und Kriterium Feministischer Theologie" sein soll.84 "Trotz ihres Bezugs auf die Christusoffenbarung versuchen ... Halkes und Moltmann-Wendel, z.B. die kanaanäische Fruchtbarkeitsgöttin in das heutige Gottesbild aufzunehmen. (...) Die Methodik des Schriftgebrauchs benennen manche Feministinnen als 'Hexegese' oder 'wilde Exegese'. (...) Die Idee, gnostische Kreise hätten das eigentliche Urchristentum bewahrt, findet sich (u.a. d.V.) ... bei Moltmann-Wendel, Ruether und Halkes."85

Das Gottesbild, das mit der feministischen Anthropologie korrespondiert, ist die Göttin bei den gynozentrischen Vertreterinnen, die Vermischung weiblicher und männlicher Eigenschaften und Symbole bei den androgyn ausgerichteten Feministinnen. Die symbolische Identifikation der Kirche mit der Braut, Gottes mit dem Bräutigam wird als "Festschreibung weiblicher Unterdrückung" gebrandmarkt. Man greift zurück auf das "androgyne" Gottesbild der antiken Gnosis und heute der vorherrschenden Weltreligionen, u.a. des Hinduismus.86 Das Person-sein Gottes wird abgelehnt, man reduziert ihn auf seine Immanenz, wodurch er je nach feministischer Richtung zur Göttin oder zur "Quelle des Seins" o.ä. wird.87 Die Allmacht Gottes wird geleugnet, ebenso die Trinität. Gott und Mensch sollen sich gegenseitig erlösen, denn "Gott braucht den Menschen".88Letztlich ist ein pantheistisches bzw. panentheistisches Gottesbild in den unterschiedlichsten Akzentuierungen bestimmend.89An die Stelle der Verehrung Gottes tritt ein radikaler Hominismus, die "Vergöttlichung des Menschen".90

Hauke dazu: "Bei einem Umbau des Gottesbildes wird nicht nur die Symbolstruktur, sondern der Gottesglaube selbst grundlegend verändert. ... Der Feministischen Theologie geht es nicht um kosmetische Änderungen in Gesangbüchern zur Förderung weiblichen

Selbstbewußtseins, sondern um eine neue Religion."91

Um einige der Auswirkungen zu zeigen, seien wenige grundlegende Bereiche dargestellt:

- Christologie der Feministischen Theologie

Die Menschwerdung Gottes als Mann wird abgelehnt und als Ärgernis empfunden, ebenso der "Mythos von Sünde und Erlösung durch Jesus Christus"; all dies sei Ausdruck "männlicher Arroganz", denn "dieses 'Sündenbock-Syndrom' ermutige die Frauen dazu, der aufopfernden Liebe Jesu nachzueifern."92 Dagegen wird die Reinkarnation gesetzt als "Neugeburt aller Unterdrückten"93. "Der 'Mythos von Jesus als dem Messias oder göttlichen Logos' sei zu überwinden", denn durch seine Taufe habe er gezeigt, daß er selbst erlöst werden mußte - das ist die "alte gnostische Irrlehre vom 'erlösten Erlöser'".94

Insgesamt folgt die Feministische Theologie der Exegese des liberalen Protestantismus (Bultmann), dies aber aus der "Sicht von Frauen". So erstaunt es nicht, daß nicht nur Jesu Gottheit geleugnet wird und seine absolut einmalige Messianität, sondern man leugnet auch die Möglichkeit von Wundern und den Abschluß der Offenbarung in Jesus Christus.95 Ebenso fundamentale Ablehnung findet die christliche Kreuzestheologie, darin besonders der Sühnegedanke, und die Auferstehung. Dies wird allerdings dadurch verschleiert, daß man unter Beibehaltung der Begriffe deren Inhalte innerweltlich umdeutet und als reale Möglichkeit auf Leben und Schicksal jedes Menschen bezieht.96 Entsprechend kann es auch keine "Heilsgeschichte" geben, die Ursünde wird zum "Akt der angeblichen 'Erkenntnis'", die Schlange und die Sünde werden gepriesen, und man verdreht Gott zum "Urheber alles Bösen".97

- Mariologie der Feministischen Theologie

Schon Simone de Beauvoir bezeichnet den "Marienkult" in der katholischen Kirche als "höchsten Sieg der Männlichkeit", denn er bedeute "die Rehabilitierung der Frau durch die Vollkommenheit ihrer Niederlage".98 Maria sei nichts anderes als eine "domestizierte Göttin".99 Sie habe lediglich "Platzhalterfunktion für die weiblichen Züge Gottes" und sei deren "archetypische Projektionsfläche".100 Daher deutet man die Mariendogmen feministisch um: die Jungfräulichkeit Mariens wird zum Ausdruck "weiblicher Autonomie"; die Unbefleckte Empfängnis wird Ausdruck der Befreiung der Frau von "Vätern und Fesseln" zwecks "Schaffung ihres eigenen Selbst"; das Assumpta-Dogma wird zum "Aufstieg der Frau in die Sphäre der Göttlichkeit, was C.G. Jung mit seiner Rede von der Quaternität zum Ausdruck gebracht habe." Nur mit der Gottesmutterschaft kann man feministisch nicht sehr viel anfangen, Mutter und Kind sind schließlich nicht zu trennen. Eine Ausnahme ist hier Christa Mulack, die dadurch "die Inkarnation des Göttlichen im Leib einer jeden Frau" symbolisiert sieht.101 Insgesamt steht die Feministische Theologie Maria jedoch zurückhaltend bis ablehnend gegenüber.102

Fazit: "... die Leugnung der Geschlechterkomplementarität durch den Feminismus zieht sich durch bis zu den Gestalten Jesu und Mariens. Die symbolhafte Bedeutung des Mann- oder Frauseins für die Heilsordnung kommt bei den Feministinnen, die im Rahmen des Christentums bleiben wollen, nicht zum Zuge ... wo sie in ihrer prägenden Struktur erkannt wird, wirft man das Christentum als Ganzes über Bord ... oder deutet es im hoministischen Sinn um ...".103

- das Kirchenbild der Feministischen Theologie

Der "wütende Protest" der Feministischen Theologie richtet sich vor allem gegen die Kirche als "Institution der Macht" und hier speziell gegen das sakramentale Priestertum als Amt in der Kirche. Aus dieser Antireaktion heraus bildete sich in den USA 1983 die "Women-Church" mit einer eigenen Liturgie, die Männer ausschließt. Die maßgeblichen Namen in diesem Kontext sind: Elisabeth Schüssler Fiorenza und Rosemary Radford Ruether. Ausgehend von der Behauptung, die ersten Christengemeinden seien "egalitär" gewesen, sieht man die Entwicklung nach Petrus und Paulus an als "Anpassung an die patriarchalische Umgebung".104 Maßgebend gewesen seien hier Kreise in der Kirche, die sich gegen die "egalitäre" Gnosis durchgesetzt hätten.105Zu dieser Leugnung des Amtes von seinem Beginn an kommt ein rein symbolhaftes Sakramentenverständnis und konsequenterweise die Leugnung der Gnade. Sie sei nichts, was über die Natur des Menschen hinausgehe. Das Amt sei lediglich "Selbstartikulation des Lebens in der Gemeinde".106 Passend zum pantheistischen Gottesbild ist das "ewige Heil" des Menschen für diese "Frauenkirche" kein Thema. Es geht hier lediglich um Kampf gegen die Vormachtstellung des Mannes und um die "Befreiung aus dem Patriarchat", das mit dem Auszug Israels aus Ägypten als "Ursprungsmythos" gleichgesetzt wird und als Ziel das "neue Zeitalter", also "New Age", hat. "Erlösung" besteht lediglich in der "Erkenntnis unseres Selbst".107

Vorbereitet ist diese feministische Sicht durch "progressive" Theologen wie Küng und Schillebeeckx, die ebenfalls ein funktionalistisches Amtsverständnis haben. Dies seinerseits findet sich allerdings bereits bei Martin Luther. Auch das "demokratische Gleichheitsideal im feministischen Kirchenbild" hat hier letztlich seinen Ursprung. Wie die "progressive" Theologie setzt auch die Feministische gern der "Machtpyramide der Kirche" den "Kreis der Gleichwertigen" gegenüber.

Mit drei Strategien versucht man den Einfluß der Kirche zu brechen: durch Austritt aus der Kirche und Eintritt in die "kosmische Schwesternschaft der Antikirche"; durch Etablierung einer Subkultur als "Frauenkirche" und durch Unterwanderung, wobei die beiden letzten sich bedingen und ergänzen. Rosemary Ruether sagt dazu: "Meiner Ansicht nach wird die feministische Bewegung wesentlich bessere Chancen haben, sich durchzusetzen, wenn sie sich in den existierenden Kirchen einen Standort sichert."108

- feministische Liturgie

Von Beginn an war die de facto "Naturreligion" des Feminismus verbunden mit Ritualen. Am bekanntesten ist das einschlägige Werk von Rosemary Ruether. Gefeiert werden darin die "Knotenpunkte" feministischen Lebens und der Jahreszyklus. Und so gibt es Themen wie: "Menstruations- und Neumondrituale", "Herbstliche Feste und Gedenkfeiern", "Winter-" und "Sommersonnenwende", "Zeremonie für das Lebensbündnis eines lesbischen Paares", "Liturgie der Menopause" usw. Auf synkretistischer Grundlage werden christliche Elemente, soweit sie noch vorhanden sind, umgedeutet. Bei der Taufe etwa geht es um die "Befreiung vom Patriarchat"; "Rituale der Versöhnung" bekennen nicht eigene Sünden, sondern sind lediglich Anklagen gegen das "Patriarchat" und die Kirche. So gibt es z.B. eine "Aschermittwochsliturgie: Buße für die Sünden der Kirche", und es gibt eine Liturgie für Frauen, die abgetrieben haben, was zwar "als tragisch beklagt, aber grundsätzlich gerechtfertigt" wird.109

Obgleich dies alles "absurdes Theater" zu sein scheint, haben derartige Gruppen und Personen unverkennbar zunehmenden Einfluß in in den unterschiedlichen Gemeinschaften der christlichen Kirche. So inszenierte die "Göttinnenfeministin" Heide Göttner-Abendroth 1983 in der "'Evangelischen Akademie Hofgeismar' als 'Naturgöttin Astarte' mit 150 'Hexen' eine Walpurgisnacht...", und Christine Hojenski, Mitherausgeberin eines Buches mit dem Titel "Meine Seele sieht das Land der Freiheit. Feministische Liturgien - Modelle für die Praxis", das 1990 in Münster erschien, diese Frau Hojenski ist lt. Meldung der Deutschen Tagespost vom 16.1.1993 "inzwischen Diözesanreferentin im Referat Frauenseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Münster." Mittlerweile gibt es auch "enge Kontakte zwischen feministisch geprägten Frauenverbänden und Liturgiewissenschaftlern".110

Noch erheblich bedenklicher sind aber die Bestrebungen nach "frauengerechter" Sprache in der Kirche. Letztlich geht es hierbei nicht um Nebensächlichkeiten der Anrede wie etwa "Brüder" vor der Lesung, was ohnehin nicht biblisch ist, sondern es geht im Kern um die Veränderung der sich sprachlich niederschlagenden Grundsymbolik der Bibel und der kirchlichen Sprache, z.B. Gott als "Vater" oder "Sohn" usw. Nach dem bisher Gesagten dürfte deutlich geworden sein, daß auf diese Weise das Gottesbild selbst verändert werden soll: vom transzendenten Vater-Gott der Offenbarung zur Immanenz pan(en)theistischer Gottesbilder111, die dann ihren Ausdruck finden in der mehr oder weniger abstrakten Wiederkehr der heidnischen Muttergottheiten. Diese Revitalisierung und Restauration der alten Natur- und Fruchtbarkeitskulte zeichnet sich in der engen Beziehung von Feminismus und Ökologie bereits deutlich ab. Über den Manichäismus dieses immanentistischen Gottesbildes hinaus, das die Zerrissenheit der Welt in Gut und Böse notwendig als in Gott selbst existierend annehmen muß, "gibt es in der Feministischen Theologie einen Rückfall in heidnischen Götzendienst, der die 'Mutter Erde' zu göttlichen Ehren erhebt. Dies geschieht ... auch in 'gemäßigten' Kreisen. Catharina Halkes, immerhin selbst feministische Theologin, warnt vor einer Erde- und Mondreligion, die gerade in Deutschland schon einmal böse Folgen gezeitigt habe. Und Ingeborg Hauschildt, engagierte evangelische Christin, berichtet: 'Als es im Jahre 1981 in der damals angebotenen Frauen-Weltgebetstags-Liturgie um die Anrufung der Mutter Erde ging, brach es bei einer unserer Frauen in Neumünster heraus: < Aber das ist ja wie *Blut und Boden* bei Hitler!> Das wollen manche Gemeindemitglieder dann doch nicht mitmachen. Hier ist ganz schlicht das erste Gebot zu verkündigen.'"112

- Feministische Eschatologie

Individuelles Weiterleben nach dem Tod wird in der Feministischen Theologie fast durchweg geleugnet. An seine Stelle treten Reinkarnation, z.B. "in der Tochter", eine nach marxistischem Grundmodell gedachte "neue Menschheit" auf einer "neuen Erde" ohne "Herrscher und Beherrschte"113 oder auch eine "Auferstehung" nach Art des alt-kanaanäischen Astarte-Kultes als "Naturkreislauf" im "Rhythmus von Tod und Leben als ... Gezeiten des Lebens".114 Auf diese Weise verlegt die Feministische Theologie die endzeitliche Hoffnung in das Diesseits. "Die 'Auferstehung' wird zum 'Aufstand', und die neue Schöpfung reduziert sich auf das irdische Ideal einer 'herrschaftsfreien Gesellschaft'." Dies allerdings ist selbst nach feministischem Verständnis eine "Utopie" und wird auf diese Weise zum Eingeständnis einer tragischen Hoffnungslosigkeit.115

VI. abschließende kritische Beurteilung

Sieht man den inner- und außerkirchlichen Feminismus in seinem Gesamtkontext, dann ist klar erkennbar, daß der Feminismus unzweifelhaft eine Ideologie und das Mittel ist, mit dessen Hilfe die Mehrheit der Frauen auf New Age-Kurs gebracht werden sollen. Dies gilt sowohl für den politischen wie für den kirchlichen Bereich, denn de facto sind "säkularer" und "theologischer" Feminismus in den Grundzügen ihrer Anschauungen identisch. Aus den dargestellten Zusammenhängen wird klar ersichtlich, daß es sich beim innerkirchlichen Feminismus nicht um eine unabhängige Strömung handelt, sondern um das Verfahren, das die "NA-Missionarin" Ferguson so formulierte: "Die autoritärste Institution, die katholische Kirche, leidet unter einem Symptom, das der Historiker John Tracy Ellis <ein Zertrümmern ihrer Standfestigkeit nennt>. (...) 1979 waren schätzungsweise eine halbe Million Katholiken (in Amerika; d.V.) zu sogenannten Charismatikern geworden, sprachen in Zungen und übten Heilpraktiken aus. Die Anzahl an Nonnen und Priestern ging während der siebziger Jahre drastisch zurück, Theologen wichen von der päpstlichen Autorität ab ... Ähnliche Rebellionen fanden in nahezu jeder organisierten religiösen Körperschaft statt. (...) Eine zunehmende Zahl von Kirchen und Synagogen hat ihren Wirkungskreis zu erweitern begonnen; sie beziehen verschiedene Gruppierungen mit ein, die sich für persönliches Wachstum, Zentren für körperliche und seelische Gesundheit, Meditations - Workshops, Bewußtseinserweiterung durch Musik, ja sogar Biofeedback-Training einsetzen. ... Jetzt gewinnen die Ketzer an Boden, die herrschende Doktrin verliert ihre Autorität, und Wissen ersetzt den Glauben."116 Ferguson behauptet ferner, daß sie "Unterstützung von Diskussionsgruppen in 'vielen, vielen Kirchen'" erfahren habe.117 Der New Age-Einfluß ist in allen christlichen Kirchen, gerade und besonders auch in sog. "progressiven" katholischen Kreisen nachweisbar, und das Erstaunliche an diesem NA-Einfluß ist sein allgemein religionsübergreifend "ökumenischer" Charakter, was allerdings der synkretistischen Ausrichtung dieser Art von "Religiosität" entspricht.118

Wie weit dieses NA-Denken bereits den kirchlichen Alltag bestimmt, wird daran erkennbar, wie stark Themen aus seiner Denkrichtung inzwischen die innerkirchliche Auseinandersetzung bestimmen. Ich möchte hier nur hinweisen auf den heftigen Kampf um das Frauenpriestertum als Kampf um die und gegen die angebliche "Macht" der Hierarchie in der Kirche, auf die Ablehnung der kirchlichen Sexualmoral, wozu dann die Ablehnung der Ehe mit lebenslanger Treue paßt und woraus die Forderung nach Tolerierung weiterer "Ehen" Geschiedener notwendig folgt. Inzwischen wird sogar verlangt, daß die Kirche gleichgeschlechtliche Paare als "Eheleute" anerkennen soll. Im Kern ist dies jedoch der Angriff auf den Bestand der Familie, eines der vorrangigen Ziele der New Ager.

Aber nicht nur in diesem Bereich zeigt sich die Affinität zwischen Feminismus/Feministischer Theologie und NA. Ausgehend von der angeblichen Benachteiligung der Frau im Christentum, fordert und fördert man - wie im NewAge vorgesehen - dessen Auflösung. Dies geschieht nicht nur durch schleichende Mutation seiner Inhalte in seltener und erstaunlicher Einmütigkeit mit der sog. "modernen" oder "progressiven" Theologie. Ausgehend vom feministisch verfremdeten androgynen bzw. gynozentrischen Menschenbild wird Gott wie in der NA-Ideologie pan(en)theistisch "aufgelöst" in der Welt, kommt erst im Menschen "zu sich selbst", indem der Mensch das "Christusbewußtsein in sich entwickelt"119. Auf diese Weise wird der Mensch "sein eigener Gott" mit der Fähigkeit, sich durch Innenschau selbst zu erlösen und eine, wenn auch nur utopische, herrschaftsfreie paradiesische Zukunftsgesellschaft zu bauen. Diesem Modell einer "mutterrechtlichen" Gesellschaft folgt man auch in sog. "gemäßigten" Feministenkreisen und dem entspricht auch in diesen Kreisen die "neue" Religion der "Großen Mutter" Erde, die zwar unterschiedlich abstrakt aufgefaßt wird, zu deren besonderem Dienst aber Frauen unstreitig am besten geeignet erscheinen. In diesem Kontext kann der Schrei nach Einführung des Frauenpriestertums in der katholischen Kirche nur als Druckmittel und Versuch gelten, um über diese "Hintertür" längerfristig den "Dienst der großen Göttin" auch dort zu etablieren. Riten sind ja nicht nur schon vorhanden, sie werden innerkirchlich, wie oben gezeigt, bereits propagiert und offenkundig auch benutzt.

Auch der Anspruch der Feministischen Theologie nach Durchdringung "aller einzelnen theologischen Disziplinen"120 ist lediglich als Unterwanderungstechnik zu bewerten und von der Sache her unangemessen. Bereits der anthropologische Ansatz, die Auflösung der spezifischen Identität von Mann und Frau, widerspricht diametral dem christlichen Menschenbild.121 Nimmt man die sich daraus ergebenden Folgen für das Gottesbild und die Dogmatik hinzu, kann man nur von einer durch solche "Theologie" betriebenen Selbstauflösung des Christentums sprechen. Entsprechend ist auch die allgemeine Erfahrung, daß die Beschäftigung mit feministischer Religionskritik für viele Frauen "das definitive Ende ... der Verbindung zwischen Feminismus und Theologie" bedeutet.122 Letztlich ist diese "Theologie" Teilbereich der "neuheidnischen Göttinnenbewegung" des NA, voll von massiven Übereinstimmungen mit gnostischen Kernideen, angefangen bei der jüdischen Gnosis, der Kabbala, bis zu Jakob Böhme, Franz von Baader und C.G.Jung.123

"Der Gnosisforscher Gilles Quispel kennzeichnet den antiken Gnostizismus als 'mythische Projektion der (menschlichen) Selbsterfahrung'. Nach Hans Jonas überhöht die Gnosis den Menschen 'zu einem innerweltlichen Gott', der den Schöpfer 'auf seinen Platz verweist'." Es wäre also ein verhängnisvoller Fehler der innerkirchlich Verantwortlichen, wollte man lediglich "naive 'Offenheit'" demonstrieren und "alle Entgleisungen mit wohlwollender Nachsichtigkeit in die kirchliche Bildungsarbeit und die Universitäten einsickern" lassen,124 wie es bisher den Anschein hat.

Statt dessen sollte man als berechtigtes Anliegen "die 'weibliche' Perspektive" für die Theologie dadurch angemessen zur Geltung bringen, daß man bedeutenden Frauengestalten, ihrer Theologie und Mystik, den gebührenden Platz in der Universitätstheologie zukommen läßt, etwa einer Theresia von Avila, Hildegard von Bingen, Katharina von Siena, aber auch so bedeutenden Vertreterinnen dieses Jahrhunderts wie Gertrud von le Fort, Sigrid Undset, Ida Friederike Görres, Edith Stein u.a.m., die insgesamt in der Feministischen Theologie keinerlei Beachtung finden.125 Auch sollte man Frauenverbände mit stark feministischer Ausrichtung wie etwa die kfd, deren Zielrichtung und Leitung viele Frauen an der "Basis" sehr kritisch gegenüberstehen, im Fall der Unreformierbarkeit im Sinne der Kirche durch wirklich kirchlich-katholische "Gegenorganisationen" "neutralisieren", damit die Frauen nicht länger gegen die Kirche aufgewiegelt, sondern zum Leben aus dem Glauben und mit der Kirche ermutigt werden.126

Es ist übrigens zu dem gesamten Themenkomplex zu bemerken, daß es keinen vernünftigen Grund gibt, warum die Sorge um die Männer in der Kirche der um die Frauen nachstehen soll. Die durch den Feminismus auch innerkirchlich hervorgerufene Polarisierung der Geschlechter ist in jeder Hinsicht schädlich. Jenseits jedes Geschlechtsunterschiedes haben alle Getauften Anteil am "allgemeinen Priestertum der Gläubigen", und die Gaben eines jeden sollen dem Aufbau des Reiches Gottes dienen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. "Jeder Mensch bekommt von Gott Talente anvertraut, die in der gleichen Weise niemand anders zuteil werden." - "Es gilt also, sich nicht auf die Frauenthematik zu fixieren. Gefragt ist auch die spezifische Verantwortung des Mannes, zumal des Familienvaters, der selbstbewußte Autorität und dienende Sorge miteinander verbindet. Weder eine 'Feminisierung' noch eine 'Maskulinisierung' ist das Gebot der Stunde, sondern ein je eigenes Profil von Mann und Frau in gegenseitiger Ergänzung."127 "Wirklich geboten ist ein neues Selbstbewußtsein der Frau, das sich an Maria orientiert. Nach dem II. Vatikanum vereinigt Maria 'die größten Glaubensgeheimnisse in sich und strahlt sie wieder'. Auch das Thema 'Frau in der Kirche' kann von hier aus Impulse empfangen, die nicht zerstörerisch wirken, sondern die Glaubensgemeinschaft aufbauen."128

Ó Gertrud Dörner

1vgl. und Zitate Duden, Fremdwörterbuch, Stichwort Ideologie

2Müller/Halder, Kleines philosophisches Lexikon, Herder Freiburg 1971, S. 129

3Müller/Halder ebda, 6. Auflage 1963, S. 82

4 Hauke, Gott..., vgl. und Zitate S.26f

5 ebda vgl. S.28

6 vgl. und Zitate ebda S. 31

7 vgl. und Zitate ebda S. 32f

8vgl. und Zitate Lutz von Padberg, New Age und Feminismus. Die neue Spritualität, Schulte und Gerth Asslar 1987, S. 17f (im folgenden Padberg)

9 Hauke, Gott ..., vgl. und Zitate S. 26f

10 vgl. Hauke ebda S.28

11 vgl. Hauke ebda S. 26f

12 vgl. und Zitate ebda S. 23f

13vgl. ebda S.26

14vgl. ebda S. 94f, Fußnote 85

15ebda, S.33f

16vgl. und Zitate ebda S. 34

17vgl. Padberg, S. 19f

18vgl. und Zitate Padberg, S. 20f

19Padberg, vgl. und Zitate S. 21ff

20ebda S. 23 vgl. und Zitate

21ebda S. 23f vgl. und Zitate

22Padberg, vgl. und Zitate S. 24f

23Beyerhaus/Padberg(Hrsg.), Eine Welt - eine Religion?, Schulte+Gerth, 2. Aufl.1989, S.183 (im folgenden: Beyerhaus)

24ebda, S.184

25ebda, S.184

26vgl. ebda S. 183

27vgl. hierzu die Biographie: Stephan Holthaus, Madame Blavatsky und die Theosophische Gesellschaft. Die Sphinx des Okkultismus, Schwengeler-Verlag, CH-Berneck 1990, besonders die Kapitel II und III, zu Steiner S. 84ff

28vgl. dazu Constance Cumbey, Die sanfte Verführung, Schulte+Gerth Asslar, 7. Aufl. 1987, S.45f

29 zitiert nach Cumbey a.a.O. S.46f

30vgl. Cumbey a.a.O. u.a. S.86ff, 96ff u.a.m.

31 vgl. ebda S. 47f

32vgl. Cumbey a.a.O. S. 50f

33vgl. und Zitate ebda S. 53

34vgl. und Zitate ebda S. 53f

35Cumbey a.a.O. vgl. S.60

36vgl. dazu: Els Nannen, Carl Gustav Jung. Der getriebene Visionär, Schwengeler Verlag, CH-Berneck, 1991, S.340ff

37vgl. dazu Cumbey a.a.O. Ss. 54, 63,224ff

38Cumbey a.a.O. S.229

39Reinhard König, New Age. Geheime Gehirnwäsche. Wie man uns heute für morgen programmiert, Hänssler Verlag Stuttgart 1986, 5. Aufl. 1988, vgl. S.120

40vgl. Hauke, Gott... S.41

41ebda S.42

42Hauke ebda, S.42f

43vgl. und Zitate Cumbey a.a.O. S.199ff

44vgl. ebda S. 121

45vgl. ebda S. 124f

46vgl. Cumbey, a.a.O. S.114ff und 132ff

47vgl. ebda S.115

48vgl. Cumbey a.a.O. S.203 und 214

49Ferguson Marilyn, Die sanfte Verschwörung, Knaur München 1982, vgl. S. 100f, 433f u.a.m.

50vgl. ebda S.203

51vgl. Cumbey S.69

52zitiert nach Cumbey a.a.O. S.64

53vgl. Cumbey a.a.O. S.79, Fußnote 16

54vgl. ebda S.66f

55vgl. dazu: Reinhard König, New Age. Geheime Gehirnwäsche. Wie man uns heute für morgen programmiert. Hänssler Stuttgart, 5. Aufl. 1988, S.63ff (im folgenden: König)

56König a.a.O. vgl. und Zitat S.51

57vgl. ebda

58vgl. und Zitate: König a.a.O. S.51f

59Hauke, Gott..., S.45

60vgl. ebda S. 48

61Hauke, Gott... S.49

62vgl. ebda S. 50

63ebda S.54

64vgl. und Zitate: Hauke, Gott ... S.51ff

65vgl. und Zitate ebda S.54f

66vgl. ebda S.55f

67vgl. ebda S.56f

68vgl. ebda S.59f

69vgl. und Zitat ebda S.65

70vgl. ebda S. 65, Fußnote 93

71vgl. und Zitat ebda. S. 65f

72vgl. und Zitate S.66f

73Padberg a.a.O. S. 26f

74ebda S.27

75Hauke, Gott...vgl. S.46f

76ebda vgl. u. Zitate S. 68-71

77vgl. und Zitate: Hauke, Gott... S. 71f

78vgl. und Zitate ebda S. 72f

79ebda S. 74

80ebda vgl. S. 75

81vgl. Hauke a.a.O. S. 90ff

82vgl. ebda S. 99

83vgl. ebda 105f

84vgl. Hauke, Gott..., S. 102ff

85vgl. und Zitate ebda S. 110f

86vgl. ebda 117f

87vgl. ebda S. 121

88vgl. ebda S. 123ff

89vgl. ebda S. 126f

90ebda vgl. S.128

91ebda S. 131

92Hauke, Gott..., vgl. und Zitat S. 138f

93ebda S. 139f

94vgl.ebda S.141

95vgl. ebda S. 142f

96vgl. ebda S. 145f

97vgl. ebda S. 147f

98vgl. ebda S. 158

99vgl. ebda S. 157

100vgl. ebda S. 159

101vgl. und Zitate ebda S. 160ff

102vgl. ebda S. 162ff

103Hauke a.a.O. S. 167

104ebda vgl. S.179

105vgl. ebda S. 180

106vgl. ebda S. 181

107vgl. und Zitate ebda S. 181f

108vgl. und Zitate ebda S. 182

109Hauke a.a.O. vgl. und Zitate S. 188f

110ebda vgl. und Zitate S. 189 sowie ebda Fußnote 7

111vgl. ebda S. 190-200

112Hauke, Gott..., vgl. und Zitate S. 206. (ich verweise hier zurück auf die Übereinstimmungen zwischen New Age-Ideologie und Nationalsozialismus! Anmerk. d.V.)

113vgl. ebda S. 207f

114vgl. ebda S. 209

115ebda vgl. und Zitat S. 211

116Marilyn Ferguson, Die sanfte Verschwörung.(The Aquarian Conspiracy) Persönliche und Gesellschaftliche Transformation im Zeichen des Wassermanns, Knaur Verlag 1982, S.426 und 428

117vgl. Cumbey a.a.O. S. 173

118ebda vgl. S.179f

119Cumbey, a.a.O. vgl. S. 175ff

120Hauke, Gott...vgl. S.216

121ebda S. 215

122vgl. Hauke a.a.O. S. 216

123vgl. ebda S. 217

124ebda vgl. und Zitate

125vgl. und Zitate ebda S. 217f

126vgl. Hauke a.a.O. S. 220

127vgl. Hauke a.a.O. S. 220f

128Hauke a.a.O. S.224

Vortrag Osterakademie Kevelaer 2007

Die katholische Kirche sieht sich einem seit Jahrzehnten wachsenden Aufstand der Frauen gegenüber. Er richtet sich – durch die veröffentlichte Medienmeinung unterstützt – vor allem gegen die hierarchischen Amtsträger und verwirft die bisherige geistlich-theologische Lehre und Praxis der katholischen Kirche. Außerdem wird dieser „Aufstand der Frauen“ von nicht wenigen Amtsträgern wenn auch nicht offen gefördert, so doch zumindest billigend toleriert. Man äußert Verständnis. "Frau" sei es eben leid, stets nur die untersten Positionen in der Kirche einzunehmen und sich für die Grundbedürfnisse der "Männerkirche" verschleißen zu lassen. Deshalb verlangt die Frauenlobby Teilhabe an Amt, Würden und Verantwortung, vor allem aber Mitbestimmung, denn „frau“ könne alles genauso gut, wenn nicht besser. Deshalb fühle sich "frau" massiv unterbewertet und diskriminiert, in ihrem Wesen und ihren Fähigkeiten mißachtet. Im Verhältnis zu den gesellschaftlichen Entwicklungen habe die katholische Kirche, vor allem deren Hierarchie, hier erheblichen Nachholbedarf. Überall sei "frau" auf dem Vormarsch - nur die katholische Kirche als letzter Hort eines überholten Patriarchalismus habe dies alles noch nicht verstanden und schließe "frau" vom Wesentlichen aus, nämlich von der Hierarchie und ihrer Macht.

Gebetsmühlenartig seit Jahrzehnten wiederholt, zeitigen diese Vorwürfe inzwischen eindeutig Wirkung. An drei Bereichen lassen sich diese Wirkungen besonders deutlich nachweisen. Sie sind inzwischen so geläufig, daß man sich der feministischen Ursprünge kaum noch bewußt ist.

Der erste Bereich ist der feministisch veränderte Sprachgebrauch. Im Alltag begegnet er uns nicht nur in allen offiziösen Schreiben, sondern u.a. auch in den entsprechend veränderten Texten des Gebetbuchs „Gotteslob“. Der zweite ausgesprochen einflußreiche Bereich ist der der sogenannten Frauenseelsorge. Hierzu gehören u.a. unübersehbare Versuche, eine spezielle „Frauen-Liturgie“ weiträumig einzuführen. Noch zeigen sich die entsprechenden Veränderungen kaum in den von der Kirche approbierten liturgischen Fassungen. Man findet sie aber massiv in den sogenannten „Gestaltungen“ in Gruppen- und Sondermessen, vor allem aber in sog. „Wortgottesdiensten“. Höhepunkt dieser Entwicklung ist die „Feministische Liturgie“, auch „Frauenliturgie“ genannt, in der sich die entsprechenden feministisch-theologischen Inhalte nachweisen lassen.

Wesentlicher und durchaus federführender Teilbereich der sogenannten „Frauenseelsorge“ ist der dritte und für diesen Vortrag abschließende Aspekt, nämlich die Frage nach der Bedeutung der innerkirchlichen Verbände als Infiltrationsorgane und Multiplikatoren dieser Ideologie. Hier tun sich vor allem die Frauenverbände hervor, die seit Jahrzehnten in dieser Hinsicht besonders aktiv sind. Hierbei wird sich zeigen, daß die Arbeit diözesaner Frauenseelsorge und die der Frauenverbände nicht nur extrem miteinander verzahnt sind, sondern zum Teil identisch. Weitere Verbände werden im jeweiligen Kontext mit berücksichtigt werden.

I. Zum feministischen Sprachgebrauch

Jeder, der mit der deutschen Sprache vertraut ist, kennt Sammelbegriffe. Diese Begriffe sind entweder geschlechtsneutral wie z.B.“das Laub“ oder sie wählen die einfache und kürzere Form, die fast durchweg männlich ist wie z.B. Mitglieder, Interessenten, Christen, Arbeitnehmer, Politiker, Minister usw. Diese Art der Wortwahl entspricht der Sprechökonomie, wie man sie in den Entwicklungsregeln der indoeuropäischen Sprachen allgemein finden kann.

Durch diesen Sprachgebrauch fühlen Feministinnen sich aber diskriminiert. Sie seien nur „eingeschlossen“, engl. „inclusive“, daher „inclusive language“, und nicht genügend beachtet. Daher haben sie weitgehend durchgesetzt, daß dieser Sprachgebrauch des männlichen Sammelbegriffs durch eine weibliche Form ergänzt wird. Zu welchen Stilblüten und Sprachaufblähungen das inzwischen bei den allgemein üblichen Anreden geführt hat, kennen wir alle – z.B. Christinnen und Christen; Mitgliederinnen und Mitglieder, Interessentinnen und Interessenten usw. - oft, weil es sonst zu umständlich ist, abgekürzt mit einem Schrägstrich nach der männlichen Form vor einer weiblichen Endung oder dem Großbuchstaben an ihrem Beginn.

Welche inhaltlichen Veränderungen hierdurch entstehen, sei an einigen Beispielen aus dem „Gotteslob“ gezeigt.

Hauptproblem der feministischen Umformulierer ist die Tatsache, daß die Bibel immer wieder von den Anhängern Jesu als von „Jüngern“, „Söhnen“ (Gottes z.B.) oder „Brüdern“ spricht, Begriffe, die die biblisch orientierte Sprache etwa der Kirchenlieder übernommen hat. Man bedenkt nicht, daß die Bedeutung eines Sohnes als Träger der Verheißung Gottes im Alten Testament besonders groß war, die Bedeutung der Frauen als „Schwestern“ oder „Töchter“ aber geringer. Wenn Gott uns nun alle ohne Unterschied als „Söhne“ akzeptiert, wie Paulus es immer wieder betont, bedeutet das gleichzeitig, daß Gott jedem von uns genau diese Bedeutung als „Träger der Verheißung“ zumißt. Macht man also sprachlich aus „Söhnen“ Freunde oder „Schwestern und Brüder“, verändert man dadurch den Inhalt der Aussage und vermindert ihre Bedeutung.

So hieß es z.B. im „Gotteslob“ im Lied 634, 3. Str., urspünglich: „...wir... sind Christi Leib, sind seines Leibes Glieder und alle Brüder“, heute heißt es „Schwestern und Brüder“. Im Lied 637, 1. Str., hieß es: „Laßt uns loben, Brüder, loben Gott den Herrn, der uns erhoben ...“, also eine Anrede an alle mit direkter Aufforderung zum Gotteslob. Heute heißt es hier: „Laßt uns loben, freudig loben...“, es wird also allgemein nur zu einem Gefühl aufgefordert. Weiter hieß es: „der uns aus der Schuld befreite ... uns zu seinen Söhnen zählt“, heute heißt es: „der ... uns zu seinen Freunden zählt.“ „Freunde“ sind nicht „Söhne“, sondern deutlich weniger bedeutsam. Gleichzeitig hat man hier übersehen, daß zu den „Freunden“ eigentlich die „Freundinnen“ dazu genannt werden müßten, wenn es denn feministisch-korrekt zugehen soll.

Im Lied 638, 3. Str. hieß es: „Er lasse uns wie Brüder sein, der Eintracht uns erfreun“, ein Anklang an das AT „Wie gut ist es doch und wie schön, wenn Brüder traut beisammen wohnen.“ Heute heißt es schlicht: „Er lasse uns Geschwister sein ...“. Lied 640, 2. Str.: „Wir sind einander Brüder und niemand ist uns fern...“; heute: „Als Schwestern und als Brüder sind wir uns nicht mehr fern...“. Lied 642, 2. Str.: „Gott heißt jeden Sohn und Kind, der dich Mutter nennt“; heute: „Gott heißt jeden von uns Kind, der dich Mutter nennt.“ - Dies sind nur einige wenige Beispiele, sie ließen sich beliebig ergänzen.

Abzuwarten bleibt, ob sich die katholischen Feminist/Innen ihren protestantischen „Schwestern“ anschließen, indem sie eine feministische Bibelübersetzung verwenden, die von der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter gefördert wurde. Nach deren Willen soll diese „Frauen erkennbarer machen und die Texte von Angriffen auf das Judentum befreien.“ -„Herr“ ist dort u.a. ersetzt durch „die Heilige“, der Begriff „Vater“ für Gott wird vermieden, den „Jüngern“ werden stets die „Jüngerinnen“ beigesellt. Der protestantische Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens nennt diese Übersetzung in einem Gutachten „Häresie“. Mit dieser Übersetzung werde „das Wesen des biblischen Gottes mutwillig verändert.“ Inhalte seien „verändert“ worden, „die Bibel verliere ihren Charakter als Heilige Schrift.“ - „Der Altbischof sieht sogar die Einheit der Christen in Gefahr. So zerstritten die Konfessionen zum Teil seien, gelte die Bibel für alle. Diese Einheit werde in Frage gestellt.“1

Es bleibt ferner abzuwarten, ob nicht nur, wie schon geschehen, „Mitglieder“ zu „Mitgliederinnen“ mutieren, sondern demnächst auch die „Gläubigen“ zu „Gläubigerinnen“. Das ergäbe allerdings dann einen sicher unerwünschten Doppelsinn.

Trotz aller Mühe kann man aber einige feministisch orientierte Veränderungen nirgends finden : „Verräter“, „Treulose“, vor allem aber „Sünder“ sind und bleiben männlich. Anscheinend gehen Feministen davon aus, daß Frauen in diesem Kontext nicht erscheinen und Männer und „Sünder“ identisch sind.

II. Frauenseelsorge – Frauenliturgie

Das Verlangen nach feministisch veränderter Sprache und die Kritik am angeblich „männlichen“ Sprachgebrauch von Bibel und Liturgie stehen in einem größeren Zusammenhang.

In der Kirchenzeitung „Paulinus“, Trier, vom 18.09.1988 berichtet Stephan Stickelmann über die damals ausscheidende Generalsekretärin der kfd, Frau Dr. Anneliese Lissner: „Nach Ansicht der kfd-Generalsekretärin ist es nicht zuletzt auf die männlich orientierte Sprache in Bibeln, Meß- und Gebetbüchern zurückzuführen, daß die Partnerschaft zwischen Mann und Frau in der Kirche noch zu klein geschrieben wird. In der Regel werde Gott als Mann dargestellt; nach Meinung der kfd-Verantwortlichen eine überarbeitenswerte Auslegung. Die Katholische Frauengemeinschaft ist in dieser Richtung bereits tätig und führt Seminare zu Themen wie 'Frauengerechte Sprache in der Bibel' oder 'Frauen und Liturgie' durch.“

Eigentliches und mit allen Mitteln angstrebtes Ziel des sich auf die katholische Kirche beziehenden Teils der feministischen Bewegung ist von ihrem Beginn an die Priesterweihe für Frauen. Teresa Berger, seinerzeit Professorin für Liturgiewissenschaft an der Duke-University in Durham/USA,, war Hauptreferentin einer gemeinsamen Tagung des Liturgischen Institutes Trier und des Zentralverbandes der kfd vom 1.-19. Juni 1988. Berger sieht als ihr „Vorbild die großen 'christlichen Denominationen' der USA, in denen es Frauen offensteht, 'zu predigen und die Eucharistie zu feiern, Liturgie zu gestalten und Liturgie zu leiten.'“ Und Gertrud Casel, ehemalige Vorsitzende des BdKJ, anschließend Generalsekretärin der kfd, erklärt offen: „... der Ausschluß der Frauen vom besonderen Dienst des Priesters wirke sich verhängnisvoll aus, weil Einfluß und Macht in der Kirche über das Priesteramt verteilt würden und die Frauen dadurch überall da ausgeschlossen seien, wo Entscheidungen getroffen werden ... 'Bis hinauf in die himmlischen Vorstandsetagen'“.2

Basis der feministischen Liturgie ist ihre „anthropologische Konzentration“. Diese sieht nicht mehr Gott im Mittelpunkt der Liturgie, sondern allein den Menschen, hier ausschließlich die Frau. Das geht so weit, „' daß Frauen sich in solchen Liturgien selbst zu feiern und zu romantisieren scheinen'. Ja, selbst von einer 'therapeutischen Dimension' ist die Rede, ... die in einer Stärkung des Selbstwertgefühls und der Solidarität besteht. ... In die gleiche Richtung geht auch die Wiederentdeckung des liturgischen Tanzes .... Daß man mit den 'vorgegebenen liturgischen Formen meist frei' umgeht, versteht sich unter diesen Umständen fast von selbst. Frau Berger beschreibt das so: 'Von Frauen gestaltete Liturgien stehen in einer ständigen Spannung zwischen Tradition und Freiheit. In den meisten Fällen werden traditionelle Formen nicht vollkommen aufgegeben, sondern als Rahmen und Folie akzeptiert, wenn auch mit neuen, eben 'feministischen' Inhalten gefüllt.'“3

Über diese „neuen Inhalte“ werden die gutwillig kirchentreuen Frauen nicht aufgeklärt. Es handelt sich also der Sache nach um eine perfekte Täuschung dieser gutwillig Kirchentreuen, weil sie die Begriffe und Vorgänge nicht feministisch verstehen können und so in diese Richtung manipuliert werden.

Beispiele:

Daß diese feministische Ideologie die katholische Frauenseelsorge seit Jahrzehnten vollständig bestimmt, dazu die folgenden Beispiele:

Mir liegt vor die Dokumentation der 2. Frauenkonferenz am 27. September 1997 in Trier. Sie fand statt unter dem Titel: „Wir sind Arbeiterinnen im Weinberg des Herrn – nicht der Herren.“ Veranstalterinnen waren: der Bund der deutschen katholischen Jugend (BdKJ), die Berufsverbände der PfarrsekretärInnen, Gemeinde- und PastoralreferentInnen, die Gruppe „Maria von Magdala“, Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB), Katholikenrat Trier, Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Katholische junge Gemeinde (KJG), Katholische Studentische Jugend (KSJ), Ordensfrauen im Bistum Trier, Pfadfinderinnen St. Georg (PSG), Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Trier, Katholische Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum Trier. 4 Diese Verbände „übernahmen die Verpflichtung, die Beschlüsse der 2. Frauenkonferenz in ihren Verbänden nach der Konferenz in die Öffentlichkeit zu tragen und in den eigenen Strukturen an der Verwirklichung zu arbeiten ...“5

Neben den Info-Ständen der beteiligten Verbände und Gruppen gab es die Möglichkeit des Gesprächs u.a. mit: Mathilde Rompel, Frauenbeauftragte des Bistums Limburg, Sr. Regine Noll von der Initiative SOLVODI (gegen Zwangsprostitution und Frauenhandel); der Äbtissin des Klarissinnenklosters Trier Sr. M. Benedicta; Regina Pickel-Bossau, einer altkatholischen Priesterin, der evangelischen Pfarrerin Gabriele Wölk und mit den Frauenbeauftragten des Bistums Trier, Ursula Kaspar und Gabriele Barg. Die Themenfelder der Gruppenarbeit lauteten u.a.: „Mitgestaltung einer geschwisterlichen, gerechten und demokratischen Kirche“ und „Unsere Lebenserfahrung deuten – unsere Ermutigung feiern.“ 6 Hauptreferentin war die Diplomtheologin Frau Christel Voß-Goldstein aus der kfd-Zentrale in Düsseldorf.

In ihrer Begrüßungsansprache sagte die Vorsitzende des Katholikenrates Trier, Monika Groß: „ ...viele Frauen sind nicht mehr bereit, sich in hohem Maße in der Kirche zu engagieren, wenn ihnen weiterhin eine entsprechende Beteiligung in kirchlichen Einfluß- und Entscheidungs-strukturen verweigert wird.“ Und sie zitierte eine Aussage der Würzburger Synode von 1975 aus dem Beschluß „Dienste und Ämter“: „...die Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft läßt es heute unverantwortlich erscheinen, die Frauen von theologisch möglichen und pastoral wünschenswerten Funktionen auszuschließen.“7

Unter dem Titel „Wir sind Dienerinnen im Weinberg des Herrn – nicht der Herren“ kommt Frau Voß-Goldstein in ihrem Referat über z.T. gezwungen wirkende gedankliche Schritte zu folgenden Ergebnissen. Ausgehend vom Bild des Volkes Gottes als „Weinberg des Herrn“ im Alten und Neuen Testament stellt sie fest: Dieser „Weinberg des Herrn“ sei nicht die katholische Kirche, auch nicht die „christlichen Kirchen“. „Der Weinberg des Herrn ist nicht die Kirche, in der, wie wir ja alle wissen, längst nicht alles heil und vollendet ist. Aber die Kirche (welche? d.V.) ist dazu gerufen, die Hoffnung darauf lebendig zu halten, indem sie immerzu darum bemüht ist, diese Hoffnung ansatzweise, hier und da, annäherungsweise zu verwirklichen und für die Menschen erfahrbar zu machen.“8 Worauf es zu hoffen gilt, ob auf den dann „richtigen Weinberg des Herrn“, bleibt im gedanklichen Nebel.

Um die Bedeutung der Arbeit von Frauen in diesem „Weinberg“ zu begründen, behauptet Voß-Goldstein zunächst, die Bibel sei „im Patriarchat entstanden“. „ Arbeit“ werde also nur aus der Perspektive von Männern bewertet und auf unterwertige Diensttätigkeiten eingeschränkt, wobei sie sich nicht scheut, diese These außerbiblisch aus dem Mittelalter zu belegen, ein wissenschaftlich unzulässiges Verfahren in offenbar manipulativer Absicht.

Sie schließt daraus: „Obwohl es vom Beispiel Jesu her anders vorgegeben wurde, hat die christliche Tradition es nicht geschafft, die Arbeit von Frauen wahrzunehmen bzw. dazu beizutragen, daß Frauen ihre Arbeit selbstbestimmt – im Rahmen gegebener Möglichkeiten wählen konnten.“9 Sie vergißt hier zu erwähnen, daß dies auch vielen Männern nicht möglich war und ist. Aus diesem Vorspann entwickelt sie als These: „Die biblische Botschaft bietet beiden Geschlechtern ohne Unterschied die Grundlage, die Rechtfertigung und den Auftrag, im 'Weinberg des Herrn' zu arbeiten.“ - „Wenn Amt und Kirche mit dem Reich Gottes gleichgesetzt werden, (Was übrigens in keiner Weise Lehre der Kirche ist! d.V.) dann entscheiden die Herren, welche Arbeitsbedingungen herrschen, wer welche Arbeit zu tun hat ...“.10 Deshalb die nächste These Voß-Goldsteins: „Die patriarchatskritische Funktion des Titels 'Herr' (Kyrios), wie sie im NT belegt ist, muß für die heutige Zeit fruchtbar gemacht werden – zuallererst in der Kirche selbst.“ Um dies glaubhaft zu machen, deutet die Referentin den frühchristlichen Gebrauch des Kyrios-Titels für Jesus Christus um zu einer Kritik der Urgemeinde an den Herrschaftsstrukturen des römischen Kaisers und verallgemeinert dies dann zur Kritik an Herrschaftsstrukturen überhaupt. - „Die Hierarchisierung der Charismen (d.h. Ämter für Männer, Dienste für Frauen) und die Verschleierung von Macht beeinträchtigen den christlichen Auftrag zur Verkündigung des Gottesreiches, weil sie beiden Geschlechtern schaden und die Kirche als 'Zeichen des Heils' für viele als unglaubwürdig erscheinen lassen.“11 - „'Hierarchisierung von Charismen' ist unchristlich, sie muß benannt und abgebaut werden.... Zuweisung von Charismen jeweils unterschiedlich an beide Geschlechter ist unchristlich, weil herrschaftsbedingt. ... Und deshalb schadet eine Aufteilung der Arbeit im Weinberg nach geschlechtsspezifischen Kriterien beiden Geschlechtern, weil beide dadurch festgelegt und eingeengt werden.“12 Letztes Ziel ist „ ... nicht nur Abbau der Geschlechterhierarchie, sondern jedweder Hierarchie, insofern sie ein Herrschaftsinstrument ist.“13

Auch hier ist begriffliche Manipilation nachweisbar, denn Voß-Goldstein gibt dem Charisma-Begriff einen neuen Inhalt und setzt ihn mit dem Amt in der Kirche gleich. Charismen sind aber „besondereGnadengaben“, die nicht mit dem hierarchischen Amt in der Kirche identisch sind, die Gott vielmehr außerhalb und zusätzlich zum Amt verleiht zum „Aufbau des Leibes Christi“, wie bei Paulus nachzulesen. Eine solche Art der Argumentation ist daher zumindest unredlich, im Rahmen einer derart fundamentalen Fragestellung, wie ich meine, sogar unverantwortlich.

Aus diesen klar erkennbaren Vorgaben des Referates Voß-Goldsteins ergeben sich dann als Beschlüsse der „Frauenkonferenz“ deren Forderungen nach einer „geschwisterlichen Kirche“, die ihre „Schuldgeschichte in bezug auf die Frauen öffentlich bekennen“ soll, und die Forderung nach „Demokratisierung der kirchlichen Ämter“: „Wir fordern die Überwindung der Gegenüberstellung bzw. Über- und Unterordnung von 'Kirchenleitung' und 'Kirchenvolk'. Gleichzeitig ist die bisherige Ämterstruktur zu überdenken mit dem Ziel, Frauen stärker zu beteiligen. Dabei ist uns wichtig, daß die Ämter im Blick auf die Zulassung demokratisiert werden. Alle Getauften sollen Zugang zu ihnen haben. ...“14 Und zur Frauenordination heißt es: „Wir halten an der Forderung fest, Frauen gleichberechtigt zu allen Ämtern und Funktionen der Kirche zuzulassen. Durch die Frauenordination sehen wir nicht die Einheit der Kirche in Gefahr. Vielmehr sehen wir die Einheit der Kirche mit Jesus Christus gefährdet, wenn Frauen noch länger diskriminiert und von den Ämtern ausgeschlossen werden. Als Schritt auf dem Weg zur Frauenordination fordern wir: Die von den Verbänden gewählten Seelsorgerinnen sind vom Bischof auf den verschiedenen Verbandsebenen als solche offiziell zu bestätigen. Zudem wird der Bischof aufgefordert, sich für dieses Seelsorgemodell in der Bischofskonferenz einzusetzen. Wichtig ist es, regionale Versuche zu wagen und nicht alles gesamtkirchlich lösen zu wollen. ... Wir verpflichten uns selbst, unser Engagement in der Kirche und in den Verbänden stärker als bisher mit der Forderung nach Gleichberechtigung zu verbinden. Wir fordern, daß uns in unseren Arbeitsfeldern die fachlichen Kompetenzen zugestanden werden, über die wir auch verfügen: Beraten, Leiten, Begleiten, Organisieren, Verkündigen ... Wer arbeitet, muß auch leiten dürfen.“ 15

Und so brachte der Pressedienst des Bistums Münster am 30.09.2004 die folgende Erfolgsmeldung: „Einstimmig beschloß die Delegiertenkonferenz der Katholischen Frauengemeinschft Deutschlands im Bistum Münster (kfd) die Schaffung des neuen Amtes der Geistlichen Leiterin. Damit reagierte der Verband auf eine Entwicklung, die in vielen Gemeinden schon geraume Zeit Praxis ist: Pastoralreferntinnen und Theologinnen übernehmen die Aufgaben der Präsides, die aufgrund des Priestermangels vielfach wegfallen. 'Ich sehe das Amt der Geistlichen Leiterin nicht als Konkurrenz zum Präses,' so der Diözesanpräses der kfd, Franz Anstett, 'sondern als ein partnerschaftliches Miteinander, in dem Frauen ihre weibliche Spiritualität einbringen. Und das ist für einen Frauenverband mehr als angemessen.' Bischof Reinhard Lettmann hatte laut kfd-Mitteilung im Vorfeld der Konferenz die Möglichkeit einer neu einzurichtenden Stelle für das Amt der Geistlichen Leiterin auf Diözesanebene zugesagt. Im Frühjahr kommenden Jahres werden die Delegierten auf einer außerordentlichen Konferenz die neue Geistliche Leiterin wählen.“16

Das geschah dann am 27. September 2006. Gewählt wurde die „47-jährige Pastoralreferentin und vierfache Mutter“ Cäcilia Leenders-van Eickels, die das Amt ab Januar 2007 ausübt. Sie ist „gleichberechtigt mit dem Diözesanpräses Stephan Wolf, spirituelle und geistliche Impulse in den Verband (zu) geben und zugleich Ansprechpartnerin für Lebens- und Glaubensfragen (zu) sein.“ Das nennt man „neue Wege in die Zukunft gehen.“17

Internationale Verflechtungen

An der bei der Frauenkonferenz in Trier als Mitveranstalter auftretenden Gruppe „Maria von Magdala“ zeigt sich als weiterer Aspekt die internationale Vernetzung der in der hiesigen Frauenseelsorge und den Verbänden vertretenen Ziele und Ideen. Diese Gruppe ist ein Ableger der internationalen Bewegung „Women's Ordination Conference (WOC)“ in den USA, steht „in Kontakt“ zum „Ökumenischen Forum christlicher Frauen in Europa“, ist vertreten in der „Ökumenischen Dekade-Konferenz: Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ und Teil der „Initiative Kirche von unten“. Neben dem „Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern“ strebt sie an: „die Veränderung des Gottesbildes, das auf männliche Bilder und Sprache festgelegt ist; die Praxis einer frauengerechten Sprache und Liturgie; die Aufarbeitung und Überwindung frauendiskriminierender Traditionen in der Kirche“, so §3,1 ihrer Satzung.18 In einem Flugblatt zum Dresdener Katholikentag 1992?? heißt es zum Schreiben Johannes Pauls II. „Ordinatio Sacerdotalis“: „Er hat in diesem Schreiben ein endgültiges NEIN zur Priesterweihe von Frauen in der röm.-kath. Kirche ausgesprochen. Die von ihm angeführten Begründungen sind wissenschaftlich längst widerlegt. Kath. Frauen sind trotz Taufe, Firmung, theologischer Ausbildung, geistlicher Begabung – also nur um ihres Geschlechtes willen – vom Priester- und Bischofsamt ausgeschlossen. Und das im Namen Jesu! Kirchenmänner entscheiden über Frauen – Frauen sind zur Unmündigkeit verurteilt. Katholische Frauen, wollt ihr diese demütigende und beleidigende Situation in der Kirche noch länger hinnehmen? Wer schweigt, stimmt zu! ... Die Stunde des Kampfes gegen Frauendiskriminierung in der römisch-kath. Kirche ist gekommen! Organisiert euch! Nur gemeinsam sind wir stark! ...Katholische Frauen, wollt ihr Euch für Eure Befreiung engagieren, dann werdet Mitglied im Verein Maria von Magdala Initiative Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche e.V. Dieser Verein ... ist unabhängig von der kirchlichen Hierarchie.“ 19

Nach all dem ist logisch, daß diese Frauenkonferenz von 1997 als Abschluß keine hl. Messe ertragen konnte, sondern sich ihre „frauengerechte Liturgie“ selbst „zusammenbastelte“, u.a. mit einer „Frauenlitanei“, Antwortruf „Steh auf, bewege dich“ und einer sogenannten „Feierlichen Stärkung“ am Schluß, die in der Betrachtung eines ausgeteilten Bildes der Prophetin Mirjam bestand.

Priesterweihe für Frauen als „Rechtsforderung“ an die Kirche

Wie aus der Beilage des Diözesanverbandes kfd-Trier zur Zeitschrift frau u mutter vom Oktober 2001 zu entnehmen ist, fand kurz zuvor in Maria Laach das „Erste kfd-Frauenforum“ des Diözesanverbandes Trier statt. Es waren eingeladen: „die evangelische Theologin und Wegbereiterin der feministischen Theologie Elisabeth Moltmann-Wendel; Schwester Basina Kloos, Generaloberin der Franziskanerinnen in Waldbreitbach, die in der Leitung des ersten Ausbildungslehrgangs für das Diakonat der Frau mitwirkt; die kirchlich engagierte Verlegerin Hiltraud Laubach aus Mainz und die Schriftstellerin Carola Moosbach, deren Schwerpunkt „weibliche Gottespoesie“ ist. Ingeborg Tiemann von der Arbeitsstelle Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz – in jüngster Zeit in Erscheinung getreten mit dem Projekt des Steines, der durch alle Bistümer gerollt wurde – leitete das Gespräch.“ Gefordert wurde u.a. ein „Frauenstreik“ in der Kirche, um den Anteil der Frauenarbeit in der Kirche sichtbar zu machen. Ferner mehr Solidarität der Frauen zu diesem Zweck, „...auch Protestantinnen und Katholikinnen dürften sich nicht auseinanderdividieren lassen.“ Ferner müsse man auf die Suche nach „neuen Gottesbildern“ gehen.20

Zusammengefaßt zeigen sich die feministischen Ansprüche in folgenden Äußerungen von Ida Raming, die sich mit weiteren sechs Frauen am 29.6. 2002 von einem dubiosen „Bischof“ zur „Priesterin“ weihen ließ.

Ida Raming äußert, bezogen auf das Kirchenrecht: „Da es keine stichhaltigen theologischen Gründe für den Ausschluß der Frau von der Ordination gibt, muß der Frau als Glied des 'Volkes Gottes' das Recht auf freie Standeswahl (C. 219) auch in bezug auf das Klerikat in vollem Umfang gewährleistet werden. Aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes (C.208), der auf der Kirchenkonstitution 'Lumen Gentium' Nr. 32 basiert, haben Frauen einen 'strukturellen Anspruch' ... auf das Priestertum, das heißt, ihnen muß der Zugang zu diesem Amt 'unter den gleichen Bedingungen und Umständen' wie dem Mann eröffnet werden. Wenn Männer der Kirche, 'welche die Macht und das Recht haben zu entscheiden', Frauen ' den Zugang zum Priestertum verwehren', laden sie 'objektive Schuld' auf sich. Denn 'in der Wahl eines Lebensstandes' antworten die Gläubigen als Glieder der Kirche auf ihre 'spezifische Berufung' und konkretisieren so ihre 'christliche Berufung' und ihre ''Teilhabe an der kirchlichen Sendung'. Daher hat die kirchliche Gemeinschaft nicht die Freiheit, 'die in ihrer Mitte zutage tretenden Geistesgaben und Berufungen zurückzuweisen', sie ist im Gegenteil darauf angewiesen. ... die Wahl eines bestimmten Lebensstandes darf also nicht 'ungerechtfertigt behindert werden' ...“21 Ida Raming war zum Zeitpunkt ihrer sog. „Weihe“ 70 Jahre alt.

Frauen-Diakonat“ als „Zwischenschritt“ zur Frauenpriesterweihe

Um nun nach der definitiven Ablehnung durch Johannes Paul II. über einen Umweg auf Dauer doch noch zur Priesterweihe für Frauen zu gelangen, verfiel die innerkirchliche feministische Bewegung auf die Idee des „Frauendiakonats“. Zu diesem Zweck wurde in Stuttgart ein Verein gegründet mit dem Titel „Diakonat der Frau“, hervorgegangen aus dem im Juni 1996 gegründeten gleichnamigen „Netzwerk“. Dieser Verein sollte 1998 seine Tätigkeit aufnehmen. Nach Angaben der damals 29-jährigen Münsteraner Theologin Dorothea Reininger gab es zu diesem Zeitpunkt bereits 30 Interessentinnen und Ansprechpartnerinnen in 17 Diözesen.22

Zur gleichen Thematik fand im Frühjahr 1997 ebenfalls „in Stuttgart ein internationaler theologischer Kongreß statt, veranstaltet von der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen, der katholischen Akademie Stuttgart, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, dem Katholischen Deutschen Frauenbund und der Frauenkommission der Diözese Rottenburg Stuttgart. [...] Irmgard Jalowy, damals Präsidentin der kfd, hatte in ihrem Statement zu Beginn der Tagung den Wunsch geäußert, 'daß dieser Kongreß Wege ebnet ... damit Frauen ... im Heilsdienst und Weltdienst die gleiche Legitimation, die gleiche sakramentale Zeichengebung, die gleiche Geistanrufung und Gebetszusage erhalten, wie Männer dies ... seit Beginn der Kirche selbstverständlich in Anspruch nehmen.'“ Zum Abschluß forderte der Kongreß, die deutschen Bischöfe sollten „sich im Vatikan für den Diakonat der Frau einsetzen“, die „bestehenden Initiativgruppen für die Ordination von Diakonen unterstützen“ und die „Vorbereitung von Frauen auf den Diakonat ideell und materiell fördern“. Weiter heißt es: „Die kfd betont in ihren Grundsatzaussagen (Impulse '87 und Akzente '93) immer wieder, daß die Diskussion um das Thema 'Frauen und ordiniertes Amt' weitergehen muß und sie die Zulassung von Frauen zu allen Diensten und Ämtern erwartet.“23 Der damalige Bischof von Rottenburg-Stuttgart war der heutige Kurienkardinal Walter Kasper.

Auf diesem "Internationalen theologischen Fachkongreß" mit dem Titel "Diakonat - ein Amt für Frauen in der Kirche - ein frauengerechtes Amt?", vom 1.-4. April 1997 in Stuttgart, forderten die Teilnehmer massiv und harsch die deutschen Bischöfe auf, von Rom ein "Indult", also die kirchliche Erlaubnis zu erwirken, um "Frauen zu Diakoninnen in ihren Diözesen ordinieren", also weihen zu können als Mitglieder des Klerus. Die diesbezügliche Weigerung und Argumentation Roms sei endgültig als "sozio-kulturell bedingte, heute aber als theologisch nicht mehr verantwortbare ... entlarvt". Die Kirche müsse heute "um der Glaubwürdigkeit ihrer Heilssendung willen den Ausschluß der Frauen vom Diakonat aufheben. So setzt sie in ihrer Ämterstruktur ein notwendiges Zeichen für ein erlöstes Miteinander von Frauen und Männern". Um dies zu erreichen sollten die "Teilnehmerinnen und Teilnehmer" des Kongresses u.a. "die katholischen Frauenverbände und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken" bitten, "ihren Einsatz zugunsten des Diakonats der Frau fortzusetzen und zu intensivieren". Man bittet "das Netzwerk Diakonat der Frau, sich auf nationaler Ebene für die Koordination aller Kräfte für den Diakonat der Frau einzusetzen"; "das internationale Diakonatszentrum, Frauengruppen und Initiativen für den Diakonat der Frau auf internationaler Ebene zu vernetzen.“ usw.

Dieser Beschluß lag dem Landesdelegiertentag des Katholischen Deutschen Frauenbundes Bayern, der am 18./19.6.1997 stattfand, unter Top 8 zur Beschlußfassung vor.24

Wenn es noch einen Beweis brauchte, wie "Pressure Groups" sich innerhalb der Kirche gegen eindeutige lehramtliche Entscheidungen, gegen den Papst und die ihm treu verbundenen Bischöfe mit "Graswurzeltechnik" durchzusetzen versuchen, so liegt er hier auf der Hand.

Die Veranstalter, vor allem die katholischen Frauenverbände, haben damit den "con - sensus fidei" eindeutig verlassen Sie bauen in der Kirche nicht mehr auf, sie reißen ein. Dabei dienen den "Meinungs-Führerinnen" ihre Positionen innerhalb der großen Traditionsverbände als Legitimation Sie mißbrauchen damit die oft durchaus noch katholisch-gläubigen Pfarr-Basen als Machtvehikel, ohne daß diese in ihrer Mehrheit davon Kenntnis haben.

Rom zum „Frauendiakonat“

In einer auf die Frauendiakonatsproblematik bezogenen „Notifikation“ äußerten sich die Kongregation für die Glaubenslehre, damals unter Kardinal Ratzinger, die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung und die Kleruskongregation gemeinsam. Nach einem Hinweis auf Meldungen über Diakonatsvorbereitungskurse für Frauen heißt es: „Da die kirchliche Ordnung eine derartige Weihe nicht vorsieht, ist es nicht erlaubt, Initiativen zu ergreifen, die in irgendeiner Weise darauf abzielen, Frauen auf die Diakonenweihe vorzubereiten. Die wahre Förderung der Frau in der Kirche, die in Übereinstimmung steht mit dem kirchlichen Lehramt und insbesondere den Weisungen Seiner Heiligkeit Papst Johannes Pauls II. eröffnet andere weitreichende Perspektiven für den Dienst und die Mitarbeit. Die unterzeichnenden Kongregationen wenden sich daher ... an die einzelnen Ortsbischöfe, damit sie ihren Gläubigen diesen Sachverhalt erklären und diese Richtlinien sorgfältig anwenden mögen. Diese Notifikation wurde am 14. September 2001 vom Heiligen Vater approbiert.“25

Dies hindert aber Bischöfe wie den nun emeritierten Limburger Bischof Kamphaus oder den österreichischen Altbischof Aichern nicht, sich für den Frauendiakonat einzusetzen, letzterer noch im Mai 2006.26 Und Bischof Karl Lehmann, jetzt Kardinal, verfaßte für Dorothea Reiningers Buch, „Diakonat der Frau in der Einen Kirche“ das Vorwort.27

Weitere Ansätze zu innerkirchlicher Einflußnahme

Ein weiterer Schwerpunkt der innerkirchlichen feministischen Einflußnahme ist die Katechese. Bereits Heft 12/1988 der Zeitschrift des Deutschen Katechetenvereins (dkv), der “ Katechetischen Blätter, Zeitschrift für Religionsunterricht, Gemeindekatechese, Kirchliche Jugendarbeit“ widmet sich komplett dieser Thematik. Es enthält unter dem Gesamt-Thema „Für eine feministische Religionspädagogik“ u.a. einen Aufsatz von Agnes Wuckelt, „Hinter dem Leben zurückbleiben? Gen 2 und 3 als Impuls einer feministischen Religionspädagogik“. In diesem Aufsatz sieht sie „Adam“ nicht als Mann, sondern als androgynes menschliches Ur-Wesen, das erst durch die Entstehung Evas zum Mann wird. Ferner: Herlinde Pissarek-Hudelist, „Die Herausforderung Feministischer Theologie an den Fachbereich Katechetik/Religionspädagogik“ sowie Martha Heizer, „Fragen zu weiblicher religiöser Sozialisation“, passend dazu weiter Dagmar Andres, „Die vergessene Weiblichkeit. Sexistische Einflüsse in Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht“. „Gekrönt“ wird diese Liste durch Matthias Wörthers, „Freie Fahrt für Zärtlichkeit. Neue Kurzfilme für Katechese und Unterricht“, womit die eigentliche Zielrichtung unverwechselbar wird.28

Ein anderer in seiner negativen Wirkung nicht hoch genug anzusiedelnder Bereich, der seine Quellen nicht zuletzt auch aus dem Feminismus bezieht, ist der Einfluß der Esoterik auf die sogenannte innerkirchliche „Bildungsarbeit“. Politischer und innerkirchlicher Feminismus haben gemeinsam, daß sie zu einer Übersteigerung, um nicht zu sagen „Vergötzung“ von allem neigen, was sie „der Frau“ an Eigenschaften zusprechen. Eine dieser Eigenschaften ist angeblich die größere Nähe von Frauen zu allem nur transzendent erfahrbaren Übersinnlichen, sei es der „Mutter Erde“, die dann christlich als „Bewahrung der Schöpfung“ auftaucht, sei es die speziell weibliche Art der „Erfahrung der Gottheit“, christlich gewendet „Gottes“, letztlich aber, anthropologisch rück-gewendet, bestenfalls des Mitmenschen, vor allem aber des eigenen „Selbst“. Diesen Zwecken dienen die verschiedenen Methoden, die in den Bildungswerken angeboten werden, besonders deutlich erkennbar an den Bildungsangeboten für Frauen.

So bietet z.B. die kfd Darmstadt in einem Flugblatt gleich an elf Terminen 2004 „Meditierendes Tanzen“ an für „alle Frauen und Männer, die sich gern darauf einlassen möchten“. Dieses Tanzen sei ein „ganzheitlicher und entdeckungsreicher Weg, sich selbst und den Mitmenschen zu begegnen. ... Wir beziehen uns bewußt auf die gemeinsame Mitte eines Kreises und nähern uns durch diese Zentrierung auch der eigenen Mitte ....Dabei erfahren wir uns eingebunden in die Gemeinschaft der Tanzenden...“. Dieser Tanzfigur liegt also der Kreis bzw. der „Punkt im Kreis“ zugrunde, beides von eminent esoterischer Bedeutung. Der Kreis steht für Unendlichkeit und Universalität. Der „Punkt im Kreis“ ist eines der ältesten Symbole der englischen Freimaurerei und steht esoterisch für den „nichtmanifestierten Logos“. „Logos“ bedeutet die „durch Seele, Nation und jeden Menschen manifestierte Gottheit“, also ein pantheistisches Gottesbild.29 Und die „angebote für frauen“ 2007 im Bistum Münster tanzen gleich „der Auferstehung entgegen“30 , werfen „tanzend ihre Freude wie Vögel in den Himmel“31 und „tanzen“ dazu auch noch „Weihnachten entgegen“ mit „Tanz, Gebet, Stille und Gespräch“ in „leisen Schuhen und bequemer Kleidung“, und das für 25 EUR von 10.00 bis 17.00 Uhr am 8. Dezember.32

Vergleichbar ist auch die verbreitete „Mode“ des Mandala-Malens oder des Labyrinths.

Das Mandala stammt ursprünglich aus dem Buddhismus. „Es ist symbolisch für den Weltgeist.“ - „Es umschließt geweihten Raum ...“. - „...es ist ein Zentrum der Macht und eine vor feindlichen Einflüssen sichere, umschriebene Fläche.“ - Alle Hindutempel sind nach diesem Muster erbaut.33 Heute ist es im Gefolge der Psychologie C.G. Jungs ein „Mittel zur Bewußtwerdung unbewußter Prozesse“. Es ist fester Bestandteil buddhistischer Meditation und magischer Riten. 34

Das Labyrinth bedeutet symbolisch „Rückkehr zum Zentrum; wiedergewonnenes Paradies; Erlangung von Erkenntnissen ...; Initiation, ... die Lebensfahrt durch die Schwierigkeiten und Illusionen der Welt zum Zentrum in Gestalt der Erleuchtung ... die Reise und Flucht in die andere Welt (in die leicht hineinzukommen, aus der jedoch, ist sie einmal betreten, schwer wieder herauzufinden ist); ... Gefahr...“.35

Beide Symbole sind beispielsweise mehr als reichlich vertreten in dem von der Deutschen Bischofskonferenz zugelassenen Unterrichtswerk des Hubertus Halbfas für den katholischen RU mit dem Titel „Religionsbuch“, inzwischen verfügbar für sämtliche Schul-Jahrgänge.

In der Zeitschrift „charisma“ des Katholischen Frauenbundes, Zweigverein Darmstadt, vom Januar 1998 bieten die Schwestern der Göttlichen Vorsehung „Mandalas malen“ als „schöpferisches Tun“ an 36. Im gleichen Heft wird angeboten „Meditatives Tanzen im Frühling“ und ein Vortrag mit dem Titel „Der Exodus der Muttergöttin“. 37 Und in der Zeitschrift frau und mutter vom September 2004 bewirbt der Diözesanverband Magdeburg der kfd Kunstkarten, deren Erlös für das „lebendige Labyrinth“ im Klostergarten von Helfta bestimmt ist, das auf Anregung der kfd angelegt wurde. Die Bilder der Kunstkarte heißen: „Das Leben ist wie ein Labyrinth“, „Netz“ und „Kadosh“.38 Zur Bedeutung des „Labyrinthes“ siehe oben, die symbolische Bedeutung des „Netzes“ liegt auf der Hand, es ist Fang- und Täuschungsinstrument, der Begriff „Kadosh“ ist jedoch außergewöhnlich. Hebräisch bedeutet er „heilig, geweiht“. Gleichzeitig ist er aber die Bezeichnung für den 30. Grad, den höchsten echten „Einweihungs-Grad“ der 33 Grade des Schottischen Ritus der Freimaurerei. Er ist der eigentliche „Rachegrad“, der sich ursprünglich gegen „Thron und Altar“ richtete, sich aber nach dem Verschwinden der „Throne“ in erster Linie gegen die katholische Kirche wendet.39

Überflüssig fast zu erwähnen, daß allenthalben „Meditation“ zwecks „Stille und Entspannung“ angeboten wird, wobei hier keineswegs die christ-katholische Form der Betrachtung gemeint ist, sondern die buddhistische Form des „inneren Leerwerdens“, letztlich die Aufgabe des Willens, die dämonischen Einflüssen Tür und Tore öffnet, wozu dann auch die schamanistische Technik des „Visualisierens“ paßt, meist als „Traum- oder Phantasiereise“ o.ä. bezeichnet, gepaart mit „Körperarbeit“ und „Bibliodrama“. Unter „Körperarbeit“ versteht man meistens „Eutonie“, in „angebote für frauen“ von 2007 angepriesen als „Ignatianische Exerzitien für Frauen“.40 Das „“Lexikon der Esoterik“ beschreibt „Eutonie“ als „eine Form der Massage. ... Ziel dieser Massage ist es, auf dem Weg der körperlichen Selbsterfahrung die in jedem Menschen steckenden schöpferischen Möglichkeiten zu wecken. ... Durch die bewußte Wahrnehmung der Haut entsteht ein Bewußtsein der Körpergrenzen. Auf diese Erfahrung bauen weitere Bewußtseinserweiterungen auf, die sowohl den Innenraum des Menschen als auch die Außenwelt zum Gegenstand haben.“41 Das „Bibliodrama“ ist eine Abart des Psychodramas, beides sind Methoden der persönlichkeitsdeformierend und manipulativ einsetzbaren sogenannten Gruppendynamik.42 Zum Bibliodrama äußerte Gerhard Marcel Martin, der in den 70er Jahren Leiter der Evangelischen Akademie Arnoldshain war43, „... dass es via Bibliodrama möglich sei, religiöse Orientierungen aufzubrechen und neue Vorstellungen zu setzen – eben solche, die sich an keiner Autorität mehr ausrichten; das bedeutet für den theologischen Bereich: nicht mehr an der Heiligen Schrift, der Tradition oder dem Lehramt der Kirche ausgerichtet zu sein.“44 Wundern wir uns also nicht, wenn genau dies das Ergebnis ist.

III. Zu den Frauenverbänden

Kämen alle diese Angriffe nur von außen, von Feinden der Kirche, würden sie niemand wundern. Aber dem ist nicht so: unisono ertönt diese Melodie schließlich seit Jahrzehnten aus allen Grundsatzprogrammen und Publikationen der von den Bischöfen als katholisch anerkannten Frauenverbände. Die herausragendsten, weil an Mitgliedern stärksten, dieser Verbände sind: der Katholische deutsche Frauenbund, vor allem die Katholische frauen- und müttergemeinschaft, aber auch der Sozialdienst katholischer Frauen, dessen Verhalten beim Verbot des Schwangeren-Beratungsscheines uns allen sicher noch in bester Erinnerung ist.

Diesen Verbänden war es ursprünglich Hauptanliegen und Gründungsabsicht, Frauen durch Stärkung ihres Glaubens zu ihrer aufopferungsvollen Tätigkeit in Familie und Beruf zu rüsten, sie in schwierigen Lagen zu unterstützen und sie durch den Zusammenschluß zu stärken. „Frausein“ hieß ursprünglich einmal in erster Linie mütterliche Fürsorge für alle Bedürftigen, körperlich wie geistig, in der Nachfolge der Gottesmutter Maria, deren Leben schließlich alle Formen, Phasen und Möglichkeiten weiblicher Existenz umfaßt und die darüber hinaus als Urbild der "Mutter Kirche" von herausragend symbolhafter Bedeutung ist. Reste dieser ursprünglichen Ausrichtung finden sich noch als Firniß an der Oberfläche, etwa im "Gebet der katholischen Frauengemeinschaft", in dem Maria "Schirmherrin unserer Gemeinschaft" genannt wird, und durch den einen oder andern mehr oder weniger „normal gestalteten“ Gottesdienst für kfd-Mitglieder in manchen Pfarren. Denn man, pardon, „frau“ benötigt ja den "katholischen" Anstrich, weil „frau“ in den Verbänden nicht auf die Subventionierung durch Kirchensteuergelder seitens der Bischöfe verzichten möchte.

Schaut man aber genauer hin, so sieht man folgendes: Aus den katholischen Frauenverbänden sind längst innerkirchliche Kampfverbände geworden, die, nur oberflächlich religiös verbrämt, behaupten, ihre Mitglieder verlangten, daß sie "sich zum Sprachrohr ihrer Anliegen in Kirche und Gesellschaft“ machten, so die "Impulse 1987 zum Orientierungs- und Arbeitsprogramm 1979" der "Katholischen Frauen- und müttergemeinschaft Deutschlands (kfd)". 45 Ziel soll es sein, die "Entwicklung der Gesellschaft zu fördern" und die "Kirche mitzugestalten" durch "Befreiung aus einem überholten Rollenverständnis". 46. Zu diesem Zweck wird alles, wirklich alles, was sich der politische Feminismus auf die Fahnen geschrieben hat, ebenfalls in Verbandsarbeit und Verbandszeitung der kfd hineingeholt, angefangen von Selbstfindung und Selbstverwirklichung,, über "Dialogfähigkeit", Konfliktbearbeitung und -bewältigung bis zu "Gewalt gegen Frauen" und "Frauensolidarität", bis zu Drogen und Prostitution. Nichts bleibt "draußen vor", kein Problem ungenannt - die kfd als die eigentliche "Frauen-Partei" mit massiv politischem Anspruch und Auftreten. Noch wesentlicher ist jedoch ihre masssive Vertretung der Ideen des innerkirchlichen Feminismus und der „Kirche von unten“ innerhalb der Kirche, wobei man sich dauernd auf die Mitgliederstärke der Verbände beruft. Man vergißt dabei zu sagen, daß sich diese „Mitgliederzahl“ lediglich aus der Zahl der vertriebenen Verbandszeitungen ergibt.

Diese zuvor beschriebene Grundausrichtung ist seitetwa 30 Jahren belegbar an der Verbandszeitung frau und mutter der kfd. Was aber praktisch durchweg fehlt – trotz aller dick „katholisch“ aufgetragenen Schönfärberei durch fromm scheinende Begrifflichkeiten – ist eine lehramtstreue Form katholisch-religiöser Weiterbildung. Erscheint „Religiöses“, stimmt es entweder mit gängigen feministischen Thesen, mit modernistischer Theologie oder mit beidem überein. Umgeben ist dies alles von Thematiken, die man geradeso gut – meist besser – in den üblichen grünen oder goldenen „Frauenblättern“ oder der Parteipresse finden kann.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Niemand bestreitet die Notwendigkeit, daß Frauen sich in unserer Gesellschaft politisch engagieren sollen zugunsten ihrer Mitmenschen oder auch für ihre eigenen legitimen Ansprüche. Die eigentliche Frage ist jedoch die nach den Zielen der „katholischen“ Frauenverbände bei diesen "Übernahmen", denn aufgepfropft auf diese Übernahmen aus dem politischen Feminismus, redet "frau" in der kfd Veränderungen in der Kirche das Wort z.B. auch in Familie und Ehe. So steht z.B. in den „Impulsen 87“, nachdem zunächst brav die katholische Eheauffassung referiert wurde, anschließend vorsichtig umschrieben: Man solle "die Augen vor den Lebens- und Beziehungskrisen nicht ... verschließen und mit den Betroffenen ... nach neuen Wegen suchen, wie auf der Grundlage des Evangeliums in unserer Zeit Ehe und Familie gelebt werden kann." Weiter: die kfd wisse "um die Suche junger Menschen nach neuen Wegen der Lebensgestaltung", sie nehme "das Bemühen junger Menschen um Beziehungsentwicklung und -pflege ernst“, sie sei "Dialogpartnerin".47 Das heißt im Klartext, man akzeptiert im Prinzip Ehescheidung und eheähnliche Lebensgemeinschaften jeder Art.

Kritikern wird in diesem Kontext durch Psychologisierung von vornherein der Wind aus den Segeln genommen. Ihr Verhalten sei lediglich bestimmt von "Abwehr" und "Unsicherheit". Sie seien "von Angst bestimmt, Gewohntes und Vertrautes aufgeben zu müssen"48, also de facto psychisch defizient und unselbständig. Man müsse über dies alles eben reden, besonders "mit Priestern". Die kfd nennt dies "Wege zur Partnerschaft".

Extrem brisant für den katholischen Glauben in seiner Substanz wird es aber, wenn die kfd ihre Vorstellung von "frau" in der Kirche entwickelt. "Frau "soll nicht nur ihre "weiblichen Glaubenserfahrungen" einbringen, sie soll sich "weiblicher Spiritualität", „feministischer Theologie“ und "theologischer Frauenforschung" weit öffnen, indem sie die Bibel "mit den Augen einer Frau liest", ihre "eigenen Ausdrucksweisen und Formen des Glaubens entfaltet" und diese nicht nur "ins Gemeindeleben", sondern "besonders in die Gottesdienste" einbringt.49 In Fortführung dieser Ansätze heißt es in den „Leitlinien 99“: Frauen lebten heute in vielen „nichtehelichen Gemeinschaften“, auch gleichgeschlechtlichen, geschieden oder wiederverheiratet. Diese Lebensformen seien eine „Bereicherung“, die aber die „Überwindung von Vorurteilen und Ängsten“ voraussetzten mit dem Ziel, „die eigene Sexualität in ihrer identitätsstiftenden und damit befreienden Dimension zu erfahren.“50 Zum Priesteramt heißt es: „ Als besonders verletzend und diskriminierend empfinden es viele Frauen, dass sie allein aufgrund ihres Geschlechtes von den Weiheämtern und den damit verbundenen Leitungspositionen ausgeschlossen werden.“ - „Die kfd führt in ihren Gruppen den theologisch sachkompetenten Dialog über den Themenbereich 'Frauen und die Dienste und Ämter in der Kirche' fort. Die kfd unterstützt Netzwerke, die sich für die Weihe von Frauen einsetzen, in den gemeinsamen Zielen.“51

Jeder, der sich mit feministischer Theologie beschäftigt hat, weiß, daß hier nicht nur auf Schleichwegen die sog. "feministische" oder "Frauenliturgie" in die Kirche eingeführt wird, jene letztlich unsäglich abstoßende Ausrichtung von sogenannter "Liturgie" auf alle Bereiche weiblichen Lebens, einschließlich Menstruation und Menopause, sondern auch die Umpolung des Gottesbildes zur "Großen Mutter-Göttin".52 In genau diesen Kontext gehört auch die Forderung nach Teilhabe der Frauen an der Verkündigung, nach ihrer Zulassung "zu allen Diensten der Kirche", natürlich zunächst des Weihediakonates, der Vorstufe zum Priestertum, dann aber auch die Forderung, daß "die Diskussion um das Priestertum der Frau weitergeht", und natürlich nach der "Predigterlaubnis für Laien" 53.

Fast ist es schon überflüssig zu erwähnen, daß man anstrebt, "wiederverheiratet Geschiedene" zu den Sakramenten zuzulassen, daß man Ökumene – de facto die aller Religionen, also Synkretismus - unterstützt und fördert, ebenso die Zusammenarbeit "mit „Frauengruppen und Gemeinden in den Kirchen anderer Länder und Kontinente".54 Fast überflüssig ist es auch, auf weitere "Rundumschläge" beabsichtigter Einflußnahme einzugehen, z.B. auf die "Zukunft der Gesellschaft" und den „Einsatz für die Eine Welt“,55 auf „weltweite Verantwortung und Sicherung des Friedens", dazu natürlich und nicht zuletzt noch den Umweltschutz, und dies alles in "Dialogbereitschaft".56

Die "Papiere" der kfd zeigen letztlich selbst, woran es wirklich mangelt: am tatsächlichen katholischen Glauben, denn vom Leben aus und nach ihm, dem Einfluß des gelebten Glaubens auf die nachfolgende Generation in Einheit mit Lehre und Praxis der Kirche, für den gerade wir Frauen in Verantwortung stehen, ist keine Rede. Statt dessen: "weltlicher" und "religiöser" Feminismus in explosiver Mischung, ein wahrer "Sprengstoff" für die Kirche.

Methoden der Verbreitung - „Netzwerker“ der Frauenseelsorge

Die Frage, die sich nach allem ergibt, ist, wie sich dieses Gedankengut so relativ schnell und weit in der Kirche verbreiten konnte, und diese Frage ist erstaunlich leicht zu beantworten, denn die Methode, mit der man diese Gedanken und Anschauungen den Frauen vermittelt, ist erprobt und erfolgreich. Es ist die „Gruppendynamik“, auch Gestalttherapie oder Gestaltpsychologie genannt, mit ihren vielen hundert ausgeklügelt aggressiven „Gestaltmethoden“, deren Grundstruktur der Angriff auf die Person und ihre Werthaltungen mit Hilfe der Manipulation ihrer Emotionen ist. Diese Methoden haben in den USA in den 70er Jahren zur Auflösung kompletter blühender Ordensgemeinschaften geführt, was ihre Effektivität und Gefährlichkeit beweist.

Besonders auffallend und bedenklich sind in diesem Zusammenhang die starken personellen Überschneidungen und Verflechtungen zwischen diözesaner Frauenseelsorge und z.B. kfd. Dies läßt sich etwa aus der neuesten Ausgabe der „angebote für Frauen“ 2007 für die Diözese Münster eindeutig belegen. Gemeinsame Herausgeber sind nicht nur das „Referat Frauenseelsorge/-bildung des Bischöflichen Generalvikariates“ und der „Diözesanverband Münster“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands“, auch Referenten und „Anmeldungsorte“ sind z. T. gemeinsam bzw. austauschbar.

Beispiele:

Unter der Ägide der kfd steht hier z.B. ein Kurs mit dem „Themenschwerpunkt“ „Ich lerne es – ich kann es“. Hierbei geht es um „Leitungsausbildung/Methodenschulung/ VerbandlicheBildung“. 57 Und darunter findet sich Folgendes: „Tipps für eine gelungene Kommunikation .... Methodisches Handwerkszeug für die Frauen der pfarrlichen Teams“. - „Projektmethoden-Ansatz ... für Multiplikatorinnen und Mitarbeiterinnen der verschiedenen Ebenen ...“. Er ist ein „Fortbildungskurs“ für ein Seminar mit dem Titel „Persönlich wachsen und reifen“ Teil I und II und soll nun der „Standortvergewisserung im eigenen Aufgabenfeld“ dienen.

Schon der Titel weist darauf hin, daß bereits dieses Kursthema massive Eingriffe in die Persönlichkeit der Teilnehmer gestattete und daß diese „Fortbildung“ das dadurch „Erreichte“ sichern soll. Der dritte Teil dieses „Kurses“ bestätigt dies. Es ist ein Trainingskurs, der unter dem Titel „Übernahme von Leitungskursen in der kfd – kfd-Leiterin mit Zertifikat“ die Teilnehmer in mehrern Etappen zur Leitung von Gruppen befähigen soll und dies zum „bescheidenen“ Preis von 500,-EUR. Das erste Wochenende dient dabei der „Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie ... Verdeutlichung eigener Werte und Normen und ihrer Bedeutung für ein ehrenamtliches Engagement“, was wiederum Eingriffe in die Persönlichkeit der Teilnehmer ermöglicht und wohl auch bezweckt. Das zweite Wochenende ist ein „TZI-Methodenkurs“.

Die TZI ist die „Themenzentrierte Interaktion“, eine der Haupt-Psychotechniken der „Gestaltmethode“ resp. Gruppendynamik, erfunden von Ruth Cohn, der bekanntesten Anhängerin Perls, eines der Gründer. Im Mittelpunkt steht zunächst ein „Reden ohne Tabus“, das aber gleichzeitig Einblick und damit die Möglichkeit des Eingriffs in die Persönlichkeit der Teilnehmer eröffnet und – mit Hilfe des gruppendynamischen Dreischritts „Auftauen (unfreezing), Wechseln (changing) und Wieder-Einfrieren (refreezing)“ - eine völlige Wert-Neuorientierung und damit komplette Manipulation der Person ermöglicht.58 Dies wird gesichert durch das nachfolgende „dritte Element“ des Kurses, die „Supervision“ durch „SupervisorInnen des Bistums Münster“. Das „vierte Element“ besteht nun in „Visualisieren, Präsentieren, Moderieren“ mit Erlernen des „Feedback“. „Visualisieren“ dient der Festigung des Übernommenen bzw. der Identifikation damit, besteht aber eigentlich in der Umsetzung des „Ausgedachten“ gleich welcher Art in handwerkliche Techniken wie Malen oder ähnliche „Symbolhandlungen“, dient also lediglich der Selbstindoktrination und Selbstdarstellung. Das „Feedback“ dient zur Sicherung des zuvor beim Teilnehmer in Manipulation Erreichten. Ein „fünftes Element“ ähnlicher Art schließt den Kurs ab.

Die Weiterführung dieses Kurses besteht in einem anschließenden großen Ausbildungsteil im kommenden Jahr. Dieser soll alles „vertiefen“ mit Hilfe „systemischer Sichtweisen“, d.h. das jeweilige gesellschaftliche Umfeld der Teilnehmer soll in diese Art der „Bearbeitung“ einbezogen werden. Die Ausrichtung diese neuen Kursteils „nach Haltung und Methoden der TZI“ soll „eine Einführung in Prozessabläufe in Gruppen beinhalten“ und „die teilnehmenden Frauen befähigen, Gruppenprozesse zu gestalten und zu beeinflussen“, außerdem „Konflikte zu erkennen, zu benennen und neu zu behandeln“. Auf diese Weise werden die Teilnehmer selbst zu gestaltmethodischen Trainern, die diese Methoden verbreiten und anwenden. Der Teilnehmerkreis ist dabei nicht frei, sondern „handverlesen“, denn die Zulassung erfolgt erst nach einem Gespräch mit der Kursleiterin.59

Auch was mit Hilfe der „Geistlichen Leiterinnen“ an angeblich religiöser Bildung verbreitet wird, kann aus deren „Studientagen“ abgelesen werden. Diese sind Teil des „Ausbildungskurses 'GeistlicheLeitung'“, werden vom Diözesanfrauenseelsorger, Diözesanpräses und kfd-Diözesanpräses Pfarrer Stephan Wolf, und der Leiterin Referat Frauenseelsorge und leitende Referentin kfd, Cilli Scholten, abgehalten und haben als Thema „Mit Gottes gutem Geist – die weibliche Seite Gottes“. Der Inhalt: feministische Theologie.60

Dies soll genügen, obwohl sich die Beispiele beliebig ausweiten ließen. Es ist jedoch für jeden Einsichtigen klar nachvollziehbar, daß mit Hilfe dieser Methoden, über Jahrzehnte angewandt, ganze Generationen von Frauen sich von der Lehre der Kirche weg auf ein feministisches Frauen- und Weltbild „umpolen“ ließen, und dies unter der offiziellen Leitung priesterlicher Präsides und mit dem Geld der Kirchensteuerzahler.

IV. Die Frau in der Kirche

Nach soviel Kritischem ist es sicher richtig und notwendig, zum Abschluß die eigentlichen Aufgaben der Frau in der Kirche darzustellen.

Voraussetzung für jede Art der Tätigkeit von Mann oder Frau ist die Anerkennung dessen, was wir an uns und in uns vorfinden. Niemand von uns hat sich z.B. seine Begabungen oder sein Geschlecht ausgesucht. Es ist eine Form des Gehorsams gegenüber dem Schöpfer, daß wir das, was er uns als „Ausstattung“ ins Leben mitgegeben hat, als Basis unserer Persönlichkeit und Identität akzeptieren.

Für uns als Frauen heißt das: Nur wir können „Mutter“ sein wie nur ein Mann „Vater“ sein kann. Mutterschaft ist ein nicht hoch genug anzusetzendes Geschenk Gottes, dessen Wert nicht nur im Biologischen besteht, sondern auch in allen geistigen Eigenschaften, die gerade Frauen zu dieser Aufgabe befähigen, etwas, was wir meist mit dem Begriff „Mütterlichkeit“ umschreiben. Es ist schon symptomatisch für das Selbstbild der Frau bei uns in Kirche und Gesellschaft, daß gerade die Zuschreibung von „Mütterlichkeit“ als veraltet und diskriminierend angesehen wird, obwohl beide Bereiche unter dem Mangel an Mütterlichkeit offenkundig bitter leiden.

Bevor „frau“ also anfängt, nach Macht und Einfluß zu streben, sollte sie zunächst ihre wahre frauliche Identität als „Mutter“, biologisch und geistig, finden und akzeptieren. Auch hier setzt die Gnade die Natur voraus. Biologisch und geistig Mutter der nachfolgenden Generationen aller an Christus Glaubenden in der Kirche zu sein und zu werden im Anschluß an das Vorbild der Mutter des Herrn, verlangt von jeder Frau den Einsatz all ihrer Kräfte, Begabungen und Möglichkeiten in selbstloser Nächstenliebe, in Frömmigkeit und Gebet, als Vorbild und Hilfe. Welch großen Anteil Frauen an der Evangelisierung der europäischen Völker hatten, welch große Werke geistiger und leiblicher Nächstenliebe Frauen auf dieser Basis in der Geschichte der Kirche hervorgebracht haben, davon kann sich jeder durch Lesen einer Kirchengeschichte überzeugen.

Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, daß man in diesem Zusammenhang dem gleichen Fehler verfällt, der Feministen die Grundlage ihrer aggressiven Forderungen liefert. Man darf Frauen nicht auf ihren Körper und ihre Berufung zur Mutterschaft reduzieren, d. h.nur auf ihre Gebärfähigkeit, vor allem darf man ihr nicht gesellschaftlich vorschreiben wollen, was für sie „ natürlich“ ist und was nicht, So hat man z.B.lange genug versucht, Frauen ausschließlich zu Müttern zu erziehen und hat sie daraufhin von jeder weiteren Art der Bildung ausgeschlossen, ohne ihre vielen übrigen angeborenen Qualitäten zu berücksichtigen. Die Gegenwehr gegen diese im angeblich „aufgeklärten“ Bürgertum kulminierenden Einstellungen führte im Feminismus zu einer dualistischen Haltung. Die Frau entfremdete sich von sich selbst und vom Mann. Es wäre dagegen angemessen zu akzeptieren, daß die menschliche Natur zwei komplementäre Erscheinungsformen hat mit gleicher Bedeutung und gleicher Würde: eben Mann und Frau. Hierauf fußt die Lehre der Kirche von der Gleichwertigkeit, aber Verschiedenartigkeit der Geschlechter. 61 Beiden Geschlechtern in der Kirche gemeinsam ist die gleiche Berufung, nämlich die zur Heiligkeit, und in diesem Kontext gilt vor Gott „weder Mann, noch Frau“, denn das Ziel ist dasselbe. Daß Gott die Vielfalt liebt, gerade auch in der Art, wie dieses Ziel erreicht wird, zeigt uns die Fülle der männlichen und weiblichen Heiligen.

Was aber die Widerlegung des feministischen Schreis nach priesterlicher Ordination angeht, möchte ich eine erfahrene Frau zu Wort kommen lassen, die dieses Problem in ihrem Leben nicht nur durchkämpft und durchlitten hat, sondern aus der Antwort, die sie fand, für sich selbst radikale Konsequenzen zu ziehen bereit war: Jennifer Ferrara, eine ehemalig lutherische Pastorin, die gemeinsam mit 14 weiteren Lutheranerinnen den Weg in die katholische Kirche fand, deshalb aber auf ihr Amt, das sie als „Weihe“ betrachtete, verzichten mußte.

Hier Teile aus einem Interview mit Zenit: Ausgangspunkt Ferraras als Lutheranerin war ursprünglich eine dezidiert feministische Position. Bereits während ihrer lutherisch-theologischen Ausbildung suchte sie in der hl. Schrift nach einer Rechtfertigung für ihren, wie sie damals noch annahm, „Weihestatus“ als lutherische „Priesterin“, fand sie aber nicht. Bei Luther fand sie nur die Vorstellung, „dass die männliche Vorherrschaft eine Frage des Naturgesetzes sei.“ Die Beschränkung der Weihe auf Männer sah Luther lediglich unter dem Gesichtspunkt des Aufrechterhaltens der kirchlichen Ordnung. Je näher Ferrara dann dem Katholizismus kam, desto mehr beschäftigte sie sich mit den Schriften Johannes Pauls II. und gewann dadurch folgende Einsichten: Papst Johannes Paul II. betrachtet das Maskuline und das Feminine nicht als Akzidentien, also Attribute des Menschen, das Geschlecht sei vielmehr grundlegender Bestandteil jeder Person. „Mann und Frau drücken beide den Menschen aus, aber sie tun dies auf unterschiedliche und komplementäre Weise“, so z. B. in der Art, wie sie Liebe zueinander ausdrücken. So ist z.B. „der Ehemann jener der liebt, während die Frau jene ist, die geliebt wird und im Gegenzug Liebe schenkt.“ - Jede Art Dienst von Männern und Frauen ist ebenfalls von ihren mütterlichen oder väterlichen Charaktereigenschaften geprägt, zunächst natürlich in der biologischen Elternschaft, aber auch im Ordensleben oder im Priesterberuf. „Das bedeutet, daß der römisch-katholische Priester nicht nur einfach eine Vaterfigur ist: er ist ein spiritueller Vater.“ - „Mutter und Vater sind nicht austauschbar. Frauen sind keine Männer, daher können sie genauso wenig Priester sein, wie sie im physischen Sinn Vater sein können. Wenn Frauen in die Rolle des Priesters schlüpfen können, dann ist das Priestertum nicht mehr eines der Vaterschaft. ... In der katholischen Kirche handelt der Priester 'in persona Christi'. Christus ist der Bräutigam, die Kirche seine Braut. ... Nach dem katholischen Verständnis des Priesteramtes vertritt der Priester Christus selbst, den Schöpfer des Neuen Bundes, den Bräutigam und das Haupt der Kirche. ... Man muß schon zutiefst die Bedeutung des bräutlichen Mysteriums für die Ökonomie des Heils mißachten, um ein Argument für die Weihe von Frauen zu finden. Wenn die Kirche Frauen weihen würde, ginge das gesamte Verständnis der Bedeutung des Femininen und Maskulinen im Wirken unserer Erlösung verloren. ... Als ich das wirklich erkannte, war es für mich relativ leicht, meine Weihe aufzugeben und die Position der Kirche anzunehmen.“ - Jennifer Ferrara äußert sich auch zu dem, was sie als die eigentliche Rolle der Frau in der Kirche erkannt hat. Sie sagt, bezogen auf die Folgen der Verweigerung der Frauenweihe in der Kirche: „ Es ist nicht die Frage, 'welche Rolle Frauen bleibt', sondern es geht darum, dass Frauen ihre eigene Rolle annehmen. Es hat in der katholischen Kirche immer genug für Frauen zu tun gegeben.“ - „Obwohl viele protestantische Konfessionen Frauen weihen, erkennen sie nicht die Bedeutung des Femininen – Mutter Kirche, verkörpert in Maria – in Gottes Heilsplan an.“ - Die protestantischen Kirchen seien „absolut männlich.“ Und zum psychologischen Hintergrund des feministischen Anspruchs äußert sie: „Im Allgemeinen reiben sich moderne Menschen an direkter Autorität, weil sie erwarten, dass das Außenleben einer Institution einen Dienst am psychologischen Innenleben von Individuen leisten soll. Wenn Frauen also Priester werden wollen und behaupten, Schmerz zu verspüren, weil sie nicht Priester sind, wird ganz automatisch gefolgert, dass sie Priester werden sollten. In Wahrheit aber verwenden Frauen, die auf ihrer priesterlichen Berufung bestehen und ihren Schmerz als Beweis für einen echten inneren Ruf von Gott betrachten, eine wechselnde Politik des Schmerzes und nicht die katholische Theologie, um ihre Erfahrungen zu erklären. Wenn sie sich wirklich leer machen und auf ihren eigenen Willen im Namen Gottes und der Kirche verzichten wollen, dann werden sie zahllose Möglichkeiten des Dienstes finden. ... Die Lehre von Johannes Paul II. erklärt die Wirklichkeit. ... Wenn Sie Menschen dazu bringen können, die einfache Prämisse anzuerkennen, dass Männer und Frauen – obwohl gleich an Würde und Bedeutung – unterschiedlich sind, dann können Sie beginnen, darüber zu reden, was das für die Rolle bedeutet, die sie spielen. ... Jene von uns, die sich gegen die Ordination von Frauen stellen, dürfen es sich nicht erlauben, in die Defensive gedrängt zu werden. Wir müssen uns für unsere Haltung nicht entschuldigen. Die beste Weise, der Bewegung für die Frauenweihe entgegenzutreten, ist es, die Lehre der Kirche in einem positiven Licht darzustellen. Wir heben den Stellenwert der Frauen nicht, indem wir sie überzeugen, dass sie Männer sein müssen. Obwohl Frauen für die meisten Jobs, die traditionellerweise von Männern ausgefüllt werden, zugelassen werden können und sollen – und so eine weibliche Empfindsamkeit dorthin bringen – können sie nicht und werden sie niemals biologische und spirituelle Väter sein. Jene, die auf dem Gegenteil bestehen, leugnen das, was edel und heilig daran ist, Frauen und Mütter – biologisch wie spirituell – zu sein im Plan, mit dem Gott seine Schöpfung erlösen möchte. Die katholische Kirche ist eine der wenigen Institutionen, vielleicht die einzige, die es in der Welt noch gibt, welche die Bedeutung des Weiblichen nicht nur für das ordentliche Funktionieren der Gesellschaft, sondern auch für unser Heil anerkennt. Wir müssen bereit sein, genau dies zu sagen.“62

1vgl. Lübecker Nachrichten, „Ketzerei!“ Lübecks Bischöfe im Bibelkampf, In-online/lokales vom 16.02.2007

2aus:Andreas Schönberger, Frauen und Liturgie, Una Voce-Korrespondenz 1989/4, S.28f Zitate nach ebd.

3ebd. S. 32f

4Dokumentation der 2. Frauenkonfernz, 27.9.1997 (vgl.S. 4)

5ebd. s.S.2

6ebd. s.S. 5

7ebd. s.S.17)

8ebd, s.S.21f

9ebd. s.S. 23, Hervorh. i. Original

10ebd. s.S.28, Hervorh. d. V.

11ebd. s.S.28/29

12ebd. s.S.30; Hervorh.i.O.

13ebd. s.S.32; Hervorh.i.O.

14ebd. s.S.45

15ebd. s.S. 46

16Pressedienst des Bistums Münster, 54.Jg./Nr.40 vom 30.09.04, S.10

17Pressedienst des Bistums Münster 56.Jg./Nr. 39, 27.September 2006, S. 8

18aus dem Flugblatt des Vereins „Maria von Magdala Initiative Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche e.V.

19ebd. Hervorh.i.O.

20Beilage des Diözesanverbandes kfd-Trier zur Zeitschrift frau u mutter vom Oktober 2001

21Ida Raming, Greven, Westfalen, Ungenutzte Chancen für Frauen im Kirchenrecht; in: Orientierung Nr. 6, 58.Jg.Zürich 31.März 1994, S.70

22vgl. frau und mutter 9/1997, S. 22 unter „Konkreter Schritt“

23Voß-Goldstein, Heisses Eisen oder kalter Kaffee?, a.a.O. S. 22

24Zitate nach dem Originalbeschlußvorschlag

25vgl. http://www.bistum-augsburg.de

26vgl. http://religion.orf.at/projekt03/news

27vgl. http://www.mykath.de/lofiversion

28Katechetische Blätter 113.Jg 1988, Heft 12 Dezember, Inhaltsverzeichnis bzw. Wuckelt, S. 854ff

29vgl. Horst E. Miers, Lexikon des Geheimwissens, Goldmann1993, Sichworte Kreis, Punkt im Kreis, Logos

30„angebote für frauen“ 2007, hrsg. Referat Frauenseelsorge des Bistums Münster/ kfd im Bistum Münster, vgl.S. 125

31ebd. S. 126

32ebd. S. 138

33vgl. J.C. Cooper, Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole, Stichwort Mandala

34vgl. Miers a.a.O., Stichwort Mandala

35vgl. Copper a.a.O. Stichwort Labyrinth

36charisma, S.5

37ebd. S. 11

38 Zeitschrift frau und mutter vom September 2004, s.S.10f

39vgl. dazu: Pachtler, Der stille Krieg gegen Thron und Altar, Herder Freiburg 1873, Ss. 118ff

40„angebote für frauen“, Münster 2007, S.53

41Helmut Werner, Lexikon der Esoterik, fourier 1991, S.198, Stichwort Eutonie

42vgl. dazu: angebote für frauen, Jahresprogramm 2007 des Referates Frauenseelsorge/-bildung im Bischöflichen Generalvikariat und der kfd Diözesanverband Münster, besonders in den Bereichen 3 und 5 des Inhaltsverzeichnisses

43Michael M. Weber, Psychotechniken – die geheimen Verführer, S.53

44ebd. S. 176

45Herausgeber kfd-Zentralverband, S. 3.

46vgl. ebd.

47„Impulse 87“ der kfd, vgl.S. 7

48ebd. S.8

49ebd. S. 11

50ebd. S. 6

51ebd.

52vgl. Hauke, Gott oder Göttin, MM Verlag S. 188ff

53Impulse 87, vgl. S. 12

54ebd. S. 12ff

55Leitlinien 99, S. 8 vgl.

56Impulse 87, vgl. S. 15; 20f

57a.a.O.S.25

58Michael M. Weber, Psychotechniken – die neuen Verführer, Christiana Verl Stein a. Rhein, S.222f

59angebote für frauen 2007, Hrsg, Referat Frauenseelsorge GV Münster, kfd Münster, S.28, S. 32ff

60ebd. S. 109

61vgl. dazu: Michelle Schumacher, Interview in zenit vom 8. März 2007

62vgl. und Zitate aus: Zenit ZG04062810 Teil I vom 28.6. 04 und ZG04063007 Teil 2 vom 30.6.04: Ehemalige lutherische Pastorin über die Weihe von Frauen

© Gertrud Dörner, 2007

Auswirkungen auf Menschenbild, Familie, Erziehung

1. Teil: Theoretische Grundlagen

a) Einführung

Jeder wissenschaftlichen Forschung liegt eine spezifische Fragestellung, Hypothese genannt, voraus. Sie entsteht aufgrund theoriegeleiteter Annahmen über einen Sachverhalt, der der Erklärung bedarf. Die Methoden, die zu ihrer Untersuchung angewandt werden, sind, grob gesagt, Induktion und Deduktion. Deduktion schließt das jeweils Besondere aus dem Allgemeinen, Induktion dagegen geht vom Besonderen aus und schließt von ihm aus auf das Allgemeine. Ziel dieses Verfahrens ist der „methodisch vorgenommene Versuch der Erkenntnisgewinnung“1, d.h. Verifikation oder Falsifikation des hypothetischen Ansatzes. Das Ergebnis ist damit von jedem überprüfbar und muß sich unter gleichen Bedingungen in gleicher Weise wiederholen lassen.

Notwendige Voraussetzung jeder Wissenschaft, die in der zuvor angerissenen Weise Erkenntnis erstrebt, ist die Annahme, daß es eine objektive Wirklichkeit außerhalb des subjektiven Erlebens gibt. „Ziel wissenschaftlicher Arbeit ist die Erarbeitung eines Systems objektiver Sätze, die diese Wirklichkeit abbilden. Der Begriff der Objektivität beinhaltet die Grundannahme einer nicht subjektiven Realität. Objektive Aussagen sind Sätze, die ´vom jeweiligen Wissenschaftler unabhängig´ ...sind.“2 Die Gültigkeit und Anwendbarkeit all dieser Erkenntnisse ist abhängig von ihrer Übereinstimmung mit der objektiven Realität, sie müssen „wahr“ sein auf der Grundlage von Wenn-dann-Beziehungen und der Logik, sonst können sie nichts erklären und auf ihrer Grundlage ist nichts vorhersagbar.

Warum nun diese theoretische Einführung? Sie enthält ja nichts Neues. Sie gibt die Auffassung von wissenschaftlicher Arbeit und Erkenntnisgewinnung wieder, wie sie unserem abendländisch-christlich orientierten Denken zugrunde liegt. Wir alle leben täglich mit dem überwältigenden Erfolg. Notwendig ist diese Einführung aber, um deutlich zu machen, welch ein Umbruch sich in diesem Bereich durch das abspielt, was sich „Systemtheorie“ nennt.

b) Wissenschaftsauffassung der Systemtheorie

Die Systemtheoretiker - zu nennen wäre hier vor allem Paul Watzlawick , der Begründer des sogenannten „Konstruktivismus“, - beziehen zu allen zuvor beschriebenen wissenschaftlichen Grundannahmen radikale Gegenpositionen. „Wirklichkeit“ ist für sie keine objektiv gegebene Realität, die traditionellen Forschungsmethoden werden abgelehnt, ebenso das Wenn-dann-Prinzip. Geprägt ist die systemtheoretische Wissenschaftsauffassung durch den extremen „Konstruktivismus“. Dazu sagt Watzlawick, der Begründer: „In seinem reinen radikalen Sinn ist der Konstruktivismus unvereinbar mit dem traditionellen Denken. So verschieden auch die meisten philosophischen, wissenschftlichen, gesellschaftlichen und individuellen Weltbilder untereinander sein mögen, eines haben sie dennoch gemeinsam: die Annahmen, daß eine wirkliche Wirklichkeit nicht nur besteht, sondern daß sie von gewissen Theorien, Ideologien oder persönlichen Überzeugungen klarer erfaßt wird als von anderen.“3 Hier zeigt sich neben der Ablehnung einer „realen Wirklichkeit“ auch die Verneinung der objektiven Erkenntnisgewinnung durch Wissenschaft. „Mit der Ablehnung der Wissenschaft als bessere Form der Erkenntnisgewinnung bezieht Watzlawick und mit ihm die Systemtheorie einen relativistischen Standpunkt. Wissenschaft läßt sich in diesem Sinne von Nicht-Wissenschaft nicht mehr unterscheiden. ... Somit hebt Watzlawick den Wissenschaftsbegriff auf.“4 - „Systemtheoretische Forschung lehnt die Annahme einer objektiven, außerhalb des Subjekts bestehenden Wirklichkeit ab. Nach systemtheoretischer Auffassung ist das vermeintliche Erkennen von objektiver Wirklichkeit immer ein subjektives Erkennen. Nach Watzlawick (1994) kann der Mensch demnach nicht wissen, sondern im höchsten Fall glauben zu wissen. Wirklichkeit wird seiner Meinung nach nicht ge-funden, sondern er-funden. Wirklichkeit als subjektive Realität existiert also nur als Konstruktion von Menschen. Der Begriff Konstruktivismus, im Sinne des Konstruierens einer Wirklichkeit, macht diese Annahme als Kernthese Watzlawicks deutlich. ´Das vermeintlich Gefundene ist ein Erfundenes, dessen Erfinder sich des Aktes seiner Erfindung nicht bewußt ist, sondern sie als etwas von ihm Unabhängiges zu entdecken vermeint und zur Grundlage seines ´Wissens´ und daher auch seines Handelns macht.´5 Übereinstimmende Wirklichkeitsauffassungen sind nach Watzlawick auf Konsens beruhende Konstrukte. Gesellschaftliche, kulturelle Systeme bilden einen bestimmten Rahmen, in dem Realität als etwas ähnliches aufgefaßt wird. ´Die Wirklichkeit wird ja nicht vom einzelnen willkürlich und regellos konstruiert, sie ist eine Übereinkunft, das Produkt von Kommunikation.´6. Nach Watzlawick ist der Mensch zu keiner objektiven Erfassung der Wirklichkeit fähig, da es eine solche per se nicht gibt.“7

c) Forschungsmethoden der Systemtheorie

Da es nach dieser Auffassung keine Wirklichkeit an sich gibt, kann es logischerweise auch keine objektiv wahren Annahmen über die Wirklichkeit geben und keine Methoden, diese zu erfassen. Daraus folgt zunächst eine Relativierung von Theorien „Eine Theorie kann nie die Wirklichkeit perfekt abbilden, da es abstrakte Wirklichkeit nicht gibt, sondern nur Wirklichkeit in Beziehung auf den Beobachter.“8 - „Theorien sind demnach im besten Falle Instrumente zur Konstruktion eigener subjektiver Wirklichkeit. ... (Es kann) aufgrund dieser Annahme logischerweise auch kein objektives Kriterium zur Bewertung wissenschaftlicher Theorien (geben) . Nach systemtheoretischer Auffassung gibt es kein Merkmal der Unterscheidung von wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Theorien. Die einen sind so gut wie die anderen immer subjektiv Produkte des Beobachters. Wissenschaftliche Theorien sollen im Sinne der Systemtheorie Wirklichkeit handhabbarer machen. Sie dienen als Instrumente zur Wirklichkeitskonstruktion, müssen aber nicht ´wahr´ sein. ... Somit stellt die systemtheoretische Auffassung wissenschaftlicher Theorien eine instrumentalistische Wissenschaftsauffassung dar. Theorien ... dienen lediglich dazu beobachtete Sachverhalte in Beziehung zu setzen.“9

Induktion und Deduktion einschließlich ihrer immanenten Logik werden als Methoden abgelehnt, setzen sie doch eine objektiv erfaßbare Wirklichkeit, die Trennung von Beobachter und Beobachtungsobjekt, voraus. Dagegen vertreten die Systemtheoretiker die Auffassung, „der Beobachter bzw. Forscher sei immer schon selbst Teil des Systems und könne somit nicht ... vom einzelnen auf das Ganze schließen, müßte er dazu doch von außen den Sachverhalt betrachten können. Das Ziel wissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung sehen die Systemtheoretiker ... im Nachzeichnen bzw. Beschreiben von Organisationsprinzipien und Eigenschaften von Systemen. Willke bezeichnet dies auch als Suchprozeß. ´Dieser Suchprozeß (nach Organisationsprinzipien oder Eigenschaften) ist außerordentlich schwierig, weil in systemtheoretischer Perspektive sich die beiden traditonellen Suchprozesse - Induktion und Deduktion - als unzulänglich erweisen.`10"11

Als Methoden bieten die Systemtheoretiker die „unvoreingenommene“, also nicht theoriegeleitete Beobachtung an und die „neutrale Beschreibung“ des Beobachteten. Als „ unvoreingenommen“ gilt alles, was nach Meinung des Beobachters „Sinn macht“ - eine rein subjektive Kategorie - und was „paßt“, d.h. eine „Beobachtung mit Sinn“ darf nicht mit „realen Gegebenheiten kollidieren“, was einen logischen Bruch mit dem Vorherigen darstellt. Das Ziel: „In den moderaten Fällen von Therapie, Erkenntnisgewinnung, Organisationsentwicklung, Gesellschaftssteuerung etc. steht dagegen im Vordergrund, die Spielregeln des jeweiligen Systems so zu ändern, daß in einem kontrollierten Prozeß sich mit den Beobachtungskriterien des Systems dessen Identität, und mit der Identität dessen Beobachtungskriterien graduell ändern.´“12 Hierzu paßt die Methode der „neutralen Beschreibung“, die keinerlei Erklärung ist, sondern lediglich den Zweck hat „Wirklichkeit handhabbarer zu machen. ´Beschreibungen dienen der kommunikativen Bemächtigung des Beschriebenen. Mit einer Beschreibung oder Diagnose bringt der Beobachter seine Beobachtungen auf den Begriff und von da an übernehmen die Gesetzmäßigkeiten der Eigendynamik von Semantiken das Kommando.´... Mit Hilfe der Beschreibung bemächtigt sich der Beschreiber seiner eigenen Wirklichkeit, indem er durch das Beschreiben subjektive Wirklichkeit produziert ... Denn nach Willke sind Beschreibungen soziale Konstruktionen, ´in denen der Beschreibende unentrinnbar mit einbezogen ist und in denen er zuerst und vor allem seine eigene Welt reproduziert´... So dient auch das Beschreiben der Konstruktion von Wirklichkeit. Auch durch das Beschreiben läßt sich somit Wirklichkeit erschaffen und verändern.“13

Auch zum letzten traditionell-methodischen Ansatz, den Wenn-Dann-Zusammenhängen, die von den Systemtheoretikern mit linearen Kausalverbindungen gleichgesetzt werden, bieten die Systemtheoretiker ein Anti-Modell. Sie gehen von einer „Zirkularität der Zusammenhänge zwischen Sachverhalten“ aus. Nach dieser Vorstellung kann ein Sachverhalt zugleich Ursache und Wirkung sein, „da sich alle Teile eines Systems wechselseitig bedingen“. Als Beispiel führt Watzlawick die „selbsterfüllende Prophezeiung“ an, die als zukünftig Erwartetes die Gegenwart bestimmen könne,14 was sogar ein Aufgeben zeitlicher Reihenfolge bedeutet.

Zusammenfassend kann man also sagen, daß es sich bei der sog. Systemtheorie um einen Wissenschaftsrelativismus reinster Ausprägung handelt, dessen Grundlage die Leugnung objektiver Realität ist.

d) Theoretische Ansätze und Grundbegriffe der Systemtheorie

Innerhalb der Systemtheorie gibt es fünf verschiedene theoretische Ansätze, die ich im folgenden kurz skizzieren will. Sie enthalten auch die jeweiligen Kernbegriffe der Gesamttheorie.

Der Strukturbegriff ist der Kernbegriff des strukturell-funktionalen Ansatzes der Theorie. Er geht davon aus, daß alle sozialen Systeme dieselben Strukturen haben und sich aufgrund dieser Strukturen bilden. Dabei bilden die Strukturen das Innere des Systems, dieses selbst aber hat nach außen Grenzen. Hieraus ergibt sich als Forschungsfrage, welche Funktionen von Systemen erbracht werden müssen, damit deren Struktur und damit sie selbst erhalten bleiben. Die Strukturen werden nicht hinterfragt, sondern als gegeben vorausgesetzt.

Der system-funktionale Ansatz beschreibt Systeme als komplexe, anpassungsfähige Gesamtheiten, die ihre Struktur ändern oder ausbauen können, wenn die Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit und ihr Überleben dies erfordern. Der Unterschied zum vorherigen Ansatz besteht im Absehen von festen Strukturen in Systemen zugunsten ihrer Fähigkeit zur Veränderung, ansonsten seien sie nicht überlebensfähig.

Im funktional-strukturellen Ansatz steht die Frage nach der Funktion von Systemen im Zentrum, dem alles andere nachgeordnet wird.

Die Entwicklung sozialer Systeme steht im Mittelpunkt des funktional-genetischen Ansatzes. Auch hier steht der Funktionsbegriff im Mittelpunkt , und die Annahme lautet, daß sich „Systeme bilden, weil sie Funktionen zur Befriedigung verschiedener Bedürfnisse erfüllen.“ Das bedeutet, Systeme haben in sich keinen Wert und keine Bedeutung, sie stehen immer in einem Funktionszusammenhang, sind also stets Mittel zum Zweck.

Als letztes ist noch zu erwähnen die Theorie selbstreferentieller Systeme, d.h. diese können sich selbst steuern und nach systemimmanenten Bedingungen reproduzieren. Insofern stellen sie eine Ganzheit dar, die in ihrer Tiefenstruktur in sich geschlossen und unabhängig ist und duch Autopoiesis - Selbststeuerung und Selbstreproduktion - Selbstheilungskräfte enthält, die eine Homöostase, ein Fließgleichgewicht, gegenüber der Umwelt erhalten bzw. wiederherstellen können

Konflikte entstehen nun innerhalb der Systeme, etwa dadurch, daß Funktionen nicht angemessen erfüllt werden, oder aber durch die verschiedensten Einflüsse von außen nach innen bzw. vice versa.15

Schlußfolgerungen

Aus dem bisher Dargestellten dürfte deutlich geworden sein: Es handelt sich bei dieser Theorie um den Versuch, mit vielen wissenschaftlich anmutenden Begriffen die schlichte Tatsache zu bemänteln, daß es sich hierbei um die Auflösung unseres abendländisch-kultürlichen Denkens und der darauf beruhenden Wissenschaft handelt. Nicht umsonst sprechen die Systemtheoretiker offen von ihrem relativistischen Ansatz als dem „Paradigmenwechsel“ in der Wissenschaft, wobei darunter zu verstehen ist „die Gesamtheit der Grundannahmen, Vorstellungen und Gesetze, die in einer bestimmten Forschungsrichtung explizit vertreten werden“.16 An die Stelle des handelndenden und denkenden Menschen tritt „das System“ in Personifikation, dem die Vollzüge, die eigentlich dem Menschen als Individuum zukommen, zugeordnet werden: Zielgerichtetheit von Strategien, die Eigenschaft der Umweltoffenheit, Kontingenz genannt, die u.a. Konflikte verursachen kann, die Möglichkeit, variabel zu handeln und zu reagieren. „Die Strategien, die ein System verfolgt, sind zielgerichteter Natur. Durch dieses zielgerichtete Handeln hat das System die Möglichkeit seine Umwelt zu verändern. Systemtheoretiker sprechen in diesem Zusammenhang davon, daß Systeme durch Handeln Wirklichkeit produzieren. Im Sinne der Systemtheorie wird Wirklichkeit also durch zielgerichtetes Handeln geschaffen. Willke spricht in diesem Zusammenhang von der Produktion von Wirklichkeit durch Handeln ... Diese Umweltoffenheit, bzw. das zielgerichtete Handeln sozialer Systeme, ist nach Willke aber nicht beliebig. Sie erfährt Beschränkung durch religiöse Deutungssysteme, Gesetze, Normen etc., dies sind nach Willke jedoch alles Setzungen des Menschen“.17 Systeme entstehen durch „Sinn“ und erzeugen „Sinn“, sie bestehen aber nicht aus konkreten Personen, sondern aus Kommunikationen, so daß die Systembildung bei Atomen oder Amöben grundsätzlich mit der beim Menschen übereinstimmt. Die „Bildung sozialer Systeme ist kein bewußter Entscheidungsprozeß“.18 Die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen nennt man „ökologischer Übergang“, die Entwicklung innerhalb eines Systems, die als diskontinuierlich gesehen wird, heißt „Kalibrierung“.19 Weiteres an „pseudo-wissenschaftlichem Imponierjargon“ (Brezinka) ließe sich reichlich hinzuzufügen.

Was aber bedeutet das alles konkret für die Auffassung vom Menschen? Hierauf soll zunächst eingegangen werden, und anschließend auf die Auswirkungen am Beispiel der Erziehung und der Familieals Institution.

2. Teil: Auswirkungen auf das Menschenbild

a) Das traditionelle Menschenbild

Das Menschenbild der christlich-abendländischen Tradition ist die Vorstellung vom Menschen als „Person“l. Ausgehend von der christlichen Grundannahme von der Individualität der Seele, von Gott selbst geschaffen und gewollt, ist jeder Mensch einzigartig. Er lebt mit dem Bewußtsein seiner selbst, dem Ichbewußtsein. „Dieses Ich ist nach Augustinus keine Ansammlung von Fähigkeiten oder Funktionen, es ist kein Bündel von Vorstellungen, Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen, sondern steht ... über seinen Handlungen“.20 So kann Augustinus sagen: „Ich bin es, der durch das Gedächtnis sich erinnert, ich bin es, der durch den Intellekt denkt, ich bin es, der durch die Liebe liebt. Ich bin nämlich nicht das Gedächtnis, ich bin nicht der Verstand, ich bin nicht die Liebe, sondern ich habe sie.“21Das Ich ist also eigenständig und mehr als die Summe seiner Teile, es ist individuell und die Grundlage der Identität der Person, unabhängig von zeitlichen Veränderungen. Es besitzt schöpferische Kraft, Eigenaktivität und die Möglichkeit, für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen.22 Aus dieser personalen Struktur des Menschen, die durch die zuvor beschriebenen Eigenschaften charakterisiert ist, leitet sich der Eigenwert der Person ab und ihre ihr eigene Würde, die es nicht zuläßt, sie als Mittel zum Zweck zu benutzen. Sie ist sich selbst Zweck. „Diesen Selbstzweck der Person negieren heißt nach Kant die Person als Person negieren.“23 Aus diesem in Kern und Ursprung christlichen Ansatz entwickelte sich die Lehre vom Naturrecht, die dem Menschen unveräußerliche Rechte zuschreibt.24 „Das Naturrecht ist die Ordnung der in der menschlichen Natur mit ihren Eigenverantwortlichkeiten begründeten einzelmenschlichen und gesellschaftlichen Eigenzuständigkeiten.“25 Diese personale Auffassung vom Menschen ist Grundlage unseres Grundgesetzes, sie bildet die Grundlage der Menschenrechte und damit für den Schutz des einzelnen als Person, ist die Basis jeden demokratischen Staates. „Würde und Personalität stellen im Sinne des Grundgesetzes absolute Normen dar. ... Mehrheiten können nicht über diese Grundwerte entscheiden, denn über absolute Normen kann nicht abgestimmt werden. Würde wird einem nicht verliehen, die hat man, Elternrecht wird einem nicht gewährt, Elternrecht besitzt man. Mehrheiten und Konsens sind keine Argumente, wenn es sich um absolute Werte handelt. Hier unterscheidet sich der demokratische Verfassungsstaat von der Diktatur, in der die Grundrechte des Menschen der Beliebigkeit preisgegeben werden.“26

b) Das Menschenbild der Systemtheorie

Grundannahme dieser Theorie ist, daß der Mensch nie an sich betrachtet werden kann, sondern immer nur als Teil eines sozialen Systems, in dem das Individuum keine feste Größe ist, sondern geprägt von diesem sozialen System und seinen Umweltbedingungen. D.h. die Systemtheorie hat keine personale Auffassung vom Menschen. Sie grenzt sich sogar entschieden von dieser traditionellen Betrachtungsweise des Menschen ab und blendet den Menschen als Person bewußt aus. „Grundlage einer solchen Konstruktion ist die Annahme, daß soziale Systeme nicht aus einer Ansammlung von Menschen bestehen, sondern aus dem Prozessieren von Kommunikationen. ... nur eine radikale Soziologisierung - und damit Entpersönlichung - sozialer Systeme ist geeignet, deren Besonderheit und Eigengesetzlichkeit so zu fassen, daß das Soziale nicht zur bloßen Aggregation biologischer und psychischer Momente gerät.“27, so Willke. Begriffe wie Selbst, Ich, Person werden abgewertet und als „mythologisches Wesen“ bezeichnet. „In meiner Epistemologie zeigt sich der Begriff des Selbst gleich anderen künstlichen Setzungen, welche Systeme oder Teile vom System abgrenzen, als Merkmal einer gegebenen Kultur - und keinesfalls als etwas zu vernachlässigendes, da solche kleinen epistemologischen Ungeheuer immer die Tendenz haben, zu Kristallisationspunkten von Pathologie zu werden.“28

Der Mensch ist in der Betrachtung der Systemtheorie das Produkt seiner Umgebung. So besteht z.B. „Identität“ nur als etwas, was dem Menschen aus seiner sozialen Umwelt zugeschrieben wird. „Die Identität eines Dings, einer Person oder einer Organisation ist nicht einfach da, sondern sie existiert nur für einen Beobachter, der diese Identität als solche betrachtet.!“29 Identität wechselt also mit dem Beobachter, ist nichts Feststehendes. Der tatsächliche Begriffsinhalt ist damit in sein Gegenteil verkehrt worden. „Das Fließende, Wandelbare, was Person im Sinne der Systemtheorie ausmacht, ergibt sich aus der Annahme, daß der Mensch als psychisches System gleich anderen Systemen strukturiert ist. Er ist der Black-box vergleichbar, die ein Input und Output besitzt und so in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt steht.“30 Durch diese Wechselwirkung wirkt der Mensch auf seine Umwelt und diese auf ihn ein, wobei beide im Prinzip gleiche Systemstrukturen aufweisen. „In ihren Strukturen sind Mensch und Amöbe gleich, sie bilden nur verschiedene Organisationsstufen von Systemen.“31 Der Mensch ist also nichts Besonderes, kann demnach weder Würde noch unveräußerliche Rechte besitzen. Er ist Funktionsträger in einem System. „Als Funktionsträger hat er Teil an der Kommunikation eines Systems, nimmt er eine soziale Rolle ein. Der Mensch hat, wie auch eine Amöbe, Bedürfnisse, die von anderen Rollenträgern erfüllt werden sollen. Er wiederum befriedigt die Bedürfnisse anderer. In einem gewissen Sinn muß er sich so selbst beschränken, um anderen Bedürfnisbefriedigung zu verschaffen. (... Es gibt) keinen Altruismus, vielmehr eine langfristige rationale Kosten-Nutzen-Rechnung, die den Menschen dazu bewegt kurzfristig etwas für einen anderen zu tun. Der Mensch stellt in dieser Betrachtungsweise kein Naturwesen dar, das ... soziale Bedürfnisse und Fähigkeiten mitbringt, sondern soziale Bedürfnisse sind sekundärer Natur und dienen der Befriedigung anderer existentieller Bedürfnisse. Er ist sich und anderen nicht Selbstzweck, vielmehr Mittel zum Zweck.“32

3. Teil: Auswirkungen auf den Familienbegriff und die Erziehung

a) Die traditionelle Auffassung von Familie

Die Familie hat in der naturrechtlichen Auffassung des abendländischen Denkens einen Selbstzweck und damit Eigenwert, der sich nicht in ihrem Nutzen für andere z.B. die Gesellschaft erschöpft. Sie zeichnet sich aus durch die dauerhafte Bindung zwischen Eltern und Kindern als notwendige Voraussetzung für die gesunde Entwicklung der Kinder, für Vertrauen und Bindungsfähigkeit, die die Grundlage für eine positive Lebenseinstellung und ein gelingendes Leben sind. „Von größter Bedeutung ist die Stabilität der Familie, ihre Überschaubarkeit und die Einbindung aller Mitglieder in diese gefühlsbetonte Gemeinschaft. In der Familie stehen nicht einzelne Aspekte der Person - wie z.B. ihr Berufsleben - im Mittelpunkt, sondern der Mensch wird in seiner Gesamtheit angenommen: Der Mensch wird als Person einbezogen und nicht zum Funktionsträger degradiert.“33

Auf dieser Grundlage ist auch eine der wesentlichen Aufgaben der Familie, die Erziehung der nachfolgenden Generation, zu sehen. „Individualerziehung wie Erziehung überhaupt ... sehen den Menschen in erster Linie in seiner Menschlichkeit. Diese Menschlichkeit besteht in der Personalität des Menschen. Die Sozialisation dagegen sieht den Menschen vorrangig als Gesellschaftswesen. Das ist der Mensch sicherlich auch, aber das Soziale allein macht nicht seine Menschlichkeit aus. Soziales Verhalten findet man auch bei Tieren.“ So ist der Mensch nicht nur Träger sozialer Rollen.„Selbst wenn er alle diese ´Rollen´ durch Krankheit verlieren würde, so hat er, solange er lebt, kraft seiner Personalität immer noch seine eigene ´Rolle´ , nämlich die, ein einmaliger Mensch zu sein. Die Personalität muß also immer den Vorrang haben, damit die Menschlichkeit nicht verloren geht.“34

b) Systemtheorie und Familie

Für die Systemtheorie ist die Familie ein soziales System wie alle anderen, d.h. sie hat keinen besonderen Wert und auch keine besondere Bedeutung gegenüber anderen Systemen. Ihr Sinnzusammenhang ergibt sich lediglich aus ihren Funktionen. „Die Familie besteht in systemtheoretischer Sicht nicht aus Personen, sondern aus alltäglicher Interaktion, Kommunikation, und einem gemeinsamen Selbst- und Zusammengehörigkeitsverständnis.“ - „Der Kommunikationsbegriff ist in der systemtheoretischen Familiensoziologie aktuell geblieben: für die selbstreferentielle Systemtheorie besteht Familie, wie jedes soziale System, aus Kommunikation und nur aus Kommunikation, nicht aus Menschen und auch nicht aus Beziehungen zwischen Menschen.“35 Die systemtheoretische Betrachtung der Familie beschränkt sich also auf die „Art der Organisation ihrer wechselseitigen Verknüpfung, die den Ablauf regelhafter Prozesse bekommen“36. Die Personen, die die Familie bilden, finden kein Interesse. Entsprechend wird die Familie nur als „Funktionszusammenhang“ gesehen, der „existentielle Bedürfnisse von Personen befriedigt, dies hält Familie zusammen. Familie ist eine funktionale Einheit mit einem gemeinsamen Ziel.“37 Wie das praktisch verstanden wird, als Beispiel die Konsequenzen für ein Paar aus der Geburt eines Kindes: „Die Zeitstruktur wird geändert, die Rangordnung der Bedürfnisse, die befriedigt werden, verschiebt sich. Auf welche Weise das geschieht, hängt wieder von den Wertsystemen, eben den Landkarten der Betroffenen ab. In dieser Phase ist es wahrscheinlich sehr funktional, wenn eine symbiotische Mutter-Kind-Beziehung entsteht.“38

Da die Familie als „fließendes System“ gesehen wird, ist Veränderung erwünscht, Konflikte sind „Chancen“. Beharren auf dem „status quo“ des „Systems“ führt dagen zur „Symptombildung“, macht also die Mitglieder krank. Für einige der Systemtheoretiker ist Ehe als Grundlage der Familie nicht mehr relevant, ebensowenig die Geschlechtsdifferenzierung.39 „Auf der Ebene des Familienalltags bedeutet dies, daß die Triadenfamilie (Vater, Mutter, Kind) zunehmend störanfällig und verletzlich wird und die Gefahr birgt; eine`Sackgasse der Beziehung´ zu werden, aus der Kinder nicht unbeschadet herausgelangen.“ - „Im Sinne der Systemtheorie ist eine Öffnung der Familie anzustreben, durch die familiäre Ressourcen Unterstützung von außen erfahren. diese Unterstützungen werden als soziales Netzwerk beschrieben. ´´40Die Ausweitung des sozialen Netzwerkes vervielfacht die möglichen Zweier- und Dreierbeziehungskonstellationen.´´“41 Mutter und Vater sind nach dieser Vorstellung austauschbar, sind lediglich Funktionsträger. 42

Zusammengefaßt ergibt sich folgendes Familienverständnis: Nach systemtheoretischer Auffassung ist die Familie als struktureller Zusammenhang eine funktionale Einheit. Sie ist als „System“ ohne Eigenwert und Selbstzweck, keine natürliche Institution, sondern ein auf Konsens beruhendes Konstrukt.43 Das „ethische Leitmotiv“ der Systemtheorie nach Watzlaick und Willke: „Handle stets so, daß weitere Möglichkeiten entstehen“ bildet auch hier die Grundlage systemtheoretischen Handelns. „Es wird sich herausstellen, daß dies nicht das schlechteste Leitmotiv für Interventionen in komplexe, selbstreferentielle Systeme ist“44. Die Absicht liegt damit deutlich zutage.

c) Erziehung und ihre Voraussetzungen in der Systemtheorie

Grundlage jeder erfolgreichen Erziehung ist die verläßliche Bindung zwischen dem Erzieher und dem Educanden, zunächst und zuerst zwischen Eltern und Kind. „Bindung entsteht nicht aus einem aktuellen Kommunikationszusammenhang ... Die Kontinuität macht für Bowlby das Wesen einer sicheren Bindung aus. ´Um die Kontinuität der das Wesen einer sicheren Basis ausmachenden potentiellen Unterstützung sicherzustellen, müssen die Beziehungen zwischen den betreffenden Individuen über einen längeren Zeitraum, möglichst mehrere Jahre andauern.´45 Hiermit untermauert die Bindungstheorie mit ihren Forschungsergebnissen das Familienverständnis des Grundgesetzes, das Familie als dauerhafte, im Kern unauflösliche Einheit ansieht. Ginge es in der Familie lediglich um die Erfüllung eigener Bedürfnisse, wäre es gleichgültig für die Beziehung der Familienmitglieder untereinander, wie lange oder wie kurz sie andauert. Die Ergebnisse der Bindungsforschung sprechen jedoch dagegen. Bindung braucht Zeit und muß andauern. Dieses Andauern der Bindung erfährt das Kind als Verläßlichkeit. Aus dieser Verläßlichkeit wiederum kann eine Verbindlichkeit entstehen.“46

Betrachtet man dagegen die Familie als funktionalen Zusammenhang zum Zweck der eigenen Bedürfnisbefriedigung, wie es die Systemtheoretiker tun, ist genau der Tatbestand erfüllt, der nach Ulsamer die Hauptursache für das Auseinanderfallen der Familien ist. „Das Zunehmende Abdrängen von Kleinkindern in außerfamiliäre Betreuungseinrichtungen wirft ein ebenso bezeichnendes Licht auf die Einstellung zu Kindern in unserer Gesellschaft wie die Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche. Immer häufiger ist das Kind das schwächste Glied in der menschlichen Kette - und sie reißt. Die Selbstverwirklichung der Erwachsenen wird leichtfertig über die Gesundheit und das Lebensrecht des Kindes gestellt.“47 - „Wo eigene Bedürfnisbefriedigung und Selbstverwirklichung oberstes Gebot sind, da haben die existentiellen Rechte des anderen keinen Platz. Auch tiefe Bindungen müssen in einem solchen Modell dem Egoismus weichen, erfüllen sie nicht zufällig die eigenen Bedürfnisse. Ulsamer sieht einen Zusammenhang zwischen der Ablehnung der Verantwortung und der Bindungslosigkeit in vielen modernen Familien. (...) Ein Denken, welches dieser Entwicklung Vorschub leistet, ist nicht nur gefährlich, es widerspricht auch der Auffassung von Familie im Sinne des Grundgesetzes. Wo der Mensch nur als Mittel zum Zweck verstanden wird, zum Beispiel als Mittel zur eigenen Bedürfnisbefriedigung, da wird die fundamentale Verantwortung des einzelnen gegenüber dem Mitmenschen geleugnet.“48

Um trotz des systemtheoretischen Ansatzes die unleugbare Notwendigkeit von Erziehung aufrechterhalten zu können, unterscheidet z.B. Rotthaus zwischen dem „Inhalts“- und dem „Kommunikationsaspekt“ von Erziehung. Demgemäß macht nicht das, was getan wird, Erziehung aus, sondern die Absicht, mit der es getan wird. Gleiche Handlungen können also Erziehung sein und auch nicht sein. Die Wirkung spielt dabei keine Rolle. Als angeblich völlig neuer Gesichtspunkt wird eingebracht, daß in systemtheoretischer Sicht der „Zögling“ gleichfalls Handelnder ist und daß Erziehung aus dieser Sicht Interaktion ist zwischen Partnern, wenn auch ungleichen.49 Das Kind selbst wird als „zu erziehendes System“ aufgefaßt, dessen Gehirn als „autopoietisches System“ die Wirklichkeit selbst produziert.50 „ Das Nervensystem des Menschen operiert also nach der Logik seiner individuellen und strukturellen Bedingungen und nicht aufgrund äußerer Einflüsse. Diese Struktur ist das Ergebnis der individuellen Geschichte dieses Lebewesens und schließt seine persönlichen Wünsche, Absichten,Vorlieben, Abneigungen und Bestrebungen ein. Und es ist im Prinzip die Struktur, die bstimmt, welche äußeren Einflüsse Veränderungen auslösen und welche nicht ... Das Verhalten des Menschen realisiert sich aufgrund seiner autonomen Prozesse ... Eine Steuerung dieser autonomen Prozesse von außen ist nicht möglich.“51 Der Mensch als „komplexes selbstreferentielles System“ entwickelt „Lernmechanismen“ mit „umweltsensibler Aktivität des Systems“.52 Dieser Vorgang wird als „Selbstsozialisation“ bezeichnet.53 So ist zu verstehen, daß das Verhalten des Kindes als angeblich seiner „inneren Logik“ folgend in keiner Weise vom Erzieher zu bewerten ist als gut oder schlecht. Der Erzieher muß sich dieser Logik vielmehr anpassen, denn „aus der Sicht des Kindes gibt es kein falsches Verhalten“.54 Falls der Erzieher „Maßnahmen“ ergreift, müssen sie sich dieser „inneren Logik“ anschließen. Das Verhalten des Kindes entsteht aus diesen „autonomen inneren Prozessen“ und den „Umwelteinflüssen“, worunter man die „Regeln des Zusammenlebens“ versteht, die „durch Sprache tradiert“ werden.55 Hält sich der Erzieher nicht daran, „gefährdet Erziehung den kindlichen Selbstwert“56. Für die Schule bedeutet das z.B., daß es „kein falsches Wissen des Schülers“ gibt. „Alles, was er weiß, kann vielmehr als Ausgangspunkt für einen Entwicklungsprozeß dienen, in den dieses Vorwissen konstruktiv mit eingebaut wird. Das setzt aber voraus, daß der Lehrer in der Lage ist, sich selbst diesem Vorwissen zu öffnen, weil er bereit ist, den Schüler in seiner Lebenswirklichkeit ernst zu nehmen.“57 - „Das Beziehungsmuster vermittelt die Botschaft: Du weißt selbst, was für Dich ´richtig´, ´wichtig´ und ´gut´ ist, und ich als Pädagogin werde Dich, wenn Du danach fragst, mit meiner Konstruktion von Wirklichkeit, meinem Wissen unterstützen. Du bist so, wie Du bist, liebenswert und mußt Dich nicht verändern.“58

4. Teil: Auswirkungen der Systemtheorie auf Ethik und Moral

a) Die traditionelle Auffassung von Moral und Ethik

„Nach Spaemann zeichnet sich Ethik durch das Fragen nach der Realität aus: ´´Am Anfang aller Ethik, aller bewußten Fragen nach dem richtigen Leben, steht der Prozeß, in dem das Kind aus der Befangenheit in seine subjektive Empfindungswelt behutsam und zielstrebig an die Realität herangeführt wird, an die Wirklichkeit, die ohne uns ist, wie sie ist.´´59 ... Nach Spaemann ist es nicht nur bedeutsam, die Realität so zu erkennen, wie sie ist, sondern hinzu kommt noch die Forderung, sich nach ihr zu richten. ... (dies) stellt nach Spaemann überhaupt erst die Quelle von Glück und Freude dar. ´´Und Matthias Claudius schreibt an seinen Sohn Johannes: ´Die Wahrheit, mein lieber Sohn, richtet sich nicht nach uns, wir müssen uns nach ihr richten.´ Es kommt darauf an zu sehen, daß das nicht leider so ist, sondern zum Glück. Denn nur an einer Wirklichkeit, die uns Widerstand leistet, können wir unsere Kräfte entwickeln. Jede tiefere Freude im Leben aber hängt mit der Entwicklung von Kräften und Fähigkeiten zusammen.´´ (...) ´´Wir wollen nämlich Realität. Wir wollen, wenn wir nicht gerade krank oder süchtig sind, keine illusionäre Euphorie, sondern ein Glück, das auf Kontakt mit der Wirklichkeit beruht.´´“60

Die radikale Soziologisierung und Entpersönlichung des Menschen enthält ein weiteres überaus relevantes ethisches Problem.61 Ethik heißt primär, Anerkennung dessen „daß jeder Mensch um seiner selbst willen Achtung verdient.“62 - „Es gibt jedoch bestimmte Handlungsweisen, die ohne Ansehen der Umstände immer und überall schlecht sind, weil durch sie unmittelbar der Selbstzweckcharakter, die Würde der Person negiert wird. (...) Darum sagt Kant, der Mensch habe keinen Wert, sondern eine Würde. Denn jeder Wert ist kommensurabel, er kann in eine vergleichende Berechnung eingehen. ´Würde´ dagegen nennen wir jene Eigenschaft, aufgrund deren ein Wesen aus jeder abwägenden Berechnung ausscheidet, weil es selbst Maßstab der Berechnung ist. Die Würde des Menschen hängt damit zusammen, daß er ... schon selbst eine Totalität von Sinn ist, selbst schon das Allgemeine.´´ (...) ´´Das Gewissen ist die Gegenwart eines absoluten Gesichtspunktes in einem endlichen Wesen; die Verankerung dieses Gesichtspunktes in seiner emotionalen Struktur. Weil dadurch im einzelnen Menschen selbst schon das Allgemeine, das Objektive, das Absolute gegenwärtig ist, darum sprechen wir von der Würde des Menschen und aus keinem anderen Grunde.´´63 Setzt man den Menschen mit einer Funktionseinheit gleich, läßt sich sein Wert an den Funktionen messen, die er für andere erfüllt. Der alte und kranke Mensch würde nicht um seiner selbst willen geliebt und geachtet, sondern als nicht mehr brauchbar und damit unwert für andere angesehen. Die Konsequenz einer solchen Auffassung wäre die Möglichkeit der Unterscheidung zwischen wertem und unwertem Leben. ... Durch die funktionale Betrachtungsweise in der Systemtheorie wird die Verantwortung des Menschen, die er gegenüber seinen Mitmenschen besitzt, geleugnet. Das Problem der Verantwortung ist eng verknüpft mit dem Problem der Würde des Menschen. Denn Verantwortung haben heißt, die Würde des Menschen achten, ihn nicht als Mittel zum Zweck zu mißbrauchen. (...) Den Menschen als Person negieren heißt gleichzeitig, diese Verantwortung zu negieren. Verantwortung wird innerhalb der Systemtheorie durch ihren relativistischen Standpunkt geleugnet. Wird Verantwortung negiert, kann daraus nur gewissenloses Handeln folgen“ 64 - „Da wo das Absolute, das Normative oder Objektive negiert wird, wird die Frage nach der Ethik hinfällig. Wahrheit, Wissen, Gut und Böse wird damit der Beliebigkeit des Subjektiven preisgegeben. Innerhalb der Systemtheorie wird das Faktische zur Norm erhoben. Das, was durch subjektive Beobachtungsmethoden als Realität konstruiert wird, soll als das Normative gelten. Normativität als Frage des Sein-Sollen wird abgelehnt. Statt dessen wird das, was sich als subjektives Erscheinungsbild aus der Beobachtung ergibt, mit Realität gleichgesetzt. ´´Wer Faktizität mit Wirklichkeit/Realität gleichsetzt, verzichtet auf die ethische Dimension ... Diese Gleichsetzung wird dann bedenklich, ja gefährlich, wenn daraus Argumentationen oder gesellschaftliche Normentwicklungen abgeleitet werden.´´“65

b) Systemtheorie - Ethik und Moral

In völligem Gegensatz dazu steht die systemische Erziehung. Rotthaus unterscheidet zwischen „Moral“ und „Ethik“. Moralvorstellungen sind nach ihm stets abgeleitet aus Ideologien, „unabhängig davon, ob es sich um kommunistisch oder christlich geprägte oder aber anderweitig abgeleitete, beispielsweise vaterländisch orientierte Ideologien handelt.“ Fast alle „Greueltaten der Geschichte“ seien im Namen solcher „nicht hinterfragbaren Ideologien und ´Wahrheiten´“ begangen worden. Solche „Wahrheiten“ verleiteten den Menschen zur „Nichtübernahme persönlicher Verantwortung“.66 Es gebe keine „besseren“ oder „falschen“ Weltbilder, jede Moral impliziere die „Gefahr von Intoleranz und Verachtung“. Deshalb „müssen wir in der Zukunft den Verzicht auf alle moralischen Regeln wagen.“ Das bedeute zwar zunächst „sehr viel Unsicherheit“, aber jeder solle allein für sich entscheiden“ wie er zu denken und zu handeln hat. Er sagt folglich: ´Ich soll!´oder: ´Ich soll nicht!´, besser noch: ´Ich will!´oder: ´Ich will nicht!´ Dies ist der Ursprung der Ethik.“67 Zur Erläuterung dessen, was mit dieser „Ethik“ gemeint sein soll, greift Rotthaus auf die „Goldene Regel“ zurück, die die Grundlage zu einer „Erklärung zum Weltethos“ durch ein „Parlament der Weltreligionen“ im September 1993 in Chicago bildete.68 Als Modell der „ethischen Orientierung in der Erziehung“ dient Rotthaus die „Stufenfolge der moralischen Entwicklung nach Kohlberg“69, dessen höchste Stufe, die „prinzipiengeleitete, d.h. ethisch orientierte, moralische“ möglichst früh „eingeführt“ werden soll.70 Hierzu ist einzuwenden, daß es sich bei dem Modell Kohlbergs entwicklungspsychologisch um Reifungsstufen handelt, die nicht beliebig übersprungen werden können. Aufschlußreich ist dabei die folgende Handlungsanweisung: „Die Gefahr der Überforderung ist dabei gering, solange die ErzieherIn bereit ist, beim jungen Kind stellvertretend zu urteilen. (...) Die ErzieherIn, die sich am Diskursprinzip orientiert, unterstellt gleichsam die Autonomie möglicher Verantwortungsübernahme in verschiedenen Situationen und zugleich damit die Autonomie kindlicher praktischer Vernunft. ...Die ErzieherIn tut so, als ob ... das Kind schon in der Lage wäre, prinzipiengeleitet zu urteilen. ... sie nimmt an, daß das Kind verantwortlich und gerecht nach einer Lösung sucht, die auch für den anderen richtig ist. Sie unterstellt, daß es als autonome Person mitreden kann (und soll) und daß eine Entscheidung, wie hart sie auch sein mag, von ihm eingesehen werden kann. Erziehung als Diskurs schließt Indoktrination aus.“71 - Aber was ist dieses „So-tun-als-ob“ ohne wirkliche Einsicht anderes?

c) Erziehungsziele der Systemtheoretiker

Ausgehend vom bereits dargestellten Grundaxiom, daß es keine objektive Wirklichkeit gibt - „Die Anrufung der Objektivität ist gleichbedeutend mit der Abschaffung persönlicher Verantwortung“72 - gibt es auch keine „wirkliche Wirklichkeit“. - „Das heißt: Grundsätzlich ist von einer Vielfalt der Wirklichkeiten auszugehen. Sie werden im Diskurs der Erkennenden untereinander abgestimmt und angeglichen, damit Kommunikation und Miteinander-Leben überhaupt möglich ist. Es ist dadurch eine gemeinsame Wirklichkeitskonstruktion entstanden ...“73 Daraus ergibt sich, daß es nicht nur keine Wirklichkeit, sondern auch keine „Wahrheit“ gibt und damit auch keine „richtige Erkenntnis“, kein „Gut“ und „Böse“, kein „Richtig“ oder „Falsch“.74 „Die Unterschiedlichkeit und Vielfalt von Überzeugungen ... erwächst aus den Grundgegebenheiten des Menschseins und erscheint deshalb erstrebenswert. (...) Genau dies, die Vielfältigkeit zu wollen, muß das Ziel einer Erziehung heute sein. Es muß in der Erziehung darum gehen, für die Auseinandersetzung mit Widersprüchlichkeiten und Unvereinbarkeiten zu sensibilisieren und zu lernen, Mehrdeutigkeiten nicht nur zu ertragen, sondern zu begrüßen. ... Das heißt: Aufgabe der Erziehung ist es, an die zu Erziehenden Widersprüchlichkeiten und Vielfältigkeiten bewußt heranzutragen, um das Erleben zu ermöglichen, daß die Vielfalt der Alternativen zu einer Bereicherung des Lebens führt. Diese Vielfalt ist universell als Vielfalt der Kulturen ...der Art, wie andere die Welt wahrnehmen ...der Lebensstile und Lebensmöglichkeiten ... der Persönlichkeiten und Handlungsmöglichkeiten.“75 Deshalb solle die Erziehung auch nicht die „Entwicklung von Persönlichkeiten nach einem Ideal“ anstreben, sondern die „Ausbildung von Identität und Kompetenz über das Erlernen der Fähigkeit zur Auseinandersetzung“. Diese „Bereitschaft zur Auseinandersetzung“ wird als die wichtigste Voraussetzung gesehen, „die es den kommenden Generationen ermöglicht, die Probleme des Zusammenlebens auf dieser Welt zu bewältigen“. - „Für die Erziehung bedeutet dies, sich so weit wie möglich aus normativen Zwängen zu lösen und dort, wo Regeln und festgelegte Ziele unverzichtbar sind, einen flexiblen Umgang mit Regeln zu praktizieren und die Vielfältigkeit der Wege zu dem festgelegten Ziel zu fördern.“76 - „Generell muß Erziehung ... vor allem vermitteln, daß es viele Wahrheiten gibt und viele Erklärungsmodelle für die Welt und ihre Einzelphänomene. (...) Insbesondere die Schule wird umlernen müssen. ... Freinet erhob deshalb ... seine berühmte Forderung ... Weg mit den Schulbüchern!...weil sie den freien Blick auf die Wirklichkeit trüben und vorgekautes, portioniertes Häppchen-Wissen im Sinne der Herrschenden verabreichen würden. Auch Postman schlägt vor, alle Lehrbücher ... abzuschaffen. Denn Lehrbücher würden nur Gewißheiten, keine Ansätze von Zweifeln, kein Empfinden für die Vorläufigkeit, Unzuverlässigkeit oder Ambivalenz des menschlichen Wissens vermitteln. ... Grundsätzlich sollten Kinder in der Schule lernen, daß unser Wissen unvollkommen sei ... Die Geschichte des Lernens sei das Abenteuer der Überwindung von Irrtümern. Fehler seien keine Sünde. Die Sünde liege vielmehr in unserer Weigerung, unsere eigenen Annahmen zu überprüfen, liege in unserem Glauben an unerschütterliche Autoritäten.“ Aufgrund der zunehmenden Einwanderung von Menschen anderer Kulturen sei die „monolinguale und monokulturelle Prägung von Schule und Unterricht zu überwinden.“77

Weitere wesentliche Ziele sind die Entwicklung der Dialog- und Sprachfähigkeit, da „das Ausmaß, in dem Sprache unser Denken und Handeln prägt, kaum zu überschätzen“ sei78, vor allem aber, „das Lernen zu lernen“. - „Das bedeutet für Erziehung und Unterricht: Nicht das Lernen eines bestimmten Bestandes an Kulturwissen ist als oberstes Ziel anzusehen, sondern ... das Lernen eines angemessenen Umgangs mit den heutzutage auf uns einstürzenden Informationen in all ihrer Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit. Diesem Lernen des Lernens ist die Vermittlung des Kulturwissens, der Kulturtechniken ... wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie von Fremdsprachen ... soweit unterzuordnen, als sie für das Erlernen des Lernens hilfreich und nützlich sind ...“.79 - „Denn nicht die Übernahme ´fertiger´ Ergebnisse, sondern eigenes Experimentieren, Fragen, Versuchen und Zuordnen von Erfahrenem müssen Ziele des Lernprozesses sein. Die Schule beispielsweise wird dann zu einer ´Lernwerkstatt´, in der SchülerInnen lernen, das Lernen selbst zu organisieren, beispielsweise bei fächerübergreifenden Projekten, bei selbstorganisierter Arbeit oder in der Selbstverwaltung. Der Aufmerksamkeitsschwerpunkt in der Schule verschiebt sich von Techniken der Informations- und Wissensaneignung zu Strategien der Informations- und Wissenverarbeitung.“80

Schlußbemerkung:

Beim Durcharbeiten der obigen Thematik und ihrer Semantik fielen mir immer stärker die Übereinstimmungen mit Sprachgebrauch und Ideen jener Bewegung auf, die unter dem Titel „New Age“ vor einigen Jahren das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Daher sei aus dem Standardwerk einer der Hauptprotagonisten dieser Bewegung - Marilyn Ferguson, Die sanfte Verschwörung81 - nur Weniges des reichlich Vorhandenen dazu zitiert:

„Lehrer, Eltern und Schüler treffen wichtige Entscheidungen in bezug auf Didaktik, Lehrplan und das Anstellen neuen Lehrpersonals gemeinsam. Schüler sprechen ihre Lehrer mit dem Vornamen an ... Altersgruppen sind gewöhnlich flexibel (...) Der neue Lehrplan ähnelt einem kostbaren, fein gewebten Teppich, eingeengt lediglich durch Schulbürokratie, Budget ... Im Grunde genommen ist kein Thema zu schwierig, zu kontrovers oder zu ausgefallen, als dass es sich nicht in Erwägung ziehen ließe. (...) Eltern und ´Experten´ stellen sich freiwillig als Lehrer für besondere Themen zur Verfügung und die Schüler unterrichten sich gegenseitig. (...) Man erlernt die Mechanismen der Konditionierung. Man lernt, die eigenen Verhaltensmuster zu erkennen, sich mit Angst und Konflikten zu identifizieren ... das auszudrücken, was man empfindet und was man loswerden will. (...) Die Schüler werden ermutigt, über Semantik nachzudenken - darüber, wie Etikettierungen unser Denken beeinflussen. (...) Die Schüler werden angehalten, über Paradoxien, widersprüchliche Phiolosophien, über die Implikationen ihrer eigenen Ansichten und Handlungsweisen nachzudenken. Sie werden daran erinnert, daß es immer Alternativen gibt. Sie schaffen Neuerungen, erfinden, stellen Fragen, wägen ab, argumentieren, träumen, kämpfen, planen, versagen, sind erfolgreich, überdenken alles neu und lassen ihrer Phantasie freien Lauf. Sie lernen zu lernen, und sie begreifen, dass Erziehung eine lebenslange Reise ist. (...) Konkurrenzdenken, Statusdenken und Popularitätswettbewerbe spielen in der Dynamik solcher Schulen eine relativ kleine Rolle. ... Lehrplan und Lehrerschaft stärken in den Schülern Autonomie, Einfühlungsvermögen und gegenseitige Hilfestellung. Zänkereien haben die Natur vorübergehender Streitigkeiten zwischen Geschwistern. ... Eines der Hauptanliegen des Lehrplans ist die Erlangung von Autonomie. Dies beruht auf der Ansicht, dass unsere Kinder, um freier zu werden, erst einmal von uns befreit werden müssen - von unseren einschränkenden Ansichten, von unseren Vorlieben und Gewohnheiten. Zeitweise bedeutet dies, angemessene Formen von Rebellion zu lehren, und nicht, die Schüler zu Konformität anzuleiten. Reife bringt eine Moral mit sich, die sich aus dem innersten Selbst entwickelt und nichts mit Gehorsam gegenüber kulturellen Gesetzmäßigkeiten zu tun hat. Wie die moderne Geschichte ... bewiesen hat, kennt auf Angst basierender Gehorsam keine moralischen Schranken. ... Die meisten Menschen passen sich als Gegenleistung für die Anerkennung ihrer Mitmenschen an. ...Der autonome Schüler steuert mit Hilfe eines inneren Gyroskops, gehorcht einer inneren Autorität. ... eine Lehrerin aus Pittsburgh, wies nachdrücklich darauf hin, dass Pädagogen heilende Programme für ´übermässig gehorsame´ Kinder einführen sollten, indem sie ihnen so etwas wie kreativen und gesunden Ungehorsam ... lehrten.“

Und so sollen die „Kinder des neuen Paradigmas“ aussehen: „´Enge deine Kinder nicht mit deinem eigenen Wissen ein, denn sie wurden zu einer anderen Zeit geboren.´ Karl Pribram äußerte einmal, dass eine neue Generation bereits während der ersten Schuljahre etwas über das Paradoxe lernen und im Heranwachsen Realitätskonzepte von über- und untergeordneter Bedeutung begreifen wird. ... Warum kann man keine Dinge ausführen, die wir für paranormal halten? ... Unsere Kultur sagt, dass solche Dinge nicht möglich seien, und das ist genau das, was man für Wirklichkeit hält. Um die eigene Wirklichkeit zu ändern, müsste man seine innersten Gedanken ändern. ... Auf der ganzen Welt werden Kinder und junge Menschen durch die revolutionäre Entwicklung von Kommunikationstechnologien ... nicht mehr durch den beschränkten Horizont einer einzelnen Kultur eingeengt. (...) Wenn das Erziehungswesen nicht geflickt werden kann, kann es vielleicht eine Metamorphose durchmachen. ... Unsere bisherigen Eingriffe in den Lernprozess sind ... ungehobelt gewesen. Es ist wirklich an der Zeit, dass wir uns von der Bindung an alte Formen lösen und einem entfesselten Menschengeist das Fliegen erleichtern.“82

Wie weit dies alles bereits in die Tat umgesetzt ist bzw. offen als „neue Schule“ angestrebt wird, mag jeder, der sich mit unserer Schullandschaft beschäftigt, selbst entscheiden.

1 Selg&Bauer, Forschungsmethoden der Psychologie, Kohlhammer Köln 1971, S. 10

2 Elke Wieczorrek, Der Paradigmenwechsel des Familienbegriffs, Diplomarbeit im Fach Psychologie, Prof.Dr.E. Stephan, Köln 1995, S.5

3 Watzlawick, Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben? Beiträge zum Konstruktivismus, 8.Aufl. München Piper 1994, S. 15

4 Wieczorrek a.a.O. S. 42

5 Watzlawik, P, Die erfundene Wirklichkeit. Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben, München Piper 1994, S. 10

6 Watzlawick, P.& Kreuzer, F. Die Unsicherheit unserer Wirklichkeit. Ein Gespräch über den Konstruktivismus. München Piper 1995, S.50

7 ebda S. 42f

8 A. von Schlippe, Familientherapie im Überblick, Basiskonzepte, Formen, Anwendungsmöglichkeiten, 10.Aufl. Paderborn Junfermann 1993, S. 19

9 ebda S. 43f

10 Willke, H. Systemtheorie. Eine Einführung in die Grundprobleme der Theorie sozialer Systeme. Stuttgart Fischer 1991, S.92

11 ebda S. 45

12 vgl. und Zitat ebda S.45ff, S. 47

13 vgl. und Zitate ebda S. 47f

14 vgl. und Zitate ebda S. 48f

15 vgl. ebda 50ff

16 ebda S. 72

17 vgl. und Zitat ebda S. 55

18 ebda S. 57

19 ebda

20 ebda S. 12

21 Augustinus zitiert nach ebda S. 12

22 Leibniz, vgl. ebda S. 13

23 vgl. und Zitate ebda S. 14

24 vgl. Messner,J. Das Naturrecht. Handbuch der Gesellschaftsethik, Staatsethik und Wirtschaftsethik, Berlin 1984, S. 304

25 ebda

26 Wieczorrek, a.a.O. S. 16

27 Willke, Systemtheorie. Eine Einführung ... Stuttgart 1991, S. 45; zitiert nach Wieczorrek a.a.O. S. 61

28 Schmidt, Gunther, Grundlagen systemischer Familientherapie ...in: Brennpunkte sozialer Arbeit. Schriftenreihe. Familientherapie. München Diesterweg 1985, S. 30

29 Willke a.a.O. 1991, S. 132

30 Wieczorrek a.a.O. S. 63

31 ebda

32 ebda S.63f

33 Ulsamer, L. Familie in der Zerreißprobe. Esslingen 1983, S.11; zitiert nach Wieczorrek S. 40

34 Braun, W. Einführung in die Pädagogik Bad Heilbrunn, Klinkhardt 1983, S. 22

35 Schulze, Tyrell & Künzler, Vom Strukturfunktionalismus zur Systemtheorie der Familie. in: Nave.Herz/Markefka, Handbuch der Familien- und Jugendforschung, Bd.1, Neuwied 1989, S.39

36 Schmidt, Gunther, 1985 a.a.O. S.31

37 Wieczorrek a.a.O. S. 66f

38 Schmidt 1985, a.a.O. S. 38

39 Wieczorrek a.a.O. vg. 68f

40 ebda vgl. und Zitate: Herlth, Die Bedeutung von Partnerbeziehungen für die Qualität der Familienerziehung. Beilage zu „Das Parlament“, B 17/93, S.29. Und Schmidt-Denter, U., Soziale Entwicklung, Weinheim 1988, S. 72f

41 ebda s. 17

42 vgl. Wieczorrek a.a.O. S. 95

43 Wieczorrek a.a.O. S. 71 vgl.

44 Willke 1991, a.a.O. S. 128

45 Bowlby, J. Das Glück und die Trauer. Herstellung und Lösung affektiver Bindungen. Stuttgart Klett-Cotta 1982, S.133

46 Wieczorrek a.a.O. S. 96

47 Ulsamer, L. Familie in der Zerreißprobe. Zur Situation der Familie in Deutschland. Esslingen Ulsamer 1994, S.59

48 vgl. ebda S. 97f

49 Wilhelm Rotthaus, Wozu erziehen? Entwurf einer systemischen Erziehung. Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 1998, vgl. S. 59f

50 ebda S. 60ff

51 ebda S. 64

52 ebda

53 ebda S. 68f

54 ebda S. 71

55 ebda S. 72f

56 ebda S. 97

57 ebda S. 98

58 ebda

59 Spaemann, R.Moralische Grundbegriffe. München Beck 1991, S.34, zitiert nach Wieczorreck a.a.O. S. 100

60 Spaemann, zitiert nach ebda Ss.30;34;36

61 vgl. Willke a.a.O. 1991, S. 45

62 vgl. Spaemann a.a.O. S.61

63 Spaemann a.a.O. Ss. 61; 90f; 75

64 Wieczorreck a.a.O. S.100ff

65 ebda S. 104; Lang, H. Werte und Normen in der Erziehung. Christl. pädagogische Blätter 1985, 98/4. S.282

66 Rotthaus a.a.O. S. 132f

67 ebda S.134f

68 ebda S. 139

69 vgl. ebda S. 140 und 142ff

70 ebda vgl. S. 144

71 ebda S. 144

72 ebda S. 133

73 ebda S.150

74 ebda Ss 151ff

75 ebda S. 152

76 ebda. vgl.und Zitat S.152f

77 ebda S. 154 f

78 vgl. ebda S.160

79 ebda S. 163

80 ebda S. 164

81 Ferguson, München Knaur 1982, S. 366ff

82 Ferguson a.a.O. S. 373f

© Gertrud Dörner, 1999

Einführung in das Thema:

Manchem mag das Thema dieser Abhandlung weit hergeholt erscheinen. Was hat Maria, wenn sie auch die Mutter Jesu Christi ist, mit uns heutigen Frauen zu tun? Wir sind unabhängig, selbstbewußt, wollen uns von der „Frauenrolle“ befreien, - jedenfalls, wenn man der veröffentlichten Meinung und dem Trend glaubt - fühlen uns als Konkurrenten der Männer, ja ihnen überlegen in vielerlei Hinsicht. Und dies alles nicht nur gesellschaftlich, auch theologisch haben sich die Frauen entdeckt, streben danach, ihre weibliche Erfahrung zur Grundlage der Theologie und ihres Gottesbildes zu machen, es zu verweiblichen, um endlich nur sie selbst zu sein, sich zu „verwirklichen“, ja sogar zu vergöttlichen. Dies ist greifbar und faßbar in der feministischen Theologie und den vielfältigen esoterischen Angeboten in unserer Gesellschaft. Wie paßt hierzu Maria, die sich selbst die Dienerin, die Magd Gottes, nennt, für viele - vielleicht inzwischen auch schon die Mehrheit in der Kirche - ein Bild des unselbständigen, abhängigen, Menschen, der zur Reflexion der eigenen Fähigkeiten und zu kreativer Tätigkeit unfähig ist, denn Dienst steht bei uns nicht hoch im Kurs.

Nimmt man nun noch hinzu, was viele und gerade meist die, die selbst keine Beziehung zur Mutter unseres Herrn haben, unter „Marienfrömmigkeit“ verstehen, nämlich ein einseitiges Schwelgen in Gefühlen, in bigotten Frömmigkeitsformen, deren Existenz mit dem Hinweis auf den Devotionalienrummel an so manchen Marienwallfahrtsorten begründet wird, dann scheint es vollends unmöglich, ausgerechnet Maria zum Urbild, zum Vorbild und Leitstern des Frauseins zu erklären.

Aber verhält es sich tatsächlich so? Ist Maria wirklich dieses Zerrbild? Oder - wer ist sie wirklich?

Um hierauf eine tragfähige Antwort geben zu können, ist es notwendig, zunächst nach dem Menschen zu fragen und nach dem, was er vor Gott ist bzw. seiner Absicht gemäß sein soll.

Eva - oder die Ursünde des Menschen

Die Würde und die Aufgabe jedes Menschen wurzelt zunächst darin, daß er als „Abbild Gottes“ geschaffen ist, daß er Personist, damit frei in seinen Entscheidungen und so,„Gott ähnlich“ , geschaffen von Gott als Mann und Frau.1 Damit sind beide Geschlechter nach Gottes Willen Personen, gleichwertig, vernunftbegabt und verantwortlich, gemeinsam haben beide den Auftrag, die Erde zu gestalten. Über diese Aufgabe in der geschaffenen Welt hinaus, ist die Erschaffung aber auch der „Anfang der Berufung beider, am inneren Leben Gottes selbst teilzuhaben ... Im Lichte der Offenbarung bedeutet Schöpfung zugleich Anfang der Heilsgeschichte. Gerade in diesen Anfang drängt sich die Sünde ein und tritt dort als Gegensatz und Verneinung auf.“2 Auf den Anteil Evas an der Ursünde hier einzugehen, erübrigt sich. Nur soviel sei festgehalten, daß vor dieser Sünde die Beziehung von Mann und Frau zueinander völlig harmonisch war, so sagt es die Offenbarung. Sünde ist aber„in ihrer eigentlichen Bedeutung ... die Verneinung dessen, was Gott - als Schöpfer - ...von Anfang an und für alle Zeiten für den Menschen will. ...Durch die Erschaffung von Mann und Frau nach seinem eigenen Bild und Gleichnis will Gott für sie die Fülle des Guten, d.h. die übernatürliche Glückseligkeit, die aus der Teilhabe an seinem Leben erwächst. Dadurch, daß der Mensch sündigt, weist er dieses Geschenk zurück und will zugleich werden ‘wie Gott...’will unabhängig von Gott, seinem Schöpfer, über Gut und Böse entscheiden. ... Die Sünde bewirkt das Zerbrechen der ursprünglichen Einheit, deren sich der Mensch im anfänglichen Stand der Gerechtigkeit erfreute: die Verbundenheit mit Gott als Quelle der Einheit im eigenen Innern, in der gegenseitigen Beziehung zwischen Mann und Frau (der personalen Gemeinschaft) und schließlich im Verhältnis zur Außenwelt, zu den Dingen der Natur.3 Paradoxerweise ist gerade die Ebenbildlichkeit des Menschen, die Grundlage seiner Freiheit ist, auch Voraussetzung seiner Sünde und damit seiner „Nicht-Ähnlichkeit“ mit Gott, weil Gott die Fülle des Guten ist und alles Böse ihm völlig unähnlich. So wird verständlich, ,,daß hierbei Gott als Schöpfer und Vater getroffen und ‘beleidigt’ wird ... im innersten Grunde jener schenkenden Hingabe, die zum ewigen Plan Gottes für den Menschen gehört.“4 Gleichzeitig schlägt die Sünde aber auch auf den Menschen selbst zurück, erkennbar an der „Mühsal“, mit der er seinen Lebensunterhalt beschaffen muß, an den Schmerzen, die das Gebären begleiten und letztlich im Tod. Das „Abbild und Gleichnis Gottes im Menschen“ ist zwar nicht zerstört, aber „getrübt“, „gemindert“, auch wenn seine Berufung, letztlich zu Gott zu gelangen, erhalten bleibt.

Folgen für die Frau

„Nach dem Manne wird dich verlangen, er aber wird über dich herrschen“(Gen 3,16) umreißt die Folgen der Sünde für die Frau. An die Stelle der ursprünglichen grundlegenden Gleichheit, der Personengemeinschaft in der Ehe, der „Einheit von zweien, die sich der Würde der Person entsprechend in ihrer Hingabe „selbst finden“, tritt das männliche Besitzdenken, die Frau wird zum Objekt männlicher Herrschaft. Dieses Verweigern der Annahme der Frau als unverwechselbare und unwiederholbare Person schädigt aber durch die Mißachtung der Abbildhaftigkeit ihres Menschseins nicht nur die Frau, sondern mindert gleichzeitig auch die wahre Würde des Mannes als personales Abbild Gottes. Damit einher geht die Begierde als „Neigung zur Verletzung jener sittlichen Ordnung, die der Vernunftnatur und moralischen Würde des Menschen als Person entspricht.“5 Über die Ehe hinaus berührt dieses Faktum aber auch alle Bereiche des sozialen Zusammenlebens, in denen die Frau benachteiligt und diskriminiert wird, weil sie Frau ist. Folgt man der biblischen Botschaft, so ist festzuhalten, daß alles, was die Achtung vor der Würde der Frau als Person verletzt, nicht nach Gottes Willen ist, also in den Bereich der Sünde gehört und damit unter den Aufruf zu Bekehrung und Umkehr.6 Die Lösung besteht nicht darin, daß die Frau ihre Eigenart verleugnet, „zum Mann wird“, weil sie auch auf diese Weise dem Schöpfungsauftrag, der in ihrer spezifischen Art der Ebenbildlichkeit Gottes liegt, nicht entspricht.

Von Eva zu Maria

„Feindschaft stifte ich zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.“(Gen 3,15) Interessant an dieser Verheißung, die sich ja eindeutig auf den Erlöser bezieht, ist, daß nicht er zunächst hier genannt ist, sondern die, die seine Mutter sein wird. Es wird also Feindschaft sein zwischen dem „Vater der Lüge“ und „der Frau“. Wir wissen, daß in diesen Worten Maria angekündigt ist, und i.a. wird ein Gegensatz gesehen zwischen ihr und Eva, so schon bei den Vätern. Aber es gibt auch einen anderen Aspekt. „Eva ist als ‘Mutter aller Lebendigen’ Zeugin des biblischen Anfangs, in dem die Wahrheit über die Erschaffung des Menschen nach dem Bild und Gleichnis Gottes und die Wahrheit über die Erbsünde enthalten ist. Maria ist Zeugin des neuen ‘Anfangs’ und der ‘neuen Schöpfung’ (vgl. 2Kor 5,17). Ja, sie selbst ist als die Ersterlöste in der Heilsgeschichte ‘eine neue Kreatur’: Sie ist die ‘Gnadenvolle’. Man kann kaum verstehen, warum die Worte des Protoevangeliums die ‘Frau’ so nachdrücklich hervorheben, wenn man nicht zugibt, daß in ihr der neue und endgültige Bund Gottes mit der Menschheit, der Bund im erlösenden Blut Christi, seinen Anfang hat. Er beginnt mit einer Frau, bei der Verkündigung in Nazaret. Das ist das absolut Neue des Evangeliums: ... im Alten Testament (hatte sich Gott) um seinen Bund mit der Menschheit zu schließen ... nur an Männer gewandt. ...Am Anfang des Neuen Bundes, der ewig und unwiderruflich sein soll, steht die Frau: die Jungfrau aus Nazaret. Es handelt sich um ein deutliches Zeichen dafür, daß es in Jesus Christus ‘nicht mehr Mann und Frau gibt’ (Gal 3,28). In ihm wird der wechselseitige Gegensatz zwischen Mann und Frau - als Erbe der Ursünde - im wesentlichen überwunden. ‘Denn ihr alle seid einer in Christus Jesus’, wird der Apostel schreiben. (Gal 3,28). Diese Worte handeln von der ursprünglichen ‘Einheit der zwei’, die zusammenhängt mit der Erschaffung des Menschen als Mann und Frau nach dem Bild und Gleichnis Gottes, nach dem Vorbild jener vollkommenen Personengemeinschaft, die Gott selber ist. ... Die Erlösung stellt nun gewissermaßen das Gute des Anfangs selbst wieder her, das durch die Sünde und ihr Erbe in der Geschichte des Menschen wesentlich ‘gemindert’ worden ist. Die ‘Frau’ des Protoevangeliums ist einbezogen in die Perspektive der Erlösung. Die Gegenüberstellung Eva-Maria läßt sich auch in diesem Sinne verstehen, daß Maria das Geheimnis der ‘Frau’, dessen Anfang Eva, die ‘Mutter aller Lebendigen’ (Gen 3,20), ist, in sich aufnimmtund umfängt. Sie nimmt es vor allem auf und umfängt es im Geheimnis Christi - ‘des neuen und zweiten Adam’ (vgl. 1Kor 15,45) -, der in seiner Person die Natur des ersten Adam aufgenommen hat.“7Auf diese Weise wollte er dem Menschen zeigen und ihm neu entdecken, „was der Mensch ist“(vgl. Ps 8,5). Maria aber bedeutet das „Zurückgehen zu jenem Anfang, an dem wir die ‘Frau’ so vorfinden, wie sie im Schöpfungswerk, also im ewigen Plan Gottes, im Schoß der heiligsten Dreifaltigkeit, gwollt war. Maria ist ‘der neue Anfang’ der Würde und Berufung der Frau, aller Frauen und jeder einzelnen.“8

Betrachtet man nun, wie Jesus mit den Frauen umging, so fällt auf, daß er - völlig gegen die Gewohnheiten seiner Zeit - sie vor allem als Personen in ihrer unverwechselbaren Würde akzeptierte, daß er nicht zögerte, sie zu Boten seines Evangeliums zu machen, so die Samariterin, die Zeuginnen seiner Auferstehung gegenüber den Aposteln, daß er sie gegen männlichen Mißbrauch in Schutz nahm und die Verantwortung des Mannes gegenüber der Frau klar forderteund wiederherstellte, so gegenüber der „ertappten Ehebrecherin“ und nicht zuletzt in der Restaurierung der persongebundenen Ehe, weil es „am Anfang so war“. Frauen waren ihm die treuesten Freunde, folgten ihm ohne Rücksicht auf sich selbst bis unter das Kreuz, wo wir von den Aposteln letztlich nur den einen finden, den, den Jesus besonders liebte.9 Aber nicht nur das. Jesus spricht mit ihnen über die „Geheimnisse des Reiches Gottes“, sie sind seine Gesprächspartner und Verkündiger des Glaubens. Damit bestätigt unser Herr in vollem Umfang das, was Gott „am Anfang grundgelegt hat und was durch die Erlösung in der „Frau“, in Maria zunächst als Urbild der erneuerten Frau wiederhergestellt und unbegreiflich überhöht wurde.

Maria: Urbild und Vorbild

Nun könnte der Einwand kommen: Maria ist die Mutter Gottes, einzigartig, erwählt von Ewigkeit, ausgestattet mit der höchsten Gnadenfülle und Heiligkeit, die einem bloßen Geschöpf nur möglich ist, und damit ihres Sohnes würdig. Wie kann ein solches Ausnahmewesen Urbild und Vorbild sein? Aber wie auch sonst im Leben zeigt uns hier das Ideal die Richtung, den Weg, auch wenn es letztlich unerreichbar bleibt.

Drei Bereiche sollen uns hier vor allem interessieren: Marias Beziehung zu Gott, ihr Leben als Glaubende, ihre Beziehung zu Christus und zur Kirche.

1. Marias Beziehung zu Gott

„Wie das Konzil sagt, ist Maria ‘die Mutter des Sohnes Gottes und daher die bevorzugt geliebte Tochter des Vaters und das Heiligtum des Heiligen Geistes. ... vom Erbe der Ursünde bewahrt ... gehört sie vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis ... zu Christus; sie hat Anteil an der heilenden und heiligmachenden Gnade und an jener Liebe, die vom ... Sohn des ewigen Vaters ausgeht, der durch die Menschwerdung ihr eigener Sohn geworden ist.“ Dadurch steht sie im Zentrum jener „Feindschaft“ mit der Schlange, die der „Sohn“ in hartem Kampf besiegt, einem Kampf, der die gesamte Geschichte der Menschheit durchziehen wird. Sie selbst bleibt dabei das ideale Bild und Zeichen sicherer Hoffnung für jene Gnade, und jene Erwählung, die Gott allen Menschen zugedacht hat, als er sie dazu bestimmte, „seine Söhne zu werden.“ (Eph 1,4.5) 10

Besonders aufschlußreich ist die Beziehung Mariens zum Hl. Geist. Diese dritte Person in Gott, der „Geist“ des Gottesgeistes , ist uns wenig faßbar. Wir wissen aus der Offenbarung, „Gottes Wesen ist ... Vater und Sohn, Zeugender und Gezeugter, verschenkende Liebe und verschenkte Liebe. Der Glaube lehrt, daß der heilige Geist aus der Einheit von Vater und Sohn als dritte Gottperson entsteigt. Es ist eine einzige Liebe im Zeugen und Gezeugtwerden, und dieses Einssein von Vater und Sohn in der Liebe ‘realisiert’ sich in Gestalt eines dritten, in Gestalt des Geistes.“ wie das Kind, das aus der Liebe der Eltern wird und doch eigenständige Person ist. Der Geist ist die Vollendung der Liebe in Gott, er ist „die dynamische Kraft der Liebe, der Sturmwind, der immer noch mehr Liebe zwischen Vater und Sohn will. Und genau das ist der Grund, warum ... der Geist die immanente Liebe zwischen Vater und Sohn gleichsam zum Überfließen bringt und sie dann selbst nach außen trägt. Wenn Gott aber nach außen wirkt, dann nennen wir das ‘schöpfen’. Der Geist ist von seinem Personcharakter her der ‘Creator Spiritus’, der Schöpfergeist. ... Das Wesen des Geistes ist es, die innergöttliche Liebe außerhalb Gottes zu konkretisieren.11 „Maria, jener konkrete Mensch, jene Frau aus Nazaret, hat in der Heilsordnung die Aufgabe, dieses Konkretisierungswirkens des Hl. Geistes sichtbar zu machen. Was an Maria geschieht, ist ..., daß der Geist das Innergöttliche ins Menschliche eingesenkt hat, daß er an und durch Maria die Menschwerdung des ewigen Logos aus dem Willen des Vaters wirkt. (...) Gott ist fortan keine bloße Idee ... Die Konkretheit Mariens garantiert, daß Gottes Liebesfülle wirklich inkarniert ist ... der Geist (wird) außerhalb Gottes fruchtbar und die Fülle des Göttlichen (wird) durch Maria in der Welt konkretisiert ...“12 Diese Konkretion bezieht sich nicht nur auf die historische Mutterschaft Mariens. Sie ist dadurch auch die Mutter des Hauptes und des „Leibes“ der Kirche Christi, und ihre Anwesenheit bei der Herabkunft des Hl. Geistes zu Pfingsten bekommt dadurch eine völlig andere Dimension: die Kirche ist damit die Konkretion der Liebe Gottes im Hl. Geist durch die Geschichte der Menschheit, eine andere Form der „Menschwerdung“. Gleichzeitig ist Maria Bild eben dieser Kirche, die als Gesamtheit aller an Christus Glaubenden den Geist Gottes in sich aufnimmt, damit alle ihre Glieder „zur Vollgestalt des Sohnes Gottes gelangen können, damit Gott sie als seine Söhne annimmt.“

Und dies führt zum letzten Bereich: Maria erlebte alles, was Gott mit ihr tat, im Glauben. „Selig bist du, weil du geglaubt hast...“, sagt Elisabeth. Und auch die Ankündigung des Engels über die Königsherrschaft ewiger Dauer, die Gott dem Messias geben werde, widersprach dem gesamten Lebenslauf Jesu einschließlich seines bitteren Endes. So steht am Beginn des Neuen Bundes der unerschütterliche Glaube Marias an Gottes Verheißung, so wie am Beginn des Alten Bundes der Glaube Abrahams. gegen alle Wahrscheinlichkeiten.

Was bedeutet das alles nun für uns Frauen?

Zunächst, wir sind Person, jede von uns, unverwechselbar, von Gott so gewollt, mit speziellen Fähigkeiten und einer besonderen Aufgabe versehen. Wir sollten dieser Würde gemäß leben, die allein durch die Sünde zerstört wird, nicht aber dadurch, daß wir uns und unsere Fähigkeiten im Dienst anderer einsetzen. Wir sollten bedenken, daß jede Frau, die diese ihre Personwürde wahrt, sich nicht zum „Objekt“ macht oder machen läßt, dadurch auch die Personwürde ihrer Mitmenschen wahrt und schützt.

Diese abbildliche Ähnlichkeit will Gott in der Seligkeit vollenden, zu der er einen jeden von uns beruft. Jeder Mensch soll nach Gottes Willen dieses Ziel erreichen, indem er sich in Freiheit nach dem Guten richtet, das ihm aus Gottes Offenbarung und aus der Stimme seines Gewissens zukommt. Sein durch den Sündenfall für die Begierde anfälliges Sinnes- und Geistesleben ist dabei vergleichbar mit dem Material, das er mit Hilfe der Gnade aus Gebet und Sakramenten zum inneren Wachstum nutzen soll, um so in allem Guten zu wachsen, die Sünde und damit die Trennung von Gott zu meiden und auf diese Weise zur vollkommenen Liebe zu Gott zu gelangen, die untrennbar mit der wahren Liebe zum Mitmenschen verknüpft ist.13 Das einzig wirkliche Ziel jedes Menschen ist die vollkommene Liebe zu Gott resp. die zu seinen Mitmenschen. Sie ist das eigentlich entscheidende Kriterium alles Tuns, das eigentliche Maß, an dem von Gott alles gemessen wird und das „nie aufhört“, wie Paulus sagt, während „alles andere vergeht“.14 Liebe aber ist Hingabe, die Haltung Marias, also die Haltung der „Frau“, sie ist Teilhabe am Geist Gottes, der Liebe ist. Sie ist dem Wesen jeder Frau daher besonders nahe, gilt aber im Prinzip als Berufung für jeden.

Hierzu tritt nun die besondere Berufung und Würde des Menschen und also auch der Frau als Glied der Kirche Christi. Jeder Getaufte ist Glied dieses seines Leibes. Er hat durch die Taufe Anteil am Priestertum Christi und an seiner Königsherrschaft im „allgemeinen Priestertum aller Gläubigen“15 Dadurch soll er teilnehmen am Erlösungswerk Christi im Dienst an seinen Mitmenschen in Geist und Auftrag Christi mit dem Ziel, „daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“16Die Aufgaben der Frau in diesem Bereich unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen der Männer hinsichtlich der grundsätzlichen Ausrichtung aller auf diese Aufgabe, Unterschiede ergeben sich hier nur durch die unterschiedlichen Talente, Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten, die jeder hat aufgrund seiner menschlichen Begrenztheiten und der ihn umgebenden Gesellschaft und Kultur.und seiner besonderen Aufgaben in der Kirche.

Soweit betrifft das bisher Gesagte jeden getauften Menschen. Wie aber steht es nun mit der Bedeutung der Frau als Frau in der Kirche, und was ist dort ihre besondere Aufgabe?

Vor diesem gedanklichen Hintergrund wird nicht nur die Aufgabenteilung in der natürlichen Seinsordnung einsichtig, sondern auch jene der Heilsordnung und ihrer Symbolik, die es zu verstehen gilt, um die Bedeutung und Aufgabe der Frau in der Kirche richtig einordnen zu können.

  • Beziehung Gottesbild - Geschlechtersymbolik

Das Gottesbild in Judentum und Christentum hat seinen Schwerpunkt in der Transzendenz Gottes, d.h. Gott steht seiner Schöpfung gegenüber, ist von ihr getrennt und nicht mit ihr identisch. Wenn er sie auch dauerhaft von innen her erhält, so ist er doch primär ihr Gestalter von außen. Dieses Bild Gottes als des Transzendenten entspricht in seinem Kern dem Wesen und der spezifischen Aufgabe des Mannes, der so symbolhaft Gottes Verhältnis zur Schöpfung ausdrückt. Es ist von daher logisch, daß Gott in Jesus als Mann Mensch wurde.

Schaut man sich dagegen die Religionen an, die ein pantheistisches Gottesbild haben, also Gott als Teil der Welt und ihr immanent ansehen, so stellt man fest, daß dort „die Göttin“ in den unterschiedlichsten Ausprägungen anstelle Gottes verehrt wird. Dies trifft auf die Mehrheit der heidnischen Religionen in Vergangenheit und Gegenwart zu, deren Affinität zu oder Identität mit Fruchtbarkeitskulten offenkundig ist; Ausnahme ist der Islam aufgrund seiner Entstehungsgeschichte. Es handelt sich also bei den Gottesbildern dieser Religionen um die Hypostasierung der Frau und ihres weiblichen Anteils an der Schöpfung, den sie sowohl symbolhaft als auch real verkörpert und dem in diesen Religionen kultische Verehrung zuteil wird. Logischerweise liegt in diesen Kulten der Schwerpunkt priesterlicher Tätigkeit bei Frauen, den Mittelpunkt des Kultes bildet die Sexualität, die „Heilige Hochzeit“, als symbolischer Ausdruck der Fruchtbarkeit der Natur, der Schöpfung.

  • Beziehung Priesteramt - Gottesbild

Ich möchte in diesem Zusammenhang zurückverweisen auf den Feminismus und seinen Trend zur „Göttin“, einschließlich aller neuheidnischen Tendenzen. Dem immanentistisch-pantheistischen Gottesbild entspricht also symbolhaft das Priesteramt der Frau, dem transzendenten Gottesbild der Mann als Priester. So wie es also in der Symbolik der Geschlechterbeziehung liegt, daß Gott als Mann Mensch wurde, so liegt es in der gleichen Symbolik begründet, daß auch nur Männer „in persona Christi“ das gleiche besondere Priesteramt wahrnehmen können, das dem seinen entspricht. Welche Gefahren sich für das Gottesbild und für den gesamten Glauben aus einem „Priestertum der Frau“ ergäben, ist bereits mehr als deutlich ablesbar an der gesamten Entwicklung der feministischen Theologie und ihrer Vertreterinnen innerhalb und außerhalb der Kirche.

So dient es dem Erhalt der Kirche, wenn der Papst in seinem Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ vom 22.5.1994 festlegt: „Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenenorts für diskutierbar oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken ..., daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“17 Diese Überlegungen haben übrigens für den gesamten Ordo Gültigkeit, einschließlich des Weihediakonats der Frau, den die interessierten Kreise sich inzwischen zum angeblich kirchenrechtlich möglichen Einfallstor gewählt haben und den sie mit heftigem Druck auf Bischöfe und Papst verlangen.

  • Maria als Vorbild und Urbild der Frau in der Kirche

Wenn also, wie dargelegt, die Teilhabe am hierarchischen Amt nicht Aufgabe der Frau in der Kirche ist, welche Aufgabe hat sie dann?

Um diese Frage zu klären, sind wir in der glücklichen Lage, in Maria, der Mutter Jesu, die vorbildhafte Frau vor uns zu haben, deren Leben und Verhalten uns Aufschluß geben kann, wie Gott sich die Aufgabe und Bedeutung der Frauen in seiner Kirche gedacht hat. Gerade Marias Einzigartigkeit zeigt im Ideal und in Vollkommenheit, welchem Ziel die Frau in der Kirche verpflichtet ist. Marias Leben umfaßt alle Möglichkeiten einer Frau, sie ist als Jungfrau Mutter, Ehefrau und Witwe gewesen. Damit ist ihr Leben Frauenleben in allen seinen Dimensionen. Wenn man so will und die Bezeichnung richtig versteht, ist sie dadurch die wirkliche und wahre „Große Mutter“.

Was begründet nun Marias Größe und ihre unverzichtbare Aufgabe? Grundlegend ist, daß die Erlösung und damit die Heilung und Heiligung des Menschengeschlechtes damit beginnt, daß Maria - von Gott darum gebeten - zu ihrem Frausein und d.h. zur Möglichkeit und Tatsächlichkeit ihrer Mutterschaft „Ja“ sagt, obwohl sie, wie man es aus ihrer Reaktion dem Engel gegenüber entnehmen kann, offenbar einen anderen Lebensplan für sich hatte. Dieses „Ja“ akzeptiert einmal den ihr eigenen Anteil an der Schöpfungswirklichkeit, wie er ihr als Frau ohnehin zukommt. Es überhöht ihn aber gleichzeitig in ihrem Fall in einzigartiger Weise, weil sie hier gleichsam als Symbol der gesamten Schöpfung ihr „Ja“ zu Gott sagt, der sich daraufhin mit der menschlichen Natur unwiderruflich verbindet. Nicht selbst „Göttin-sein“ begründet also ihre alles überragende Symbolbedeutung, sondern „Dienerin Gottes“ zu sein durch das freie „Zur-Verfügung-stellen“ ihrer geschöpflichen Möglichkeiten.

Gebündelt zeigt sich in diesem Anfang, was dem Wesen der Frau entspricht und was all ihrer Tätigkeit in der Kirche vorauszugehen hat: das Akzeptieren ihrer Bestimmung, Mutter zu sein, und zwar in der doppelten Dimension der leiblichen und geistigen Mutterschaft, realisiert und symbolisiert in Maria, der Jungfrau-Mutter. Gleichzeitig wird auch die Bedingung dieser Mutterschaft deutlich, nämlich die Bereitschaft, sich leiblich und geistig von Gott in Dienst nehmen zu lassen, sich letztlich ihm allein verpflichtet und verbunden zu fühlen in der Teilnahme an seinem Schöpfungs- und Erlösungswerk als Antwort auf ihn und seine Liebe.

Aber Realität und Symbolik, die sich mit Maria verbinden, sind damit nicht erschöpft. Maria ist nicht nur real die Mutter Jesu Christi, sie ist damit auch die Mutter des „Hauptes“ der Kirche und damit auch seines „Leibes“, nämlich der Kirche mit all ihren Gliedern. Gleichzeitig symbolisiert sie selbst die Kirche, die als „Braut des Herrn“ die „Mutter aller Gläubigen“ ist, d.h. in Maria ist die gesamte mütterliche Fruchtbarkeit der Kirche verkörpert. Diese „mütterliche Fruchtbarkeit“ der Kirche besteht also wie die Mariens darin, Jesus, den Sohn Gottes hervorzubringen, jetzt aber in den Seelen der Gläubigen und diese dem „Bilde des Sohnes“ „gleichförmig“ zu gestalten,18 damit Gott sie „an Kindes Statt“19 annehmen kann.

Und hier liegt auch die besondere Aufgabe der Frau, hier kann und soll sie alle Fähigkeiten, die Gott ihr geschenkt hat, einsetzen: Gott in der Kirche „Kinder zu schenken“, leiblich sowohl wie geistig, dazu bestimmt und von ihr dahin geleitet, dem Sohne Gottes ähnlich zu werden. So wird sie wie Maria „Tür“ zu Gott, Eingang zur Kirche, Abbild und Hinweis auf die besondere Liebe Gottes, die er jedem einzelnen Menschen personal und unverwechselbar entgegenbringt, entsprechend ihrer spezifischen, natürlichen Fähigkeit der Hinwendung zum andern als Person.

Aber dies ist nicht einzige Aufgabe der Frau in der Kirche. Über ihre Mutterschaft hinaus verkörpert sich in Maria eine Grundhaltung, wie sie die Kirche insgesamt und jeder in ihr -Mann und Frau - Gott gegenüber zeigen sollte schon als Antwort des Geschöpfes, aber mehr noch des erlösten Geschöpfes: die persönliche Hingabe an Gott. Das Verhältnis Christi zu seiner Kirche ist nicht nur das des Hauptes zum Leib, sondern auch das des Bräutigams zur Braut, dessen Bild und Abbild die sakramentale Ehe ist. So ist die Haltung der Kirche mit allen ihren Gliedern Gott gegenüber im Grunde „marianisch-fraulich“, und die Frau also von Natur aus logischerweise besser zur Hingabe an Gott befähigt als der Mann. Es ist also keineswegs Zufall, daß gerade in allen Bereichen, die eine besondere Verbundenheit mit Gott voraussetzen wie Gebet und Mystik, Frauen die größeren Begabungen und besondere Fähigkeiten haben, wie Teresa von Avila meint.

Und hier schließt sich nun der Kreis zum Anfang. Wir hatten festgestellt, daß das eigentliche Ziel jedes Menschen die möglichst große Liebe ist zu Gott und seinen Mitmenschen, daß er sich auf dieses Ziel hin von Gott in Dienst nehmen lassen muß wie Maria und daß es hier keine Benachteiligung der Frauen gibt und keinen Unterschied der Geschlechter. An dieser Stelle ist auch das Amt in der Kirche einzuordnen, das, richtig verstanden und ausgeübt, ein spezifischer Auftrag an eine kleine Gruppe von Menschen ist, dem eigentlichen Ziel aller „in persona Christi“ auf eine bestimmte Weise mit der oben beschriebenen Haltung der Hingabe zu dienen als Bewahrer der Lehre Christi und Ausspender der Sakramente.

Zum Abschluß möchte ich auf die große Frau und Kirchenlehrerin Teresa von Avila verweisen für die praktische Lösung der „Frauenfrage“ in der Kirche. Sie bezieht ihre Einschätzung der Frau speziell in der Kirche aus dem Verhalten Jesu den Frauen gegenüber. Er habe sie „mit großer Hingabe bevorzugt“, sagt sie, habe bei ihnen mehr Liebe und Glauben gefunden als bei den Männern. Vom natürlichen Standpunkt aus hält sie Männer und Frauen für gleichwertig, vom übernatürlichen aus die Frauen den Männern für überlegen. Teresa „verwirklicht“ sich selbst mit all ihren Fähigkeiten unter Anerkennung ihrer geschöpflichen Abhängigkeit, ihrer Unvollkommenheit und Schwäche und ihrer Sünde in engster Freundschafts- und Gebetsbeziehung zu Gott, ihm verbunden im Ziel, die Menschen ihm zuzuführen und in der Bereitschaft, mit dem Herrn zu leiden, ihm das Kreuz nachzutragen und in diesem Sinn an sich zu arbeiten. Hierbei stützt sie sich nicht auf sich selbst, sondern auf die Gnade Gottes, aber nicht „passiv“, sondern „rezeptiv“, empfangend, um in der so gewonnenen Freiheit selbständig, aktiv, weltoffen, eben „wie ein Mann“, die Aufgaben anzugehen, die sie als notwendig erkennt für die Reform und Wiederbelebung der Kirche. Ihre Theologie ist Frucht ihres Gebetslebens und korrigiert auf diesem Hintergrund die Theologie ihrer Zeit.

Was bedeutet das nun für unsere Fragestellung?

Zum einen: Liebe zu Gott und Tugend sind nicht geschlechtsspezifisch oder abhängig von Ämtern und Mitbestimmung in der Kirche. Je inniger und intensiver das Verhältnis zu Gott ist, um so mehr wird alles, was gut ist, im Menschen wachsen, ihn „menschlicher“ machen und dem Aufbau der Kirche dienen, bei Frauen wie bei Männern. Frauen mit ihrer von Natur aus größeren Neigung zu liebevoller Hinwendung und größerer Personengebundenheit haben hier ihre besondere Chance und Aufgabe.

Zum zweiten: Leben aus dem katholischen Glauben ist nicht geschlechtsspezifisch. Bestand und Erneuerung sind Frucht der personalen Beziehung zu Gott und nicht Folge von Strukturen und Strukturveränderungen. Hier stehen Männer wie Frauen in der Verantwortung, durch ihr Leben in Gebet und Einheit mit Gott Katholisches in Denken und Handeln in ihren Alltag, aber auch in das innerkirchliche Leben und die Theologie zu „übersetzen“.

Wir alle sollten wie Maria - und in ihrer Nachfolge viele andere so wie Teresa von Avila - Menschen werden, die ihre Beziehung zu Gott in die Lage versetzt, die Fähigkeiten, die Gott gab, in Bereitschaft und großer innerer Freiheit zum Aufbau der Kirche Christi einzusetzen und ihr zu nützen und so zu dem Mann, der Frau zu werden, wie es dem Plan Gottes für jeden einzelnen von uns entspricht.20

1 vgl. Gen 2,26

2 Mulieris dignitatem,Verlautbarungen des Apostolischen Stuhles Nr. 86, Hrsg. Dt. Bischofskonferenz, S. 23

3 ebda. S. 23f

4 ebda S. 24

5 vgl. und Zitate ebda S. 25ff

6 vgl. ebda S. 26f

7 vgl. und Zitate ebda S. 28f

8 vgl. und Zitate ebda S. 30

9 vgl. dazu ebda Ss. 31-39

10 vgl. und Zitate Redemptoris mater, 14f

11 vgl. und Zitate Karl Josef Wallner, Maria und der Heilige Geist, Vortrag Kevelaer 30.4.98, Manuskript S.4f

12 vgl. und Zitate ebda S. 6

13 vgl. KKK Art. 1700ff

14 vgl. 1 Kor 13

15 vgl. dazu 1 Petr 2,9

16 vgl. 1 Ti 2,4

17 vgl. zu dem gesamten Komplex: Manfred Hauke, Die Problematikum das Frauenpriestertum vor dem Hintergrund der Schöpfungs- und Erlösungsordnung.Bonifatius-Verlag Paderborn 1986, 2.Aufl.

18 vgl. Rö 8,29

19 vgl. Gal 4,5

20 vgl. zu Teresa von Avila: Jutta Burggraf, Teresa von Avila. Humanität und Glaubensleben, Schöningh-Verlag 1996

© Gertrud Dörner, 1997

Einleitung:

Der Titel meines Vortrages klingt etwas „verdächtig“, aber die Frage nach den Ansichten des Papstes über Frauen ist nicht nur lohnend, sondern für uns aufschlußreich. Denn unser Papst hat eine „schlechte Presse“, das weiß jeder von uns, der die „Szene“ beobachtet, und da ist es stets vernünftig, nach dem zu fragen, was er wirklich von uns Frauen hält, was er wirklich zu uns und über uns sagt bzw. welche Folgen das alles tatsächlich für uns hat.

Die Bereiche, in denen an unserem Papst besonders von interessierter Frauenseite viel Kritik geübt wird, sind leicht auszumachen. Da ist vor allem und zuerst seine Haltung zu Sexualität und Empfängnisverhütung. Sie gilt als „frauenfeindlich“ und nicht selten schiebt man ihm dafür auch die Schuld an unerwünschten Schwangerschaften und darauf folgenden Abtreibungen in die Schuhe, die dann auf diese Auffassung zurückgeführt werden. Glaubt man der Kritik aus dieser Richtung, so ist die gesamte Dritte Welt nur aus diesem Grunde überbevölkert, obwohl die Katholiken dort eine absolute Minderheit sind und sehr viele aus dieser Minderheit sich ohnehin nicht daran halten.

Hiermit in engstem Zusammenhang stehen die Ausführungen des Papstes zu Ehe und Familie, das absolute Verbot der Ehescheidung, die Ablehnung sog. „eheähnlicher Paarbeziehungen“, die keinesfalls der Ehe gleichgestellt werden, sowie homosexueller und lesbischer Beziehungen. Dies wird als „unbarmherzig“ qualifiziert, als Ausdruck unchristlicher Verständnislosigkeit und Lieblosigkeit, gipfelnd im Ausschluß von den Sakramenten, besonders der Eucharistie. Dies alles sei menschen- und in besonderem Maß frauenfeindlich. Jeder habe doch ein Recht auf „Glück“.

Als Höhepunkt und unüberbietbarer Ausdruck dieser angeblichen päpstlichen Einstellung gilt jedoch die Verweigerung der Priesterweihe für Frauen. Dies sei ein Angriff auf die Gleichwertigkeit und Würde der Frau, eine Mißachtung und Minderbewertung der Frau als Person und damit aller ihrer Fähigkeiten. Die Kirche sei der „letzte Hort des Patriarchalismus“, habe die Zeichen der modernen Zeit nicht erkannt.

Diejenigen, die solches in die Öffentlichkeit lancieren, lassen meist erkennen, daß sie das, was der Papst wirklich gesagt hat, einschließlich seiner Ziele und Absichten, nicht oder nur ungenau kennen und daß es ihren Ausführungen nicht zugrunde liegt. Deshalb wollen wir uns hier um die Beantwortung der folgenden Fragen bemühen:

- Was sagt der Papst zu all dem wirklich?

- Welche Folgen haben bzw. hätten seine Vorstellungen auf das Leben von uns Frauen, wenn man sich allgemein danach richtete? Würde dies uns Frauen schaden?

- Welche Stellung hat die Frau in der Kirche, was sind ihre Aufgaben, wenn man ihr das Priestertum verweigert? Ist sie dann tatsächlich nur die „Putzfee“, die die Kirchenbänke schrubben darf?

Es ergeben sich also drei große Themenbereiche:

1. Wer ist die Frau nach päpstlichem Verständnis, was ist ihre Bedeutung, was ist ihre Aufgabe in Kirche und Welt als Mensch?

2. Welche Vorstellungen hat der Papst zu Ehelosigkeit, Ehe und Familie; wie wirkt sich das auf sein Verständnis des Frauseins aus?

3. Warum wird der Frau in der Kirche das Priesteramt verweigert? Was ist ihre Aufgabe in der Kirche, wenn es das Priesteramt nicht ist?

Zu 1: Der Papst zu Bedeutung und Aufgabe der Frau allgemein als Mensch in Kirche und Welt

In der Enzyklika „Mulieris Dignitatem - über die Würde und Berufung der Frau“ zitiert der Papst zu Beginn aus der Botschaft des II. Vatikanischen Konzils an die Frauen: „Die Stunde kommt, die Stunde ist schon da, in der sich die Berufung der Frau voll entfaltet, die Stunde, in der die Frau in der Gesellschaft einen Einfluß, eine Ausstrahlung, eine bisher noch nicht erreichte Strellung erlangt. In einer Zeit, in der die Menschheit einen so tiefgreifenden Wandel erfährt, können deshalb die vom Geist des Evangeliums erleuchteten Frauen der Menschheit tatkräftig dabei helfen, daß sie nicht in Verfall gerät.“1 Und er schließt sich den Ausführungen Pauls VI. an, der, nachdem er die Heiligen Theresa von Avila und Katharina von Siena zu Kirchenlehrerinnen erklärt hatte, äußert: „Im Christentum besaß die Frau mehr als in irgendeiner anderen Religion schon von Anfang an eine besondere Würdestellung, wofür das neue Testament nicht wenige und nicht geringe Beweise bietet ...; es scheint ganz offenkundig, daß die Frau dazu bestimmt ist, an der lebendigen, tätigen Struktur des Christentums so stark teilzunehmen, daß vielleicht noch nicht alle Möglichkeiten dafür freigelegt worden sind.“2

Grundlage der Würde und Aufgabe der Frau wie des Mannes ist für den Papst der Schöpfungsbericht der Genesis. Hier ist der beispielhafte und vorbildhafte Anfang ; hier- in der Sünde - liegt auch die Ursache des Mißverhältnisses der Geschlechter zueinander, der eigentliche Grund für die Herrschaft des Mannes über die Frau und deren Herabwürdigung und Minderbewertung als Folge, aber auch der Beginn der Heilsgeschichte - also der „Geschichte der Heilung“ durch den Erlöser, „geboren von einer Frau“.3

Von Anfang an ist es Aufgabe und Ziel des Menschen - gestört durch die Sünde, wiederhergestellt durch den Erlöser - als Mann wie als Frau, geschaffen als „Abbild Gottes“, „am inneren Leben Gottes selbst teilzuhaben“.4 Das innerste Wesen Gottes aber ist „Liebe“. Diese ist nicht in erster Linie „Gefühl“, sondern tatkräftiges Wohlwollen auf der Grundlage alles Guten und Gerechten. Aus diesem Wesen Gottes ergibt sich, wie der hl. Paulus in seinem Hohenlied der Liebe 1 Kor 13 schreibt, daß „alles nichts ist ohne Liebe“, daß nur sie nicht vergeht, während alle anderen Gnadengaben aufhören. Die „Ordnung der Liebe“ ist also die höchste Ordnung oder auch Grundordnung, die Gott in seiner Schöpfung verwirklicht sehen möchte.

In dieser „Ordnung der Liebe“, die eine Ordnung der Hingabe ist, schreibt der Papst in seiner Enzyklika der Frau einen Vorrang vor dem Mann zu, beruhend auf ihrer von Gott gegebenen Natur. „Auf der Grundlage des ewigen Planes Gottes ist die Frau diejenige, in der die Ordnung der Liebe in der geschaffenen Welt der Personen das Erdreich für ihr erstes Wurzelfassen findet. Die Ordnung der Liebe gehört zum inneren Leben Gottes selbst, zum Leben des dreifaltigen Gottes. ... Die Würde der Frau wird von der Ordnung der Liebe bestimmt, die im wesentlichen eine Ordnung von Gerechtigkeit und Nächstenliebe ist. Nur die Person kann lieben, und nur die Person kann geliebt werden. ... Die Liebe ist ein ontologisches und ein ethisches Bedürfnis der Person. Die Person muß geliebt werden; denn allein die Liebe entspricht dem, was eine Person ist. ... So erklärt sich auch der Vorrang der Liebe, der von Paulus im ersten Korintherbrief angesprochen wird. ... Ohne Anwendung dieser Ordnung und dieses Vorranges ist eine vollständige und zutreffende Antwort auf die Frage nach der Würde und Berufung der Frau gar nicht möglich. Wenn wir sagen, die Frau empfängt Liebe, um ihrerseits zu lieben, meinen wir ... damit etwas ..., daß sich auf die Tatsache selbst des Frauseins in den interpersonalen Beziehungen gründet. ... In diesem ... Zusammenhang stellt die Frau einen Eigenwert dar als menschliche Person und gleichzeitig als jene konkrete Person in ihrem Frausein. Das trifft auf alle Frauen und auf jede einzelne zu.“5 - Da der Heilige Geist in der Dreifaltigkeit die Verkörperung der Liebe Gottes ist, steht die Frau zu ihm in einer besonderen Beziehung, wie es sich am deutlichsten in der Mutter unseres Herrn zeigt. Daher kann der Papst sagen, „daß zum biblischen Urbild der Frau vom Beginn der Geschichte bis zu ihrem Ende der Kampf gegen das Böse und gegen den Bösen in Person gehört. Es ist dies auch der Kampf um den Menschen, um sein wahres Wohl, um sein Heil. ... Wenn die Würde der Frau von der Liebe zeugt, die sie empfängt, um ihrerseits zu lieben, scheint das biblische Urbild der Frau auch die rechte Ordnung der Liebe zu enthüllen, welche die eigentliche Berufung der Frau darstellt. Es handelt sich hier um die Berufung in ihrer fundamentalen und geradezu universalen Gestalt, die dann konkrete Gestalt annimmt und in den vielfältigen Berufungen der Frau in Kirche und Welt zum Ausdruck kommt. Die moralische Kraft der Frau und ihre geistige Kraft verbinden sich mit dem Bewußtsein, daß Gott ihr in einer besonderen Weise den Menschen anvertraut ... dieses Anvertrauen betrifft in besonderer Weise die Frau - eben wegen ihrer Weiblichkeit -, und es entscheidet in besonderer Weise über ihre Berufung. ... Ein aufmerksames Bedenken des biblischen Urbildes der Frau - vom Buch der Genesis bis zur Offenbarung des Johannes - bestätigt ..., worin Würde und Berufung der Frau bestehen und was an ihnen unwandelbar und immer aktuell ist ... Wenn der Mensch in besonderer Weise von Gott der Frau anvertraut ist, bedeutet das, ... daß Christus von ihr die Verwirklichung jenes ´königlichen Priestertums´ erwartet, jenes Reichtums, den er den Menschen zum Geschenk gemacht hat ... Dann wird sich die Wahrheit, daß ´am größten die Liebe ist´ endgültig erfüllen.“6

In dieser „Ordnung der Liebe“ als Kern des Verhältnisses zu Gott und den Mitmenschen, der selbstverständlich auch der Mann grundlegend verpflichtet ist, räumt der Papst also ohne Einschränkung der Frau aufgrund ihrer von Gott gegebenen Natur den Vorrang ein, hier sieht er aber auch die Grundlage für ihr Verhalten in Kirche und Welt.

2. Der Papst zur Frau in Ehelosigkeit, Ehe und Familie

In seiner Enzyklika „Familiaris Consortio“, in ungezählten Predigten und Ansprachen hat sich Johannes Paul II. dieses Themas angenommen. Es ist nicht möglich, hier auch nur einen Überblick über alles von im Gesagte zu geben, deshalb nur die wesentlichen Grundzüge seiner Gedanken zu diesem Themenkreis.

Grundlage aller seiner Überlegungen zu diesem Komplex ist stets die Auffassung vom Menschen - ob Mann oder Frau - als Person, unverwechselbar und einmalig von Gott gewollt in der Würde der Gottesebenbildlichkeit. „Gott hat den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen: den er aus Liebe ins Dasein gerufen hat, berief er auch gleichzeitig zur Liebe ... Die Liebe ist demnach die grundlegende und naturgemäße Berufung jedes Menschen. Als Geist im Fleisch, das heißt als Seele, die sich im Leib ausdrückt, und als Leib, der von einem unsterblichen Geist durchlebt wird, ist der Mensch in dieser geeinten Ganzheit zur Liebe berufen. ... Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Weisen, die Berufung der menschlichen Person zur Liebe ganzheitlich zu verwirklichen: die Ehe und die Jungfräulichkeit. Sowohl die eine als auch die andere ist in der ihr eigenen Weise eine konkrete Verwirklichung der tiefsten Wahrheit des Menschen, seines ´Seins nach dem Bilde Gottes´. Infolgedessen ist die Sexualität, in welcher sich Mann und Frau durch die den Eheleuten eigenen und vorbehaltenen Akte einander schenken, keineswegs etwas rein Biologisches, sondern betrifft den innersten Kern der menschlichen Person als solcher. Auf wahrhaft menschliche Weise wird sie nur vollzogen, wenn sie in jene Liebe integriert ist, mit der Mann und Frau sich bis zum Tod vorbehaltlos einander verpflichten. Die leibliche Ganzhingabe wäre eine Lüge, wenn sie nicht Zeichen und Frucht personaler Ganzhingabe wäre, welche die ganze Person, auch in ihrer zeitlichen Dimension, miteinschließt. Wenn die Person sich etwas vorbehielte, zum Beispiel die Möglichkeit, in Zukunft anders zu entscheiden, so wäre schon dadurch ihre Hingabe nicht umfassend. Die Ganzheit, wie sie die eheliche Liebe verlangt, entspricht auch den Forderungen, wie sie sich aus einer verantworteten Fruchtbarkeit ergeben. Auf die Zeugung des Menschen hingeordnet, überragt diese ihrer Natur nach die rein biologische Sphäre und berührt ein Gefüge von personalen Werten, deren harmonische Entfaltung den dauernden, einträchtigen Beitrag beider Eltern verlangt.“7

Bereits aus diesem Auszug ergibt sich alles Wesentliche für die Stellung der Frau hinsichtlich Sexualität und Ehe nach päpstlicher Auffassung: die lebenslange treue Ehe bietet ihr als der durch Schwangerschaft usw. eindeutig Schwächeren und Belasteteren Schutz und Sicherheit, den Kindern stabile Verhältnisse als Voraussetzung gesunder Entwicklung. Die Frau wird nicht zur „Wegwerfware“ des Mannes, wird in ihrer Personwürde geachtet, was selbstverständlich vice versa auch gilt. Die Verantwortung für die gemeinsam gezeugten Kinder wird auch gemeinsam getragen.

An anderer Stelle der gleichen Enzyklika spricht der Papst ausdrücklich von der Einstellung des Mannes seiner Frau gegenüber. „Die echte eheliche Liebe setzt voraus und fordert, daß der Mann hohe Achtung vor der gleichen Würde der Frau habe: ´Du bist nicht ihr Herr´, schreibt der heilige Ambrosius, ´sondern ihr Mann; sie ist dir nicht zur Sklavin gegeben, sondern zur Gattin ... Erwidere ihre Aufmerksamkeit gegen dich und sei ihr dankbar für ihre Liebe.´ Mit seiner Gattin muß der Mann eine ´ganz besondere Form personaler Freundschaft´ leben. Als Christ ist er sodann berufen, eine neue Haltung der Liebe zu entwickeln und seiner Gattin jene zarte und kraftvolle übernatürliche Liebe zu erweisen, die Christus zu seiner Kirche hat.“, Hinweis auf den sakramentalen Charakter der Ehe. Klar wendet sich der Papst gegen einen „macismo“, das ist die „Anmaßung männlicher Vorrechte, die die Frau erniedrigen und die Entwicklung gesunder Familienbeziehungen verhindern.“8

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß es der Personwürde des Menschen - und damit auch der Frau - widerspricht, Sexualität auf Mißbrauch des anderen zur eigenen Triebbefriedigung zu reduzieren, dies gilt nicht nur außerhalb der Ehe, sondern auch für das eheliche Zusammenleben. Nur aus diesem Gedanken ist das päpstliche Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung zu verstehen - bzw. die Erlaubnis zur Nutzung der natürlichen Möglichkeiten, die ja Teil der Person des anderen sind und gemeinsame Verantwortung im Handeln voraussetzen.

Daß im Gesamtzusammenhang solcher Gedanken Pornographie und alle anderen Arten von Perversionen unmöglich sind, die ja überwiegend auf Kosten von Frauen und ihrer Personwürde gehen, auch dann, wenn diese sich dem frei zuwenden, und daß die Herabwürdigung der Frau als Person auch jeden Mann in seiner Personwürde trifft, von dem sie herabgewürdigt wird, liegt auf der Hand.

Ergänzend sei noch erwähnt, daß der Papst in der Ehe und der sich daraus ergebenden Familie die wesentliche Grundlage alles Guten und seiner Entwicklung in der Gesellschaft und - der Kirche sieht: die Familie als „Hauskirche“, Vermittlerin und erste Lehrerin der Beziehung zu Gott und des christlichen Lebens, und hier in unersetzbarer Bedeutung die Ehefrau und Mutter.9

„Die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit für das Reich Gottes stehen in keinerlei Widerspruch zum hohen Wert der Ehe, sondern setzen ihn voraus und bekräftigen ihn. ... (sie sind) die beiden Weisen, das Geheimnis des Bundes zwischen Gott und seinem Volk darzustellen und zu leben. Ohne Achtung für die Ehe kann es auch keine gottgeweihte Jungfräulichkeit geben; wenn die menschliche Sexualität nicht als ein hoher, vom Schöpfer geschenkter Wert betrachtet wird, verliert auch der um des Himmelreiches willen geleistete Verzicht auf sie seine Bedeutung.“10

Also auch aus Jungfräulichkeit bzw. Zölibat ist eine Mißachtung der Ehe und damit der Frau nur mit Böswilligkeit abzuleiten.

3. Der Papst und die Priesterweihe für Frauen

„Alle Glieder des Volkes Gottes, Priester Ordensleute und Laien, sind Arbeiter im Weinberg: Alle sind zugleich Adressaten und Subjekte der communio der Kirche und der Teilhabe an iherer Heilssendung. Alle und jeder einzelne arbeiten mit verschiedenen komplementären Charismen und Diensten in dem einen und gemeinsamen Weinberg. (...) Der Laienstand hat im Weltcharakter seine Spezifität. ... Das Amtspriestertum repräsentiert die bleibende Garantie der sakramentalen Präsenz Christi, des Erlösers, zu allen Zeiten und an allen Orten. Der Ordensstand gibt Zeugnis vom eschatologischen Charakter der Kirche, das heißt von ihrem Ausgerichtetsein auf das Reich Gottes ...“11

Zum Laien- und zum Ordenstand gehören Frauen, zum Stand des Amtspriestertums nicht. Warum?

Eigentlicher und bleibender Grund ist primär die Tatsache, daß Jesus Christus dies für seine Kirche so festgelegt hat. Niemals seit den Zeiten der Apostel ist dies innerhalb der Kirche in Frage gestellt worden. Die ständig wiederholte Behauptung, dies sei rein zeibedingt gewesen, Jesus habe es in der ihn umgebenden Gesellschaft eben nicht anders gewußt oder sich leisten können, entspricht nicht den historischen Gegebenheiten. Jesus lebte in einem Gebiet des römischen Reiches, das multikulturell war, wie wir heute sagen würden. Dieses angeblich rein jüdische Gebiet war besetzt von römischen Truppen und durchsetzt von den damit verbundenen verschiedensten heidnischen Kulten, von den Folgen der ausgedehnten Wirtschaftsbeziehungen und dem massiven Einfluß der griechisch-römischen Kultur ganz zu schweigen. Da die heidnischen Kulte, überwiegend orgiastische oder Fruchtbarkeitskulte, durchaus Priesterinnen hatten, wäre Jesus damit nicht besonders aufgefallen. Außerdem folgten ihm sehr viele Frauen und unterstützten ihn als Jüngerinnen, an Aspirantinnen für das Priesteramt war also kein Mangel. Gleiches gilt auch für die Missionsreisen der Apostel, die ebenfalls deutlich und massiv von Frauen unterstützt wurden.

Darüber hinaus „zeigt die Tatsache, daß Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche, nicht den eigentlichen Sendungsauftrag der Apostel und auch nicht das Amtspriestertum erhalten hat, mit aller Klarheit, daß die Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe keine Minderung ihrer Würde und keine Diskriminierung ihr gegenüber bedeuten kann, sondern die treue Beachtung eines Ratschlusses, der der Weisheit des Herrn des Universums zuzuschreiben ist. Auch wenn die Gegenwart und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden ist, so bleiben sie doch absolut notwendig und unverzichtbar. ... die christlichen Frauen (sollen) sich der Größe ihrer Sendung voll bewußt werden; ihre Aufgabe ist heute von höchster Bedeutung sowohl für die Erneuerung und Vermenschlichung der Gesellschaft als auch dafür, daß die Gläubigen das wahre Antlitz der Kirche wieder entdecken. ... Auf der anderen Seite ist die hierarchische Struktur der Kirche vollkommen auf die Heiligkeit der Gläubigen ausgerichtet. Daher ruft die erklärung Inter Insigniores in Erinnerung, ´das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe ... Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen.´“12 - „Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl.Luk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“13

Die Ergebnisse der Feminististischen Theologie, der „Spielart“ des weltlichen Feminismus, von dem sie sich nicht grundsätzlich unterscheidet, zeigen, daß die Forderung nach dem Frauenpriestertum mit dem Gottesbild in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Dies deutlich gezeigt zu haben ist das Verdienst von Manfred Hauke, Professor für Dogmatik in Lugano, der die Beziehung zwischen immanentistischen Gottesbildern (Pantheismus, gnostische Systeme) und Fruchtbarkeitskulten, die notwendig Frauen als Priesterinnen brauchen, herausgestellt hat. Die Entwicklungen im theologischen Feminismus, die zur „Göttin“, im weniger schlimmen Fall immer noch zu einer Mystifizierung weiblicher Eigenart und Fruchtbarkeit führen mit massiven Beziehungen zu Esoterik und Okkultismus, zeigen, daß die Entscheidung des göttlichen Stifters, seiner Kirche nur Männer zu Priestern zu geben, sehr vorausschauend war und ihrer Erhaltung dient, was auch zur Entscheidung des Papstes zu sagen ist. Dabei bleibt die Tatsache, daß der Priester „in persona Christi“ real und symbolhaft die Sakramente spendet, noch unberücksichtigt.

Zusammenfassung:

Ich komme zum Schluß.

Nirgends, gleichgültig welche Verlautbarung des Papstes wir nehmen, gibt es auch nur den geringsten Ansatz zu der Vermutung, er selbst oder die katholische Kirche unter seiner Leitung diskriminiere Frauen und stünde ihrer Beteiligung am Leben der Kirche abweisend gegenüber. Das Gegenteil ist der Fall!

Nichts wünscht der Papst mehr, als daß die Frauen ihre Aufgabe in Kirche und Gesellschaft wahrnehmen. Er erwartet Großes von ihnen, sieht in ihnen eine der Grundlagen für die Hoffnung der Kirche und der Gesellschaften.

Eines allerdings ist klar: all das können Frauen nicht leisten, wenn sie sich als Frauen nicht annehmen, wenn sie vor allem ihr Frausein nicht im Lichte des Glaubens als Nachfolge Jesu nach dem Vorbild Mariens sehen. Dann ist die Last, das Kreuz, das mit der Erfüllung der Liebe zu tragen ist, nicht zu ertragen. Hier - und dies gilt für alle Mitglieder der Kirche - setzt der Dienst des Amtspriestertums an, das ja, wenn es als „Machtausübung“ gesehen wird, seinen Sinn verfehlt. Es ist der Dienst dieses Amtes, daß es den Gläubigen die Begegnung mit Christus in den Sakramenten ermöglicht und ihnen damit die göttlichen „Kraftquellen“ öffnet.

Statt also lautstark den opfervollen Dienst dieser Männer als „Machtmißbrauch“ zu diskriminieren, sollten wir als Frauen besser versuchen, unsere Aufgaben zu erfüllen, und sie, die doch um des Herrn willen und für uns Gläubige sehr viel auf sich nehmen, so gut wir können auf unsere Weise in ihrer Arbeit unterstützen.

Dem Papst aber sollten wir dankbar sein und ihn verteidigen.

1 a.a.O. S.5

2 a.a.O S.5

3 vgl. dazu a.a.O S. 23ff

4 vgl. ebda

5 vgl. und Zitate a.a.O. S. 63ff

6 ebda S. 65ff

7 Familiaris Consortio S.15

8 ebda vgl. und Zitate S. 29

9 ebda vgl. S. 21ff

10 ebda S. 19f

11 Christifideles Laici S. 88f

12 vgl. und Zitate: Apostolisches Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis, DT vom 31.5.94

13 ebda, Art. 4

© Gertrud Dörner, 1999

Einleitung

Kinder liegen ihren Eltern im Normalfall mehr am Herzen als alles andere. Sie wünschen sich für sie ein Leben in größtmöglicher körperlicher und seelischer Gesundheit; ein positives Leben, voll Wert für sie selbst und ihre Mitmenschen. Sie wünschen sich, daß Leib und Seele ihrer Kinder frei bleiben von Verkrüppelung und Verformung, daß ihre Kinder alles Gute, was in ihrer Natur und in der sie umgebenden Kultur angelegt ist, ausschöpfen und ausbilden können. Dies alles erscheint den Eltern als Grundlage des erfüllten und geglückten Lebens, das wir unseren Kindern wünschen.

Aber wir leben in einer vielfältig strukturierten Zivilisation. Wir leben in einer pluriformen Gesellschaft mit sich widersprechenden Wert- und Normsystemen. Daher ist diese Gesellschaft aus sich nicht in der Lage, die Weitergabe einer gelebten Kultur mit gesicherter Wert- und Normorientierung zu leisten. Eltern sind gezwungen auszuwählen, und wenn sie in unserer Gesellschaft nach Orientierungen suchen, weil sie ihren Kindern Bleibendes vermitteln wollen, brauchen sie Entscheidungshilfen.

Eine dieser Hilfen ist sicherlich Kenntnis und Analyse des „Ist-Zustandes“ mit seinen Wurzeln und geistigen Hintergründen und mit den Zukunftsperspektiven, die sich aus diesem „Ist-Zustand“ ableiten lassen. Eine andere Hilfe sind mögliche Ansätze zur Steuerung der Entwicklung und mögliche konstruktive Alternativen. Beides will ich - trotz der beschränkten Zeit und im Rahmen meiner Möglichkeiten - versuchen. Tendenzen und Richtungen werde ich allerdings akzentuiert herausarbeiten müssen, um das jeweilige Profil klar erkennbar zu machen. Eine gewisse holzschnittartige Sichtweise sei mir deshalb gestattet.

Menschen lernen anders

Um das Folgende richtig einschätzen zu können, möchte ich zunächst kurz etwas sagen zur spezifisch menschlichen Art zu lernen:

Während Tiere nur im Rahmen ihrer Instinkte, die zu einer Umgebung passen wie der Schlüssel zum Schloß, lernfähig sind, hat der Mensch nur noch unspezifische Instinktreste. Alles, was er zum Überleben und Zusammenleben benötigt, muß er aus der ihn umgebenden Kultur lernen. Sein Lernen ist also geistig bestimmt. Er will verstehen, sucht von Klein auf nach Ordnungen, nach Strukturen, die ihm helfen, die ihn umgebende Welt zu erfasssen, um in ihr zurechtzukommen. Dies ist ein Vorteil, weil er sich so an jede beliebige Umwelt anpassen kann. Aber es ist auch ein Nachteil, denn er ist daher in diesem Bereich sehr verletzlich und beeinflußbar. In undifferenzierten Gesellschaften lernt das Kind alles, was es braucht, von seinen unmittelbaren Bezugspersonen und seiner direkten Umgebung. In komplexen Gesellschaften wie der unseren übernehmen neben der Familie Institutionen wie etwa die Schule arbeitsteilig Teile dieser Einführung und Ausbildung. Eine geregelte Weitergabe erhält die Kultur stabil, Veränderungen sind langsam, nicht revolutionär, und stellen das Gesamtgefüge nicht in Frage.

Lernen, wie es nur dem Menschen möglich ist, vollzieht sich also strukturiert und strukturierend. Ordnend und geordnet entsteht in unserem Denken das Bild der Welt als „kognitive Struktur“ in Über-, Unter- und Nebenordnung. Unterrichtung, die dazu Hilfe sein soll, muß diese typisch menschliche Lernweise berücksichtigen und unterstützen.

Will man jedoch eine Gesellschaft und ihre Kultur vernichten, erscheint das Erziehungswesen als Angriffspunkt recht vielversprechend. Jungen Menschen fehlt naturgemäß noch die gesicherte Persönlichkeit, ihnen fehlen noch die notwendigen Sachkenntnisse, ihnen fehlt auch noch das sachangemessene Urteilsvermögen. Als Manipulationsobjekte sind sie also sehr gut geeignet. Das gleiche gilt übrigens auch für alle Mitglieder der Gesellschaft, die aus den unterschiedlichsten persönlichen Gründen diese positive Anpassung nicht vollziehen konnten oder sie zurückgenommen haben.

Auch in unserer Gesellschaft lassen sich Ansätze zum Angriff auf ihre Kultur nachweisen, die sie über den Einfluß auf das Erziehungswesen treffen und revolutionär verändern wollen, wobei „Revolutionen“ durchaus nicht lautstark sein müssen. Veränderungen der pädagogischen und der Schullandschaft sind verstärkt seit etwa 1968 zu beobachten, stets erneute „Bildungsreformen“ genannt und mit viel Euphorie begleitet.

Ursachen des Wandels

Wo liegen nun die Wurzeln dieser Veränderungen, was waren ihre Ziele? Gibt es vielleicht Persönlichkeiten oder Institutionen, die an Initiierung und Fortentwicklung besonders beteiligt waren oder sind, und wo sind sie zu suchen? Wie ist die Entwicklung zu beurteilen? Geht sie weiter? Wie ist der Stand heute?

Als geistiger Hintergrund greifbar ist vor allem die „Frankfurter Schule“. Zu nennen sind hier vor allem Namen wie Adorno, Habermas, Marcuse. Die dort vertretene „Kritische Theorie“ ist ein den veränderten Gesellschaftsverhältnissen angepaßter „Neuaufguß“ des Marxismus. Man geht jetzt nicht mehr aus vom unüberwindlichen Gegensatz zwischen Arbeiterschaft und Besitzbürgertum, sondern wendet sich jetzt gegen sog. „bürgerlichen Werte“, die als „systemerhaltend“, d.h. also gesellschaftserhaltend, abklassifiziert werden. Diese Werte will man nun beseitigen und stellt zu diesem Zweck als neue Erziehungsziele auf: „kritisches Verhalten“ und „Emanzipation“, beides entspricht dem bewußten und gewollten Widerspruch zur bestehenden Gesellschaftsordnung und ihren Werten.

In diesem Kontext sind besonders auch Max Horkheimer und Wilhelm Reich zu nennen, die polemisch und aggressiv Ehe und Familie bekämpfen. Sie stellen sie dar als Horte sexueller Unterdrückung, vor allem aber als Stabilsierer und Reproduktionsstätte des von ihnen bekämpften Gesellschaftssystems. In ideologischer Verquickung des Neo-Marxismus mit der Triebtheorie von Sigmund Freud fordern sie die „sexuelle Befreiung“ des Menschen möglichst schon vom Säuglingsalter an, denn die sexuelle Betätigung sei die eigentliche und höchste Glücksquelle für alle. Von Wilhelm Reich ausdrücklich genanntes Ziel ist: die Früh-Sexualisierung von Kindern und Jugendlichen, damit sie sich möglichst schnell der Bindung an die Familie und damit deren Einfluß entzögen. Weiter ist es erklärtes Ziel, auf diese Weise die Bindungsfähigkeit, Voraussetzung jeder geglückten Ehe, zu zerstören.

Mit der „Emanzipation“ als Erziehungsziel verbunden ist die Ablehnung jeglicher Autorität, nicht nur der der Eltern, sondern auch der des Staates und der Kirchen, wobei der „Vater-Gott“ des Christentums besonders im Mittelpunkt der Polemik steht. Auf mehr als fadenscheiniger pseudowissenschaftlicher Grundlage entwickelt man die Theorie des „autoritären Charakters“, der blind auch das Schlechteste tut, wenn es ihm befohlen wird, der auf der anderen Seite aber eine Ansammlung bürgerlicher Werthaltungen, sog. „Sekundärtugenden“, darstellt, die es deshalb zu bekämpfen gilt.

Der Erwerb von „Wissen“, von Kenntnissen, wird als „bürgerlich und systemerhaltend“ diskriminiert. Gegen jede Art von Tradition und gegen Institutionen wie z.B. die Schule wird Widerstand hervorgerufen. Im Anschluß an Untersuchungen Michel Foucaults in Gefängnissen und psychiatrischen Anstalten wird dessen Institutionenkritik auf die Schule übertragen und diese als Gefängnis, als „Zwangsarbeit“ hingestellt, wo „Kinder wie Gefangene“ behandelt würden.

Erklärtes Ziel dieser sog. „Neuen Linken“ ist es, mit Hilfe der so genannten „emanzipatorischen Pädagogik“ unter dem Motto „’durch Kulturrevolution zur Gesellschaftsrevolution’ die moralischen Grundfesten des Staates zu erschüttern.’“1

Nun könnte man die Auffassung vertreten, das ist lange her, was geht uns das heute an, aber nach 1968 ist die Neue Linke keineswegs gescheitert. Wie schon ihre amerikanischen Vorläufer 1962 traten auch ihre Vertreter den „Marsch durch die Institutionen“ an in scheinbar bürgerlicher Angepaßtheit. „Gerade den Bereich der Pädagogik hat die Neue Linke besonders schnell vereinnahmt.“ Deren komplizierte, mit z.T. neu geschaffenen Fremwörtern reichlich versehene Sprache, von Brezinka ‘scheinwissenschaftlicher Imponierjargon’ genannt, „verschaffte ihr den Nimbus der Wissenschaftlichkeit und erfüllte seinen geplanten Zweck, die Macht der intellektuellen Avantgarde über die Nichtintellektuellen zu stärken. Die Erziehungsideen der Neuen Linken beherrschen die Ausbildung von Lehrern, Sozialarbeitern und Erziehern. Die Autoren dieser Richtung sind schnell in die Professuren der Universitäten gelangt und werden heute als ‘Kapazitäten’ zitiert.“2 Die Vertreter dieser Richtung sind inzwischen auf allen gesellschaftlichen Ebenen einschließlich der politischen vertreten und arbeiten eng zusammen. Man initiiert „Reformen“, die angeblich verbessern sollen, in Wirklichkeit aber zersetzend wirken. Bereits 1970 wurde von Vertretern der neuen Linken öffentlich unterschieden „zwischen systemstabilisierenden und systemsprengenden Reformen“, und man verschwieg nicht, daß eine Schulreform „langfristig systemsprengende Wirkung ausüben könnte.“3

Auf diesem Hintergrund sind nicht nur die neuen Schultypen zu sehen. Hierher gehört auch die Ablösung verbindlicher Lehrpläne durch sog.“Richtlinien“ und „Lernziele“, die im Prinzip mit jedem Lernstoff erreicht werden können, die aber, falls man will, auch ganz ohne klassischen Lernstoff auskommen, und deren Weiterentwicklungen.4 Gemeinsam ist diesen „Reformen“, daß sie das Lern- und Leistungsniveau nivellieren und die Tendenz zur Verringerung des elterlichen Einflusses einschließen.5

Die ideologischen Richtungen der Neuen Linken

Innerhalb des Einflusses der Neuen Linken lassen sich drei große Richtungen unterscheiden: die Antipädagogik, die Kritische Psychologie und die Gestaltpädagogik resp. Gestaltpsychologie als deren theoretische Voraussetzung.

- Antipädagogik

Diese „Pädagogik“ ist nicht anti- im Sinne von Verbesserung des Bestehenden, sondern im Sinne von Verneinung von Pädagogik.6 Man lehnt jede Art von Einflußnahme und Erziehung ab und diskriminiert sie.7 Ausgehend von einem autoritären Bild von Schule, dem die Realität in dieser Allgemeingültigkeit niemals entsprochen hat, stachelt man die Schüler zu Verweigerungshaltungen auf. Man erstrebt die vollständige Zurücknahme „sämtlicher Ziele, Werte, ethischen Grundsätze und vor allem jeder erzieherischen Anleitung“. Man will „absolute Selbstverantwortung von Geburt an“ und „völlige Toleranz“, die de facto die völlige Beliebigkeit ist. 8 Zu nennen ist hier vor allem Ekkehard von Braunmühl, für den Pädagogik eine „menschenverachtende, dem Faschismus gleiche Ideologie der Gehirnwäscherei und des Seelenmordes“ ist. Antipädagogen und Anarchisten sind für ihn dasselbe. „...studiert man den Hintergrund und vor allem auch die Methoden der Kritik, von Beschimpfung bis hin zur Diffamierung der Eltern und Erzieher, wird nicht viel Phantasie benötigt, um ganz klare Ziele der Zersetzung wichtiger Einrichtungen und vor allem von Ethik und Moral einer ganzen Epoche zu erkennen.“9

- Kritische Psychologie

Sie ist entstanden aus einer der „Roten Zellen“ an der Freien Universität Berlin, der es 1969/70 gelang, das Psychologische Institut der Universität zu übernehmen, indem man Andersdenkende hinausekelte.10 -

Symptomatisch für diese Richtung ist die Nutzung psychologischer Defekte von Menschen zur Gesellschaftsveränderung. Entsprechend werden sie bezeichnet. So bezeichnet man z.B. aggressive Symptome als „produktiv“, mehr passive Leidenssymptome als „defektiv“. Die Motivation eines Menschen ist „fremdbestimmt“, wenn er als angepaßtes Mitglied in einer Gesellschaft lebt, sie ist „eigenmotiviert“, wenn er seine „Eigenbedürfnisse“ gegen die Gesellschaft auslebt. Nach dem gleichen dialektischen Muster wird „Handlungsfähigkeit“ gedeutet. Erklärungsgrundmuster für alle Ereignisse ist der Klassenkampf, von dem angeblich alles kommt und zu dem alles führt, jetzt nur auf andere Gruppen übertragen. Jedes psychologische Problem wird so zu einem gesellschaftlichen, das angeblich nur durch den Kampf „gegen die Verhältnisse“ gelöst werden kann.11 In Grundzügen und Auswirkungen entspricht die Kritische Psychologie der Antipädagogik. Ihre Methoden bezieht sie zum größten Teil aus der sog. „Gestalttherapie“, die im folgenden ausführlich behandelt wird.12

Allgemeine Wirkung: „Mit Indoktrination durch antipädagogisches Gedankengut hält man Eltern dazu an, ihren Erziehungsauftrag gegenüber den Kindern aufzugeben. Damit liefert man die Kinder und Jugendlichen der politischen Agitation wehrlos aus. Die der Orientierung beraubte Jugend wird schließlich als Manövriermasse mit Hilfe gestalttherapeutischer Techniken in den gewalttätigen Kampf gegen ihre Mitmenschen getrieben.“13

-Gestaltpädagogik/Gestalttherapie

Die Gestaltpädagogik ist die praktische Anwendung der Gestaltpsychologie resp. -therapie. Sie ist nicht zu verwechseln mit der „Gestaltpsychologie“ nach Wertheimer/Köhler, wobei die Namensähnlichkeit von den Begründern der Gestalttherapie bewußt herbeigeführt wurde. Deren Gestaltpsychologie ist eine seriöse Wissenschaft und erforscht empirisch die Fähigkeiten des Gehirns, unvollständige Sinneswahrnehmungen sinnvoll zu ergänzen.14 Ihre Begründer, Max Wertheimer (1880-1943) und Wolfgang Köhler, distanzierten sich ausdrücklich von der Gestalttherapie.15

Die hier gemeinte Gestaltpsychologie bzw. -pädagogik ist inzwischen die wichtigste und einflußreichste der Richtungen der Neuen Linken. Sie geht Hand in Hand mit der „Kritischen Psychologie“ und ihre Grundstruktur ist nihilistisch wie die der Antipädagogik.

Geschaffen wurde diese Richtung von Frederick Perls und Paul Goodman unter Einbezug der ca 350 persönlichkeitsverändernden Methoden Morenos. Dieser erfand sie nach dem 2. Weltkrieg, um die , wie er sagte, „faschistoiden Deutschen“ zur Demokratie umzuerziehen. Bei der gesamten Richtung geht es um „gezielte Eingriffe in die Persönlichkeit“ mit dem Ziel, „Aversionen zu erzeugen“ und sie „für den gesellschaftlichen Kampf“ zu nutzen. Grundlegend sind Taktiken, die sich stets auf die Person selbst, nicht auf die Sache richten, und solche der „aggressiven Gewaltlosigkeit“. Beispiele sind u.a.: Psychodrama nach Moreno, Gestalttherapie nach Perls, Bioenergetik, Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn, Kreative Aggression nach Bach, Integrative Familientherapie, Marathon-Encounter usw.

Kurz erwähnt sei, daß Perls (1893-1970) eine schwer gestörte Persönlichkeit war, unfähig zu geordneter Arbeit, ohne Beruf trotz mehrfacher gescheiterter Anläufe zum medizinischen Staatsexamen, dem nur eine Tätigkeit am Esalen-Institut in Kalifornien zu einigem Ansehen verhalf. - Goodman (1911-1972) setzte für 500 Dollar Perls Gedankenbruchstücke, vermischt mit eigenem Gedankengut, zu einem Buch zusammen, weil Perls dazu nicht in der Lage war. Goodman war einer der Hauptanführer der amerikanischen Studentenrevolte um 1962, der Vorläuferin der europäischen, und verlor mehrfach seine Stellung als Lehrer, weil er sich an seinen Schülern sexuell verging. Daher wohl auch sein ausgeprägter Haß gegen die Institution Schule.

Hauptverbreiter der Gestaltpädagogik resp. -therapie besonders in Deutschland ist Hilarion G. Petzold. 1944 geboren, gibt er an, mit 24 Jahren zweimal promoviert gewesen zu sein, dazu Studien der Landwirtschaft, Theologie, Psychologie, Medizin und Pädagogik absolviert zu haben, sieben bis acht Sprachen zu sprechen, diverse alte Sprachen lesen zu können. Er will „Blitzausbildungen“ bei Vladimir Iljine, Perls und Moreno gemacht und mit 22 eine Gruppe Drogenabhängiger therapiert haben, die bis zu vier Jahre älter waren als er. Mit dem Aufkommen des „Psychobooms“ Ende der 60-er Jahre begann für ihn die Gründung der sog. „Gestaltinstitute“, die inzwischen in jeder größeren Stadt zu finden sind. Bereits 1981 konnte Petzold stolz feststellen, daß die Gestalttherapeuten auf die „Wohngemeinschaftsbewegung, die Ökoszene, die gay liberation, die alternative Pädagogik“ nachhaltigen Einfluß habe, deren „Breitenwirkung“ noch nicht abzuschätzen sei. Um die Zuordnung der verschiedenen Therapieformen zur Gestalttherapie zu erschweren, erfindet Petzold ständig neue Begriffe, so u.a. „Integrative Therapie, Bewegungstherapie, Tanz-, Musik-, Gong-, Poesie-, Lambanotherapie, Masken-, Puppenspieltherapie, Thymo-, Lomi-Therapie“ usw.

Das alles könnte uns „kalt“ lassen, aber inzwischen haben die Anhänger dieser Richtung zahlreiche Professorenstellen besetzt und dadurch großen Einfluß auf Ausbildung und Selektion der Studenten gewonnen. Petzold selbst ist inzwischen Professor an der Universität Amsterdam und so in der Lage, von dort aus ebenfalls seine Ideen und Methoden zu verbreiten.

In Anlehnung an die marxistische Gesellschaftstheorie behauptet Petzold, „Durch die Zivilisation würden den Menschen ihre Entwicklungsmöglichkeiten amputiert, gleichzeitig würden sie durch Amnesierung (Vergessen) verblendet.“ „Unter dem Vorwand, ‘verschüttete Sensibilität wiederzuentdecken’, werden Hilfesuchende oder Schüler, die in die Fänge der Gestaltpädagogen geraten, schrittweise, jedoch gezielt dazu gezwungen, Normen, Werte und sinnvolle Rücksichten gegenüber anderen Menschen und deren Eigentum abzubauen, um angeblich ‘sich selbst zu entdecken’“.

Sichtet man die heute angebotenen sozialen Spiele oder Rollenspiele, die in der pädagogischen Literatur beschrieben werden, so lassen sie sich fast ausschließlich auf Morenos Psychotechniken zurückführen oder wenigstens auf deren Zielsetzung. Diese Techniken sollen angeblich dazu beitragen, daß der Mensch zu seiner ‘Ganzheit’ finde, seine ‘Verkopftheit’ zugunsten einer allgemeinen ‘Kreatürlichkeit’ ablege, seine ‘Bedürfnisse’ entdecke und Eigenständigkeit einübe.“16

Auswirkungen auf unterrichtliche Veranstaltungen:

Inzwischen sind diese Methoden so weit verbreitet, daß ich zunächst einen Überblick geben möchte, wie sie im Rahmen von Unterricht und/oder sonstigen Bildungsveranstaltungen zu erkennen sind:

Der erste Schritt, der den pädagogisch-gestalttherapeutischen Kampfplatz eröffnet, ist stets die Frage: „Was fühlst du?“

Die Gestalttherapeuten reduzieren das menschliche Gefühlsleben auf sechs Gefühle: Trauer, Wut, Liebe, Haß, Freude, Erregung. Diese Affekte werden nun gezielt und distanzlos in den Teilnehmenden provoziert, und diese sollen sie als angebliche „Bedürfnisimpulse“ völlig ungehemmt von Anstand und guten Sitten ausleben, je ungehemmter, desto „echter“. „Die Achtung vor dem anderen Menschen gilt nur als lästiges Resultat einer ‘bürgerlichen Dressur’. Gefühlsverrohung und Gemütsverarmung sind die gewollten Folgen.“ Jeder soll sich das nehmen, was er gerade „braucht“; „gut sei, was für ihn stimme“. Ihre Mitmenschen und wie es denen dabei geht, ob sie darunter zu leiden haben oder nicht, darum soll man sich nicht kümmern, das sei gleichgültig. - Die Gefühlsaufbrüche werden erreicht mit verdeckt autoritären Mitteln; so werden die Teilnehmer zunächst zu sog. „Aufwärmspielen“ gezwungen.Beispiele: „Ringelreihn“ oder gemeinsames Herumhüpfen und -hopsen bis dahin wildfremder Menschen; Ausziehen z.B. der Schuhe, die dann den vermutlichen Besitzern zugeordnet werden müssen usw. Verbal Informatives zu den einzelnen Personen fehlt jedoch. Auf diese Weise wird Vertrautheit und Gefühlsnähe suggeriert, die es dann später zuläßt, daß die Hemmschwelle des Respekts vor dem andern schnell überwunden wird, um ihn zu distanzlosen und bis in die Intimität reichenden Fragen und Antworten zu bringen.17

Der zweite Schritt ist der wichtigste zum Gelingen der Methode und wird vom Therapeuten selbst vollzogen. Er muß versuchen, über möglichst alle Teilnehmer der Gruppe, von diesen unbemerkt, die Oberhand zu gewinnen. Zu diesem Zweck wird er geschult, Abhängigkeitsgefühle und Schwächen der einzelnen schnell wahrzunehmen und sie dann für seine Zwecke auszunutzen. - Das entspricht übrigens exakt dem Grundmuster aller sado-masochistischen Beziehungsabläufe.18

Ist dem Leiter dies gelungen und hat sich in der Gruppe eine gewisse Routine eingespielt, folgt der dritte Schritt. Der Gruppenleiter beginnt, „immer direkter und unverschämter die Persönlichkeit der Teilnehmer anzugreifen. Er versucht zum Beispiel, einzelne in die Enge zu treiben, um eine ‘Explosion der Affekte’ herbeizuführen.“ Das Ziel ist der Rückzug der Teilnehmer in kleinkindliche Verhaltensweisen. So beschreibt Ruth Cohn, die Begründerin der Themenzentrierten Interaktion, ihre eigene Reaktion bei Perls als Schreien und Weinen wie das eines hilflosen Säuglings. „Solch gewaltsames Eindringen ins tiefste unbewußte Gefühlsleben eines Menschen kann eine Psychose hervorrufen. Genügend Fälle sind bekannt, wo sich nach Gestaltworkshops und Encountermarathons Teilnehmer in psychiatrische Behandlung begeben mußten.“ - Diese Methoden werden von der Gestaltpädagogik als „neue“ bzw. „menschliche“ Lernformen ausgegeben.

Die Schule als staatliche Pflichtveranstaltung wird von den Gestaltideologen in ihrer Struktur abgelehnt als hierarchische Organisation und damit angebliche Zwangsinstitution. Man fordert „basisdemokratische“ Bestimmung über das Schulbudget und die schulische Administration.19 - Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die laufende Diskussion um die sog. „autonome Schule“, um das Schulbudget und auf die wiederum erhobene Forderung nach Auflösung des Beamtenstatus der Lehrer zugunsten der Einstellung und stets erneuten Bestätigung durch den jeweiligen Schuldirektor. Dies würde den endgültigen und vollständigen Zugriff auf Schule und Schüler ermöglichen und jeder einseitig ideologischen Ausrichtung Platz schaffen. - Letztlich trifft man über diese Vehikel die Schule selbst als Institution und stimmt hier mit den Antipädagogen überein. Wie bei den Antipädagogen soll „über die Abschaffung der Schulpflicht die staatliche Schule aus der Welt geräumt werden. Danach soll mit zweifelhaften Experimenten nach einer neuen Schule gesucht werden, von der wir bis heute nur wissen, daß in ihr die systematische Vermittlung von gesichertem Wissen und bewährten Kulturtechniken keine Bedeutung mehr haben wird.“ Der Erziehungswissenschaftler Hartmut von Hentig beschreibt diese neue Schule so: Diese Schulen „versuchen, soweit es geht, in den Gemeinden aufzugehen, haben keinen formalisierten Unterricht bis zum zwölften Lebensjahr, arbeiten mit Nicht-Lehrern, in Nicht-Strukturen, mit einer Nicht-Verwaltung.“ Man will „das Getto der Schulen auflösen, weniger erziehen und mehr mit den Kindern leben, sie weniger mit unserem Wissen bedrängen und mehr ihre eigene Neugier bestärken - und ‘to spend a lot more time just leaving them alone - and perhaps enjoying them’(...) Das Wort ‘school’ hat nur noch die Bedeutung einer Etikette (d.i. eines Etiketts; d.V.), denn die Kinder lernen keinen Schulstoff mehr, die Wissensvermittlung durch Lehrer wird als ‘Bedrängung’ abgetan und das einzig Systematische besteht darin, die Kinder sich selbst zu überlassen.“ (to enjoy= Spaß, Genuß haben an und mit!)

Nicht nur zur Antipädagogik, auch zur Kritischen Psychologie bestehen inzwischen intensive Beziehungen. „In der gestaltpädagogischen Aus- und Weiterbildung wird das Augenmerk der Lehrer mehr und mehr auf gesellschaftlich-strukturelle ‘Zwänge’ gelenkt. Damit arbeitet sie - vereint mit der Kritischen Psychologie - beim einzelnen Menschen mit psychologischen Mitteln auf eine radikale Umwälzung der Gesellschaft hin.“20

Résümée: Wissenschaftliche Einschätzung; Beziehung zur Reformpädagogik

Befragt man die Gestaltpädagogik auf ihre Wissenschaftlichkeit hin, muß man feststellen, daß sie dergleichen nicht besitzt. Sie ist ein Konglomerat der unterschiedlichsten Versatzstücke mit wohlklingenden Namen und Begriffen. So bedient man sich besonders gern der Namen und Begriffe der Reformpädagogik. Dazu reißt man deren Konzepte und Terminologie aus dem Zusammenhang und benutzt sie in a-historischer und verfälschender Weise; so z.B. Gaudigs „freie geistige Schularbeit“, das Prinzip des „Lernens durch Erfahrung“ von Kerschensteiner, die „Methoden des freien Selbstausdrucks“ der Kunsterziehungsbewegung, das „Learning by doing“ von John Dewey, die „Pädagogik der Selbsttätigkeit“ von Freinet. Letztere besteht bei den Gestaltpädagogen z. B. darin, daß man die Kinder ohne Anleitung einfach sich selbst überläßt.21

Bezeichnend ist die von Petzold vertretene „Wissenschaftstheorie“, für die er den postmodernen Kultphilosophen Paul Feyerabend in Anspruch nimmt. Unter dem Motto „anything goes“ äußerte dieser, „daß zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Märchen kein grundsätzlicher Unterschied bestehe. Beide Betrachtungsweisen würden verschiedene Meinungen über die Welt wiedergeben, keine sei wahrer als die andere. (...) ‘Es gibt also keinen klar formulierbaren Unterschied zwischen Mythen und wissenschaftlichen Theorien. Die Wissenschaft ist eine der vielen Lebensformen, die die Menschen entwickelt haben, und nicht unbedingt die beste. Sie ist laut, frech, teuer und fällt auf.’“ Und weiter: „Wer sich dem reichen, von der Geschichte gelieferten Material zuwendet und es nicht darauf abgesehen hat, es zu verdünnen, um seine niederen Instinkte zu befriedigen, nämlich die Sucht nach geistiger Sicherheit in Form von Klarheit, Präzision, ‘Objektivität’, ‘Wahrheit’, der wird einsehen, daß es nur einen Grundsatz gibt, der sich unter allen Umständen und in allen Stadien der menschlichen Entwicklung vertreten läßt. Es ist der Grundsatz: Anything goes.“22

Vor einem solchen Hintergrund verliert Wissensvermittlung ihren Stellenwert, „Körperkult und Phantasien halten mit der Gestaltpädagogik Einzug in unsere Schulen (...) Wer nicht phantasieren will, wird als unselbständig oder autoritätsgläubig abqualifiziert.“ Die hier vertretene, angeblich „ganzheitliche“ Sicht des Menschen ist also in Wirklichkeit die Propagierung der Dominanz selbst niedrigster Gefühle über alles Geistige, eine Strategie der Verdummung und der Vorbereitung zur Manipulierbarkeit.23

Verbreitung der Gestaltpädagogik

Historisch begann der Einfluß der Gestaltpädagogik in Europa 1967 mit einem sechzehntägigen Kongreß in London, auf dem neben Goodman auch schon Drogenpropagierer zu den Hauptrednern gehörten.24 Hier in Deutschland war der Hauptverbreiter der schon genannte Petzold mit seinen Epigonen. Hauptagenten der Veränderung sollen aber die Lehrer selbst sein mit Hilfe gestalttherapeutischer Trainings, in denen man ihnen die entsprechend negative Sicht der Institution Schule vermittelt, um sie für die Gestaltmethoden aufgeschlossen zu machen. Ziel ist der „konfluente“ Unterricht, d.h. ein Unterricht ohne Wissensvermittlung. Hinderlich sind nur Institutionen wie Familie, Schule, Schulbürokratie, die deshalb z.B. durch Alternativeinrichtungen fallen oder „umgepolt“ werden sollen. Grundlage dafür sollen die immer wieder geforderten „alternativen Freiräume“ sein. Widerstände sollen durch „antizipatorisches Rollentraining“ und „berufsbegleitende praxisbezogene Lehrerbegleitung als Kontrolle, Einschüchterung und Sanktionierungsinstrument“25 gebrochen werden, natürlich mit Hilfe der Gestaltmethoden.26 Da die Junglehrer in der gestalttherapeutischen Lehrerausbildung nicht lernen, negative Gefühle Schülern gegenüber zu kontrollieren, sondern sie im Gegenteil als Zeichen besonderer „Echtheit“ ungehemmt zu zeigen, ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Zunahme der Gewaltbereitschaft bei den Schülern auch auf das derart gestalttherapeutisch hergestellte Schulklima zurückzuführen sein könnte.27

Im September 1988 gründeten die Gestaltpädagogen eine Vereinigung. „Fünfzehn Jahre nach dem Aufbau der Gestaltpädagogik durch Petzold in Europa beherrschen ihre Protagonisten viele Schlüsselpositionen im Erziehungssektor.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft z.B. bietet in ihren Fortbildungskursen durchgehend gestalttherapeutisch orientierte Seminare an.28 Als weitere willige Verbreiter dienen vor allem die kirchlichen Bildungswerke und - konfessionsübergreifend - der Religionsunterricht.

Unterrichtsmethoden im Dienst der Gestaltpädagogik

Um ihre sog. „innovativen Unterrichtsmethoden“ als notwendig erscheinen zu lassen, entwerfen deren Propagandisten ein Schreck- und Zerrbild: den Frontalunterricht. Er wird hingestellt als Machtausübung des Lehrers, der in einer Unterrichtsstunde von 40 Minuten etwa 50 Befehle, 50-75 Fragen und 50-80% der gesprochenen Worte von sich geben soll, dazu 15-20 Aufforderungen an seine Schüler, angefangene Sätze zu Ende zu sprechen. Für jeden Schüler bleibe nur 1-2% Sprechanteil.29. Es sei hier nicht bestritten, daß es Sonderfälle dieser Art früher wohl öfter gegeben hat und auch heute hin und wieder geben mag. Inzwischen wird aber bereits das sozial-integrative Unterrichtsgespräch undifferenziert diesem Unterrichtsstil zugeordnet. Vor dem Hintergrund eines solchen Zerrbildes wird die angebliche Notwendigkeit neuer Formen in Schule und Unterricht begründet.

Grundsätzlich ist zu Unterrichtsmethoden zu sagen: Neue Formen sind immer akzeptabel und nicht abzulehnen, wenn sie tatsächlich zu besseren Lernergebnissen und einem konstruktiveren Miteinander von Lehrern und Schülern führen. Diese Aussage enthält jedoch auch schon genau die Anfrage, die an jede dieser Methoden zu stellen ist.

Ich werde mich daher im Folgenden mit möglichen Tendenzen und Gefahren der gestaltpädagogisch orientierten Methoden auseinandersetzen. Allerdings ist mir dabei bewußt, daß hier wie immer auch die Persönlichkeit dessen zu berücksichtigen wäre, der diese Methoden anwendet, was mir hier natürlich nicht möglich ist, so daß es nur um allgemeine Feststellungen gehen kann, nicht aber um die Beurteilung ganz konkreter Situationen.

a) Einzelunterrichtsverfahren

In typisierender Abfolge verläuft ein gestaltpädagogischer Unterricht folgendermaßen, wobei sich die einzelnen Schritte nicht auf eine Stunde beschränken, sondern durchaus auf eine ganze Unterrichtsreihe verteilt werden können:

1. Der Unterricht beginnt mit Entspannungsübungen, weil sich die Schüler sonst angeblich vom Stoff überfordert fühlen und sich nicht konzentrieren können. Hierbei wird jeder Schüler logischerweise auf sich selbst zurückgeworfen, der soziale Bezug gelöst.

2. Der nächste Schritt ist die „Phantasiereise“, d.h. jeder muß sich etwas „vorstellen“. Dies dient der Identifikation mit dem Stoff, wodurch dieser für den Schüler emotinal aufgeladen wird und stärker wirkt. Auf diese Weise wird die Frage nach der „persönlichen Bedeutsamkeit“, die angeblich jeder Stoff haben muß, beantwortet. Wissen bekommt der Schüler nicht vermittelt, er bleibt in seinem beschränkten Horizont.

3. Im dritten Schritt geht es um die „Visualisierung von Erfahrungen“. Auf diese Weise wird besonders bei schwachen Schülern die Sprachbarriere umgangen. Jeder darf durch Malen o.ä. darstellen, was er sich unter dem Stoff vorstellt. Es handelt sich also um reine Selbstdarstellung. Der Sachverhalt selbst wird nicht geklärt. Jeder bleibt auf sich selbst zurückgeworfen, eine echte Kommunikation findet nicht statt.

4. Danach folgt das „Gruppengespräch“. Dies ist lediglich dazu bestimmt, daß der Schüler sich über den Sachverhalt äußert - wohlgemerkt, nachdem er bis zu diesem Zeitpunkt buchstäblich nichts an echten Kenntnissen über diesen Gegenstand erworben hat. Ohne Sachkenntnis also sollen sich die Schüler nun auf eine wie immer geartete „Wahrheit“ hinsichtlich des Stoffes einigen. Wer in einem solchen Gespräch „allgemeingültige Erkenntnisse anstrebt oder vertritt, gilt als ‘kopflastig’ und ‘dogmatisch’ oder ‘intolerant’.“

5. „Dialogspiel in der Gruppe“ heißt der nächste Schritt. Ohne vorheriges Gespräch ahmen die Teilnehmer der Gruppe nun andere Teilnehmer nach. Ziel ist angeblich, die Fähigkeit zu entwickeln, sich in den andern hineinzuversetzen und Verständnis zu wecken. Ohne tatsächliche genaue Kenntnis des andern führt dies aber lediglich dazu, bereits vorhandene Vorurteile zu bestätigen und negative Gruppenstrukturen zu verfestigen. Schon vorhandene Aversionen werden vertieft, der Schritt zum gegenseitigen „Sichfertigmachen“ ist vorprogrammiert.30

Eine weitere Methode wird durch die gestalttherapeutisch umfunktionierte Themenzentrierte Interaktion bestimmt. Dabei wird der Unterricht reduziert auf „Störungen“, die angeblich immer sofort bearbeitet werden müssen. Jeder Schüler hat dabei das Recht, als sein eigner „Chairman“ seine Mißliebigkeiten, also eben die „Störungen“, in der Gruppe zur Sprache zu bringen, sie müssen in Interaktion diskutiert werden. Auf der Strecke bleibt natürlich der Lernstoff und auch die verantwortliche Rolle des Lehrers.

Beispiel: Unterrichtssequenz aus dem Religionsunterricht:31

Um das Ergebnis vorwegzunehmen, die Entwicklung von Inhalten und Methoden im Religionsunterricht (RU) entspricht in allen Bereichen dem, was die 68er wollten: nämlich Kenntnisvermittlung im Unterricht verhindern und durch den Einsatz ihrer Psychotechniken destruieren. Dies alles jedoch verpackt in positive Begriffe wie Freiheit, Gefühl, Kreativität usw. Dem kritischen Beobachter drängt sich sogar der Eindruck auf, daß der RU regelrecht als Experimentierfeld dieser sog. "Pädagogik" gedient hat und dient.

Die negative Einschätzung des RU als gesellschaftserhaltend ist dabei die Grundlage und hört sich bei den Religionspädagogen in der ersten Hälfte der 80er Jahre so an: Es bestünden "Interessenvermischungen: Bis in die 70er Jahre wirkte der RU auch als 'traditionsreiche ... Stätte bürgerlicher Instrumentalisierung christlicher Religion'".- Der Staat schütze den RU grundgesetzlich, "weil er von einem RU nach den Grundsätzen der Kirche staats- und gesellschaftsfördernde Wirkungen erwarten" könnte.- Dasselbe gilt für die "Pflege einer ethischen Kultur", in der der Staat mit den Kirchen "kooperiere". Dies entspricht exakt der staatskritischen Sicht der Neuen Linken.

Um nun den spezifischen Inhalt des hier in Frage stehenden katholischen RU außer Kraft zu setzen, spricht man von einem angeblich durch das II. Vatikanum bewirkten Wandel im "Selbstverständnis" der Kirche, woraus man dann - wie schon im Beschluß "RU" der Würzburger Synode - einen angeblich allseits akzeptierten "Pluralismus der Theologien" ableitet. Dieser müsse die Kirche veranlassen, sich auch "religionsdidaktisch neu auszurichten"._ - "Die Folgerung: Ansatz der Zielsetzung und Aufgabenstellung des RU ist nicht einfachhin der Heilsauftrag der Kirche oder die Autorität des Wortes Gottes. Ansatz ist vielmehr in erster Linie die Frage, wie die Kirche den Schülern helfen kann, damit sie eines Tages (im Glauben) zu sich selbst und zum Glauben (als Möglichkeit menschlicher Selbstverwirklichung) finden." Im Originaltext bleibt offen, was und wem man denn glauben soll. - "Der Glaube erscheint als eine Lebensmöglichkeit, die dadurch erschlossen werden soll, daß ihre Bedeutung für menschliches Leben und Handeln gezeigt wird." - Und so soll das gemacht werden: Der Schüler soll "zum Fragen befähigt werden und nicht zur fraglosen Annahme (scheinbar) selbstverständlicher Traditionen"; er soll "zur Möglichkeit einer gläubigen Antwort befreit werden und nicht einer naiven Unkenntnis und einer unmenschlichen Gefühllosigkeit im Blick auf christlichen Glauben überlassen werden"; er soll "zur rationalen Auseinandersetzung und zu kommunikativer Toleranz Gelegenheit erhalten, um nicht unkritisch und autoritär werden zu müssen"; er soll "Motivationen für eine sinnorientierte und verantwortungsbewußte Lebenspraxis erwerben, um nicht dumpf in den Tag hineinzuleben." Das eigentliche Ziel liegt hierbei jeweils im negativ formulierten Teil, der der bisherigen Praxis des RU zuzuordnen ist, die positiven Begriffe sind im Sinn der 68er, also „kritisch“, zu verstehen.

Was den Religionslehrer betrifft, so gehe es "letztlich weniger um intellektuelle Kompetenz ..." Der unüberwindliche "Pluralismus der Theologien" führt ihn angeblich zur "Not, weil die Theologie ihn ratlos, im besten Fall orientierungslos läßt, weil sie ihn zwingt, eine eigene Position zu finden und zu begründen, obwohl sie selbst eine einheitliche Position nicht bezieht"; sie werde aber dadurch für ihn zur "Chance, weil gerade eine solche Suchbewegung Unterricht ausmacht, insofern in solchem Suchen erst Lernprozesse möglich werden." Ohne Umschreibung bedeutet das, daß der Lehrer selbst nicht weiß, was er eigentlich lehren soll, und daß er gemeinsam mit den Schülern beliebig das zu Lernende aussuchen soll ohne echte Chance, es zu finden. Letztlich kann er allein oder mit den Schülern bestimmen, was von den „Theologien“ man für akzeptabel hält, was nicht.

Um zu belegen, daß die Terminologie der 68er mit der der Religionspädagogik übereinstimmt, stelle ich im Folgenden die "Unterrichtsziele der einzelnen Lernstufen" eines "didaktischen Strukturgitters" vor, das zum ersten gültigen Curriculum seiner Art, dem Zielfelderplan, erstellt wurde. Lernen sollen Schüler der 6. Klasse der Sekundarstufe I, also 12-jährige, das Thema heißt "Gleichnisse".

Im vorstrukturierten Unterricht würde eine solche Unterrichtssequenz damit etwa beginnen, daß den Schülern vermittelt würde, daß jedes Gleichnis eine Bild- und eine Sachhälfte hat. Dies ließe sich an einem der Gleichnisse als Beispiel erarbeiten. Gleichzeitig würden die zum Erfassen der Sachhälfte notwendigen Kenntnisse aus Leben und Lehre Jesu vermittelt, im Transfer auf andere Gleichnisse übertragen und dabei erweitert, vertieft und gesichert. Ein letzter Schritt könnte etwa im Vorstellen der verschiedenen Gleichnisgruppen bestehen und in der Erweiterung der dazu entsprechend benötigten Hintergrundkenntnisse. Eine solche Sequenz würde ca. 10 bis max. 14 Stunden betragen und den Schülern einen soliden Überblick ermöglichen, der zu einem vertieftem Verständnis des Evangeliums beiträgt.

Nicht so das „Didaktische Strukturgitter“. Man unterscheidet hier drei Lernstufen: 1. die „kommunikative Information“, hier soll man „wahrnehmen, kennenlernen, darstellen“; 2. die „Interpretative Entfaltung“, hier soll man „erfahren, verstehen, unterscheiden“; 3. die „Engagierte Stellungnahme, Verhaltensweisen, Einstellungen“ mit „überprüfen, bewerten, verändern“. Diese drei Lernstufen sollen angewandt werden jeweils auf das „eigene Leben, Leben mit anderen, Begegnung mit Religion und Religionen, Begegnung mit der Kirche“. Insgesamt bleiben die angesprochenen Unterrichtsaspekte überwiegend im profanen Bereich, beschäftigt mit „Bildworten im Alltag und deren Mißverstehen, mit Werbung und Propaganda“. Im religiösen Bereich soll erkannt werden, daß alles religiöse Sprechen „bildhaft“ist. Was die Gleichnisse betrifft, so soll man sie „kennen lernen“, was im Kontext schlichtes Lesen bedeutet, man soll die „verschiedenen Verkündigungsintentionen von Gleichnissen unterscheiden“ und als letztes sollen die Schüler „eigenes Handeln mit dem Handlungsmodell biblischer Gleichnisse konfrontieren“.

Ein solches Vorgehen ist manipulativ. Nebenaspekte, die im Vorfeld oder en passant geklärt werden könnten bzw. die zur Erhellung des vorgeschobenen Sachverhaltes „Gleichnisse“ nichts beitragen, stehen im Mittelpunkt des Unterrichts und bringen keinerlei Erkenntnisgewinn für den Inhalt der Glaubenslehre. Ansätze zur Beeinflussung und zum Eingriff in persönliche Entscheidungsprozesse sind unübersehbar.

Auch hinsichtlich der geforderten Methoden entspricht die Religionspädagogik den 68ern. Man unterscheidet Sozialformen und Aktionsformen. Bei den Sozialformen wird das Feindbild Frontalunterricht ebenfalls massiv aufgebaut und abgewertet. "Arbeitsrhythmus und -tempo" würden vom Lehrer vorgegeben, die "Mitwirkung der Schüler" sei "relativ gering". Die Gesamtgruppe werde dabei "undifferenziert angesprochen; Kreativität und Schülerarbeit (sei) reduziert." Immerhin heißt es auch, "Diese Form ist geeignet für eine gleiche und rasche Information für alle Schüler." Da man das aber offenbar nicht will, werden gelobt "Einzelarbeit", wenn man auch zugestehen muß, sie könne "einsam machen", und "Partnerarbeit" als "Auflockerung der Gesamtgruppe" zwecks "gemeinsamer Lösung eines Problems und gemeinsamer Beurteilung". Positiv bewertet wird zwar die Arbeit in Kleingruppen, vor allem aber die "Großgruppenarbeit", die ihren Platz im "Projektunterricht"(!) habe, wo mehrere Lehrer mehrere Klassen im Team-Teaching leiten sollten z.B. zu einem "Ökumenischen Thema".

Was nun die "Aktionsformen" angeht, werden "Gespräch, Diskussion, Debatte" empfohlen. Allen Empfehlungen ist gemeinsam, daß die jeweilige Leitung keine Stellungnahme abgeben und ihre Einstellung nicht zeigen darf, auch wenn als Ziel „Wertung, Analyse, Lösung“ vorweg geplant ist. Das fordert entweder einen manipulativen Führungsstil oder einen Mehrheitsbeschluß am Ende über das, was man als richtig ansehen will, oder sogar beides. Von vorbereitender Information ist nirgends die Rede. In die gleiche nichtssagende, aber manipulative Richtung geht der sog. "kontrollierte Dialog", bei dem die Themen fachfremd, die Leitung als "Rolle" wechselnd ist und jeder verpflichtet wird, die Aussage seines Vorgängers zu wiederholen.

Weitere vorgeschlagene Aktionsformen für den RU sind:

- das Schreibgespräch. Hierbei wird die Klasse in Kleingruppen aufgeteilt, jede Gruppe bekommt ein Blatt mit einer vorgegebenen These, einer Aufgabe oder einem Problem. Alle äußern schriftlich unter Umgehung evtl. Sprachbarrieren ihre Einfälle, Bemerkungen, Thesen, Fragen. Dies wird dann in der Kleingruppe diskutiert, die "besten drei" dürfen dann im Plenum beredet werden. Themenvorschläge: Haben Orden noch einen Sinn?- Muß man zur Kirche gehen, um Christ zu sein? - Gibt es ein Weiterleben nach dem Tod? - Darf die Kirche politisch sein?

- die Metapherübung. Dabei werden angebliche oder tatsächliche Metaphern vorgegeben, die dann mit assoziativen bildhaften Vergleichen versehen werden sollen, angeblich um "unbewußte Einstellungen zutage zu fördern". So erst werdeUnterricht möglich. Beispiele: - Erlösung ist für mich wie...; Kirche müßte sein wie ...; Beichte habe ich erlebt wie ...; Gott ist für mich wie ...; Freiheit wäre für mich wie ..._

- "Sätze vollenden" geht in die gleiche Richtung. Beispiele:- Freundschaft gelingt, wenn ...; Ein Christ ist mündig, wenn ...; Ich bin am glücklichsten, wenn ...; Sie gehen nur zur Kirche, weil ..._

- "Auf der Suche nach Ausdrucksmöglichkeiten für Schüler ist das Malen im Unterricht nach wie vor ein wichtiges Mittel zur Unterrichtsgestaltung."- und das bis Ende Sek I, also für 16-17-jährige! - Es könne den "Lernprozeß nachhaltig fördern". "Sehr beliebt" bei Schülern sei "das Umsetzen von Geschichten, Fallbeispielen, Bibeltexten in eine Bildergeschichte, vor allem in Comic-Form."

- "Spiel und Rollenspiel" ist der letzte Vorschlag. Sie seien "geeignet, die soziale Sensibilität, die Fähigkeit zur Kommunikation und zum Entdecken neuer Handlungsmöglichkeiten zu fördern." - Der Religionspädagoge B.Grom "sieht Rollenspiele als 'Wege zur Neubildung und Erweiterung von Einsichten, Einstellungen und Verhaltensweisen'; kurz charakterisiert könnte man von Lernen durch Einfühlung sprechen." Es werden drei Arten von Rollenspielen vorgeschlagen. Bei der ersten Form "strukturiert und problemstellend" sind Inhalte, Rollenverteilung und Lösung vom Lehrer vorgegeben, sie werden anschließend diskutiert. Themenvorschläge: "abends ausgehen", "Vorurteile gegen Gastarbeiter", "Streit mit den Eltern um Gottesdienstbesuch". Die zweite Form ist "halbstrukturiert und problemlösend", d.h. bei einem vorgegebenen Verhaltensproblem legen die Schüler selbst Lösungsmöglichkeiten fest und spielen sie durch. Am Schluß wird ein Verhalten als richtig festgelegt, was auch begründet werden muß. Themenvorschläge: Verlassen der Schule nach Klasse 10 wegen Eheschließung; Heirat, "weil ein Kind kommt". Die dritte Form ist "unstrukturiert" bzw. wird von der Gruppe selbst strukturiert. Inhalt und Durchführung liegen allein bei der Gruppe. Gefördert werden soll dadurch angeblich "alternatives Denken, problemlösendes Verhalten und dramatische Ausdrucksfähigkeiten der Schüler." Entsprechendes kann auch mit Handpuppen gespielt werden. Manipulationstendenzen und -möglichkeiten sind klar erkennbar.

Von der Vermittlung grundlegender Kenntnisse der christlichen, besser katholischen Glaubensinhalte ist nirgends die Rede, sie ist offenkundig nicht vorgesehen. Die Affinität zu Methoden und Zielen der Gestaltpädagogik ist evident.

Faßt man zusammen, so ergibt sich, daß diese „neue“ Religionspädagogik eine zu ungunsten des Christentums akzentuierte Anwendung der "Pädagogik" der 68er ist. Nur steht hier nicht "die Gesellschaft" im Mittelpunkt des Angriffs, sondern "die Kirche". Ausgangsideologie und Methoden sind die gleichen.

b) Übergreifende Unterrichtsmethoden als Agenten des Wandels

Im Zentrum der Kritik der Schulreformer gestaltpädagogischer Richtung steht - wie schon gezeigt - der Klassenunterricht speziell in der Form eines völlig verzerrt dagestellten und undifferenziert verurteilten Frontalunterrichts. Selbst seine Kritiker bescheinigen ihm zwar, gerade in der heute üblichen sozialintegrativen Gesprächsform, als besondere Stärke die Fähigkeit zur systematischen, fundierten Wissensvermittlung, aber gerade aus dieser Stärke konstruiert man nun seine Schwäche. Dies führe lediglich zur „Erstarrung“ und zur „extremen Lehrerzentriertheit“, die lediglich autoritär die „Machtgelüste des Lehrers“ befriedige. Auch gefällt nicht die soziale Bindung innerhalb der Klassen32, und so setzt man an die Stelle des Klassenunterrichtes eine Reihe anderer Unterrichtsarten, denen allen die Tendenz zur Individualisierung und damit zur Auflösung sozialer Beziehungsgefüge eigen ist. Der Lehrer soll bei diesen Formen zwar vororganisieren, aber helfen und beraten oder gar kollektive Erklärungen abgeben soll er nur in seltenen Ausnahmefällen. Die Schüler sollen sich also im Grunde selbst unterrichten, und der Lehrer soll sie zu diesem Zweck sich selbst überlassen. Auch wenn diese Unterrichtsformen von ihren Verfechtern mit reformpädagogischen Ansätzen in Verbindung gebracht werden, sind sie im Grunde ein „Nicht-Unterricht“ und nicht „Learning by doing“, „Pädagogik vom Kinde aus“ oder Freinets „Selbsttätigkeit des Kindes“.33 Die wichtigsten Makro-Formen dieser Art sind: der Werkstattunterricht, der Wochenplan, der „offene Unterricht“ bzw. die „freie Arbeit“, der Projektunterricht und die in allen diesen Unterrichtsarten üblichen und brauchbaren „Interaktionsspiele“.

Beispiele:

- der Werkstattunterricht

Man unterscheidet „Übungswerkstatt“ und „Erfahrungswerkstatt“. Erstere soll zur Einübung und Anwendung von Gelerntem dienen, letztere zum „Erleben, Erkunden, Wahrnehmen von Phänomen oder...Einarbeiten in neue Fachgebiete“. Der Lehrer stellt dafür ein „Überangebot an thematisch einheitlichen, fächergemischten und fächerübergreifenden Arbeitsaufgaben und Handlungsmöglichkeiten bereit.“ Die Verfechter dieser Unterrichtsform nennen sie selbst „didaktisches Schwedenbüffet“. Dieser Werkstattunterricht soll mindestens 50% des Unterrichts umfassen, besser mehr. Er ist dann gelungen, wenn der Lehrer dabei nicht in Erscheinung tritt, weder durch Aufrechterhalten der Disziplin, noch durch Korrektur oder Bewertung, noch durch Führen oder Lenken. Wenn er das tue, „verkomme der Werkstattunterricht zur bloßen Methode, zur reinen Organisation“, und dies verbaue den Kindern angeblich „wichtige Entwicklungsmöglichkeiten“.34

- der Wochenplan (weitere „Makro-Pläne“ etwa „Schulplan“, Schulprogramm, Schulprofil usw.)

Dies bedeutet letztlich die völlige Auflösung des Klassenverbandes und die Abschaffung eines für alle verbindlichen Stundenplanes, in seinen Makroformen auch die Auflösung eines für alle verbindlichen Bildungskanons und die Parzellierung der Schullandschaft. Unter Anleitung eines Lehrers soll sich jeder für jede Woche einen Stundenplan selbst zusammenstellen, der Lehrer liefert lediglich das Material. Jede andere Form sei „Drill“ und „entmündige die Kinder“. Nur „Singen, Turnen, Kochen, Werken“ sind als Kernfächer gemeinsam. In allem anderen bestimmt der Schüler selbst die Fächerauswahl, die Reihenfolge der Aufgabenstellungen, das Arbeitstempo, die Methode, und er kontrolliert auch selbst sein Arbeitsergebnis. Ziel ist letzlich die völlige Überflüssigkeit des Lehrers. Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern oder zu Mitschülern sind kaum noch vorhanden. Pädagogische Eingriffe wie die Vermittlung von Kenntnissen werden als „negativer Eingriff in die Persönlichkeit des Kindes“ abgelehnt.35 Für die Makroformen gilt in Übertragung Vergleichbares.

- „offener Unterricht“ bzw. „freie Arbeit“

In Nordrhein-Westfalen ist diese Unterrichtsform seit 1985 für die Grundschule verbindlich vorgesehen. Der Name entstammt der Reformpädagogik, die Methode selbst aber nicht.36 Auch hier soll sich im Prinzip jeder Schüler seinen Lehrplan selbst „schneidern“, entsprechend dem Prinzip der inneren Differenzierung von Unterricht soll angeblich jeder so seinen Begabungen, seinen Interessen und seinem Lerntempo entsprechend lernen können. Erst dies ermögliche die Unabhängigkeit von Lehrermeinung und Lehreransprüchen, ermögliche einen eigenen Zugang zum Unterrichtsthema und ein hohes Maß an Selbstbestimmtheit.37 Soweit die Theorie.

Zu dieser Unterrichtsmethode gibt es nun eine der für den Bereich dieser Unterrichtsneuerungen seltenen empirischen Untersuchungen. Sie stammt von Henning Günther, Erziehungswissenschaftler an der Universität Köln, und wurde von ihm durchgeführt an einer Grundschule mit Hilfe von Beobachtern, die dieser Unterrichtsform positiv gegenüberstanden. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis. Keins der angegebenen Ziele wurde erreicht. Positiv ist diese Methode lediglich für Schüler, die emotional stabil sind, bereits fähig zu Selbständigkeit und Konzentration, aus stabilen Verhältnissen stammend und auf die Zuwendung des Lehrers wenig angewiesen. Dies sind etwa 30% der Kinder. Etwa der gleiche Prozentsatz ist mit dieser Methode völlig überfordert. Lernerfolg wird verhindert, Aggressivität gefördert, ebenso Einsamkeit und Eifersucht auf die Zuwendung des Lehrers. Die übrigen etwa 40% der Schüler „dümpeln“ zwischen beiden Gruppen, zwischen den Vorgaben des Lehrers, Übernahme dessen, was die Mitschüler tun, und „Trödeln“. Geschlechtsspezifische Unterschiede verstärken sich, dies zeigt sich besonders bei ausländischen Kindern. Durch die Themenwahl stellen die Kinder selbst die „Lernschule“ wieder her, wählen Themen aus Mathematik und Rechtschreibung. 60% wählen vorgegebene Arbeiten. Die Tendenz zur Vereinzelung und Vereinsamung ließ sich klar nachweisen. Die Themenwahl der einzelnen Schüler entsprach einerseits deren Begabung, andererseits entsprach sie auch dem bisherigen Lehrplan, was dessen Inhalt also in der vorliegenden Form bestätigt. „Individualisierung des Lehrplans“ entsteht nicht, die schwachen Schüler sind benachteiligt und bleiben auf der Strecke.38 Überflüssig zu sagen, daß sich auch hier der Lehrer möglichst „raushalten“ soll.

- Projektunterricht

Der Name geht zurück auf den Reformpädagogen, John Dewey. Dewey wollte gegen die Tendenzen seiner Zeit, des ausgehenden 19. Jahrhunderts, eine Schule, deren Unterricht sich nach den entwicklungspsychologischen Voraussetzungen ausrichtete, was in der Folge selbstverständlich wurde. Schule sollte der Jugend eine „Art intellektuellen und moralischen Schlüssel zu ihrer aktuellen Welt“ an die Hand geben. Vehement wehrte sich Dewey gegen die Vorstellung, daß „jede Lenkung oder Führung durch Erwachsene als ein Eindringen in die individuelle Freiheit zu betrachten“ sei. Lernen sei „nicht ein Überquellen ungeschulter Kräfte von innen her.“ Führung sei nicht Beherrschung. Ziel des Deweyschen Projektunterrichts auf der Grundlage des Klassenverbandes war es, „daß alle Schüler Gelegenheit bekommen, selbst mitzuarbeiten und sich dem Ganzen verantwortlich wissen.“39, also erstrebenswerte Ziele.

Haupttheoretiker der jetzt mit diesem Namen versehenen Unterrichtsart ist derzeit der Gestaltpädagoge und Gruppendynamiker Herbert Gudjons, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg, mit besonders großem Einfluß auf die Schullandschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Projekt-Methode ist von ihm zum Mittel der „Befreiung von individuellen und gesellschaftlichen Zwängen“ umfunktioniert worden.40 Der gegenwärtige Schulalltag entspreche nicht den Interessen der Schüler, er sei „verengt, verödet, kalt, anonym“. Wissensvermittlung sei „Belehrung“. Den Projektunterricht bezeichnet er als „Sprengstoff“ für die Schule. Dabei geht es ihm keineswegs nur um einzelne Projekttage oder -wochen, die bei entsprechender Vorbereitung ja durchaus sinnvoll sein können; diese werden von ihm abgewertet als „Inseln im Meer des traditionellen Fachunterrichts“. Vielmehr soll nach Gudjons der gesamte Schulbetrieb „Projekt“ werden, und dies bezeichnet er als „Speerspitze der Entwicklung von ‘Alternativen in der Regelschule’“.41

Kernbegriff, aber auch „Kampfbegriff“, der Gudjonschen Theorie ist die sog. „Handlungsorientierung“. Wiederum knüpft diese Begrifflichkeit an Dewey an, berücksichtigt aber auch hier nicht den historischen Kontext. Dewey forderte einen didaktisch aufgebauten, also strukturierten, Unterricht gegen das damals übliche simple Auswendiglernen. Gudjons dagegen will an die Stelle von Kulturtechniken und verbal gelenktem Lernen Tätigkeiten aller Art setzen, z.B. Gegenstände herstellen, Kochbücher und Vokabelhilfen erstellen, ebenso Dokumentationen, Videos und Filme. Man soll Menschen, Probleme, Meinungen erkunden, z.B. „Aktionen gegen die Milchtüten als Verpackungsmüll starten“, „Spiel, Fest, Aktion, Brotbacken, Drucken“ usw. Bedenklich an diesem Ansatz sind nicht die Handlungen an sich, die im Einzelfall und passenden Kontext sinnvolles Lernen durchaus ermöglichen können, vielmehr ist es die Ausschließlichkeit dieses Ansatzes. Pointiert formuliert: die Schüler sollen den gesamten Inhalt unserer Kultur einschließlich aller Kulturtechniken, fächerübergreifend handelnd, neu für sich „nacherschaffen“, d.h. de facto „das Rad nochmals erfinden“ - diesmal allerdings ohne Anleitung, denn der Lehrer schränkt angeblich den Schüler ein und soll sich daher wieder einmal „raushalten“. Dies gilt auch für alle abstrakten Sachverhalte und Begriffe. Nur für Sprachen und Mathematik läßt Gudjons systematisches Lernen gelten, während er es bei den übrigen Fächern als „Verkopfung“, „Handlungsarmut“ bzw. „Erarbeitung im isolierten Fach“ abqualifiziert. Eine Methodisierung des Projektunterrichts ist nach Gudjons der „Tod des handlungsorientierten Unterrichts“.42

Da nun schon kein Wissen vermittelt wird, soll nach Gudjons angeblich wenigstens das „soziale Lernen“ Ergebnis dieses Unterrichts sein. - Wie das in der Praxis aussieht, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß zu diesem Zweck alle Methoden der „Gruppendynamik“ und des Rollenspiels angewandt werden sollen, das sind andere Namen für die gestaltpädagogischen resp. -therapeutischen Methoden: also die schon genannten „Kennlernspiele“, „Abfingern“ anderer Personen ohne deren Einverständnis usw. Die Schüler müssen sich selbst charakterisieren und dies der Gruppe zur allgemeinen Begutachtung freigeben; wer gegensätzlicher Meinung ist, muß sich beiderseits einer gedachten „Meinungslinie“ aufstellen, also ein „Streittraining“, was notwendig zu Polarisierungen und zu Ausgrenzungen führt. In einem sog. „Kampf der Rivalen“ werden Rivalitäten und Aggressionen durch körperliche Gewaltanwendung ausagiert, angeblich um sie bewußt zu machen. Ein Spiel, „Herr und Sklave“, besteht in der Einübung von Kadavergehorsam beim „Sklaven“, den der „Herr“ zu immer sadistischeren Handlungen zwingen kann.43 Dies nur als Beispiele.

In seinem Aufsatz „Gruppendynamik als kulturrevolutionäre Ideologie“ beschreibt Henning Günther die möglichen Folgen so: etwa 9% der gruppendynamisch Behandelten seien unmittelbar schwer geschädigt, 30% mittelfristig, und 30% würden nach solchen Trainings von ihrer Umwelt als negativ verändert erlebt. Günther: „Kein Lehrer kann ein solches Risiko tragen, weder in moralischer noch in rechtlicher Hinsicht. (...) Gruppendynamische Trainings bewirken eine tiefe Veränderung im Menschen. Das Selbstsystem wird freizügiger, die Ziele des eigenen Lebens werden geändert. - Gruppendynamik erzeugt eine große Abhängigkeit bei den Betroffenen.“- „Das treibende Gefühl ist die Angst. Die gruppendynamische Situation weckt die Ängste der Teilnehmer, weil die Rivalität sich in einem Kampf um die Anerkennung der Gruppe entwickelt.“ Statt der von Gudjons behaupteten Persönlichkeitsstärkung haben diese Methoden also eine persönlichkeitsauflösende Wirkung. Ansätze zu gemeinschaftsbildenden Verhaltensweisen wie Kooperation, Kommunikation und Verantwortlichkeit werden zerstört. Auf der Strecke bleiben also nicht nur die Wissensvermittlung, eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung und der Klassen- und Gruppenzusammenhalt, sondern sogar positive Persönlichkeitszüge der Gruppenmitglieder.44 Klar erkennbare Ziele sind die Abschaffung der Schule als Lernort, die Politisierung der Schüler und damit letztlich Gesellschaftsveränderung.45

- Interaktionsspiele

In die gleiche gruppendynamisch-gestaltpädagogische Richtung gehen Interaktionsspiele der verschiedensten Art, Planspiel, Schulspiel, besonders aber Rollenspiele, und auch das Themenzentrierte Theater (TZT). Sie sollen dem Lehrer angeblich helfen, die Langeweile aus dem Schulalltag zu vertreiben, haben aber die gleichen Wirkungen, wie zuvor schon beschrieben, und die gleichen politischen Ziele. Lehrer, die dies nicht mitmachen oder sich bereits wieder davon abgewandt haben, werden als „einfältig, arbeitsscheu, verärgert, ungebildet, aggressionsgeladen, eigenbrötlerisch, beziehungsarm, unterdrückend“ apostrophiert, und man empfiehlt ihnen, „zu neuen Religionen zu konvertieren, Zen oder Taoismus zu studieren, Privatstunden in autogenem Training oder Yoga zu nehmen“46. Henning Günther zu den Folgen dieser „Spiele“: „Viele Spielmethoden sind derart gefährlich, daß immer wieder einzelne Teilnehmer in ‘wahnsinnsähnliche Krisen’ geraten.’“ Fast 10% der Teilnehmer trügen psychische Schäden davon, die sich äußerten in „nicht mehr zu bewältigender Angst, wenig Vertrauen, schwerer Depression, psychotischen Zuständen, einem tiefen Gefühl der Hoffnungslosigkeit.“47 Kritiker werden mundtot gemacht, indem man ihnen stereotyp und klischeehaft vorwirft:

1. sie könnten dies als Außenstehende nicht beurteilen,

2. sie hätten selbst psychische Probleme, die seien schnell gelöst, wenn sie nur selbst mitmachten,

3. sie seien unwissenschaftlich, und

4. ihre Kritik betreffe nur extreme Randphänomene.48

c) „Erfahrung“, „persönlich bedeutsames Lernen“ und „personales Wissen“

Da kaum ein Begriff heute so strapaziert wird wie der der „Erfahrung“, auch dazu eine Erläuterung. „Erfahrung“ wird im Kontext der Gestaltpädagogik in Gegensatz gebracht zu Wissen und Verstand. Sie ist identisch mit simplen Sinneseindrücken unter Umgehung des Verstandes. Eine gedankliche Aufarbeitung findet nicht statt, alles bleibt auf der Ebene des „Erspürens und Betastens“, überschreitet Körpergrenzen und kann als subtiles Machtmittel eingesetzt werden.49

In den gleichen Kontext gehört das „persönlich bedeutsame Lernen“. Dies bedeutet in der Gestaltpraxis lediglich, daß Lerninhalte auf die persönliche Befindlichkeit dessen, der lernen soll, bezogen und so „affektiv aufgeladen“ werden. - Dies aber ist der de facto - „Königsweg“ aller Manipulationsmöglichkeiten über das Gefühl.50

Ebenfalls hierher gehört der Begriff „personales Wissen“. Da es für die Gestaltideologie keine allgemeingültige Wahrheit und Realität gibt, sich vielmehr jeder seine eigene Welt erschafft, kann er auch sein sog. „Wissen“ selbst konstruieren, das dann als „personales Wissen“ bezeichnet wird, in Wirklichkeit aber nur aus der eigenen Phantasie und Einbildung besteht. Damit wird nicht nur jeder Kultur und Wissenschaft, sondern auch jedem Konsens als Grundlage des demokratischen Staatswesens der Boden entzogen.51

d) die dem Lehrer zugedachte Rolle

Die Schule soll verschwinden, nicht nur als Gebäude, sondern auch als Institution. Der Lehrer soll selbst zu ihrer Zerschlagung beitragen, einmal indem er sich am Schüler orientiert, nicht umgekehrt, zum andern durch Aggressivität gegenüber den Schülern, die umgekehrt Aggressivität provoziert. Zur Demontage der Lehrerrolle dienen „Körperübungen“ im Unterricht, die z.B. im tabulosen „Abtasten“ des ganzen Körpers von Lehrern und Schülern bestehen. Dies verletzt nicht nur die Scham aller Beteiligten, zerstört angemessene Hemmungen und notwendige Distanz, es führt auch zur Gefühlsverrohung und zu völlig falscher Auffassung darüber, was man seinen Mitmenschen zumuten darf und was nicht. Letztlich demontiert es die Autorität des Lehrers, der zudem zwiespältig agiert. Einerseits initiiert er autoritär solche „Spielchen“, andererseits verspielt er so seine echte Autorität. Bildung und Wissen sucht man hier vergebens.52 - Letzten Endes sind in der Gestaltpädagogik Schüler wie Lehrer ständig nur mit der eigenen Befindlichkeit beschäftigt. Dies ist der auf diese Weise angeblich initiierte „Selbstfindungsprozeß“. Gefühle und Aggressionen sollen ausgelebt werden, die jeweils andere Seite, der Mensch gegenüber, ist ohne Belang, nur die eigene psychische Befindlichkeit hat Bedeutung.53

Abschließende Bewertung

Hiermit möchte ich die Darstellung des gestalttherapeutischen „Gruselkabinetts“ beenden, obwohl dessen Repertoire noch lange nicht erschöpft ist. Zu erwähnen bleibt noch, daß diese Psychotechniken inzwischen Eingang gefunden haben in Lehrerausbildung und Fortbildungsseminare aller Art, in Lehrgänge und Supervisionen, deren Erkenntniswert oft gleich Null ist, die sich aber erschöpfen in Rollenspielen, gemeinsamem Hüpfen, Schreien, distanzlosen Körperkontaktspielen, Wahrnehmungsübungen, Tanzen, Daumenkämpfen, Zusammenphantasieren von Geschichten und anderem infantilem Verhalten. „Beleidigungen, Kränkungen, Entwürdigungen sind an der Tagesordnung (...) Konflikte werden geschaffen und verstärkt.“ Es werden sogar Methoden eingeübt, wie z.B. Streit und Mißgunst unter Kollegen gesät werden können. Spiel und Realität gehen ineinander über. Und dies alles mit dem Zwang zum Feedback, so daß es unmöglich gemacht wird, sich gegen ehr- und persönlichkeitsverletzende Angriffe zu wehren.

Zu erwähnen bleibt auch noch, daß derart „ausgebildete“ Junglehrer ein starkes Elitebewußtsein eingeimpft bekommen und daher die erfahrenen Kollegen und ihre Methoden verachten. Um letztere dann „auf Linie“ zu bringen, verfolgt man sie nicht selten, bis sie glauben, nichts zu können, um sie dann durch einen gestalttherapeutischen „Supervisor“ - angeblich freiwillig - „umpolen“ zu lassen.54

Zum Ausmaß dieser Entwicklung eine unverdächtige Stimme, denn: „Der beschriebene Bildungsabbau ist weltweit zu beobachten. Ausmaß und Folgen durchschauen allerdings noch wenige in Europa. Eine der wenigen Ausnahmen ist Juan Francisco Fuentes“. Er ist Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte an der Universität Madrid. Er schreibt bereits 1991: „Ein Gespenst geht durch die am meisten fortgeschrittenen Länder der Welt: Die Ignoranz. Sie ist das Ergebnis einer Art Verschwörung: Dummheit gegen Intelligenz. Eine seltsame Mischung von Technologie und Borniertheit provoziert eine bildungsmäßige Abrüstung in weiten Bevölkerungskreisen, die dazu verurteilt sind, zu wehrlosen Geiseln der herrschenden Macht zu werden. ... Weiter ist nach Fuentes die moderne Pädagogik durch den Verzicht auf Regeln, die das Vorhaben beim Lernen leiten sollen, gekennzeichnet. ‘(...) der Irrglaube, daß ein solches Beherrschen für den Schüler eine übermäßige Anstrengung sei und daß ein solches Lernen überflüssig, ja geradezu schädlich ist für den Zugang zu einem bestimmten Wissen.’(... Er sagt ...) Es ist mein Eindruck, daß in der Folge einer solchen Auffassung ein Minimum an Grundkenntnissen fehlt ... Was nützt die schönste Form, wenn kein Inhalt vorhanden ist! Es ist logisch, daß die dahinterstehenden Kräfte in der Gesellschaft die Verbreitung eines solchen Erziehungsmodells begünstigen, das (...) genau ihrem Zweck dient, nämlich der Heranbildung einer künftigen Gesellschaft von unwissenden Staatsbürgern.’“.55

Aus dem Gesagten, der Analyse der gegenwärtigen Situation mit ihren Hintergründen und Wurzeln, ist der gegenwärtige Werteverfall, die immer wieder beklagte Abnahme der Grundkenntnisse, die Zunahme der oberflächlichen „Spaß-Gesellschaft“ sowie der Verlust aufbauender Kultur erklärlich und verständlich. Es wird damit - wie ich meine - deutlich, daß sich diese Entwicklung nicht aus sich selbst allein erklärt, sondern daß sich „Väter“ und Steuerungsmechanismen festmachen lassen.

Zurück zu den Wurzeln!

Was könnte nun der Gegenentwurf, das „Gegenmittel“ sein?

Zunächst sicher eine Rückbesinnung auf das, was Schule vor allem kann und soll: nämlich unter Berücksichtigung gesicherter anthropologischer und lerntheoretischer Erkenntnisse systematisch Wissen vermitteln, das den Aufbau kognitiver Strukturen ermöglicht und erleichtert, beim Einfachen beginnend mit größtmöglicher Klarheit und Objektivität. Die Schule sollte nicht länger als „psychologischer Reparaturbetrieb der Nation“ zum Ausgleich familiärer und gesellschaftlicher Defizite betrachtet werden, sondern als Ort eben dieser Wissensvermittlung, die allein Voraussetzung echter Mündigkeit als unabhängiger Urteilsfähigkeit ist, so der Pädagoge Derbolav.

Schule sollte außerdem bevorzugter Ort der lebendigen Vermittlung gemeinschaftsfördernder und -erhaltender Werte sein durch die Art des Umgangs miteinander in der Schul- und Klassengemeinschaft. Diese Werte sind nicht beliebig austauschbar und relativ, sondern faßbar in den unveräußerlichen Rechten jedes Menschen und in der Pflicht, diese auch beim Nebenmenschen zu achten.

An erster Stelle steht hier die Notwendigkeit eigener gründlicher Information, über die theoretischen und ideologischen Hintergründe dieser Entwicklungen. Eltern sollten auf Wahrnehmung ihrer Elternrechte pochen, was aber bereits ein hohes Maß an Informiertheit voraussetzt. Lehrer, die - oft gegen massive Widerstände - versuchen, im Unterricht strukturiertes Wissen und konstruktive Werthaltungen zu vermitteln, sollten deutlich und - wenn nötig öffentlich - gestützt werden. Bei den zuvor beschriebenen und anderen neu eingeführten Strukturen und Unterrichtsformen sollten die Lehrer mit den Eltern ihrer Schüler im Gespräch bleiben und darauf achten, ob bei diesen Formen etwas Positives für Kenntnisstand und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Schüler „herausschaut“. Bei deutlich negativen Auswirkungen sollten sie auf diese Formen verzichten. Schließlich ist nicht alles, was sich neu und „modern“ geriert, deshalb schon immer das Bessere, wie schon Montaigne wußte.

1Standort Schule. Bd.1. vgl. S.71

2vgl. und Zitate ebd. s. 73

3vgl. und Zitate ebd. S. 74

4vgl. dazu: Siegfried Thiel, Lehr- und Lernziele, Otto Maier Verlag Ravensburg, 1975, 4.Aufl.

außerdem: Hilbert L. Meyer, Trainingsprogramm zur Lernzielanalyse, FischerTb 1974

5vgl. dazu: Rolf Winkeler, Schulformen und Schulorganisation, Otto Maier Verlag, Ravensburg 1973

6vgl. Schulreform Bd.I. S.291

7vgl. ebd.S.292

8vgl. und Zitate ebd. S.296

9vgl. und Zitate ebd. S.297

10vgl. ebd

11vgl. ebd. S. 336f

12vgl. ebd. S. 342

13vgl. ebd. S. 354

14vgl. dazu: Engelbert Groß, Aspekte des Lernens. Dimensionen der Pädagogik Bd.9, Bagel Verlag Düsseldorf 1978, S.123

15vgl. Standort Schule. Bd.1. S.185

16Standort Schule, Bd.II, Unterrichtsmethoden als Mittel der Veränderung, S.214

17vgl. und Zitate: Schulreform BdI, S. 205

18vgl. ebd.

19vgl. ebd. S.206

20vgl. und Zitate ebd. S. 207

21vgl. und Zitate ebd. S. 208

22vgl. und Zitate ebd. S. 209f

23vgl. und Zitate ebd. S. 210

24vgl. ebd. S. 217

25ebd. S. 190

26vgl. ebd. S. 223

27vgl. ebd. S. 228f

28vgl. ebd. S. 191

29vgl. Tausch/Tausch, Erziehungspsychologie, Göttingen 1979, 9.Aufl. S. 9 und S. 337

30vgl. und Zitate ebd. S. 255f

31 vgl. zu diesem Abschnitt: Studienbrief V/I, Grundlagen des Religionsunterrichtes des Deutschen Institutes für Fernstudien an der Universität Tübingen, S. 43ff bzw. Gestaltung des RU in der Sekundarstufe I, Studienbrief V/5, Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen 1981, S. 30, S.93 ff

32vgl. und Zitate: Standort Schule. Schul"reform". Die heimliche Abschaffung der Schule. Bd.II, Unterrichtsmethoden als Mittel der Veränderung, S.47ff

33vgl. ebd. S. 101ff

34vgl. ebd. S.108f

35vgl. und Zitate ebd. S. 124 bis 128

36vgl. ebd. S. 136

37vgl. ebd. S. 135

38vgl. ebd. Ss. 134 bis 144

39vgl. und Zitate ebd. S. 148 bis 150f

40vgl. ebd. S. 145

41vgl. ebd. 153f

42vgl. und Zitate ebd. Ss. 155 bis 161

43vgl. ebd. S. 162ff

44vgl. und Zitate ebd. S. 165ff

45vgl. S. 169

46vgl. ebd. S. 175f

47vgl. ebd. S. 180f

48vgl. ebd. S. 181

49vgl. Schulreform, Bd.I, S. 242f

50vgl. ebd. S. 243ff

51vgl. ebd. S. 245

52vgl. ebd. S. 259f

53vgl. ebd. S. 263f

54vgl. ebd. Ss. 267 bis 272

55Fuentes, zitiert nach Standort Schule, Bd.II, S. 52f

© Gertrud Dörner, 2008

Zur Rolle der derzeitigen Frauenverbände

In der katholischen Kirche wird die "Frauenfrage" immer virulenter. Noch nie in der Geschichte gab es einen derart breiten und von der veröffentlichten Meinung unterstützten "Aufstand der Frauen" gegen die Amtsträger und die bisherige geistliche Lehre und Praxis, zudem von nicht wenigen dieser Amtsträger wenn nicht unterstützt, so doch zumindest toleriert. "Ich will nicht dienen!" ist der Schlachtruf. "Frau" sei es leid, stets nur die untersten Positionen in der Kirche einzunehemen, sich nur mit Putztuch, Staubsauger oder als Küchenfee für die Grundbedürfnisse der "Männerkirche" verschleißen zu lassen, ohne Teilhabe an Amt, Würden und Verantwortung, ohne Möglichkeit der Mitbestimmung. Massiv werde "frau" auf diese Weise unterbewertet, in ihrem Wesen und ihren Fähigkeiten mißachtet. Die Kirche sei erheblich hinter der Zeit und unserer Gesellschaft zurück, habe erheblichen Nachholbedarf! Überall sei "frau" auf dem Vormarsch - nur die Kirche, letzter Hort eines überholten Patriarchalismus, habe dies alles noch nicht verstanden und schließe "frau" vom Wesentlichen aus.

Käme solche Kritik von außen, von Feinden der Kirche, würde sie niemand wundern. Aber dem ist nicht so: unisono ertönt diese Melodie aus den Grundsatzprogrammen und Publikationen der katholischen Frauenverbände. Diesen Verbänden, genannt seien hier nur die herausragendsten: der Katholische deutsche Frauenbund und die Katholische Frauen- und müttergemeinschaft, war es einmal Hauptanliegen, Frauen durch ihren Glauben zu ihrer aufopferungsvollen Tätigkeit in Familie und Beruf zu rüsten, sie durch den Zusammenschluß zu stärken. Frausein hieß in erster Linie Nachfolge Marias, deren Leben alle Formen und Phasen weiblicher Existenz umfaßt, Urbild der "Mutter Kirche" und von herausragend symbolhafter Bedeutung. Reste dieser ursprünglichen Ausrichtung finden sich noch als Firniß an der Oberfläche, etwa im "Gebet der katholischen Frauengemeinschaft", in dem Maria "Schirmherrin" genannt wird, - "frau" hat offenbar noch nicht gemerkt, was sie da sagt! - dies gibt dem Ganzen noch einen "katholischen" Anstrich. Schaut man aber genauer hin, so sieht man folgendes: Aus den katholischen Frauenverbänden sind Kampfverbände geworden, die religiös verbrämt die Frauen auffordern, "sich zum Sprachrohr ihrer Anliegen in Kirche und Gesellschaft zu machen", so die "Impulse 1987 zum Orientierungs- und Arbeitsprogramm 1979" der "Katholischen Frauen- und müttergemeinschaft Deutschlands (kfd)", Herausgeber kfd-Zentralverband, S. 3. Ziel soll es sein, die "Entwicklung der Gesellschaft zu fördern", die "Kirche mitzugestalten" durch "Befreiung aus einem überholten Rollenverständnis" (vgl. ebda). Zu diesem Zweck wird alles, wirklich alles, was sich der politische Feminismus auf die Fahnen geschrieben hat, in die Verbandsarbeit geholt, angefangen von Selbstfindung und -verwirklichung,, über "Dialogfähigkeit", Konfliktbearbeitung und -bewältigung bis zu "Gewalt gegen Frauen" und "Frauensolidarität", zu Drogen und Prostitution. Nichts bleibt "draußen vor", kein Problem ungenannt - die kfd als die eigentliche "Frauen-Partei" mit massiv politischem Anspruch.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: es steht nicht in Frage, daß Frauen sich wie alle in unserer Gesellschaft an der Stelle, an der sie stehen, zugunsten ihrer Mitmenschen engagieren. Die eigentliche Frage ist die nach den Zielen dieser "Übernahmen", denn aufgepfropft auf diese Übernahmen aus dem politischen Feminismus, redet "frau" in der kfd Veränderungen in der Familie, der Ehe das Wort - nach dem "Referat" der katholischen Eheauffassung, wohl damit's nicht so auffällt, vorsichtig umschrieben. Man solle "die Augen vor den Lebens- und Beziehungskrisen nicht ... verschließen und mit den Betroffenen ... nach neuen Wegen suchen, wie auf der Grundlage des Evangeliums in unserer Zeit Ehe und Familie gelebt werden kann" (ebda S. 7). Weiter: die kfd wisse "um die Suche junger Menschen nach neuen Wegen er Lebensgestaltung", sie nehme "das Bemühen junger Menschen um Beziehungsentwicklung und -pflege ernst, sie sei "Dialogpartnerin", was im Klartext heißt, man akzeptiert offiziell Ehescheidung und eheähnliche Lebensgemeinschaften. Kritikern wird von vornherein der Wind aus den Segeln genommen. Ihr Verhalten sei lediglich bestimmt von "Abwehr" und "Unsicherheit". Sie seien "von Angst bestimmt, Gewohntes und Vertrautes aufgeben zumüssen", also psychisch defizient und unselbständig. Man müsse eben über dies alles reden, besonders "mit Priestern". Die kfd nennt dies den "Weg zur Partnerschaft".

Wirklich brisant wird es aber, wenn kfd ihre Vorstellung von "frau" in der Kirche entwickelt. "Frau "soll nicht nur ihre "weiblichen Glaubenserfahrungen" einbringen, sie soll sich "weiblicher Spiritualität", feministischer Theologie und "theologischer Frauenforschung" weit öffnen, indem sie die Bibel "mit den Augen einer Frau liest", ihre "eigenen Ausdrucksweisen und Formen des Glaubens entfaltet" und diese nicht nur "ins Gemeindeleben", sondern "besonders in die Gottesdienste" einbringt.

Jeder, der sich mit feministischer Theologie beschäftigt hat, weiß, daß hier auf dem Schleichweg die sog. "feministische" oder "Frauenliturgie" in die Kirche eingeführt werden soll, jene letztlich unsägliche Ausrichtung von "Liturgie" auf alle Stadien weiblichen Lebens, einschließlich Menstruation und Menopause, und ihre Umpolung des Gottesbildes zur "Großen Mutter-Göttin". In diesen Kontext gehört auch die Forderung nach Teilhabe der Frauen an der Verkündigung, nach ihrer Zulassung "zu allen Diensten der Kirche", natürlich zunächst des Weihediakonates, der Vorstufe zum Priestertum, dann aber auch die Forderung, daß "die Diskussion um das Priestertum der Frau weitergeht" und natürlich nach der "Predigterlaubnis fürLaien" (vgl. ebda S. 12).

Fast ist es schon überflüssig zu erwähnen, daß man anstrebt, "wiederverheiratet Geschiedene" zu den Sakramenten zuzulassen, daß man Ökumene - letztlich die aller Religionen, also Sykretismus - unterstützt und fördert, ebenso die Zusammenarbeit "mit Frauengruppen und Gemeinden in der Kirche anderer Länder und Kontinente" (vgl. ebda S. 13f.). Überflüssig ist es auch, auf den weiteren "Rundumschlag" über die "Zukunft der Gesellschaft" einzugehen, auf "weltweite Verantwortung und Sicherung des Friedens", und dies alles in "Dialogbereitschaft". Das "Papier" zeigt, wo es mangelt: vom Glauben selbst, dem Leben aus und nach ihm, vom Einfluß des gelebten Glaubens auf die nachfolgende Generation in Einheit mit Lehre und Praxis der Kirche, für den gerade wir Frauen in Verantwortung stehen, ist keine Rede. Statt dessen: "weltlicher" und "religiöser" Feminismus in explosiver Mischung, "Sprengstoff" für die Kirche.

Die aktuelle Lage:

Auf dem "Internationalen theologischen Fachkongreß" mit dem Titel "Diakonat - ein Amt für Frauen in der Kirche - ein frauengerechtes Amt?", 1.-4. April 1997 in Stuttgart, forderten die Teilnehmer massiv und harsch die dutschen Bischöfe auf, von Rom ein "Indult", also die kirchliche Erlaubnis zu erwirken, um "Frauen zu Diakoninnen in ihren Diözesen ordinieren", also weihen zu können als Mitglieder des Klerus. Die diesbezügliche Weigerung und Argumentation Roms sei endgültig als "sozio-kulturell bedingte, heute aber als theologisch nicht mehr verantwortbare ... entlarvt". Die Kirche müsse heute "um der Glaubwürdigkeit ihrer Heilssendung willen den Ausschluß der Frauen vom Diakonat aufheben. So setzt sie in ihrer Ämterstruktur ein notwendiges Zeichen für ein erlöstes Miteinander von Frauen und Männern". Um dies zu erreichen sollten die "Teilnehmerinnen und Teilnehmer" des Kongresses u.a. folgendes: "die katholischen Frauenverbände und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken" bitten, "ihren Einsatz zugunsten des Diakonats der Frau fortzusetzen und zu intensivieren". Sie bitten "das Netzwerk Diakonat der Frau, sich auf nationaler Ebene für die Koordination aller Kräfte für den Diakonat der Frau einzusetzen"; "das internationale Diakonatszentrum, Frauengruppen und Initiativen für den Diakonat der Frau auf internationaler Ebene zu vernetzen" usw.

Veranstaltet wurde dieser "Fachkongreß" von "der Katholisch-theologischen Fakultät der Eberhard Kalrs-Universität Tübingen, der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, dem Katholischen Deutschen Frauenbund, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und der Frauenkommission der Diözese Rottenburg-Stuttgart". Der Beschluß liegt dem Landesdelegiertentag des Katholischen Deutschen Frauenbundes Bayern, der am 18./19.6.1997 stattfindet, unter Top 8 zur Beschlußfassung vor.

Wenn es noch einen Beweis brauchte, wie "Pressure Groups" sich innerhalb der Kirche gegen eindeutige lehramtliche Entscheidungen, gegen den Papst und die ihm treu verbundenen Bischöfe mit "Graswurzeltechnik" durchzusetzen versuchen, so liegt er hier auf der Hand.

Die katholischen Frauenverbände haben den "con - sensus fidei" verlassen, sie bauen nicht mehr auf, sie reißen ein. Dabei dienen den "Führerinnen" ihre Positionen inerhalb der großen Traditionsverbände als Legitimation, die oft durchaus noch katholisch-gläubige Basis als Machtvehikel zu mißbrauchen. Es ist an der Zeit, über neue, dann wirklich katholische Frauenverbände nachzudenken.

© Gertrud Dörner, 1997

Modernismus aus katholischer Sicht

Vortrag in Eichstätt am 21.03.2011

(Vortragsfassung) DOWNLOAD ALS PDF

Der Ausdruck „Modernismus“ ist heute nicht mehr so geläufig. Der damit bezeichnete Sachverhalt bezeichnet eine Richtung in der Theologie zunächst des 19. JH. Er gilt deshalb den Heutigen als überholt, nicht mehr aktuell. Schaut man jedoch genau hin, so kann man mit bedeutenden Vertretern von Philosophie und Geisteswissenschaft sagen: „Gegen die ansteckende Seuche des gegenwärtigen Modernismus war der Modernismus zur Zeit Pius X. nur ein Heuschnupfen.“ (Jaques Maritain)

Was also ist „Modernismus“? Woher nimmt er seine geistigen Grundlagen, welche Bereiche sind von ihm betroffen? Welche Auswirkungen hat er, wie und wo zeigt er sich?

Um diese Fragen beantworten zu können, soll der Papst befragt werden, der in seiner Zeit den Kampf dagegen aufgenommen, ihn aber letztlich nicht gewonnen hat, sondern die „allgemeine Ansteckung“ nur hinauszögern konnte: Pius X.

In seiner Enzyklika „Pascendi Dominici Gregis“ (Die Herde des Herrn zu weiden …) kennzeichnet der Papst die geistige Herkunft und die Grundlinien des modernistischen Lehrgebäudes und beschreibt dessen Auswirkungen innerhalb der Kirche. Dass er auch Anweisungen gibt, wie diese Richtung einzudämmen und zu beseitigen ist, versteht sich von selbst, wird aber nicht Thema meines Vortrags sein. Ich werde in meinen Ausführungen i.w. dieser Enzyklika folgen.

Geistige Hintergründe:

Der Modernismus ist nicht zu verstehen ohne die Philosophie der Aufklärung und des daraus folgenden „Humanismus“, besser „Hominismus“. Diese philosophische Richtung setzte die menschliche Alltags-Vernunft auf den Platz Gottes und beschloss in vielen der aus ihr abgeleiteten -ismen wie Sensualismus, Rationalismus, Relativismus und letztlich auch Agnostizismus, dass Gott nicht unabhängig vom Menschen existiert, er also nicht „transzendent“ ist, sondern dass es von der Erkenntnis und den Möglichkeiten des Menschen abhinge, ob es Gott gäbe oder nicht. Gott ist für diese Richtung nichts über der Welt oder außerhalb von ihr, sondern wird – wie Feuerbach es extrem formuliert – lediglich vom menschlichen Denken bzw. Bewußtsein geschaffen.

In Verbindung mit diesen Gedankenansätzen entwickelte sich eine Naturwissenschaft, die nur das als wissenschaftlich gelten ließ und bis heute läßt, was der materiellen Welt und ihren Gesetzen entnommen werden kann, und außerdem der biologische Evolutionismus, der dann jedoch als universales Grundprinzip auf sämtliche anderen Bereiche übertragen wurde, wie z.B. auch auf die Geschichte, die Philosophie, die Moral bzw. Ethik, den Staat oder die Gesellschaft, die Justiz usw. Dies alles verband man mit dem Glauben, jeder Fortschritt sei mit einer zeitgebundenen Entwicklung unlösbar verbunden. Schlagwortartig zusammengefaßt heißt das: Alles Spätere ist besser und höher stehend als das Vorherige. Oder: der Weg geht immer vom Primitiven zum Höheren und Besseren.

Bereits hier kann man erkennen, wie sehr diese Gedankenansätze uns heute zur Gewohnheit und zum Allgemeingut geworden sind.

Zur Enzyklika1

Der Papst kennzeichnet in seiner Enzyklika Pascendi zunächst den Aufbau seines Lehrschreibens. Er will die Modernisten darstellen in ihren theologischen Funktionen als Fach-Theologen und als Gläubige, als Exegeten, also Erforscher der heiligen Schriften, als Historiker, als Apologeten, die eigentlich die Lehre der Kirche argumentativ verteidigen sollen, und als Reformatoren, was sich auf ihre Funktion als Veränderer der Kirche bezieht. Zunächst aber kennzeichnet der Papst als Grundlage des gesamten Modernismus dessen Philosophie.

Philosophische Grundlagen

Philosophische Grundlage des gesamten Modernismus ist der aus der Aufklärung stammende „Agnostizismus“. Diese philosophische Richtung behauptet, dass Gott für uns Menschen unerkennbar sei. Alles, was wir erkennen könnten, stamme aus unseren Sinnen (Sensualismus) und sei beschränkt auf äußere Phänomene, also die materielle Welt. Aus der materiellen Welt sei die Existenz Gottes daher nicht zu erschließen. Wissenschaft, und hier wird ausschließlich die Naturwissenschaft als solche betrachtet, könne deshalb über Gott nichts aussagen. Gott könne daher auch nicht Gegenstand der/dieser Wissenschaft sein. Entsprechend ist es dann unmöglich, dass es eine Selbstoffenbarung Gottes gibt oder etwas Geschichtliches über ihn ausgesagt wird. Weder für die Wissenschaft noch für die Geschichte wird Gott als Thema zugelassen. Dies zu tun, sei das längst überholte „System des Intellektualismus“. Nur vor diesem Hintergrund ist die Ablehnung der sog. „Gottesbeweise“ durch Kant zu verstehen.

Aus diesem philosophischen Ansatz ergibt sich für die Modernisten, dass es keine „natürliche Theologie“ gibt, da diese die Existenz und viele der Eigenschaften Gottes aus seiner Schöpfung erschließt. Aber auch die gesamte Offenbarung, einschließlich der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus mit allen geschichtlichen Ereignissen seines Lebens, sind unmittelbar davon betroffen und müssten von den Modernisten eigentlich, wenn sie ehrlich wären, geleugnet werden. Aber das tun sie nicht.

Weil zumindest damals die offene Leugnung praktisch aller Glaubensinhalte den Ausschluß aus Ämtern und Kirche bedeutet hätte, führen die Modernisten zum Erhalt eines Anscheins ihres Glaubens zwei neue Begriffe ein: den der „vitalen Immanenz Gottes“ und den der „göttlichen Permanenz“.

Vitale Immanenz:

Obwohl Gott ja angeblich unerkennbar ist, gibt es bei allen Menschen aller Kulturen und Zeiten das Phänomen der Religion, das ja eine Ursache haben muß. Diese Ursache sehen die Modernisten in der sog. „vitalen Immanenz Gottes“. Die Religion folgt demnach aus einem Bedürfnis oder Antrieb des Menschen, der aus seinem Gefühl kommt. Dieses „Gefühl“ aber ist etwas völlig Unbestimmtes, es bleibt im „Unterbewußtsein“ und hat dies als eine Wurzel, die wir nicht fassen können. Verursacht ist dieses Gefühl durch die Erkenntnis der menschlichen Grenzen, so dass die Vorstellung eines „Gottes“ zu einem Bedürfnis wird. Die Schlußfolgerung ist entsprechend, dass ein „Glaube“ den Beginn und die Grundlage einer jeden Religion darstellt, der als Grundlage ein tiefes innerliches Gefühl und Bedürfnis nach dem Göttlichen hat. Wodurch hier das Gefühl zur Realität wird und plötzlich beide zur Einheit werden, bleibt offen und unerfindlich.

Im Klartext bedeutet dies: der Mensch erschafft sich Gott mit seinem Gefühl durch sein Unterbewußtsein selbst. Dies nennen die Modernisten dann den „Glauben“ und ziehen daraus weitere schwerwiegende Schlüsse: Sie setzen diesen „Glauben“ mit einer Offenbarung gleich, so dass auf diese Weise jede Religion zugleich natürlich ist als Produkt des Bewußtseins und übernatürlich wird als so verstandene „Offenbarung“, Bewußtsein und Offenbarung werden damit identisch. Hieraus schlußfolgern sie dann, dass das „religiöse Bewußtsein“, damit also das Gefühl als Offenbarung, die alles bestimmende Norm ist, der sich letztlich auch das katholische kirchliche Lehramt unterzuordnen hat.

Bereits hier sind heute allgemein verbreitete Vorstellungen erkennbar: Gott und seine Offenbarung sind nicht objektiv gegeben, jeder muß nur das annehmen, was seinem Bewußtsein, seinem Denken entspringt und zusagt, die Kirche und ihre Lehre haben sich dem allgemeinen „Fühlen“ anzupassen, ein Gottesdienst ist z.B. nur dann gelungen, wenn er sehr emotional ist usw. Aber es wird noch deutlicher.

Um dem philosophisch vorgegebenen Agnostizismus gerecht zu werden, entzieht man geschichtlichen Ereignissen und Personen alles, was über unsere Alltagserfahrungen hinausgeht.

Besondere Ereignisse oder historische Gestalten, die sich als Kristallisationspunkte dieses oben beschriebenen religiösen Gefühls anbieten, verändert man in diesem Sinn und entzieht ihnen alles, was über unsere derzeitigen Erkenntnisse ihrer Zeit und ihres Wohnortes hinausgeht, denn der „Glaube“ habe Personen und Ereignisse glorifiziert und über Menschliches hinaus erhöht. Als typisches Beispiel für die Regeln dieses Verfahrens, das sich als „historisch-kritisch“ bezeichnet, nennt der Papst die Person Jesu Christi: Aufgrund dieser selbstgemachten Regeln behaupten die Modernisten, dass die Wissenschaft und die Geschichte in der Person Christi nichts anderes als einen Menschen erblicken kann. Deshalb lautet die erste Regel, die der Agnostizismus diktiert, alles an Jesus zu streichen, was nach Göttlichem aussieht. Da nach einer zweiten agnostischen Regel der Glaube die Person Christi verklärt hat, muß auch alles, was an ihr über die uns bekannten geschichtlichen Verhältnisse hinausgeht, entfernt werden. Nach der dritten agnostischen Regel hat man nicht nur Zeit und geschichtliche Umstände, sondern auch die Person Christi selbst glorifizierend entstellt. Das bedeutet, dass alles, was an Jesu Reden und Taten, seinem Charakter, seinem Stand, seiner Erziehung und an dem örtlichen und zeitlichen Milieu, wie es die Evangelien schildern und was nach Meinung der Modernisten nicht stimmt, als unecht in Abrede gestellt wird. Dass uns das alles aber so überliefert ist, muß, modernistisch betrachtet, demnach ein Ergebnis mehr oder weniger lange dauernder Entwicklung sein. Von daher ist es den Modernisten unmöglich, die Überlieferung der Evangelien aus der Zeit der Apostel zu akzeptieren, weil damit die Zeit zu solcher ausformenden „Entwicklung“ fehlt. „Spätdatierung“ ist für sie die einzige Möglichkeit.

Diese Grundsätze gelten aber prinzipiell auch für alle anderen Religionen.

Aus diesem Gedankenansatz ergibt sich neben der Evolution als Enstehungsprinzip sämtlicher Religionen auch deren Gleichwertigkeit. Eine Selbstoffenbarung Gottes ist von daher unmöglich, von seiner Menschwerdung in Christus gar nicht zu reden. Die Frage nach der objektiven Wahrheit ist völlig ausgeklammert. Sie wird rein psychologisch subjektiv gesehen. Wenn Religion aus dem subjektiven Gefühl kommt, hat schließlich jeder „seine Wahrheit“, für unsere Zeit inzwischen ein Topos. Bereits damals beklagt der Papst: „Tatsächlich bekennen sich dazu in aller Öffentlichkeit auch Katholiken, sogar manche Priester, die mit solchem Wahnsinn die Kirche erneuern wollen. … Man behauptet, unsere heilige Religion sei, im Menschen Christus und in gleicher Weise auch in uns, aus unserer eigenen Natur und ohne fremde Unterstützung geboren. Es ist nicht möglich, noch gründlicher mit der gesamten übernatürlichen Ordnung aufzuräumen.“2

Vernunft und Dogma

Da bis hierher nur das Gefühl eine Rolle spielte, fehlt noch, gut aufklärungsgemäß, die alles bestimmende menschliche Vernunft in diesem System. Deshalb geben die Modernisten ihr eine besonders wichtige Rolle. Da das religiöse Gefühl ja vage ist und unklar bleibt, wird es von der „denkenden und analysierenden Vernunft“ sozusagen „ausgearbeitet“, und zwar zu daraus abgeleiteten satzhaften Gedankenkonstruktionen, die in ausgefeilter Form dann angeblich vom kirchlichen Lehramt zum „Dogma“ erhoben werden.

Und hiermit erreichen wir das eigentliche Ziel und Thema des Modernismus: das Dogma. Dessen Entstehung ist, modernistisch gesehen, also Ergebnis des denkerisch durchgestalteten religiösen Gefühls. Für den Gläubigen stellen die Dogmen nicht die verbindlichen Grundaussagen der geoffenbarten Wahrheit dar, sondern sind reine Hilfsmittel für das Gefühl. Sie sind für den darauf fußenden Glauben nur unzulängliche Zeichen für seinen Inhalt undreine Symbole. Es trifft also in keiner Weise zu, dass sie die absolute Wahrheit enthalten, denn die Symbole sind nur die Bilder der Wahrheit und müssen sich deshalb dem religiösen Gefühl des Menschen anpassen. Die Relativierung der heute modernistisch so genannten „satzhaften Wahrheit“ und das Verlangen, sie dem jeweiligen religiösen Gefühlszustand – möglichst der Mehrheit der so genannten Gläubigen – anzupassen, hat hier seine Wurzel, ebenso die Bedeutung der sog. „Dogmengeschichte“. Diese ist für die Modernisten lediglich ein Mittel, den katholischen Dogmen durch die Darstellung ihres historischen Werdeganges ihren Wahrheitsgehalt abzusprechen oder ihn zumindest zu relativieren. Ferner folgt daraus, dass es als notwendig verlangt wird, Dogmen zu entwickeln und zu verändern. Dies wird von den Modernisten nicht nur hartnäckig gefordert, es stellt die logische Folge ihrer Ansichten dar. Der Papst sagt: „Diese blinden Führer haben im Taumel ihrer hochmütigen Arroganz ... sogar die ewig wahren Begriffe von Wahrheit und Religion verändert. Begründet auf ein neues System und in wilder, zügelloser Jagd nach Neuem vergessen sie, die Wahrheit an der Stelle zu suchen, wo sich ihre sichere Stätte befindet. Die heiligen, apostolischen Überlieferungen werden verachtet und dafür andere, eitle, nichtige und ungewisse Lehren eingesetzt … In ihrer Verblendung vertreten sie die Meinung, daß sie selbst die Wahrheit stützen und halten können.“3

Bedeutung der „Erfahrung“

Wir alle kennen das dauernde Gerede von der Gotteserfahrung, die angeblich der oder jener gemacht hat oder die wir ja alle unbedingt machen sollen oder sogar müssen, um zu glauben. Hierzu sollen uns die unterschiedlichsten fernöstlichen Meditations- und sonstigen psychologischen Techniken verhelfen. Dieser Gedanke hat hier im Modernismus seine Wurzeln und bietet die Grundlage für den Einbruch fernöstlicher und esoterischer Religionsbräuche in unsere kirchliche Praxis und Bildungsarbeit.

Zieht man nämlich aus dem bisher Dargestellten den logischen Schluß, so wird aus „Gott“ ein Konstrukt unseres Gefühls mit Hilfe unserer vernunftgeleiteten Verstandesarbeit, dem die Realität fehlt; mit anderen Worten: Gott gibt es nicht. Um aber trotzdem nicht zu Recht des Atheismus' verdächtigt zu werden, behauptet der Modernismus im Widerspruch zu seinen gedanklichen Voraussetzungen, dass Gott trotzdem existiere. Fragt man nun, wie das denn logisch zu begründen sei, so stützt er sich „auf die eigene Erfahrung“. Die Modernisten sagen nämlich: Im religiösen Gefühl liege eine Art „Intuition des Herzens“. Hiermit könnte man unmittelbar die Realität Gottes selbst erfassen. Dies reiche aus, um dadurch zu einer Überzeugung von Gottes Dasein und seinem Wirken innerhalb und außerhalb des Menschen zu gelangen, wie sie keine Wissenschaft geben könne. Diese Erfahrung sei aber abhängig von der richtigen moralischen Verfassung. Erst der, der diese Erfahrung erlebt hat, wird im eigentlichen und wahren Sinn zum Gläubigen.

Das heißt übersetzt: der Glaube ist kein Geschenk der Gnade Gottes, sondern der Mensch erwirbt ihn – gut pelagianisch – duch ein moralisch gutes Leben, wodurch er „Gott“ selbst erfahren kann, also Selbsterlösung par excellence.

Daraus ergibt sich, dass nach dieser modernistischen Lehre, verbunden mit dem Symbolismus, jede so entstandene Religion als wahr anzuerkennen ist. Irrtümer kann es eigentlich nicht geben, denn alle Religionen beruhen auf dem religiösen Gefühl und mehr oder weniger klugen Vernunftschlüssen und Verstandesformeln. Für ihren Wahrheitsgehalt ist es völlig ausreichend, wenn die „Verstandesformel dem religiösen Gefühl und dem gläubigen Menschen zusagt.“4 Hier ist die Wurzel des gegenwärtig überall zu erlebenden und angestrebten Synkretismus, der Gleichmacherei und Vermischung aller Religionen.

Angewandt auf die Bedeutung der Tradition der katholischen Kirche, heißt das: diese sei eine Art Mitteilung der ursprünglichen Erfahrung durch die Predigt, vermittelt durch Formeln, die der Verstand entwickelt habe. Bewirkt sie bei den Zuhörern eine Wieder- oder Neubelebung ihres religiösen Gefühls, so beweist sie dadurch ihre Lebendigkeit, was den Modernisten als Beweis der Wahrheit gilt. Wenn nicht, dann ist sie logischerweise unwahr und muß zwecks Anpassung an das Gefühl geändert werden. Dass dies für sämtliche Religionen zutreffen kann, liegt auf der Hand.

Verhältnis Glaube-Wissenschaft

Auf der Basis dieses philosophischen Ansatzes entfällt nun jeder Widerspruch zwischen Glaube und Wissenschaft. Da die (Natur-)Wissenschaft sich nur mit den Erscheinungsformen der materiellen Welt beschäftigt, kommt Gott und alles, was ihn betrifft, dort nicht vor. Einen Widerspruch kann es also nicht geben. Alles aber, was ihn betrifft, vor allem aber auch, was Natur, Leben und Taten Jesu angeht, die geschichtlich dem Diesseitigen zugehören, werden aufgrund der obigen agnostischen Gedankenansätze davon getrennt und nur dem „Glauben“ zugeordnet. So ist es den Modernisten als geschickten Dialektikern (s. Hegel!) möglich, wenn sie aus ihrer Position als Agnostiker reden, Gott und die Gottheit Jesu und die Wunder seines Lebens zu leugnen. Gleichzeitig aber haben sie kein Problem, weil sie sich auf die obige Art als „Glaubende“ verstehen, dieses alles als tatsächlich wahr zu behaupten. Der Papst sagt: „Wenn der Philosoph zu Philosophen spricht, sagt er nein, weil er Christus nur nach der historischen Realität (so wie er sie versteht; d.V.) betrachtet. Der Gläubige im Umgang mit den Gläubigen sagt ja“5, der katholische Glaube ist wahr. Dass nicht beides wahr sein kann, ist logisch.

Aufschlussreich und leider fortdauernd gültig ist die Charakteristik der Tätigkeit der Modernisten durch den heiligen Papst: „Manche Ausführungen in ihren Büchern könnte ein Katholik vollständig unterschreiben. Wenn man jedoch das Blatt wendet, könnte man meinen, ein Rationalist führe die Feder. Schreiben sie Geschichte, ist von der Gottheit Christi nicht die Rede. Steigen sie jedoch auf die Kanzel, dann bekennen sie dieselbe ohne Bedenken. Schreiben sie Geschichte, dann gelten für sie die Konzilien und Väter gar nichts. Dahingegen werden in der Katechese beide wieder mit Ehrfurcht zitiert.“ Die Modernisten sagen: „Wir haben einen Weg gefunden, die Autorität der Konzilien zu vernichten, ihren Verhandlungen frei zu widersprechen, ihre Dekrete zu beurteilen und zuversichtlich alles auszusprechen, was wahr scheint, mag es auch von irgendeinem Konzil gebilligt oder mißbilligt worden sein. Ihre Verachtung gegen katholische Verordnungen, gegen die heiligen Väter, die ökumenischen Konzilien und das kirchliche Lehramt tragen sie offen zur Schau. Stellt man sie zur Rede, dann nimmt man ihnen die Freiheit. … Sie behaupten, die Kirche würde sich hartnäckig weigern, ihre Dogmen den Ansichten der Philosophie zu unterwerfen und anzupassen. Nachdem sie mit der alten Theologie aufgeräumt haben, machen sie sich ans Werk, eine neue einzuführen, die ihren philosophischen Träumereien zu willen ist.“6

Die Theologie der Modernisten

Wie schon dargestellt, ist die zuvor beschriebene falsche Philosophie Grundlage der modernistischen Theologie. Grundlegend sind hierfür die bereits erwähnten Begriffe Immanenz und Symbolismus.

Wie sich aus dem Zusammenspiel dieser beiden Begriffe eine Theologie konstruieren lässt, zeigt der Papst wie folgt:

„Der Philosoph sagt ihm (dem Modernisten; d.V): Das Prinzip des Glaubens ist immanent (ist also Bewußtsein und Gefühl des Menschen; d.V.). Der Gläubige fügt hinzu: Dieses Prinzip ist Gott. Der Theologe (als Zusammenfassung beider; d.V.) schließt mit der Folgerung: Also ist Gott im Menschen immanent. Daher die theologische Immanenz. Ferner steht für den Philosophen fest, daß die Vorstellung des Glaubensobjektes (also Gottes; d.V) nur symbolisch ist. In der gleichen Weise steht für den Gläubigen fest, daß das Glaubensobjekt Gott ist, wie er in sich ist. Daraus folgert der Theologe: Die Vorstellungen von der Realität Gottes sind symbolisch. Daher der theologische Symbolismus.“ Daher ist alles, was den Inhalt des Glaubens aussagt, also die „ satzhaften Formeln“, symbolisch zu verstehen, ein Hilfsmittel, das dem Gläubigen helfen soll, „zur absoluten Wahrheit zu gelangen“. Diese ist also noch nicht bekannt, sondern muß erst noch gefunden werden. - Dabei müssen die Modernisten allerdings Rücksicht nehmen auf die Akzeptanz der Dogmen durch die Allgemeinheit. Deshalb müssen sie den nötigen Respekt vor diesen Formeln wahren, weil sie für das allgemeine religiöse Bewußtsein als geeigneter Ausdruck akzeptiert sind, so lange wenigstens, bis die Lehramtsautorität etwas anderes bestimmt

Wie die Modernisten sich die Immanenz genau vorstellen, ist schwer zu beschreiben. Einige suchen sie darin, dass Gott mit seinem Wirken dem Menschen innerlich nahe ist, näher als der Mensch sich selbst. Katholisch richtig verstanden, ist daran natürlich nichts auszusetzen. Andere finden die Immanenz Gottes darin, dass sich Gottes Wirken mit dem Wirken der Natur vereinigt. Dadurch wäre aber jede übernatürliche Ordnung vollständig aufgehoben. Wieder andere erklären sie auf eine Weise, die man nur noch als pantheistische Auffassung bezeichnen kann.7

Göttliche Permanenz

Ergänzend tritt zur Immanenz, wie zuvor schon erwähnt, der Gedanke der göttlichen Permanenz. Das Verhältnis beider ist vergleichbar dem zwischen eigener Erfahrung und weitergegebener, überlieferter Erfahrung.

Angewendet auf die Kirche und ihre Sakramente bedeutet das: Zu denken, dass die Kirche und ihre Sakramente von Christus selbst herrühren, verbietet der modernistische Agnostizimus. „Dieser sieht in Christus nur den Menschen, dessen religiöses Bewußtsein sich wie bei den übrigen Menschen erst allmählich gebildet hat.“ Ebenso steht dagegen die Immanenz des religiösen Bewußtseins mit der dafür notwendigen Entwicklung, für die es Zeit und auslösende Bedingungen braucht, sowie die Geschichte, die auf diese Leit-Prinzipien hin untersucht und ausgelegt wird.

Aber trotzdem und im Widerspruch zu ihren gedanklichen Ansätzen können die Modernisten an der „unmittelbaren Stiftung der Kirche und der Sakramente durch Christus festhalten“, weil sie Folgendes behaupten: Christi Bewußtsein (seiner Gottheit?) habe sich erst aus einem Keim entwickelt. Vergleichbar soll das christliche Gesamtbewußtsein bereits im Bewußtsein Christi enthalten gewesen sein wie die Pflanze im Samen. „Wie nun die Keime das Leben des Samens ausleben, so hat man sich auch das Leben der gesamten Christenheit als ein Ausleben des Lebens Christi zu denken. Nach dem Glauben ist das Leben Christi göttlich, somit auch das Leben der Christenheit. Wenn dieses Leben daher im Laufe der Zeiten die Kirche und ihre Sakramente entstehen ließ, so kann man mit vollem Recht ihren Ursprung Christus zuschreiben und ihn göttlich nennen. Auf dieselbe Weise sind ihnen auch die Heilige Schrift und die Dogmen göttlich. Damit ist die modernistische Theologie so ziemlich erschöpft. Ein sehr dürftiger Hausrat...“8

Modernismus und Kirche

Diese modernistischen Voraussetzungen haben aber grundlegende Auswirkungen auf deren Vorstellungen von der Kirche, vom Dogma, dem religiösen Kult/Liturgie in allen Formen und den heiligen Schriften. Wie schon dargelegt, entsteht das Dogma angeblich zunächst aus der gedanklichen Klärung des religiösen Gefühls und seiner Festlegung in Formeln. Das bedeutet aber nicht, dass damit endgültig irgendetwas dauerhaft feststeht, vielmehr muß das Dogma durch diese Gedankenarbeit den immer wieder wechselnden Umständen angepasst werden. Wird aus diesen „sekundäre Formeln“ genannten Sätzen am Ende ein organisch gefügtes Lehrgebäude, das dann vom katholischen Lehramt bestätigt wird, dann erst nennen die Modernisten dies ein „Dogma“.

Hiervon zu unterscheiden ist die Tätigkeit jener Theologen, die selbst an solchem Dogma keinen Anteil haben, aber dieses mit der naturwissenschaftlich verstandenen „Wissenschaft“ in Einklang bringen oder ein neues „Dogma“ obiger Art vorbereiten. Dies setzt jede Art von Beliebigkeit hinsichtlich Zahl und Inhalt von „Dogmen“ voraus.

Besonders wichtig ist die modernistische Anschauung vom religiösen Kult, also der Liturgie, und von ihrer Sakramentenlehre. Entgegen der Lehre der Kirche haben Sakramente in sich selbst für Modernisten keinerlei Wirkung; sie sind nur symbolische Zeichen, die religiöse Gefühle sinnlich umkleiden. Ihre Wirkung besteht nur darin, bestimmte religiöse Gefühle hervorzurufen. Dies nennt man dann „den Glauben nähren“. Dieser Gedanke, der aus der Reformation kommt, wurde bereits vom Konzil von Trient als falsch verurteilt.9 Er ist aber heute gängig in vielen Bereichen der Sakramentenkatechese und in der Symbolkatechese (H. Halbfas) als Methode des Religionsunterrichtes.

Was die heiligen Schriften angeht, sagen die Modernisten, dass man sie sehr gut als eine Sammlung von außergewöhnlichen und besonderen Erfahrungen definieren könne. Es macht diese Erfahrungen zwar nicht jeder und alle Tage, aber sie kämen in allen Religionen vor. Historiker und Apokalyptiker mit ihren außermateriellen Erfahrungen können die Modernisten nur deshalb zu diesen Erfahrungen dazurechnen, weil dieser „Gott des Gefühls und des Bewußtseins“ in seiner Immanenz durch die Gläubigen redet, und darüber hinaus - durch die weitergereichte Erfahrung - in seiner göttlichen Permanenz, nicht aber als die der Schöpfung gegenüberstehende transzendente Person. Die Inspiration der Schrift deuten sie als einen besonders starken Drang eines Gläubigen, seine Erfahrungen, jetzt „Glauben“ genannt, in Wort und Schrift auszusprechen, vergleichbar dem Schaffensdrang von Künstlern. Damit bleiben die heiligen Schriften letztlich vollständig Menschenwerk, von der Inspiration im katholischen Sinn bleibt nichts übrig.

Modernismus und Kirche

Besonders aufschlussreich sind die Vorstellungen der Modernisten über die Kirche, ihre Entstehung und ihre Bedeutung, und auch hier befinden wir uns komplett „im Hier und Jetzt“.

Die Entstehung der Kirche führen sie zurück auf einen doppelten Drang. Zuerst auf einen Drang, der sich angeblich in jedem Gläubigen regt, wenn er eine ursprüngliche und besondere Erfahrung gemacht hat, weil er sie unbedingt anderen gern mitteilen möchte. Wenn dieser Mensch dann diesen Glauben allgemein verbreitet hat, regt sich plötzlich auch bei allen anderen, die dies glauben, das „Bedürfnis nach Kollektivität“. Dies führt dann zur Bildung einer Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe macht, dieses Gemeinsame zu schützen, zu vermehren und zu verbreiten.

So kann man sagen: Die Kirche ist also die Frucht des Kollektivbewußtseins oder der Verbindung des Bewußtseins der einzelnen, also der vitalen Immanenz Gottes, die durch die vitale Permanenz Gottes auf einen ersten Glaubenden zurückgeht. Im Klartext: Einer hat etwas erfahren, andere davon überzeugt, und man hat daraufhin das Bedürfnis, einen Verein zu gründen.

Für den Katholiken ist dieser erste natürlich Christus. Ferner benötigt jede Gemeinschaft eine Leitung durch eine Autorität, die die verbindenden Momente sorgsam pflegt, also einen Vereinsvorstand. Bei einer religiösen Vereinigung sind das die Lehre und der Kult. Damit ist die überlieferte Geschichte der Kirche, dass nämlich sie selbst und ihre Autorität von außen und von Gott selbst stammt, außer Kraft gesetzt. Die Kirche und ihre Autorität entspringen bei den Modernisten dem allgemeinen religiösen Bewußtsein, dem sie sich unterzuordnen haben, sonst wird die gesamte Konstruktion angeblich zur Tyrannei. Diesem Ansatz entsprechend muß sich die Kirche wandeln mit Hilfe demokratischer Strukturen und Verhaltensweisen, da sie sonst angeblich untergeht, weil anderes dem Freiheitswillen der Menschen nicht entspräche.10

Wie gegenwärtig und „modern“ diese Gedanken sind, muß ebenfalls nicht eigens dargelegt werden.

Kirche und Staat im Modernismus

So wie durch die dem Modernismus zugrunde liegende agnostische Philosophie Glauben und Wissenschaft getrennt werden, so als Folge des zuvor beschriebenen Ansatzes nun auch Kirche und Staat . Während es aber im ersten Fall um Glauben und Wissen ging, geht es jetzt um den Zweck von Staat und Kirche. Die Modernisten sagen, hierbei verfolge die Kirche einen geistlichen, der Staat einen weltlichen Zweck. Da jeder Katholik auch Staatsbürger ist, wird ihm von den Modernisten abverlangt, dass er vorrangig das Weltliche des Staates vertritt und fördert, ohne dabei auf kirchliche Moralvorschriften und Mahnungen Rücksicht zu nehmen. Moralische Forderungen der Kirche werden als „Missbrauch kirchlicher Gewalt“ angeprangert und von den Gläubigen wird verlangt, dass sie sich der Kirche „mit aller Entschiedenheit widersetzen, wenn sie dem Bürger unter irgendeinem Vorwand sein Verhalten vorschreiben will.“ Beide Anschauungen sind bereits von Papst Pius IX, dem Vorgänger des heiligen Papstes Pius X., 1864 klar verworfen und verurteilt worden.11 Wie gegenwärtig diese Fragestellung ist, sieht man an der Diskussion um PID, Abtreibung, Euthanasie usw., und wie sehr sich politische Vertreter an dieser Maxime „erst die staatlichen Forderungen, dann die Moral“ orientieren ist auch täglich zu beobachten.

Auswirkungen

Aus diesen Anschauungen ergibt sich die Unterwerfung des Glaubens unter die Wissenschaft und die der Kirche unter den Staat. Dies bezieht sich als erstes auf die Disziplinargewalt der Kirche, zum anderen aber auch auf ihre dogmatische und Lehrgewalt mit besonders gravierenden Auswirkungen. Hierzu sagen die Modernisten: „Eine religiöse Gemeinschaft kann unmöglich zu einer rechten Einheit gelangen, wenn das Bewußtsein der Mitglieder und die dazu angewendete Formel nicht einheitlich sind.“ Hieraus leitet man ab, dass beides durch eine Autorität in Übereinstimmung gebracht werden muß. Das kirchliche Lehramt sei die Vereinigung, die die passende Formel finden müsse. Es allein habe die Macht, diese vorzuschreiben. Beides zusammen bezeichnen die Modernisten als das Wesen des kirchlichen Lehramtes. Das Lehramt wächst demnach letztlich aus dem Bewußtsein eines jeden einzelnen. „Darum ist es notwendigerweise vom Bewußtsein der einzelnen abhängig und auf gemeinverständliche Formeln angewiesen. Es wäre also ein reiner Mißbrauch der anvertrauten Gewalt … wenn das Bewußtsein der einzelnen daran gehindert werden sollte … das Dogma den notwendigen Entwicklungen entgegenzuführen.“12

Das bedeutet, dass das Lehramt alles entsprechend „dem allgemeinen Bewußtsein“ zu ändern und sich diesem anzupassen hat. Die Einheit der Kirche wird nicht durch den Heiligen Geist im gemeinsamen wahren Glauben bewirkt. Es gilt weder die Wahrheit Gottes, noch gelten Gottes Gebote, alles ist relativ und damit frei verfügbar.

Entwicklung als Prinzip und Ursprung aller Religionen

Der Modernismus hat als allgemeinen Grundsatz: „In einer Religion, die lebt, ist alles veränderlich – darum muß es sich ändern.“ So wird die Entwicklung, der Evolutionismus, zur Quintessenz ihrer gesamten Lehre. „Dogma, Kirche, religiöser Kult, alle Bücher, die wir als heilige verehren, sogar der Glaube selbst, müssen – wenn wir sie nicht alle für abgestorben erklären wollen – unter den Gesetzen der Entwicklung stehen.“ Dieser Ansatz ist der Kernpunkt des gesamten modernistischen Gedankengebäudes. Für den Glauben gilt demnach, dass „die Urform des Glaubens ... roh (war) und bei allen Menschen gleich, da er aus der Natur und dem Leben des Menschen selbst hervorging.“13Das „religiöse Gefühl“ sei dann immer mehr „zum Bewußtsein durchgedrungen“ und habe sich durch Äußeres wie Familie und Stamm und durch die stetig steigende intellektuelle und moralische Kultur des Menschen zu einem vollen und klareren Gottesbegriff und dem entsprechenden reineren Gefühl entwickelt.14 Außerdem habe es einige außerordentliche Männer gegeben, „Propheten genannt“, die diese Entwicklung befördert hätten. Christus sei der Größte von ihnen gewesen. Warum gerade er, dafür fehlt jede Begründung. Diese Propheten hätten etwas Mysteriöses, Ungewöhnliches und Besonderes an sich gehabt und über „besondere Erfahrungen“ verfügt, „die dem besonderen religiösen Bedürfnis ihrer Zeit entsprachen.“

Für die Weiterentwicklung des Dogmas gelte, dies geschehe dann, wenn es „Glaubensschwierigkeiten zu überwinden“ gelte, „Feinde zu besiegen und Widersprüche abzuweisen. Dazu komme noch ein beständiger Trieb, den Inhalt der Glaubensgeheimnisse tiefer zu durchdringen.“ So sei es mit Christus geschehen. „Was der Glaube an Ihm als Göttliches wahrnahm, ist langsam und allmählich so gewachsen, daß man Ihn schließlich für Gott hielt.“15

Gesteuert wird diese Entwicklung von zwei sich widerstreitenden Prinzipien, dem Fortschritt und dem Konservatismus. Besonders letzterer sei durch die Tradition in der Kirche stark vertreten und fuße auf der religiösen Autorität, also der Hierarchie, dem Lehramt. Der Fortschritt dagegen verbinde sich mit den im Gegensatz dazu „im Leben stehenden Laien“. Diese bewirkten „Fortschritt und Veränderung“ im „Kollektivbewußtsein“ und zwängen die Autorität, „Kompromisse zu schließen“.

Natürlich fehlte es nicht an Versuchen der innerkirchlich Verantwortlichen, diesen Anschauungen zu wehren, aber im Prinzip ohne durchgreifende Ergebnisse. Der Papst beschreibt die Haltung der Modernisten, die Erfolg verhindert. Denn erlebten die Modernisten für ihre Anschauungen Tadel und Strafe, so ertrugen sie sie, jedoch ohne Einsicht, aber auch ohne Auflehnung - was heute nicht mehr zutrifft - denn sie sind von dem, was sie lehren, überzeugt und rechnen damit, dass ihre Anschauungen auf die Dauer von allen angenommen werden, denn die „Gesetze der Entwicklung“ seien nicht aufzuhalten. Der Papst sagt: „Eine gekünstelte Ergebenheit muß ihre unglaubliche Verwegenheit decken. Sie beugen sich zwar dem Schein nach, Hand und Herz sind jedoch um so entschlossener bei dem begonnenen Werk.“ Sie glauben, „daß die Autorität zwar aufgerüttelt, jedoch nicht vernichtet werden muß. Auf der anderen Seite sind sie der Ansicht, ihr Platz wäre innerhalb der Kirche und würde dort auch bleiben, um allmählich das allgemeine Bewußtsein umzustimmen. … Nach Ansicht der Modernisten und dank ihrer Tätigkeit darf es also … nichts Unveränderliches in der Kirche geben.“ Heute lautet die Antwort der verschiedensten Modernisten: Wir lassen uns unser Katholischsein nicht absprechen.

Alle diese modernistischen Lehren sind bereits von Pius IX. in seinem Syllabus verurteilt worden.16 Das I. Vatikanum 1870-71 sagt hierzu: „Die Glaubenslehre, wie sie Gott geoffenbart hat, ist nicht dem menschlichen Geist als eine Erfindung der Philosophie übergeben, die der Mensch mit seinem Verstand weiter ausbilden soll, sondern als göttlicher Schatz der Braut Christi anvertraut, zur treuen Bewahrung und unfehlbaren Erklärung. Deshalb ist auch für die heiligen Dogmen immer der Sinn festzuhalten, den die heilige Mutter, die Kirche, einmal erklärt hat. Niemals darf man unter dem Schein und dem Vorwand eines tieferen Verständnisses davon abweichen.“17

Die Modernisten als Historiker, Kritiker, Reformatoren und Apologeten

Auch die Betrachtung der Geschichte folgt für die Modernisten aus ihrem philosophischen Gedankenansatz. Da sie Agnostiker sind, sind Welt und Gott, wie schon gesagt, zwei völlig verschiedene Bereiche. Göttliches oder ein Eingreifen Gottes in die Welt kann es demnach für sie nicht geben. Letzteres gehöre in den Bereich des „Glaubens“. Wenn sich beides trifft wie in der Person Jesu, entkleidet man Person oder Sache von allem Übernatürlichen und läßt nur das rein Menschliche übrig. So entsteht z.B. die Fiktion von einem Christus der Geschichte und einem Christus des Glaubens. Ebenso ergeht es der Kirche, den Sakramenten usw., die ebenfalls in dieser doppelten Funktion gesehen werden. Weiter wird alles, wie schon angedeutet, aus der historischen Überlieferung ausgeschieden, was über unsere Alltagserfahrung und die uns bekannten Umstände des Lebens und der jeweiligen historischen Zeit hinausgeht, dazu alles, wovon man meint, dass es die Zuhörer nicht hätten verstehen können oder was nach der Meinung der Exegeten nicht logisch zu sein scheint. Der Papst: „Man versucht, sich in die Rolle Christi selbst hineinzudenken und sie gleichsam durchzuspielen. Was man selbst unter den gleichen Umständen getan hätte, überträgt man ohne Ausnahme auf Christus. Schließlich behaupten sie (die Modernisten; d.V.)… in ihrer sogenannten wirklichen Geschichte, daß Christus nicht Gott ist und auch durchaus nichts Göttliches getan hat. Als Mensch hat er jedoch das getan und gesagt, was sie ihm zu tun und zu sagen erlauben, wenn sie sich in seine Zeiten zurückversetzen.“18

Dieser geschichtsphilosophische Ansatz wird nun zur Grundlage der Beurteilung der Zuverlässigkeit von AT und NT als historischer Quellen. Alles also, was auch nur den Schein des Außergewöhnlichen trägt, wird entsprechend zum Produkt des Glaubens-Bewußtseins erklärt, ebenso alles, was unserer gewöhnlichen Alltagserfahrung und unseren derzeitigen Kenntnissen der historischen Hintergründe nicht entspricht. Der Rest allein wird als „geschichtlich“ anerkannt und als sog. „wirkliche“ Geschichte der „Geschichte des Glaubens“ gegenübergestellt.19 Daher gibt es „einen doppelten Christus – einen wirklichen und einen anderen, der in Wirklichkeit nie existiert hat, sondern dem Glauben angehört. Der eine hat an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit gelebt. Der andere ist nur in den frommen Erwägungen des Glaubens zu finden. Ein solcher ist zum Beispiel Christus, der im Evangelium nach Johannes dargestellt wird. Dieses Evangelium ist nach ihrer Ansicht nichts weiter, als eine fromme Betrachtung.“20 - was dann erklärt, warum Johannes im Gegensatz zu den Synoptikern bei den Exegeten unbeliebt ist und praktisch nicht vorkommt.

Ferner sei jedes Dogma aus einem Bedürfnis einer bestimmten Zeit entstanden. Entsprechend wird die Geschichte nach solchen Bedürfnissen untersucht und eingeteilt, wobei noch zwischen Ursprung und Entwicklung dieses Bedürfnisses unterschieden wird. Die Zuordnung ist also nicht die nach den überlieferten Fakten, sondern nach einer zuvor festgelegten zeitlichen und „bedürfnisgerechten“. Folge. „Hierauf kommt der Philosoph von neuem an die Reihe. Er (der Modernist; d.V.) trägt dem Historiker auf, seine Studien so einzurichten, wie es die (selbst erfundenen; d.V.) Vorschriften und Gesetze der Entwicklung verlangen. Der Historiker macht sich also nochmals an die Untersuchung der Quellen. Mit Sorgfalt durchforscht er alle Umstände und Verhältnisse, in denen sich die Kirche in den verschiedenen Zeiten befunden hat, sowie die Wirkung ihres Konservatismus, die inneren und äußeren Bedürfnisse, die zum Fortschritt drängen, die Hindernisse, die sich entgegenstellen – mit einem Wort, er durchforscht alles, was in irgendeiner Weise dazu beitragen könnte, um festzustellen, wie sich die Gesetze der Entwicklung bewährt haben. Jetzt endlich entwirft er sozusagen die äußeren Umrisse der Entwicklungsgeschichte. … Nun geht es an die Redaktion und bald ist die Geschichte fertig. … Alles wird a priori entschieden … Wenn sie aber dann der Kirche vorwerfen, sie würde die Quellen durcheinander werfen und so herrichten, daß sie ihr dienlich sind, fordern sie doch den Unwillen heraus. Dadurch dichten sie der Kirche an, was ihnen ihr Gewissen selbst laut vorwirft.“21

Aus dieser Art, die tatsächlich überlieferte Geschichte auf das Prokrustes-Bett der zuvor festgelegten philosophischen Bedingungen zu spannen, ergeben sich schwerwiegende Konsequenzen. Grundsätzlich schließen die Modernisten daraus, dass die in der Geschichte überlieferten Verfassernamen der heiligen Texte nicht stimmen können, weil sie mit dem Geschichtsschema der Modernisten eben nicht zusammenpassen. Ferner behaupten sie, dass sich alle Schriften der Bibel aus ganz kleinen Anfängen entwickelt hätten bis zu den umfangreichen Formen, die uns heute vorliegen. Dies alles soll auf der Grundlage des modernistisch verstandenen „Glaubens“ geschehen sein, also des individuellen religiösen Bewußtseins, und diesem zeitlich folgend. Entsprechend schreibt man dann die Geschichte der heiligen Schriften um und neu, und dies mit einer Scheinsicherheit, als ob man selbst dabei gewesen wäre und alles besser wüsste als die Zeitgenossen. Um die so gewonnenen Ergebnisse abzusichern, erfindet man eine entsprechende „Textkritik“, mit deren Hilfe man „nachweist“, dass Reihenfolge und Inhalte der überlieferten Texte entweder falsch sind oder anders geordnet und verstanden werden müssten. Das alles geschieht mit einer derartigen Arroganz und Selbstsicherheit, dass man meinen könnte, wie der Papst sagt, die Modernisten seien die ersten Gelehrten, die die Bibel erforscht hätten und sie richtig verstünden. Sie vergessen dabei, sagt er, dass die heiligen Schriften von jeher Gegenstand der Forschung besonders auch heiliger Gelehrter und Kirchenlehrer gewesen sind, die sich niemals über sie erhoben oder etwas an ihnen zu tadeln hatten, sondern durch ihre Studien sie umso höher schätzten als Rede und Offenbarung Gottes an die Menschen.22

Faßt man die Einschätzung des Papstes zusammen, so ergibt sich für diese Art der Exegese: sie ist agnostisch, immanentistisch und evolutionistisch. Sie entspringt willkürlich gesetzten philosophischen Vorgaben, widerspricht damit bereits im Ansatz der geoffenbarten katholischen Lehre und ist daher mit ihr nicht kompatibel. Zum besseren Verständnis der Lehre der Kirche trägt sie nicht nur nichts bei, sondern ist voller Irrtümer.

Obwohl dies so ist und jeder das erkennen könnte, wenn er sich von den zugrunde liegenden philosophischen Vorurteilen befreien würde, findet diese Richtung bei den Katholiken großen Anklang und steht in großem Ansehen, sagt der Papst. Die Gründe dafür beschreibt der Papst wie folgt: „Zunächst finden wir die innige Verbindung, in der die Historiker und Kritiker dieser Art über alle Schranken der Nationalität und Religion hinweg miteinander stehen. Dann finden wir die Aufdringlichkeit, mit der sie einstimmig alle als einen Fortschritt der Wissenschaft ausposaunen, was irgendeiner von ihnen an die Öffentlichkeit bringt. Kritisiert einer alleine eine derartig ungeheuerliche Neuerung, dann sieht er sich einer geschlossenen Schar gegenüber. Leugnet er sie, dann ist er ein Ignorant. Nimmt er sie an und tritt dafür ein, kann er sich ihrer Anerkennung sicher sein. Viele werden getäuscht, die sich bei genauerem Hinsehen entsetzt abwenden würden. Die übermächtige Vorherrschaft des Irrtums und der vorschnelle Beifall oberflächlicher Geister haben jedoch sozusagen eine verdorbene Atmosphäre geschaffen, die überall eindringt und die Seuche verbreitet.“

Verhältnis zu den anderen Religionen

Aus diesen Gedankenansätzen der Modernisten ergeben sich neue Beziehungen zur Tatsache, dass es überhaupt Religion beim Menschen gibt, und zu den anderen Religionen.

Zunächst verlangt der Modernismus, dass Streitfragen zwischen Religionen nicht mehr aufgrund des Vergleichs ihrer Lehren und Schriften gelöst werden, sondern mit Hilfe historischer und psychologischer Untersuchungen, die sich aber an den von den Modernisten vorgegeben Regeln orientieren. Das bedeutet: nicht die faktischen Inhalte der Religionen und deren Geschichte dienen als Beleg, sondern die nach dem obigen Muster „zubereitete“ Geschichte, nur die sei „wahr“. Diese Denkweise ist auch die der Rationalisten, die denn auch diese Argumentation anerkennen.

Will man nun seitens der Modernisten einen „Ungläubigen“ auf dieser Grundlage zum Glauben bringen, so geht dies nur über die sog. „Erfahrung“, wie die Modernisten sie verstehen. Hierzu kennen sie einen objektiven und einen subjektiven Weg. Der objektive versucht auf der Grundlage des Agnostizimus zu zeigen, dass in der katholischen Religion eine „vitale Kraft“ liege, die es ihr ermöglicht hat, aus dem „Keim“, der in Jesus Christus angeblich angelegt war, im Laufe der Geschichte durch Entfaltung und äußere Umstände das zu schaffen, was heute Kirche ist. Konkret sieht das so aus: „Christus verkündete die Ankunft des Gottesreiches, welches in naher Zukunft errichtet werden sollte, worüber er sich allerdings täuschte. Sich selbst verkündete er als dessen künftigen Messias, also als gottgesandten Stifter und Organisator. Hierauf muß dem Adepten gezeigt werden, wie sich dieser Keim allmählich, stets immanent und permanent in der katholischen Religion, in der Geschichte entwickelt und den jeweiligen Umständen angepaßt hat. Dies geschah dadurch, daß der Keim sich aus der Geschichte alle doktrinären, kultischen und kirchlichen Formen, die ihm dienen konnten, vital aneignete und daneben alle Hindernisse, die sich in den Weg stellten, überwand, die Gegner niederwarf und alle Verfolgungen und Kämpfe überdauerte. Und weil dies alles als Erklärung eben doch nicht ausreicht, nimmt man willkürlich noch etwas irgendwie Numinoses, „Unbekanntes“ hinzu,23 was man aber nicht näher erläutert.

Aber damit nicht genug: seitens dieser Modernisten behauptet man Irrtümer und Widersprüche im Dogma und insgesamt in den heiligen Schriften, und zwar historische und wissenschaftliche. Dies stört die Modernisten aber nicht, sondern freut sie sogar, denn es handle sich in diesen Schriften ausschließlich um „Religion und Moral“. Der Inhalt der Schriften diene zwecks besserer Vermittlung an das Volk nur zu deren Hülle. Zudem hätten diese religiösen Schriften aus ungenannten Gründen ihr „Leben in sich“, und weil alles Leben wahr sei, seien auch diese Schriften wahr. Denn alles, was sich lebendig entwickelt, sei „wahr und recht“. - Der Papst schlußfolgert: „Für Uns würde das nichts anderes bedeuten, als Gott selbst aus Rücksicht auf Interesse und Nutzen lügen zu lassen. Dann müßten Wir mit Augustinus sagen: Läßt man einmal bei dieser höchsten Autorität eine kleine politische Lüge zu, dann wird von diesen Büchern kein Stück mehr bleiben, das man nicht, wenn es dem einen oder anderen schwer zu beobachten und schwer zu glauben scheint, nach derselben schlimmen Regel mit einer Absicht oder Rücksicht des trügerischen Verfassers erklären könnte. Dann muß es soweit kommen, wie der heilige Lehrer sagt: jeder wird von ihnen (den heiligen Schriften) glauben, was er will, und nicht glauben, was er nicht will.“ -

wie man an bestimmten Vertretern heutiger Theologie mehr als deutlich sehen kann.

Weissagungen lassen die Modernisten als argumentative Grundlage nicht gelten. Aufgrund ihres agnostischen Weltbildes kann es sie nicht geben. Auch Jesus selbst habe sich geirrt, z.B. hinsichtlich der Ankunftszeit des Gottesreiches. Aber dies alles stünde unter den „Gesetzen des Lebens“, die ließen solche Widersprüche zu. Dies alles sei auch nicht gegen die „symbolische Wahrheit“ der Lehre der Kirche, der auch die Dogmen zugehörten, weil sie in sich „unendlich viele Wahrheiten“ hätten. Diese nennen die Modernisten das „Unendliche“, das nicht besser geehrt werden könnte als Widersprüchliches von ihm auszusagen. 24 Damit ist jeder Wahrheitsanspruch endgültig aufgegeben und die Lüge/Täuschung zum Prinzip erhoben.

Um einen Menschen durch „subjektive Beweise“ zum Glauben zu bringen, greifen die Modernisten dann auf die Immanenz zurück. Sie behaupten, „daß in ihm selbst, den tiefsten Tiefen seiner Natur … das Bedürfnis nach einer Art Religion verborgen liegt“, und sofern die Modernisten sich als katholisch ausgeben wollen, behaupten sie, dass dies auch nur die katholische Religion sein könne, weil sie angeblich von einer „vollkommenen Entwicklung des Lebens gefordert“ würde, sozusagen als Forderung der Natur. Radikalere Vertreter dieser Richtung behaupten jedoch, dass der Keim, der in Christus wirksam war, letztlich in jedem Menschen wirksam sei.

Zusammenfassung

Faßt man dies alles zusammen, so bleibt im Grunde kein Teil der katholischen Lehre und Kirche davon unberührt. Alles ist, wie der Papst sagt, von der „schrankenlosen und brennenden Neuerungssucht“ dieser Theologen betroffen. Als Konsequenz fordern diese sog. Theologen: den Ausschluß der scholastischen Philosophie thomistischer Natur aus den Priesterseminaren, also der Priester- und Theologenausbildung, und deren Ersatz durch zeitgeistige Philosophien, wie Karl Rahner das als Prinzip seiner Theologie in die Tat umgesetzt hat. Statt einer fundierten Dogmatik soll ihre modernistische „Dogmengeschichte“ gelehrt werden und eine Kirchengeschichte, die nach den von ihnen erstellten Regeln umgeschrieben ist. In der Katechese sollen nur die solcherart „modernisierten Dogmen“ behandelt werden, die man der „Fassungskraft des Volkes angepaßt“ hat, und in der Liturgie soll die Befolgung der äußeren Regeln eingeschränkt werden. Hinsichtlich Kirchendisziplin und Dogmatik hat man sich demokratischen Verhältnissen zu unterwerfen, einschließlich Mitspracherecht der Laien. Die zentrale Leitungsgewalt des Papstes soll dezentralisiert, die Haltung der Kirche in politischen und sozialen Fragen geändert, die Kirchenbehörden in ihren Aufgabenbereichen verändert werden. In die bürgerlichen Verhältnisse soll sich die Kirche nicht einmischen, sondern soll sie durch eigene Anpassung in allen Bereichen „zu durchdringen suchen“. Aktive gesellschaftliche Tätigkeiten von Priestern und Laien sind den geistlichen vorzuziehen. Der Klerus soll zwar „demütig und arm“ sein, aber den modernistischen Ideen folgen. „Es gibt sogar solche, die als gelehrige Schüler der Protestanten wünschen, den Zölibat des Priesters aufzuheben. In der Kirche bleibt nichts übrig, das nicht reformiert werden müßte, und zwar nach ihrem Rezept“25, dem der Modernisten, so der Papst.

Aus all dem ergibt sich, wie der Papst sagt, dass es sich beim Modernismus „nicht um vage und unzusammenhängende Ansichten handelt, sondern um ein einheitliches und geschlossenes System, bei dem sich aus einer einzelnen Annahme notwendigerweise alles weitere ergibt. … Überblickt man nun das ganze System, so werden wir es gewiß als Zusammenfassung aller Häresien bezeichnen dürfen. Hätte sich jemand zur Aufgabe gestellt, die Quintessenz aller Glaubensirrtümer, die es je gegeben hat, zusammenzutragen, so hätte er es nicht besser machen können, als es die Modernisten getan haben. Sie sind sogar weiter gegangen als alle und haben … nicht nur die katholische, sondern die gesamte Religion vollständig vernichtet.“26

Schlussgedanken:

Wie sehr und wie weit all das, was der Papst noch als Gefahr darstellt, heute bereits in der Kirche Alltag geworden ist, liegt auf der Hand. Inzwischen ist der Modernismus zum gängigen Gedankengut der an den Hochschulen gelehrten Theologie geworden und wird mehr oder weniger überall gelehrt. Er ist in die Bildungsarbeit der Kirche eingedrungen und wird inzwischen ergänzt durch andere -ismen wie den Feminismus. Wie dem neuesten Theologen-Memorandum zu entnehmen ist, verlangt man nicht nur wie seit Jahrzehnten schon wieder die Abschaffung des Zölibats und die Einführung des Frauenpriestertums gegen den Willen Christi und das Zeugnis der Urkirche, sondern auch eine direkte Abkehr von den Geboten Gottes durch Anerkennung von Unzucht und ehebrecherischen Verhältnissen und der Homosexualität. Dies sei ein Fortschritt zur Rettung der Kirche. Dass die Gottheit Jesu von bestimmten Theologen offen geleugnet wird, ebenso seine Auferstehung sowie sein Gericht und die Möglichkeit der ewigen Verdammnis, ist uns allen bekannt.

Die Wurzeln dieser Auflösung der kirchlichen Lehre mit allen ihren Folgen liegen hier im Modernismus: in der Sucht, auf der Höhe des Zeitgeistes sein zu wollen, sich angeblich nach dem religiösen Bewußtsein der Zeitgenossen richten zu müssen, im psychologischen Zwang, das Dogma und die Lehre der Kirche der Fassungskraft und den sündhaften Gewohnheiten der Gesellschaft anpassen zu sollen. Wie Bischof Graber in seiner Schrift „Athanasius“ sagt, sei die Situation heute vergleichbar mit der Zeit des Arius. Damals habe die Welt aufgeblickt, und sei arianisch gewesen, einschließlich der Bischöfe mit wenigen Ausnahmen. „Heute blickt die Welt auf, und sieh, sie ist modernistisch.“

Was bleibt? Der Widerstand und die Orientierung am Katechismus und dem Lehramt des Papstes.

1Pius X., Pascendi Dominici Gregis, zitiert nach: http://www.domus-ecclesiae.de/magisterium/pascendi-dominici-gregis. Die folgenden Ausführungen halten sich eng an Inhalt und Aufbau dieser Enzyklika, zum Teil bis in den Wortgebrauch. Fußnoten werden nur zu längeren wörtlichen Zitaten eingefügt.

2Ebd. S. 7

3Ebd. S. 9

4Ebd.

5Ebd. S. 11

6Ebd. S. 13

7Ebd. S.13f

8Vgl. und ebd. S.14f

9Vgl. u. ebd. S.15f

10Vgl. u. ebd. S. 16f

11Vgl. u. ebd. s. 18

12Vgl. u. ebd. S.18f

13Ebd. S. 19

14Vgl. S. 19f

15Vgl. S. 20

16Vgl. S. 21f

17Ebd. S. 22

18Vgl. u. ebd. S. 22 u. 23

19Vgl. ebd.

20Ebd. S. 24

21Ebd. S.25

22Vgl.ebd. S. 25f

23Vgl. ebd. S. 27

24Ebd. S. 28

25Ebd. S. 29f

26Ebd. S. 30

© 2011, Gertrud Dörner

Was geschieht bei unserem Tod ?

Die unsterbliche Seele trennt sich vom Körper, der mit der Zeit zu Staub zerfällt. Die Seele kommt vor das `Besondere Gericht´ Gottes und muss Rechenschaft über sich selbst ablegen. Jesus Christus wird uns richten über das Gute und Böse, das wir im Leben begangen haben, sowie über unsere Gedanken und Unterlassungen (vgl. Hebr 9, 27; Sir 11, 26; Röm 14, 12).

Wohin kommt die Seele nach dem `Besonderen Gericht´ ?

Sie kommt entweder in den Himmel, ins Fegefeuer oder in die Hölle.

Begriffe: Sünde, Sündenschuld, Sündenstrafe

Die Begriffe Sünde, Sündenschuld und Sündenstrafe sind voneinander zu unterscheiden. Die Sünde ist eine Tat, bei sich der Mensch gegen Gottes Gebot vergeht. Eine Sünde zieht eine Sündenschuld und eine ewige und zeitliche Sündenstrafe nach sich. Die Sündenschuld und die ewige Sündenstrafe wird einem in der Beichte vergeben. Für die zeitliche Sündenstrafe muss man eine Buße verrichten: entweder hier auf Erden oder in der Ewigkeit (vgl. Mt 12, 32b)

Welche Seele kommt in den Himmel ?

Direkt in den Himmel kommt die Seele, die frei ist von der Erbsünde sowie von schwerer und leichter persönlicher Sündenschuld und den damit zusammenhängenden Sündenstrafen. Kurz: die Seele, die sich im Stand der heiligmachenden Gnade befindet. Der Himmel ist die unvorstellbar schöne ewige Glückseligkeit bei Gott und allen Engeln und Heiligen.

Welche Seele kommt in das Fegefeuer ?

In das Fegefeuer kommt die Seele, die von der Erbsünde sowie von schwerer persönlicher Sündenschuld frei, aber mit leichter Sündenschuld oder Sündenstrafen behaftet ist. Im Fegefeuer verbringt die Seele eine Zeit der Läuterung und Reinigung, die jeden Rest von Sünde aus ihr tilgt, um sie zur Anschauung Gottes würdig zu machen. Es ist eine Gnade Gottes, dass es das Fegefeuer gibt.

Welche Seele kommt in die Hölle ?

In die Hölle, dem Ort ewiger Qual und Gottesferne, kommt die Seele, die in schwerer persönlicher Sündenschuld gestorben ist, ohne sie im geringsten bereut zu haben. Von schwerer persönlicher Sündenschuld spricht man dann, wenn jemand für seine Sünde verantwortlich ist , indem er mit klarer Einsicht und vollem Willen in wichtiger Sache gegen Gottes Gebot verstoßen hat.

Was erwartet uns am Ende der Welt ?

Am Ende der Welt erwarten uns die Auferstehung des Fleisches und das `Allgemeine Gericht´. Jesus Christus wird an einem Tag, den wir nicht kennen, wieder sichtbar auf diese Erde zurückkehren, um die Lebenden und die Toten zu richten. "Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet." (Mt 25, 32)

Was bedeutet Auferstehung des Fleisches ?

Auferstehung des Fleisches bedeutet, dass sich der Leib des Menschen durch die Kraft Gottes am Ende der Welt wieder zusammensetzen und mit der Seele vereinigen wird. Wie das geschehen wird, ist für uns unbegreiflich. Doch für Gott ist nichts unmöglich. Für die ganze Ewigkeit erhalten die verdammten Seelen einen hässlichen, die geretteten Seelen aber einen wunderschönen verklärten Leib.

Was bedeutet ewiges Leben ?

Ewiges Leben bedeutet, dass sowohl die Belohnung als auch die Bestrafung in alle Ewigkeit fortdauern werden und dass die Anschauung Gottes die wahre Glückseligkeit der Seele sein wird. Währenddessen bedeutet der Verlust der Anschauung Gottes die höchste Unglückseligkeit.

Kann jemand beurteilen, ob ein Verstorbener im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle ist ?

Niemand kann über einen bestimmten Menschen ein sicheres Urteil fällen, ob dieser im Himmel, im Fegefeuer oder in der Hölle ist. Denn keiner außer Gott kann von einem anderen genau wissen, in welchem Seelenzustand jemand gestorben ist. Selbst wenn jemand in schwerer Sünde gestorben ist, weiß doch niemand genau, in welchem Grad der Einsicht und des Willens jene Sünde begangen wurde bzw. ob nicht doch ein innerlicher Akt der Reue geschehen war. Allerdings gibt es Ausnahmen: Nach dem Tod eines getauften Kindes, das noch nicht den Vernunftgebrauch erlangt hat, kommt seine Seele ohne jeden Zweifel in den Himmel. Außerdem sind diejenigen Seelen ganz sicher im Himmel, die ein Papst selig- oder heiliggesprochen hat.

Können wir den Seelen im Fegefeuer helfen und sie sogar daraus befreien ?

Oft leben wir Christen aus der Hoffnung, dass unsere Verstorbenen gerettet und wenigstens im Fegefeuer sind. Wir können den Seelen im Fegefeuer helfen und sie sogar daraus befreien mit  Gebeten, Ablässen und  guten Werken. Sinnvoll ist es auch, am Grab eines Verstorbenen Weihwasser bereitzuhalten oder beim Weihwassernehmen in der Kirche bewusst etwas für die Armen Seelen auf den Boden zu tröpfeln. Die größte Hilfe können wir ihnen jedoch mit dem heiligen Messopfer zuwenden.

Was ist ein Ablass ?

Der Ablass ist Erlass einer zeitlichen Sündenstrafe, die hinsichtlich ihrer Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der Christgläubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet. Der Ablass ist Teilablass oder vollkommener Ablass, je nachdem er von der zeitlichen Sündenstrafe teilweise oder ganz freimacht. Ablässe können den Lebenden und den Verstorbenen fürbittweise zugewendet werden.

Der vollkommene Ablass an Allerseelen

Vollkommene Ablässe an Allerseelen können nur für Verstorbene gewonnen werden:

a) die allgemeinen Bedingungen sind: Beichte, heilige Kommunion und Gebet nach der Meinung des  Heiligen Vaters (Vaterunser und Ave Maria). Diese Bedingungen können erfüllt werden auch mehrere Tage vor oder nach dem Ablasstag. Es muss ausgeschlossen sein jede Anhänglichkeit an eine Sünde, selbst an eine lässliche.

b) die besonderen Bedingungen sind: (1) ein Besuch in einer Kirche oder Kapelle am Allerseelentage, jeweils schon ab Mittag des Vortages, mit Gebet (Vaterunser und Glaubensbekenntnis) (2) Oder ein Friedhofsbesuch und dort Gebet für die Verstorbenen. Dieser Ablass kann an jedem Tag vom 1. bis 8. November gewonnen werden. Man kann nicht mehrere vollkommene Ablässe an einem Tag gewinnen. Eine Beichte reicht aus, mehrere vollkommene Ablässe an verschiedenen Tagen zu gewinnen, nicht aber eine einzige Kommunion und nicht das einmalige Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters.

Der vollkommene Ablass in der Sterbestunde

Wenn in der Sterbestunde oder kurz nach Eintritt des Todes (die Seele trennt sich ja langsam vom Körper) ein Priester geholt wird, wird dieser neben der Spendung der Krankensalbung den vollkommenen Ablass gewähren. Der Priester spricht: "Auf Grund der mir vom Apostolischen Stuhl verliehenen Vollmacht gewähre ich dir vollkommenen Ablass und Vergebung aller Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen."

Die kirchliche Lehre von den Letzten Dingen zum Nachschlagen:

Im `Katechismus der Katholischen Kirche´ ist die `Lehre von den Letzten Dingen´ übersichtlich dargestellt und kann nachgelesen werden unter den Nummern 1020 - 1050.